Totenfotografie

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Abraham Lincoln nach seinem Tod

Totenfotografie oder Post-mortem-Fotografie bezeichnet das Ablichten von Verstorbenen und das dabei entstehende Lichtbild des Toten. Totenfotografien nahmen im Totenkult des Abendlandes im späten 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle ein.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein verstorbenes Kind

Nach der Erfindung der Daguerreotypie hatten sich die Trauergewohnheiten der Menschen verändert: Die gegenüber Malereien kostengünstigen Fotografien besaßen eine für damalige Verhältnisse überlegene Qualität und erlaubten es, Verstorbene in Erinnerung zu halten, bevor Verwesung eintrat.[2] Besonders das Fotografieren von toten Kindern entwickelte sich während des späten viktorianischen Zeitalters (1860–1910), als Totgeburten und generell Todesfälle bei Kindern sehr häufig waren, zu einer weit verbreiteten Praxis.

Da Fotografie trotzdem nicht alltäglich war[3], waren die postmortal gefertigten Lichtbilder oft die einzigen Bilder, die von Kindern gefertigt wurden, und nur auf ihnen war die gesamte Familie gemeinsam zu sehen.

Frühe postmortale Fotografien waren oft Nahaufnahmen des Gesichts oder des gesamten Körpers, manchmal so lebensecht wie möglich dargestellt oder aber ein Nickerchen darstellend. Kinder wurden oft in eine Krippe oder auf einem Stuhl sitzend aufgestellt, posierten mit einem Lieblingsspielzeug, oder aber wurden von einem Familienmitglied, meist der Mutter, gestützt.

Spätere Fotografen legten dann weniger Wert auf das Erzeugen einer lebensechten Umgebung und zeigten den Verstorbenen oft im offenen Sarg. Blumen, wie Vergissmeinnicht und Lilien, wurden vermehrt in die Bilder eingebracht.[4]

Kleine Fotos des Verstorbenen wurden durch die Angehörigen oft in Medaillons oder verborgen am Körper getragen.[5][6]

Die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert weit verbreitete Post-Mortem-Fotografie ging von 1940 und 1960 in Nordeuropa und den Vereinigten Staaten zuerst zurück und verschwand dann beinahe völlig. Sie konnte sich in stärker katholisch dominierten Regionen jedoch länger halten.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Post-mortem photography – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. etwa Katharina Sykora: Die Tode der Fotografie. Band 1: Totenfotografie und ihr sozialer Gebrauch, München 2009.
  2. „The Strangest Tradition of the Victorian Era: Post-Mortem Photography.“ Abgerufen am 16. November 2014.
  3. vgl. etwa Ansel Adams: Die Kamera. Christian 2002. Einführung S. 12
  4. „The Burns Archive THE DEATH & MEMORIAL COLLECTION.“ Abgerufen am 16. November 2014.
  5. „The Burns Archive THE DEATH & MEMORIAL COLLECTION.“ Abgerufen am 16. November 2014.
  6. „Interview mit Postmortem-Fotograf Dr. Martin Kreuels“ Abgerufen am 4. Januar 2015.
  7. vgl. etwa Katharina Sykora, Die Tode der Fotografie. Band 1: Totenfotografie und ihr sozialer Gebrauch, München 2009.