Toy (Lied)

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Toy
Netta
Veröffentlichung 11. März 2018
Länge 3:06
Genre(s) Pop
Autor(en) Doron Medalie, Stav Beger, Jack White
Label Tedy Productions

Toy (deutsch: Spielzeug) ist ein Lied, das von der israelischen Sängerin Netta aufgenommen wurde und den Eurovision Song Contest 2018 gewann.

Der Song gewann den Eurovision Song Contest 2018 mit 529 Punkten. Nach 1978, 1979 und 1998 war dies Israels vierter Sieg beim Eurovision Song Contest.

Entstehung und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Song wurde von Doron Medalie und Stav Berger geschrieben und von letzterem produziert. Am 11. März 2018 wurde der Song, neben dem offiziellen Musikvideo unter Regie von Keren Hochma, veröffentlicht.

Toy wurde erstmals am 8. Mai 2018 im ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest an den Start geschickt, bei dem es unter 19 Songs mit Startnummer sieben präsentiert wurde. Der Song qualifizierte sich, wie nachträglich bekannt gemacht, mit den meisten Stimmen für das Finale. In diesem belegte Netta nach der Juryabstimmung mit 212 Punkten hinter Österreich und Schweden den dritten Platz und gewann das Televoting mit 317 Punkten, was ihr insgesamt den Sieg mit einer Gesamtpunktzahl von 529 einbrachte.

Musikalisches und Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Text wurde überwiegend in englischer Sprache verfasst, bis auf den hebräischen Satz אני לא בובה (ani lo buba, „Ich bin keine Puppe/Marionette“) und den Slang-Ausdruck סטפה (stefa, „ein Batzen Geldnoten“).

Der Song Toy behandelt „die göttliche Schönheit einer jeden Frau, die einfältige Männer nicht zu erkennen in der Lage sind“, so die Jüdische Allgemeine. Das Lied sei eine Antwort auf die MeToo-Debatte um sexuelle Belästigung in der Unterhaltungsbranche, so die Sängerin.[1] Der Text („I’m not your toy, you stupid boy“ und „My teddy bear’s running away, The Barbie got something to say, hey“) richtet sich an chauvinistische Männer. „Wonder Woman, vergiss niemals, du bist göttlich und er wird es bald bereuen“ ist eine Anspielung auf die israelische Schauspielerin Gal Gadot (Darstellerin der Wonder Woman). Musikalisch ist Toy eine Mischung aus K-Pop, Pop und nahöstlichen Einflüssen.[2]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles[3]
Toy
  DE 19 18.05.2018 (2 Wo.)
  AT 15 25.05.2018 (2 Wo.)
  CH 34 20.05.2018 (1 Wo.)
  UK 49 24.05.2018 (1 Wo.)

Musikkritiker bewerteten Netta Barzilais Beitrag zum ESC positiv. „Toy changiert jedenfalls in weitgehend erfreulicher Weise zwischen Irrsinn und Ernst und den unterschiedlichsten musikalischen Genres. Es gibt risikolos synkopierte R'n'B-Passagen ebenso zu hören wie einen kaugummifarben überpinselten K-Pop-Refrain. Das rhythmische und klangliche Fundament aber bildet die Mizrahi-Musik, in der sich westliche und arabische Motive miteinander verbinden“, schrieb Jens Balzer in der Wochenzeitung Die Zeit.[4]

Udo Dahmen, Künstlerischer Direktor der Popakademie in Mannheim, bezeichnete den Song als „Ohrwurm“: „Ich finde den Song wirklich sehr, sehr schön. Zum einen die Art und Weise, wie sie rangeht: Sie sieht das Genderthema ‚Macht Frauen stark’ komplett als ihr eigenes Thema, gleichzeitig betrachtet sie es auch mit Hühnergegacker von der humorvollen Seite.“ Der Text sei intelligent. „Er beschreibt die Rollen-Thematik zwischen Männern und Frauen und macht aus ihrer Position klar: Ich bin ich und habe meine eigene Position zu vertreten.“[5]

Auch Julian Dörr von der Süddeutschen Zeitung lobte Netta Barzilais Darbietung beim ESC: „Netta Barzilai und ihr famos verdrehter Song "Toy" sind die verdienten Sieger des diesjährigen ESC. Weil der jungen Israeli an diesem Abend als Einzige gelingt, was richtig guter Pop im Grunde sein soll: Musik zur Zeit, auf der Höhe der Zeit, absolut gegenwärtig, musikalisch wie inhaltlich.“

Der ESC-Sieger 2017, Salvador Sobral aus Portugal, lehnte Barzilais Musik entschieden ab: „Youtube hat mir ihren Song empfohlen, also habe ich draufgeklickt und dann kam diese schreckliche Musik.“[6]

Plagiatsvorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die US-amerikanische Plattenfirma Universal Music Group wirft Netta vor, dass Toy den Rhythmus des Liedes Seven Nation Army von The White Stripes übernommen habe, wobei Melodie und Text nicht beanstandet wurden. Ein Brief mit Bestätigung der Vorwürfe liegt bei den Managern Doron Medalie und Stav Beger vor. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, droht Netta die Disqualifikation und Israel der Entzug des Ausrichtungsrechtes des Eurovision Song Contest 2019.[7] Am 6. Februar 2019 wurde bekannt, dass Jack White, der Sänger von The White Stripes, Lizenzgebühren für „Toy“ erhält. Man hätte sich hierauf mit Universal Music geeinigt. Um einen Prozess und somit auch eine nachträgliche Disqualifikation zu entgehen, wurde Jack White zu den Autoren des Songs hinzugefügt.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Katharina Schmidt-Hirschfelder: Eurovision Song Contest: Stark und schrill. In: Jüdische Allgemeine. Abgerufen am 29. März 2018.
  2. Lissy Kaufmann: Israel geht mit Netta Barsilai an den Start – und einer MeToo-Botschaft. In: Der Tagesspiegel Online. 25. März 2018, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 29. März 2018]).
  3. Charts DE Charts AT Charts CH Charts UK
  4. Jens Balzer: Eurovision Song Contest : Unpolitisch gibt's nicht mehr. Die Zeit, 12. Mai 2018, abgerufen am 12. Mai 2018.
  5. Die Frau mit dem Ohrwurm: Netta Barzilai beim Eurovision Song Contest. Südkurier, 12. Mai 2018, abgerufen am 12. Mai 2018.
  6. Julian Dörr: Netta gewinnt den ESC: Schöne Klatsche für alle "Me Too"-Zweifler. Süddeutsche Zeitung, 13. Mai 2018, abgerufen am 13. Mai 2018.
  7. Plagiatsvorwürfe: Wird ESC-Siegerin Netta disqualifiziert? Hannoversche Allgemeine Zeitung, 4. Juli 2018, abgerufen am 4. Juli 2018.
  8. Israel: White Stripes Lead Singer Now Receiving Royalties from Netta's "Toy". In: Eurovoix. 6. Februar 2019, abgerufen am 7. Februar 2019 (britisches Englisch).
Vorgänger Nachfolger
Amar pelos dois
(Salvador Sobral)
Siegerlied des Eurovision Song Contests
2018
I Feel Alive
(Imri Ziv)
EuroIsrael.svg
Israel beim Eurovision Song Contest
2018