Tramin

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Tramin an der Weinstraße
(ital.: Termeno sulla strada del vino)
Wappen
Wappen von Tramin an der Weinstraße
Karte
Tramin an der Weinstraße in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Überetsch-Unterland
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
3.311/3.438
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
96,37 % deutsch
3,44 % italienisch
0,20 % ladinisch
Koordinaten 46° 20′ N, 11° 14′ OKoordinaten: 46° 20′ N, 11° 14′ O
Meereshöhe: 213–2116 m s.l.m. (Zentrum: 276 m s.l.m.)
Fläche: 18,61 km²
Dauersiedlungsraum: 10,6 km²
Fraktionen: Rungg, Söll
Nachbargemeinden: Amblar-Don, Auer, Predaia, Kaltern, Kurtatsch, Montan, Neumarkt, Pfatten, Sfruz
Partnerschaft mit: Mindelheim (D), Rödermark (D), Schwaz (A)
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021098
Steuernummer: 80011130210
Bürgermeister (2020): Wolfgang Oberhofer (SVP)

Tramin an der Weinstraße ([traˈmiˑn]; italienisch Termeno sulla Strada del Vino) ist eine italienische Gemeinde mit 3438 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019) im Unterland in Südtirol.

Bekannt ist das Weindorf Tramin für Weine aus der Rebsorte Gewürztraminer und den traditionellen Egetmann-Umzug, der am Faschingsdienstag in ungeraden Jahren durchgeführt wird. Das an der Südtiroler Weinstraße gelegene Tramin ist wegen seines historischen Dorfkerns, des Weinbaus, der Nähe zum Kalterer See und der wöchentlichen Weinfeste im Sommer und Herbst ein beliebter Ferienort, traditionell vor allem für Gäste aus dem deutschsprachigen Ausland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorfzentrum von Tramin mit Blickrichtung Nordosten

Die Gemeinde Tramin, insgesamt 18,61 km² groß, befindet sich im Unterland, einem Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols, auf der orografisch rechten (westlichen) Talseite. Nördlich von Tramin liegt der Kalterer See, hinter dem sich das Etschtal zur Hügellandschaft des Überetsch mit den Gemeinden Kaltern und Eppan anhebt; im Süden folgen als nächste Gemeinden auf der westlichen Talseite des Unterlands Kurtatsch und Margreid. Der Hauptort, Tramin (240–360 m s.l.m.), sowie die südlich davon gelegene Fraktion Rungg (290–320 m) erstrecken sich am sanft ansteigenden Hangfuß des Mendelkamms; die Fraktion Söll (400–750 m) nördlich des Hauptorts liegt auf einer etwas höher gelegenen Hangterrasse.

Unterhalb der Siedlungsflächen besitzt Tramin Anteile an der Unterländer Talsohle, die an die Nachbargemeinden Kurtatsch, Neumarkt, Montan, Auer, Pfatten und Kaltern grenzen. Mit einer territorialen Exklave reicht das Gemeindegebiet bis in die östliche Talhälfte und zur Etsch hinüber. Westlich über dem Unterland gewinnt der zur Nonsberggruppe gerechnete Mendelkamm rasch an Höhe. Tramin erreicht dort am Gipfel des Roen (2116 m), über den die Grenze zum Trentino verläuft, seinen höchsten Punkt.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Etymologie des Ortsnamens Tramin liegt im Dunkeln. Cristian Kollmann setzt ein ostalpenindogermanisches *treminno mit der Bedeutung „Durchgang, Übergang“ als Namensursprung an.[1] Diether Schürr schlägt hingegen den u. a. in Tremosine belegten vorrömischen Personennamen Triumus als Anknüpfungspunkt vor.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der günstigen Ortslage von Tramin gibt es frühe Siedlungsspuren. In Rungg wurde bereits im 19. Jahrhundert ein frühbronzezeitlicher Figurenmenhir entdeckt. Der sogenannte Vigiliusbrief berichtet vom Bau einer den Heiligen Quiricus und Julitta geweihten Kirche in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts und von deren Eingliederung in die Marienpfarrkirche Kaltern.[3] Die urkundlich 1241 als „communitas Tremini“ bezeichnete Dorfgemeinschaft von Tramin erstreckte sich räumlich über das gesamte, bereits im Mittelalter hauptsächlich weinwirtschaftlich genutzte Gebiet von Penon, Graun, Kurtatsch, Entiklar und Söll. Als zweiter Gründer Tramins gilt der Trienter Fürstbischof Friedrich von Wangen, der die Ortssiedlung ausbauen, eine Burg auf dem Kastelaz-Hügel errichten und ein erbliches Weinbergrecht einführen ließ. Unter Graf Meinhard II. von Tirol kam es zu einem weiteren Siedlungsausbau.[3] Erst 1777 tauschten die Trienter Bischöfe Tramin auch formell mit den Tiroler Landesfürsten. Diese lange Dauer unterstreicht die ursprünglich enge Bindung an das Hochstift Trient, die bereits im späten 13. Jahrhundert zur engen rechtlichen Anlehnung an die Stadt Trient geführt hatte; deren Immobiliarrecht wurde im Jahr 1297 in Tramin als „ius et consuetudo domorum mercatus Tridenti“ rezipiert.[4] Ein eigenes Traminer Leiherecht ist noch 1467 als „der cappellen zu Tramynn recht und gewonnhait“ bezeugt.[5]

Der florierende Weinhandel trug Tramin bereits 1451 die Qualifizierung als oppidum und marcht, also als bevorrechtete Marktsiedlung, ein; auch das aus dem 17. Jahrhundert stammende Ortswappen weist in diese Richtung. Eine eigene, von Kaltern losgelöste Seelsorge wurde erst 1414 erlangt, wobei jedoch bereits 1230 ein eigener Friedhof und 1328 ein Kirchpropst bezeugt ist; der von den gotischen Steinmetzen Hans Feur von Sterzing und Peter Ursel von Tramin errichtete hohe Kirchturm unterstreicht den Bedeutungsgewinn Tramins seit dem 15. Jahrhundert.[3]

Tramin gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Innerhalb Tirols war die Gemeinde dem Gerichtsbezirk Kaltern zugeordnet, der wiederum Teil des Bezirks Bozen war. Mit dem Vertrag von Saint-Germain kam Tramin 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms zu Italien. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Tramin wie einige andere umliegende Gemeinden der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen. Erst 1948 wurde Tramin in die Provinz Bozen bzw. Südtirol eingegliedert.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Gemeindegebiet um zwei ehemals zu Kurtatsch gehörende Siedlungen bedeutend vergrößert: 1913 kam Söll zu Tramin, 1978 auch Rungg.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibliothek und Tourist-Info

Die prächtig ausgeschmückten Kirchen zeugen von der wirtschaftlichen Bedeutung der Marktgemeinde Tramin im Spätmittelalter.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister seit 1952:[7]

  • Franz Stofferin: 1952–1956
  • Fritz Morandell: 1956–1969
  • Oswald Oberhofer: 1969–1985
  • Erwin Bologna: 1985–1995
  • Meinrad Oberhofer: 1995–2000
  • Werner Dissertori: 2000–2015
  • Wolfgang Oberhofer: seit 2015

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtige Wirtschaftszweige sind der Weinbau auf den sonnigen Hängen (Leiten), der Obstbau, der vor allem auf dem im 18. Jahrhundert trockengelegten Traminer Moos in der Talsohle betrieben wird, und der Tourismus.

Panoramabild mit Blick von der Kellereigenossenschaft Tramin auf die Weinstraße und in nördliche Richtung zum Kalterer See

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Kraftverkehr ist Tramin in erster Linie durch die Weinstraße erschlossen, die nahe am Dorfzentrum vorbeiführt. Die östliche Seite der Talsohle wird von der A22 und der Brennerbahn durchquert. Auf Traminer Gemeindegebiet befinden sich dort sowohl die Ein- und Ausfahrt Neumarkt-Auer-Tramin der Autobahn als auch der Bahnhof Neumarkt-Tramin.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tramin ist Sitz eines deutschsprachigen Schulsprengels. Dieser umfasst auf dem Gemeindegebiet eine Grundschule und eine Mittelschule. Dem Sprengel angeschlossen sind auch die drei Grundschulen der Nachbargemeinde Kurtatsch.[8]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mindelheim ist seit 1994 offizielle Partnerstadt von Tramin. Zwischen der Stadtkapelle Mindelheim und der Bürgerkapelle Tramin bestehen bereits seit 1958 enge freundschaftliche Beziehungen.
  • Rödermark, südlich von Frankfurt am Main gelegen, ist seit 1978 Partnergemeinde.
  • Schwaz in Nordtirol ist seit 1998 offizielle Partnerstadt von Tramin.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Wolfsgruber: Die Kirchen von Tramin. Pluristamp, Bozen 1992.
  • Kunibert Zimmeter: Tramin. In: Der Schlern, 1921, S. 386–392 (online).
  • Roland Zwerger: Beiträge zur Geschichte von Tramin. Dissertation, Innsbruck 1985.
  • Roland Zwerger: Tramin an der Weinstraße. Dorfführer und Weinbaugeschichte. Arkadia, Auer 2001, ISBN 88-8300-014-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tramin an der Weinstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cristian Kollmann: Der Name Pfuss und sein sprachgeschichtliches und politisches Umfeld. In: Der Schlern, 10/2003, S. 30–47.
  2. Diether Schürr: Zum Ursprung von Tramin – Termeno. In: Archivio per l’Alto Adige, 99–100/2005–2006, S. 405–424. Ein kurzer Nachtrag desselben Autors erschien im Aufsatz Der Tartscher Bichl und die Deutung von Ortsnamen im Obervinschgau. In: Österreichische Namensforschung. Band 3, Jg. 36, 2008, S. 53–83 (academia.edu).
  3. a b c Franz Huter (Hrsg.), Hanns Bachmann: Handbuch der historischen Stätten. Band: Österreich. Teilband 2: Alpenländer mit Südtirol (= Kröners Taschenausgabe. Band 279). 2., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1978, ISBN 3-520-27902-9, S. 628–629.
  4. Hannes Obermair: Il notariato nello sviluppo della città e del suburbio di Bolzano nei secoli XII–XVI. In: Il notariato nell'arco alpino. Produzione e conservazione delle carte notarili tra medioevo e età moderna (Studi storici sul notariato italiano, Bd. XVI). Milano: Giuffrè, 2014. ISBN 978-88-14203794. S. 293–322, Bezug S. 301.
  5. Hannes Obermair: Nonsberger Regesten. Das Archiv Unterweg-Perger in Proveis (1274–1777). (PDF) In: Der Schlern. 66, Nr. 9, 1992, S. 587–600, hier S. 594, Nr. 15.
  6. Magdalena Hörmann-Weingartner: Kastellatz. In: Magdalena Hörmann-Weingartner (Hrsg.), Tiroler Burgenbuch. X. Band: Überetsch und Südtiroler Unterland. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 2011, ISBN 978-88-8266-780-1, S. 307–308.
  7. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.
  8. Schulsprengel Tramin. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.