Tourniquet-Abbindesystem

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Militärisches Tourniquet

Ein Tourniquet (frz. Drehkreuz, auch Aderpresse) ist ein Abbindesystem, durch das der Blutfluss in den Venen und Arterien (abhängig vom Druck) gestaut oder vollständig unterbrochen werden kann. Es ist nach einem Druckverband die nächste Möglichkeit, um Blutungen insbesondere multipel penetrierender Verletzungen zu versorgen.

Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Phlebographie und anderen Methoden zur Untersuchung des Venensystems wird es mit niedrigem Druck zur Stauung der oberflächlichen Venen eingesetzt.

In Orthopädie und Unfallchirurgie wird ein steuerbares pneumatisches Tourniquet regelmäßig in der Extremitäten-Chirurgie verwendet, um in Blutleere operieren zu können.

In der Notfallmedizin wird es nur selten eingesetzt, um eine temporäre (zeitlich begrenzte) Abbindung oder eine absolute Abbindung vorzunehmen. Im zivilen Bereich ist die Anwendung allerdings kaum notwendig, die korrekte Versorgung besteht normalerweise aus einem Druckverband und ggf. der Gabe von Hämostyptika sowie dem umgehenden Transport in eine Notaufnahme. Besonders bei Explosionsverletzungen und traumatischen Amputationen ist der Einsatz zur temporären Abbindung, wenn mehrere Verletzte gleichzeitig oder großflächige penetrierende Verletzungen versorgt werden müssen, sinnvoll, da damit die Gefahr des Verblutens direkt unterbunden werden kann.

Beim Militär gehört das Tourniquet im Rahmen der Tactical Combat Casualty Care (TCCC) zur Ausrüstung. Das Tourniquet wird eingesetzt, um eine große oder mehrfach penetrierende und stark blutende Wunde an einer Extremität zu stoppen, insbesondere nach Explosionsverletzungen z. B. durch Splitter oder Bomben. Auf das Tourniquet sollte vorbereitet ein Klebestreifen aufgeklebt werden, auf dem der Zeitpunkt der Abbindung in der militärischen Schreibweise mit der Datum/Zeit-Gruppe vermerkt werden muss. Diese ist ansonsten mit einem Filzstift auf die Stirn zu schreiben.

Der Einsatz des Tourniquets während des Irak- und des Afghanistan-Krieges reduzierte die Letalität durch Explosionsverletzungen, da hierdurch ein massiver Blutverlust und vor allem ein Verbluten bei Verwundeten mit mehrfach penetrierenden Verletzungen verhindert werden konnten.[1]

Seit September 2016 befinden sich Tourniquets auch als Ausrüstung auf Rettungswagen im Bundesland Bayern.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompressionsriemen zur Kontrolle von Blutungen sind sowohl aus den Überlieferungen griechischer Gelehrter als auch aus dem Römischen Reich bekannt. Militärchirurgen verwendeten diese, um Blutungen bei Amputationen zu kontrollieren.

1718 entwickelte der französische Chirurg Louis Petit ein mechanisches Instrument mit einer Spannschraube, das er Tourniquet nannte (tourner = drehen).[3]

Die Gummibandage bzw. der Stauschlauch aus flexiblem Material geht auf eine Erfindung von Johann von Esmarch aus dem Jahr 1873 zurück. Der Vorteil gegenüber der Entwicklung von Louis Petit lag im Material (flexibler Gummi), und darin, dass es keine mechanischen Teile mehr gab, die sich lösen konnten.

im oberen Bereich ein selbstgebauter Tourniquet

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die modernen Tourniquets funktionieren entweder pneumatisch oder mechanisch.

Die pneumatische Tourniquets ähneln in Aussehen und Funktion einer Blutdruckmanschette. Dabei wird Luft in einen Ballon gepumpt, der in eine Manschette eingearbeitet ist, um den notwendigen Druck zu erreichen.

Die mechanischen Tourniquets funktionieren alle durch Verkürzung eines Bandes durch Rotation. Dabei wird ein Knebel, welcher an einem umlaufenden Band befestigt ist, gedreht. Dabei verkürzt sich das Band und erzeugt den notwendigen Druck.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beide Arten haben Vor- und Nachteile. Durch das Tourniquet können Verletzungen wie Hämatome und Quetschungen hervorgerufen werden. In seltensten Fällen kommt es zu langzeitigen oder permanenten Schäden von Nerven und Gewebe. Eine temporäre Abbindung von bis zu zwei Stunden zieht häufig keine schwerwiegenden Folgen nach sich, jedoch kann das Absterben der entsprechenden Extremität und das Ausbleiben der normalen Durchblutung nach der Abnahme des Tourniquets nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Andererseits existieren aber auch Berichte von Soldaten, die nach einer Verwundung das Tourniquet über 16 Stunden angelegt hatten. Das Risiko bei Anwendung besteht vor allem in der Bildung von Blutgerinnseln.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. F. Kragh, M. L. Littrel, J. A. Jones, T. J. Walters, D. G. Baer, C. E. Wade, J. B. Holcomb: Battle casualty survival with emergency tourniquet use to stop limb bleeding. J Emerg Med. 2011; Band 41, Ausgabe 6 vom Dezember 2011, Seiten 590–597; doi:10.1016/j.jemermed.2009.07.022.
  2. Terror-Set für Rettungswagen: Warum das kein Luxus ist. In: https://www.merkur.de. 21. September 2016 (merkur.de [abgerufen am 18. Juli 2017]).
  3. http://www.tourniquets.org/tourniquet_overview.html
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