Torre Pellice

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Torre Pellice
Vorlage:Infobox Gemeinde in Italien/Wartung/Wappen fehltKein Wappen vorhanden.
Torre Pellice (Italien)
Torre Pellice
Staat Italien
Region Piemont
Metropolitanstadt Turin (TO)
Koordinaten 44° 49′ N, 7° 14′ OKoordinaten: 44° 49′ 0″ N, 7° 14′ 0″ O
Höhe 516 m s.l.m.
Fläche 21 km²
Einwohner 4.551 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 217 Einw./km²
Postleitzahl 10066
Vorwahl 0121
ISTAT-Nummer 001275
Volksbezeichnung torresi
Schutzpatron San Martino
Die heutzutage bedeutendste Waldenserkirche von Torre Pellice, der Tempio Nuovo in der Via Beckwith
Die sogenannte Casa Valdese in der Via Beckwith (Foto von 1895), die ehemals das Waldensermuseum beherbergte und heute Sitz der Tavola Valdese ist. Zudem bildet das Gebäude alljährlich den Versammlungsort der Synode.

Torre Pellice (piemontesisch la Tor, okzitanisch la Toure de Pèlis; früher Torre di Luserna) ist eine Kleinstadt und Gemeinde mit 4551 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) in der italienischen Metropolitanstadt Turin (TO), Region Piemont. Torre Pellice war Hauptort der drei historischen Waldensertäler in den Cottischen Alpen (Val Pellice, Val Chisone und Valle Germanasca) und ist bis heute Zentrum der Chiesa Valdese italiana, der (protestantischen) Waldenserkirche Italiens. Am 7. April 2017 wurde Torre Pellice als 96. Stadt offiziell der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.[2][3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt 40 km südwestlich von Turin im unteren Val Pellice – etwa 15 km von der Mündung des Pellice in den Po – auf einer Höhe von 516 m über dem Meeresspiegel. Die Nachbargemeinden sind Angrogna, Villar Pellice, Luserna San Giovanni und Rorà. Die nächste größere Stadt ist Pinerolo.

Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 21 km². Unweit von Torre Pellice gelegen und fast immer von dort sichtbar ist der ca. 2100 m hohe Monte Vandalino mit dem niedrigeren Castelluzzo auf seiner südöstlichen Bergflanke. Unterhalb des Castelluzzo liegt die zu Torre Pellice gehörige Borgata Bonnet (bei den „Borgate“ handelt es sich um sehr kleine Bergdörfer, die in der Regel zu einer größeren Kommune gehören). Steigt man von hier ins Tal hinab, so gelangt man in den Ortsteil Santa Margherita.

Waldensische Institutionen, Gebäude und Erinnerungsorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Santa Margherita befindet sich der Tempio dei Coppieri, eine der insgesamt drei Waldenserkichen in Torre Pellice.[4]

In westlichen, gegen Talschluss gerichteten Teil des Hauptorts Torre Pellice befinden sich entlang der Via Beckwith die waldensischen Institutionen: Dazu gehört das Gebäude der 1989 von der Tavola Valdese und der Società di studi valdesi gegründete Fondazione Centro Culturale Valdese, das folgende Einrichtungen umfasst[5]:

  • eine Bibliothek mit etwa 85.000 Büchern[5]
  • zwei Museen: Ein ethnografisches und ein historisches, das sich mit der Geschichte jener religiösen Minderheitskirche, deren Ursprünge bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen und damit rund dreihundert Jahre älter als Luthers Reformation ist, befasst[5]
  • einen Saal für Wechselausstellungen
  • eine Sammlung von Gemälden des waldensischen Malers Paolo Paschetto[5]
  • eine archäologische Sammlung[5] (Sala Ippolito)
  • das Touristenbüro „Il Barba“[5] (okzitanisch für „Onkel“, so wurden die mittelalterlichen Wanderprediger der Waldenser genannt)[6]
  • das Archivio della Tavola valdese mit rund 35.000 Fotos.[5]

Direkt gegenüber befindet sich der Tempio Nuovo, mit dessen Bau auf Initiative des englischen Generals Charles Beckwith, eines der großen Förderer der Waldenser, in den 1850er-Jahren begonnen wurde.[7] Etwas weiter Richtung Ortsmitte trifft man auf die Casa Valdese, in der der Synodesaal ein Fresko des waldensischen Malers Paolo Paschetto beherbergt. Noch ein paar Meter weiter östlich steht eine Bronzestatue Henry Arnauds, jenes Pastors, der die Waldenser 1689 im Zuge der sogenannten „Glorreichen Rückkehr“ (Glorioso Rimpatrio) aus dem dreijährigen Exil in die Täler zurückgeführt hatte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Bade, Wolfram Mikuteit: Partisanenpfade im Piemont. Orte und Wege des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Querwege Verlag, Konstanz 2012, ISBN 978-3-941585-05-8.
  • Sara Tourn: Torre Pellice. La «Ginevra italiana» attraverso i secoli. Claudiana, Turin 2013, ISBN 978-88-7016-964-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Torre Pellice – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Die Reformationsstädte Europas. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 13. April 2017.
  3. Torre Pellice è “città europea della Riforma”. In: Notizie Evangeliche. Abgerufen am 15. April 2017.
  4. Dazu ausfürhlich Il Tempio dei Coppieri (Torre Pellice). Bei Chiesa Valdese di Torre Pellice. Abgerufen am 29. April 2017.
  5. a b c d e f g Vgl. etwa Fondazione Centro Culturale Valdese. In: fondazionevaldese.org, abgerufen am 9. April 2016
  6. Vgl. Osvaldo Coisson: Angrogna. Die Geschichte einer Waldenser-Gemeinde. Übersetzt von Robert Zwilling. Fusta, Angrogna 2013, ISBN 978-88-95163-98-7, S. 21 (Originaltitel: La storia di Angrogna).
  7. Il Tempio Nuovo di Torre Pellice. Bei Chiesa Valdese di Torre Pellice. Abgerufen am 29. April 2017.