Tragelhöchstädt

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Tragelhöchstädt
Markt Uehlfeld
Koordinaten: 49° 39′ 55″ N, 10° 41′ 11″ O
Höhe: 302 m ü. NHN
Einwohner: 88 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 91486
Vorwahl: 09163
Blick über Tragelhöchstädt (2008)
Restaurierte Sandsteinbrücke in Tragelhöchstädt

Tragelhöchstädt ist ein Ortsteil des Marktes Uehlfeld im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim.

Geografie und Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt im südöstlichen Steigerwald zwischen Uehlfeld und Schornweisach. Südlich des Ortes fließt die Weisach, ein linker Zufluss der Aisch. Im Westen grenzt das Waldgebiet Steinlohe an, im Norden liegt das Waldgebiet Kuckuck. Ca. 0,5 km südwestlich erhebt sich der Vogelberg (313 m ü. NN).[2]

Die Ortschaft wurde in einer Rodungsinsel im Gebiet des Sandstein-Keupers auf einem Sockel des Blasensandsteins gegründet. Dem Blasensandstein sind Tonlagen (Letten) von rot- bis rotbrauner Farbe zwischengeschaltet, die von grünen Bändern durchzogen werden. Besonders auffallend treten die Letten westlich von Tragelhöchstädt auf. Das Landschaftsrelief ist im Jungtertiär und vor allem im Pleistozän herausmodelliert worden.[3] Die durch die Bäche Weisach und Egelsbach sedimentierte Talfüllung stammt aus dem Holozän.[4] Das Flusssystem dieser Zeit war nach Süden gerichtet. Als Hauptfluss entwässerte der Urmain in das Donaugebiet.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird 1303/17 im Lehenbuch des Hochstifts Würzburg erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname hat sich im Laufe der Zeit von Drachenhofstet über Drachaltshöfstäten, Tracholstösteten, Drachenhofstet und Tregelhöchstädt zum jetzigen Ortsnamen gewandelt. Im 14. Jahrhundert erhielt Konrad von Vestenberg vom Hochstift den jährlichen Zehnten des Ortes zu Lehen. 1348 wird erwähnt, dass der Bischof von Bamberg die Vogtei über eine Hube hatte. 1502/06 gehörte der größte Teil des Ortes dem Nürnberger Patrizier Hans Truchseß, zwei Güter unterstanden der Reichsstadt Nürnberg, eines den Herren von Lauffenholz und zwei dem Kastenamt Neustadt an der Aisch.[5]

Das Dorf wurde im 30-jährigen Krieg (1634) von umherziehenden Forchheimer Horden niedergebrannt, so dass 1639 nur noch zwei Familien in Tragelhöchstädt wohnten. Elf Jahre später war es ein Tragelhöchstädter, der das Dorf erneut niederbrannte: Er löste einen Flächenbrand aus, weil er seine verwilderte Weide roden wollte und dabei die Kontrolle über das Feuer verlor. 1678 beherbergte der Ort wieder 178 Einwohner.[6]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Tragelhöchstädt 21 Haushalte. Das Hochgericht übte das Centamt Höchstadt des Hochstifts Bamberg aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das bambergische Amt Höchstadt inne. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherrn: 6 Anwesen dem Amt Höchstadt, 5 Anwesen dem Fürstentum Bayreuth (Kasten- und Jurisdiktionsamt Dachsbach: 1, Kastenamt Neustadt an der Aisch: 1, Klosteramt Birkenfeld: 1, Verwaltung Uehlfeld: 2), 4 Anwesen der Reichsstadt Nürnberg (Landesalmosenamt: 3, Spitalamt Hl. Geist: 1), 5 Anwesen der Herrschaft Pommersfelden und 1 Anwesen dem Rittergut Neuenbürg. Neben den Haushalten gab es noch das Hirtenhaus, das ein kommunales Gebäude war.[7]

1810 kam Tragelhöchstädt an das neue Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Tragelhöchstädt 1811 dem Steuerdistrikt Uehlfeld zugeordnet. 1813 wurde es der Ruralgemeinde Oberhöchstädt zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde die Ruralgemeinde Tragelhöchstädt gebildet, zu dem die Orte Egelsbach und Nonnenmühle gehörten.[8] Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Neustadt an der Aisch und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neustadt an der Aisch (1920 in Finanzamt Neustadt an der Aisch umbenannt). 2 Anwesen unterstanden bis 1835 in der freiwilligen Gerichtsbarkeit dem Patrimonialgericht Neuenbürg, 5 weitere Anwesen bis 1848 dem Patrimonialgericht Pommelsbrunn.[9] Ab 1862 wurde Tragelhöchstädt vom Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Neustadt an der Aisch, ab 1880 Amtsgericht Neustadt an der Aisch. Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 2,017 km².[10] 1948 wurde die Nonnenmühle nach Uehlfeld umgemeindet.[11]

Am 1. Juli 1971 wurde Tragelhöchstädt im Zuge der Gebietsreform nach Uehlfeld eingemeindet.[12]

Ehemalige Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Haus Nr. 8: Nördlich der Scheuer drei Pfeiler einer Einfahrt mit profilierten Aufsätzen, 18. Jh., nur teilweise erhalten.[13]
  • Haus Nr. 14½: Eingeschossiges Satteldachhaus von 1832. Holztraufgesims mit Schachbrettfries (zweireihig). Giebel Fachwerk, sonst Quader, teilweise verputzt. Im Sturz der einen Tür Namen unleserlich, 1832.[13]
  • Haus Nr. 16½: Eingeschossiges Wohnstallhaus mit Mansarddach, nach Westen abgewalmt, Holztraufgesims. Im Sturz der Haustür unleserliches Schriftband. Gegen 1800. – Stall gegenüber: massive Giebelmauer, Traufseite zurückgesetz. Dachtraufe ruht auf zwei hölzernen Flaschensäulen mit Knaggen. Zwei Giebelgauben. 18. Jh., 1843 aus Vestenbergsgreuth. In der Quadermauer dahinter stichbogige Tür.[13]
  • Sandsteinbrücke

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Tragelhöchstädt

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 149 230 204* 188* 197 184* 207 211 206 194 168 168 177 171 165 172 148 130 118 192 184 165 119 99
Häuser[14] 25 29 36 34 34 33 27 28
Quelle [15] [16] [17] [17] [18] [17] [19] [17] [17] [20] [17] [17] [21] [17] [17] [17] [22] [17] [17] [17] [23] [17] [10] [24]
* Angaben fälschlicherweise ohne Nonnenmühle

Ort Tragelhöchstädt

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 132 211 178 145 174 156 127 184 117 99+ 88+
Häuser[14] 22 26 31 31 30 26 27 24+
Quelle [15] [16] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [10] [24] [1]
+ inklusive Egelsbach

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Jakob (Uehlfeld) gepfarrt.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der nördlich von Tragelhöchstädt gelegenen Weiherkette wird der Aischgründer Spiegelkarpfen gezüchtet.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Mundartdichter Helmut Haberkamm erwähnt den Ort in seiner Science-Fiction Erzählung „Das wunderliche Gesicht von Tragelhöchstädt“. (In: Bernd Flessner (Hrsg.): Reisen zum Planeten Franconia. Neustadt an der Aisch: Verlag Ph. C. W. Schmidt, 2001)
  • 1861 wurden in Tragelhöchstädt 115 Zentner Hopfen geerntet. Der Hopfenanbau endete vor dem Zweiten Weltkrieg.[6]
  • Tragelhöchstädt liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Vancouver, BC, Canada.
  • Die zum „Hübner’s Keller“ (Bergkirchweih Erlangen) gehörende Brauerei stellte ihr Bier ursprünglich im Gasthaus „Zum goldenen Schwanen“ her. 1858 übernahm der Bierbrauer Conrad Hübner aus Tragelhöchstadt die Brauerei und verhalf dem Keller somit zu seinem Namen. Heute gehört der „Hübner’s Keller“ abends zu den meist frequentierten Kellern der Bergkirchweih.[25]
  • Im Jahr 1873 gab es in Tragelhöchstädt 33 Viehhaltungen mit insgesamt 10 Pferden, 158 Rindern, 48 Schafen, 20 Schweinen, 9 Ziegen und 11 Bienenstöcken.[26]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kreisstraße NEA 1 führt an der Eselsmühle vorbei nach Schornweisach bzw. an der Nonnenmühle vorbei nach Uehlfeld. Ein Landverkehrsweg führt nach Egelsbach.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tragelhöchstädt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 342 (Digitalisat).
  2. Tragelhöchstädt im BayernAtlas
  3. a b Geologische Karte von Bayern, Kurt Berger: Erläuterungen zum Blatt Nr. 6330 Uehlfeld
  4. http://www.bestellen.bayern.de/application/stmug_app000004?SID=1782953318&ARTSUCHExMATCHCODE=uehlfeld&x=0&y=0&ARTSUCHExMATCHCODE=&ACTIONxSETVAL%28suchergebnisse.htm%2CUSERxTITLE%3ASuchergebnisse%29=x
  5. H. Sponholz (Hrsg.), S. 127.
  6. a b Dorfgemeinschaft Tragelhöchstädt (2008): Erläuterungsbericht zur Dorfentwicklung
  7. H. H. Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach, S. 85f.
  8. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 60 (Digitalisat). H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 223.
  9. H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 191.
  10. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 808 (Digitalisat).
  11. http://www.uehlfeld.de/kultur-info/ortsteile
  12. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536.
  13. a b c R. Strobel, S. 170. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt ggf. abgerissen.
  14. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  15. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 92 (Digitalisat). Für die Gemeinde Tragelhöchstädt zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Egelsbach (H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim, S. 191) und Nonnenmühle (S. 64).
  16. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 203 (Digitalisat). Die Nonnenmühle wird in dem Verzeichnis fälschlicherweise der Ruralgemeinde Uehlfeld zugeordnet.
  17. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 180, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  18. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1058, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  19. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1224, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  20. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1158 (Digitalisat).
  21. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1230 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1268 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1102 (Digitalisat).
  24. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 177 (Digitalisat).
  25. http://www.der-berg-ruft.de/keller-programm/die-keller-auf-der-bergkirchweih-1.1297490?offset=2
  26. Ackermann: Die Viehzählung im Königreiche Bayern vom 10. Januar 1873. Ackermann, 1874, S. 83 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).