Transgender

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Transgender (lat. trans „jenseitig“, „darüber hinaus“ und engl. gender „soziales Geschlecht“) ist ein Begriff für Abweichungen von der sozialen Geschlechterrolle beziehungsweise den sozialen Geschlechtsmerkmalen (Gender).

Der Begriff „Transgender“ kann als eine positive Selbstbeschreibung und Positionsbestimmung im gesellschaftlichen heteronormativen Raum dienen: Menschen, die sich nicht klar auf eine der naturalisierten Rollen Mann oder Frau festlegen können oder wollen, bezeichnen sich selbst auch als genderqueer (vgl. queer) oder non-binary (mit nichtbinärer Geschlechtsidentität).

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Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transfrau-Symbol (Marssymbol in der Pose des Venussymbols); zugleich ein Symbolvorschlag für den Zwergplaneten (136199) Eris (Unicode: U+29EC ⧬) [1][2]

Der Begriff „Transgender“ ist eine Bezeichnung für Menschen, die sich mit ihrem ursprünglichen biologischen Geschlecht nur unzureichend oder gar nicht identifizieren und ihr biologisches Geschlecht als falsch empfindenen.

Transmänner sind Menschen, die in einem weiblichen Körper geboren wurden, ihr gelebtes soziales Geschlecht orientiert sich dagegen an Verhaltensweisen und Rollen, die in der Gesellschaft als männlich betrachtet werden. Ihr Ziel ist im Allgemeinen eine gesellschaftliche Anerkennung als Mann. Transfrauen wurden in einem männlichen Körper geboren, ihr gelebtes soziales Geschlecht orientiert sich allerdings an Verhaltensweisen und Rollen, die gesellschaftlich mehr als weiblich betrachtet werden. Ihr Ziel ist im Allgemeinen eine gesellschaftliche Anerkennung als Frau. Manche Transgender bezeichnen sich ausschließlich als Person des identifizierten Geschlechts (Mann/Frau), einzelne lehnen auch generell jede eindeutige Form einer Geschlechtszuweisung oder -kategorisierung ab.

Von Transgender-Aktivisten wird Transgender auch als Oberbegriff für sämtliche Menschen verwendet, die sich sichtbar einer eindeutigen Geschlechtszuordnung entziehen. Als bekannte Unterbegriffe zu diesem Oberbegriff definieren sie Transsexualität und Transvestitismus. Allerdings werden gelegentlich auch einige andere nicht-transsexuelle Menschen ebenfalls als Transgender bezeichnet, die ständig oder vorwiegend in einer anderen Geschlechterrolle leben oder sich in diese einfühlen. Dazu zählen zum Beispiel Androgynie, Bigender, Cross-Dressing, Drag King oder Drag Queen.
Die letzten drei Erscheinungsformen gelten dann als Transgender, wenn das Überschreiten der Geschlechterrolle nicht nur als Travestie im Sinne einer öffentlich zur Schau gestellten Verkleidungskunst anzusehen ist. Üblicherweise nicht eingeschlossen wird hingegen transvestitischer Fetischismus, bei dem der Wechsel der Geschlechterrollen nur zeitweise geschieht und einer sexuellen Stimulation dient, allerdings kann im Einzelfall die Abgrenzung schwierig sein.

Ob und in welchem Maße Transgender medizinische geschlechtsangleichende Maßnahmen anstreben, ist im Einzelfall verschieden, dies gilt jedoch oft als notwendige Voraussetzung für eine gesetzliche Änderung des Vornamens und Personenstandes.

Das Gegenteil zum Begriff Transgender lautet Cisgender (lat. cis für diesseits und engl. gender für Geschlecht). Dieser Begriff entwickelte sich aus dem Begriff Zissexualität, der vom Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch geprägt wurde und Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität mit ihrem angeborenen biologischen Geschlecht übereinstimmt.[3][4][5][6][7][8]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transgender wird heute fast ausschließlich als ein Oberbegriff benutzt. Außerdem wählen solche Menschen den Begriff Transgender als eine Selbstbezeichnung, die sich nicht auf eine der engeren Kategorien festlegen wollen. Der Begriff „Transgender“ wurde in den 1970er Jahren in den USA von Virginia Prince (* 23. November 1912 in Los Angeles, Kalifornien als Arnold Lowman; † 2009) maßgeblich geprägt. Sie gründete 1960 die Zeitschrift Transvestia, die sie bis 1980 herausgab.

Sie bezeichnete sich selbst in dieser Zeit als heterosexueller Transvestit, um sich von homosexuellen und transsexuellen Menschen abgrenzen zu können.[9] Der Begriff „Transgender“ sollte Menschen beschreiben, die die soziale Geschlechtsrolle vollständig wechseln, egal ob chirurgische Eingriffe und geschlechtsangleichende Maßnahmen vorgenommen wurden.

Seit den 1980er Jahren wurde der Begriff „Transgender“ zunehmend als ein gender-politischer Oberbegriff gebraucht. Gleichzeitig und parallel mit der Ablösung der Bezeichnung women’s studies (Frauenforschung) durch Gender Studies setzte sich in den USA für die erste Gruppe der Begriff Transgenderist durch. Diese Gruppierung ist in Europa kaum bis gar nicht vertreten. In Europa hat ein breiterer öffentlicher Transgender-Diskurs erst um 1995 begonnen.

Richtungsweisend war 1994 das DSM-IV: Es löste bei Geschlechtsidentitätsstörung die älteren medizinischen Diagnosen Transsexualität und Transvestitismus ab. Häufig − vor allem im nicht-medizinischen Bereich − wird der Begriff Transgender analog zu GID (englisch: Gender Identity Disorder), und GIDNOS[10] (englisch: GID not otherwise specified) verwendet. Im Bereich der Psychologie wird gelegentlich abgegrenzt zwischen dem Begriff GID, welcher den Begriff Transsexualität ersetzen sollte, und GIDNOS, der Transgender als einen nicht-klinischen Begriff einschließt.

Rollenwechsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbruch aus der Geschlechterrolle: Eine Brigantin in Süditalien, Mitte des 19. Jahrhunderts

Berichte über Personen oder Vorfälle, die einen Rollenwechsel beschreiben, lassen sich in nahezu allen Kulturen finden. Viele Kulturen kennen den rituellen Wechsel der Geschlechtsrolle, der meist von einer zeitweiligen Dauer ist. Etliche Kulturen haben spezifische soziale Rollen für Menschen, die sich ihrem Geburtsgeschlecht nicht zugehörig fühlen oder aus anderen Gründen die ihrem körperlichen Geschlecht entsprechende Rolle nicht einnehmen. Hierzu zählen unter anderen:

Es lässt sich nicht immer eine Aussage darüber treffen, ob ein Verhalten durch eine Transgender-Person oder lediglich durch eine Umgehung der Grenzen der jeweiligen Geschlechtsrolle begründet war, zum Beispiel bei Frauen, die als Männer verkleidet Soldaten wurden. Außerdem existierten Begriffe wie „Transgender“, „Transsexualität“ oder „Homosexualität“ noch gar nicht. Häufig sind die Vorfälle davon geprägt, dass sie im Zusammenhang mit einer strafrechtlichen oder religiösen Verfolgung zustande kamen.

Ein Wechsel der zugewiesenen Geschlechtsrolle kann pragmatische Gründe haben: Beispiele sind Frauen, die sich in Situationen, in denen sie eine Vergewaltigung befürchten müssen − etwa im Krieg − als Männer verkleiden. Oder es gibt Männer, die sich als Frauen verkleiden, um einem Massaker entkommen zu können.

Reaktionen und Sanktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Abweichen von den jeweilig vorgegebenen Geschlechtsrollen wird üblicherweise sozial, häufig auch strafrechtlich oder religiös negativ sanktioniert. So wurde Jeanne d’Arc unter anderem deswegen verbrannt, weil sie sich weigerte, einen Eid abzulegen, niemals wieder Männerkleidung anzuziehen.

Während entsprechende Gesetze in Europa in den letzten Jahrzehnten abgeschafft wurden oder nie bestanden, gibt es selbst in einigen US-amerikanischen Counties noch Gesetze, die das öffentliche Tragen von nicht zum angeborenen Geschlecht gehöriger Kleidung (siehe Cross-Dressing) unter Strafe stellen; allerdings werden diese mit zunehmender Liberalisierung immer seltener angewandt.[11] Weiterhin gibt es in den meisten westlichen (Europa, Nordamerika) sowie einigen anderen Ländern (zum Beispiel Japan, Iran) mittlerweile Gesetze, welche die rechtlichen Aspekte eines Geschlechtsrollenwechsels regeln. In vielen nicht-westlichen Ländern allerdings wird entsprechendes Verhalten wesentlich härter bestraft, bis hin zur Todesstrafe (beispielsweise in vielen Ländern mit islamischer Mehrheit).

Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der heutigen westlichen Gesellschaft sind sowohl rituelle als auch aus Not geborene Geschlechtsrollenwechsel äußerst selten geworden, so dass man nahezu immer davon ausgehen kann, dass, wer dort Transgender-Verhalten zeigt, dies aus innerer Notwendigkeit tut. Denn eine von den üblichen Geschlechtsrollen abweichende Geschlechtsrollenpräsentation beruht üblicherweise nicht oder nur bedingt auf einer freiwilligen Entscheidung, sondern sie ist für einige Transgender eine innere Notwendigkeit, da sie die Präsentation in einer akzeptierten Geschlechtsrolle (Heteronormativität) sehr belastend oder sogar als unlebbar empfinden. Viele Transgender bemühen sich, oft jahre- oder gar jahrzehntelang, darum, den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen, schaffen dies aber nie so, dass sie sich selber in dieser Rolle wohlfühlen. Viele schaffen es nicht einmal, andere Menschen von diesem Konflikt mit der ihrem inneren Empfinden nicht entsprechenden Geschlechtsrollenpräsentation zu überzeugen. Aus diesem Konflikt entstehen häufig psychische Probleme, psychische und psychosomatische Krankheiten, Suchtprobleme und ähnliches.

Klassifikation nach ICD-10
F64.0 Transsexualismus
F64.9 Störung der Geschlechtsidentität, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Dieser Tatsache teilweise Rechnung trägt in Deutschland seit 1980 das Transsexuellengesetz, welches zumindest die rechtlichen Notwendigkeiten eines Geschlechtsrollenwechsels von weiblich zu männlich (oder umgekehrt) regelt, da Transsexualität als medizinisch behandlungsbedürftiger Zustand anerkannt ist. Wenn auch mit unterschiedlichen Folgen hinsichtlich der Kostenübernahmen für chirurgische oder andere medizinische Maßnahmen existiert die Diagnose F64.9, die neben Intersexualität unter anderem auch für Transgender angewendet wird.

Viele Transgender kritisieren mittlerweile allerdings, dass nur für die medizinische Diagnose Transsexualität, die nur einen relativ kleinen Teil des Trandgender-Spektrums umfasst, beispielsweise chirurgische Maßnahmen zur Leistungspflicht der Krankenkassen gehören, während Transgendern, welche die Kriterien für Transsexualität nicht erfüllen, die aber juristische oder medizinische Maßnahmen ebenso benötigen, diese nicht oder nur unter Schwierigkeiten erhalten können.

Einige Transsexuelle dagegen beharren auf der Beibehaltung des Transsexuellengesetzes in seiner bisherigen Form und den medizinisch unterschiedlichen Diagnosen, weil sie bei einer Aufweichung der Grenzen einen Verlust in ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz befürchten.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Ursache von Transgendern ist nichts bekannt. Zwar existieren eine Vielzahl von psychologischen Theorien und auch einige, die körperliche Ursachen annehmen, jedoch konnte keine dieser Theorien bisher empirisch belegt werden. Zu jeder einzelnen bis dato postulierten Theorie jedoch lassen sich etliche Gegenbeispiele finden, sowohl unter Transgendern, auf welche die postulierte Ursache nicht, als auch unter Cisgendern (Nicht-Transgendern), auf die sie zutrifft.

Laut deutschem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2007) bezeichnet der Begriff „Gender“ diejenigen Geschlechterrollen, die gesellschaftlich, sozial und kulturell geprägt seien. Sie seien „– anders als das biologische Geschlecht – erlernt und damit auch veränderbar.“[12]

Transgender und Sexualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich sind Transgender unabhängig von der sexuellen Orientierung und sexuellen Vorlieben; sämtliche sexuellen Variationen, die bei Cisgendern bekannt sind, gibt es auch bei Transgendern.

Die häufige Assoziation insbesondere von Transfrauen mit Prostitution (oder anderen Arbeiten in der Sexindustrie) rührt daher, dass in vielen Gesellschaften Prostitution die einzige Möglichkeit für Transfrauen ist, Geld zu verdienen, oder die einzige gesellschaftlich anerkannte Rolle für Transfrauen.

Die ebenfalls häufige Assoziation mit Homosexualität hat zwei Ursachen; zum einen die Tatsache, dass lesbische oder schwule Kreise häufiger sowohl Raum als auch Vorbild für Menschen mit abweichender Geschlechtsrollenpräsentation boten. Zum anderen bevorzugen auch Transgender häufig Menschen mit einem anderen Geschlecht als Partner, und zwar mit einem anderen Identitätsgeschlecht. Dies führt häufig zu Beziehungen, die für Außenstehende homosexuell erscheinen. Die betreffenden Personen betrachten solche Beziehungen allerdings meist als heterosexuell.

Zwar wird die Behandlung oder Begutachtung von Transgendern häufig von Sexualwissenschaftlern vorgenommen, jedoch (anders als häufig angenommen) haben Geschlechtsidentität und Sexualität – zumindest bei Transgendern – nur wenig miteinander zu tun. So leben nicht etwa alle Transgender heterosexuell, sondern im Gegenteil sind ein Teil von ihnen lesbisch oder schwul, oder auch bi- oder pansexuell. Auch unter jenen Transgendern, die keinen vollständigen Wechsel der Geschlechtsrolle anstreben (Cross-Dresser und andere) ist eine ebenso große Mehrzahl heterosexuell veranlagt wie im Durchschnitt aller Menschen.

Transgender versus Transsexualität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl (oder gerade weil) Transsexualität als eine Form von Transgender erscheint, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Transsexuellen, die den Begriff, und/oder jegliche Kommunikation, Zusammenarbeit oder Allianz mit nicht-transsexuellen Transgendern ablehnen, und vor allem politisch motivierten Transgendern andererseits. Die Gruppen unterscheiden sich deutlich im Wunsch und in der Ablehnung von operativen Maßnahmen. Während die einen geschlechtsangleichende Operationen anstreben, werden diese von anderen als Verstümmelungen angesehen und abgelehnt.

Wo einerseits „klassische“ Transsexuelle oft argumentieren, dass sie darunter leiden, transsexuell zu sein, und nur ein normales Leben führen möchten, während Transgender (manchmal wird hier stattdessen auch „Transvestiten“ benutzt oder Transvestitismus, also ein nur zeitweiliger Rollenwechsel, impliziert) zum Teil durch ihr Äußeres Aufsehen erregen wollen, oder dadurch „Spaß haben“ möchten, verweisen einige Transgender andererseits darauf, dass a) nicht-transsexuelle Transgender genauso leiden können und genauso medizinische und juristische Maßnahmen benötigen können wie Transsexuelle, und dass b) noch lange nicht alle nicht-transsexuellen Transgender Aufsehen erregen möchten oder „Spaß haben“ wollen, sondern es genauso nicht-transsexuelle Transgender gibt, welche ebenfalls für sich persönlich kein großes Interesse daran haben, irgendwie aufzufallen in Hinsicht auf ihre Geschlechtszugehörigkeit.

Diese angenommene Unterscheidungsmöglichkeit wird zunächst durch die ICD-10-Definitionen von „Störungen der Geschlechtsidentität“ insoweit unterstützt, weil dieses unter F64.0 (Transsexualität, vollständiger Geschlechtsrollenwechsel innerhalb eines als binär verstandenen Systems, unter Inanspruchnahme „so weit wie möglicher“ medizinischer Maßnahmen) und F64.9 (nicht näher definierte Geschlechtsidentitätsstörung) eine ähnliche Unterscheidung trifft. Allerdings ignorieren die Argumentationen nach ICD folgende Faktoren:

  • Die ICD-Definition ist nach dem allgemeinen wissenschaftlichen Konsens veraltet.
  • Das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) verzichtet gänzlich auf den Begriff Transsexualismus und spricht (unter der Nummer 302.85 für Adoleszente und Erwachsene bzw.302.6 für Kinder) nur noch allgemein von Geschlechtsidentitätsstörungen, welche in unterschiedlich schwerer Form auftreten und bei welcher die notwendigen Behandlungen jeweils auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt sind und nicht nur eine Alles-oder-Nichts-Alternative bieten.
  • Und nicht zuletzt jene nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen, welche zwar einen Geschlechtsrollenwechsel samt den für sie notwendigen medizinischen und juristischen Maßnahmen benötigen oder bereits vollzogen haben, die jedoch, sei es, weil sie ein binäres Geschlechterverständnis ablehnen oder gewisse medizinische Maßnahmen für sich nicht benötigen, nicht die strikte Definition von F64.0 erfüllen.

Andere Transsexuelle begrüßen den Begriff „Transgender“, weil er nicht den in der deutschen Sprache problematischen Wortbestandteil sex enthält, da hier, anders als im Englischen mit den beiden Ausdrücken sex für das körperliche und gender für das soziale Geschlecht, nur ein einziger Begriff existiert. Dieser Umstand führt sprachbedingt im Allgemeinen zu dem Missverständnis, dass Transsexualität primär ein sexuelles Problem sei. Aus diesem Grund, und dem Umstand, dass in der deutschen Sprache die Geschlechtszuordnung eben mit dem biologischen Geschlecht gleichgesetzt wird, wird der Begriff „Transsexualität“ in Deutschland häufiger, in Österreich seltener auch durch den Begriff der Transidentität ersetzt.

Intersexuelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Intersexualität

In einigen Definitionen werden pauschal alle intersexuellen Menschen, also Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht eindeutig ist, unter Transgender subsumiert. Andere Definitionen betrachten nur diejenigen Intersexuellen als Transgender, die ihre Geschlechtzuweisung in irgendeiner Form als problematisch empfinden.

Häufigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prävalenz in Deutschland lässt sich aus den Fallzahlen des Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BmJV) ableiten. Die Geschäftsbelastung bei Gerichten und Staatsanwaltschaften für den Bereich freiwillige Gerichtsbarkeit weist für den Zeitraum 1981 bis 2014 etwa 21.400 Verfahren nach dem Transsexuellengesetz (TSG, Verfahren zur Namens- und Personenstandsänderung) aus. Die Fallzahlen sind seit Jahren steigend und liegen derzeit (2014) bei über 1.400 pro Jahr. [13] [14] Hochgerechnet auf die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland ergibt das eine Gesamtzahl von 100.000 Menschen oder eine Prävalenz von 1:800 (0,13 % der Gesamtbevölkerung). Eine Häufigkeit von 1:400 (0,26 % der Gesamtbevölkerung) ergibt sich, wenn man die jährlichen Fallzahlen ins Verhältnis zu den jährlichen Geburten setzt.

Darin nicht eingerechnet sind Menschen, die sich zwar als transgender, transsexuell oder transident verstehen, sich aber nicht in eines von derzeit zwei verfügbaren Geschlechtern nach dem Personenstandsgesetz einordnen wollen und deshalb keinen Antrag nach TSG stellen. Seit 2011, auf Grund eines Urteil des Bundesverfassungsgerichts, sind für eine Personenstandsänderung nach TSG medizinische Maßnahmen nicht mehr zwingend erforderlich, so dass auch ein rein sozialer Wechsel des Geschlechts rechtlich möglich ist.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016, die insgesamt 32 Studien einschloss, gab die Prävalenz für chirugrische bzw. hormonelle Therapie mit 9,2/100.000 bzw. 1/10.870 (95% Konfidenzintervall (KI): 4.9–13.6) und für eine mit Transgender in Bezug stehende Diagnose mit 6.8/100.000 bzw. 1/14.700(95% KI: 4.6–9.1) an. Aufgrund der eingeschlossenen Studien, die Selbstangaben zu einer Transgender-Geschlechtsidentität untersucht hatten, kam die Metaanalyse auf eine mittlere Prävalenz von 871/100.000 bzw. 1/115 (95% KI: 519–1.224). Dieses Ergebnis wurde jedoch sehr stark durch eine einzelne Ausreißer-Studie beeinflusst, ohne die sich eine Prävalenz von 355/100.000 bzw. 1/282 (95% KI: 144-566) ergab. Innerhalb der wissenschaftlichen Studien, die sich mit der Häufigkeit von Transgender auseinandersetzen, fanden die Forscher eine ausgeprägte Heterogenität. Insbesondere uneinheitliche Falldefinitionen würden die Forschung zu dem Thema erschweren. [15]

Die Daten in der folgenden Tabelle stammen aus einem Artikel1 von Lynn Conway2 und sind grobe Schätzwerte zur Prävalenz3 in den USA. Laut Conway beruht die Unsicherheit der Schätzungen auch darauf, dass die Begriffe teilweise verschieden interpretiert werden.

Schätzungen zur Prävalenz3 von Cross-Dressing und TG/TS-Veranlagungen in den USA (2001)
TG: Transgender, TS: Transsexualität, GA-OP: Geschlechtsangleichende Operation
Kriterium Konservative5 Schätzung
der gegenwärtigen Prävalenz
 %
von
bis
Intrinsische“ Prävalenz,6
wahrscheinlicher Mindestwert
Intensives Cross-Dressing4 in Teilzeit 1:50 2,0–5,0 1:20
Personen mit starken TG-Gefühlen 1:200 0,5–2,0 1:50
Personen mit intensiven TS-Gefühlen 1:500 0,2–0,7 1:150
TG-Transitionen7 (ohne GA-OP) 1:1000 0,1–0,5 1:200
TS-Transitionen (mit GA-OP) 1:2500 0,04–0,2 1:500
  1. Lynn Conway: How Frequently Does Transsexualism Occur? (17.12.2002). Übersetzung: Wie häufig tritt Transsexualität auf?
  2. Biographieabriss von Lynn Conway – englisch (2006)
  3. Prävalenz: Anteil der Betroffenen in der Bevölkerung
  4. „Cross-Dressing“ bezeichnet das Tragen der typischen Kleidung des anderen Geschlechts
  5. Konservative Schätzung: bisher von Psychiatern festgestellte/angegebene Prävalenz
  6. „Intrinsisch“: geschätzte Prävalenz inklusive „Dunkelziffer
  7. „Transition“: Wechsel des sozialen Geschlechts bzw. der Geschlechterrolle (englisch „transgender transition“)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Transgender, Transsexualität und Geschlechtervielfalt – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Transgender, Transsexualität und Geschlechtervielfalt

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helma Katrin Alter: Gleiche Chancen für alle. Transidentität in Deutschland. KatrinLive SV, Köln 1999 und Norderstedt 2000, ISBN 3-89811-043-5.
  • Kate Bornstein: My Gender Workbook – how to become a real man, a real woman, the real you, or something else entirely. Routledge, New York 1998, ISBN 0-415-91673-9.
  • Judith Butler: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Suhrkamp, Frankfurt 1995, ISBN 3-518-11737-8.
  • Patrick Califia: Sex changes. The politics of transgenderism. Cleis Press, San Francisco 2003, ISBN 1-57344-180-5.
  • Lezlie Feinberg: Transgender Warriors: Making History from Joan of Arc to Dennis Rodman Beacon Press, Boston 1997, ISBN 0-8070-7941-3.
  • Elisabeth Greif: Doing Trans/Gender. Rechtliche Dimensionen. Universitätsverlag Rudolf Trauner, Linz 2005, ISBN 3-85487-832-X.
  • Stefan Hirschauer: Die soziale Konstruktion der Transsexualität. Suhrkamp, Frankfurt 1993, ISBN 3-518-28645-5.
  • Judith Lorber: Gender-Paradoxien. Leske und Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3743-5.
  • Polymorph (Hrsg.): (k)ein geschlecht oder viele – Transgender in politischer Perspektive. Querverlag, Berlin 2002, ISBN 3-89656-084-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Transgender – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zane B. Stein: Chiron and Friends – Eris. Abgerufen am 30. Mai 2015 (englisch). (Website eines US-amerikanischen Astrologen)
  2. Hail Eris! AstroGraph Astrology, englisch
  3. Volkmar Sigusch: Die Transsexuellen und unser nosomorpher Blick. In: Zeitschrift für Sexualforschung. Band 4, 1991, S. 225–256, 309–343.
  4. Volkmar Sigusch: Geschlechtswechsel. Klein, Hamburg 1992 (Taschenbuch: 1995)
  5. Volkmar Sigusch: Transsexueller Wunsch und zissexuelle Abwehr. In: Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse. Band 49, 1995, S. 811–837.
  6. Volkmar Sigusch über Zissexuelle [1]
  7. Joan Roughgarden: Evolution's Rainbow. Diversity, Gender, and Sexuality in Nature and People. Taschenbuchausgabe. University of California Press, Berkeley (USA) 2004, ISBN 0-520-24679-9. (engl.)
  8. „Frequently Asked Questions“ auf der Website der University of Texas, Austin (USA): „FAQ – Transgender Issues“; „How should I identify myself if I am not transgender?“ (engl.)
  9. Ekins Richard, King Dave: Virginia Prince Transgender Pioneer. In: International Journal of Transgenderism. Band 8, Nr. 4, 2005, S. 8.
  10. „GID“: Englisches Akronym für: gender identity disorder – englischsprachige Wikipedia
    „GIDNOS“: Englisches Akronym für „GID not otherwise specified“ (deutsch = „GID nicht anderweitig spezifiziert“)
  11. aclu.org
  12. Definitionen „Gender Mainstreaming“, „Gender“ und „Mainstreaming“ (Memento vom 30. November 2007 im Internet Archive) des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen & Jugend. (Stand 30. Nov. 2007)
  13. https://www.bundesjustizamt.de/DE/SharedDocs/Publikationen/Justizstatistik/Geschaeftsentwicklung_Amtsgerichte.pdf?__blob=publicationFile&v=9
  14. Prävalenz: „Wie viele Transsexuelle gibt es in Deutschland?“ www.dgti.org www.trans-ident.de
  15. Collin L, Reisner SL, Tangpricha V, Goodman M: Prevalence of Transgender Depends on the "Case" Definition: A Systematic Review. In: J Sex Med Band 13, Nr. 4, 2016, S. 613-26.