Traisa

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Traisa
Gemeinde Mühltal
Wappen von Traisa
Koordinaten: 49° 50′ 25″ N, 8° 42′ 0″ O
Höhe: 204 (194–230) m ü. NHN
Fläche: 2,27 km²[1]
Einwohner: 3058 (30. Jun. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.347 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64367
Vorwahl: 06151
Blick auf die evangelische Kirche von Traisa

Traisa (mundartlich: Traase)[2] ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühltal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traisa liegt im vorderen Odenwald im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald im Granitgebiet. Im Westen führt die Bundesstraße 449 am Ort vorbei. Der Ort hat an der Odenwaldbahn einen süd-östlich gelegenen, nahen Haltepunkt „Bahnhof Mühltal“[3] im Norden des Mühltaler Ortsteils Nieder-Ramstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf im Jahre 1316 als die Vogtei mit allem Zubehör unwiderruflich dem Kloster Höchst verkauft wird.
Vor 1376 verpfändet Kloster Höchst das Dorf den Schenken von Erbach.
1420 verkaufen Hademar zu Laber und seine Ehefrau Walpurga, geb. Schenk zu Erbach, das Dorf an Pfalzgraf Ludwig.
1527 gibt Landgraf Philipp seinen Anteil an Seeheim Schenk Eberhard von Erbach in Tausch gegen Traisa.[4]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Traisa:

»Traisa (L. Bez. Reinheim) luth. Filialdorf; liegt 2 St. von Reinheim und hat 61 Häuser, und 476 Einw., die außer 6 Kath. und 2 Reform. lutherisch sind. Unter denselben befinden sich 38 Bauern, 23 Gewerbsleute und 12 Taglöhner. Dieses freundliche Dörfchen wird sehr stark von den Bewohnern Darmstadts besucht. – Traisa gehörte dem Hause Erbach und kam durch einen 1527 zwischen Landgraf Philipp dem Großmüthigen und Schenk Eberhard von Erbach abgeschlossenen Vertrag an Hessen.«[5]

Anfangs gab es drei Siedlungen, nämlich Nieder-, Mittel- und Ober-Traisa.[6] 1927 kommt die Gemarkung Dippelshof nordöstlich von Traisa zu Traisa. Im Bereich des Dippelshofes wurde die Lage des zur Wüstung gewordenen Obertraisa vermutet.

Die evangelische Kirche des Ortes wurde 1957 eingeweiht.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständige Gemeinde Traisa mit den Gemeinden Frankenhausen, Nieder-Beerbach und Nieder-Ramstadt kraft Landesgesetz zur neuen Gemeinde Mühltal zusammengeschlossen.[7] Für Traisa wurde ein Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[8] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Nieder-Ramstadt.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Traisa unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[4] Nieder-Treyse an der Trüssbruckin (1316); Treyse (1420); Obern Treysan, Nyddern Treysan (1451); Dreyß, Dreiß (1506); Niedern-Treyse, Ober-Treyse, Mittel-Treyse (1512); Niederntreyßa, Obertreyßa (1527); Nidern Treysa, Treysa (1571); Traysa, Nieder-Traysa (1730); Ober-Trayßer Hofgemarkung (1730); Obertraisa.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Traisa lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[4][9][10]

Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war:[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1629: 011 Hausgesesse[4]
• 1806: 293 Einwohner, 48 Häuser[11]
• 1829: 476 Einwohner, 61 Häuser[5]
• 1867: 826 Einwohner, 81 Häuser[12]
Traisa: Einwohnerzahlen von 1806 bis 2018
Jahr  Einwohner
1806
  
476
1829
  
476
1834
  
499
1840
  
514
1846
  
546
1852
  
541
1858
  
578
1864
  
599
1871
  
623
1875
  
632
1885
  
651
1895
  
712
1905
  
891
1910
  
1.051
1925
  
1.148
1939
  
1.336
1946
  
2.031
1950
  
2.157
1956
  
2.179
1961
  
2.447
1967
  
2.720
1970
  
2.576
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
2.811
2013
  
3.186
2016
  
3.030
2018
  
3.058
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4]; ab 2013: Website Mühltal (Webarchiv)[1]; Zensus 2011[13]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 468 lutheranische (= 98,32 %), 2 reformierte (= 0,42 %) und 6 katholische (= 1,26 %) Einwohner[5]
• 1961: 1873 evangelische (= 76,54 %), 462 katholische (= 18,88 %) Einwohner[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Traisa besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Traisa) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[8] Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 gehören ihm ein Mitglied der CDU, ein Mitglied der FDP und drei parteilose Mitglieder an. Ortsvorsteherin ist von Annelie Arnim (parteilos).[14]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Banner Traisa.svg

Wappen

Wappen Traisa.svg
Blasonierung: „In Blau über einem goldenen, von drei roten fünfstrahligen Sternen belegten Querbalken oben eine goldene Brezel, unten drei von Silber und Rot geschachte Schräglinksbalken.“[15]

Das Wappen wurde durch den Heraldiker Heinz Ritt gestaltet und der der Gemeinde Traisa im Landkreis Darmstadt am 13. Juni 1966 verliehen.

Die geschachten Schräglinksbalken in blau stammen aus dem Wappen der alten Ortsherren, den Groschlag von Dieburg. Die Brezel ist auch im Wappen von Nieder-Ramstadt und von Mühltal zu finden. Sie verweist auf die Bäcker, die im Ort ansässig waren und eine gemeinsame Zunft mit Nieder-Ramstadt bildeten. Die Drei Sterne sollen an „die drei Dreysen“ (Ober-, Mittel- und Unter-Traisa), aus denen Traisa hervorging erinnern.

Flagge

Im Zuge der Wappenverleihung wurde gleichzeitig auch eine Flagge genehmigt, die wie folgt beschrieben wird: „Auf breiter weißen Mittelbahn beseitet von schmalen roten Seitenbahnen, im oberen Teil aufgelegt das Gemeindewappen.“ [16]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Traisa

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Traisa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Mühltal in Zahlen: EWZ mit NW. Gemeinde Mühltal, archiviert vom Original; abgerufen im Juli 2019.
  2. Mädels mischen bei der Olympiade mit. In: Darmstädter Echo. 19. August 2014, S. 20.
  3. Bahnhof Mühltal. Archiviert vom Original am 8. Januar 2014; abgerufen am 25. Januar 2016.
  4. a b c d e f g Traisa, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 245 (Online bei google books).
  6. Ober-Traisaer Gemarkung: Vergleich zwischen der Gemeinde Nieder-Traisa, der Landgrafschaft und der Gemeinde Ober-Ramstadt vom 28. September 1730 HStAD Bestand A 1 Nr. 218/1. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen).
  7. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  8. a b Hauptsatzung. (PDF; 62 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Mühltal, abgerufen im Februar 2019.
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  11. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen).
  12. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 86 (Online bei google books).
  13. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  14. Ortsbeiräte. In: Rats- und Bürgerinformationssystem. Gemeinde Mühltal, abgerufen im August 2019.
  15. Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Traisa, Landkreis Darmstadt (Punkt 597) vom 13. Juni 1966. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1966 Nr. 26, S. 850 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).
  16. Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Traisa, Landkreis Darmstadt (Punkt 597) vom 13. Juni 1966. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1966 Nr. 26, S. 850 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).
  17. Darmstädter Echo, Montag, 22. August 2016, S. 21
  18. Darmstädter Echo, Mittwoch, 27. November 2019, S. 21.