Transkriptionsystem der chinesischen Post

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Postalische Karte von Shanghai 1930

Das Transkriptionsystem der chinesischen Post (chinesisch 郵政式拼音Pinyin Yóuzhèngshì Pīnyīn, W.-G. Yu2-cheng4-shih4 P'in1-yin1) war das Transkriptionssystem für chinesische Ortsnamen, das in der späten Qing-Dynastie in Gebrauch kam und offiziell durch die Kaiserliche Gemeinsame Postkonferenz (chinesisch 帝國郵電聯席會議), die in Shanghai im Frühjahr 1906 stattfand, sanktioniert wurde. Dieses Transkriptionssystem wurde nach dem Untergang der Qing-Dynastie (1912) beibehalten, und da es seither im offiziellen Postatlas der Republik China (ROC) in Gebrauch ist, blieb es bis weit ins 20. Jh hinein der üblichste Weg, chinesische Ortsnamen im Westen durch Kartografen umzusetzen.

Nach Gründung der Volksrepublik China, der Ablösung der Republik China durch sie bei den Vereinten Nationen 1972 und der Verwendung von Pinyin als internationalem Standard 1982 durch die ISO wurde das Transkriptionssystem der chinesischen Post teilweise durch Pinyin für Han-chinesische Ortsnamen und SASM/GNC-Transkription für Ortsnamen ethnischer Minderheitensprachen ersetzt, was mittlerweile fast weltweit akzeptiert ist.[1]

Das System baute auf Wade-Giles auf zur Verwendung bei der Post, insbesondere bei Ortsnamen im offiziellen Postatlas, Briefen und Briefmarken. Es verwendet einige seinerzeit übliche europäische Bezeichnungen von chinesischen Orten, die Vorrang vor der Wade-Giles-Schreibung hatten, und umfasst einige dialektale und historische Aussprachen.

Hauptunterschiede zu Wade-Giles sind u.a.:

  • Vollständiges Fehlen diakritischer und Betonungszeichen (Akzente/Tonzeichen).
  • Chi, ch’i, and hsi (Pinyin ji, qi, and xi) werden entweder durch tsi, tsi und si oder durch ki, ki und hi dargestellt, abhängig von der historischen Aussprache, beispielsweise:
  • das Wade-Giles u wird w, außer es ist der einzige Vokal, beispielsweise:
  • Ortsnamen aus den Gebieten Guangdong (Kwangtung), Guangxi (Kwangsi) und Fujian (Fukien) werden aus den lokalen Dialekten transkribiert, z. B. Hakka, Yue und Min (Transkriptionssysteme ebenfalls entnommen aus Giles’ A Chinese-English Dictionary).
    • Amoy (Hsia-men, Xiamen)
    • Swatow (Shan-t’ou, Shantou)
    • Quemoy (Chin-men, Jinmen)
  • Weitverbreitete bereits vorher existierende (aus dem 19. Jahrhundert oder früher) europäische Namen für Orte in China werden beibehalten, wie beispielsweise die Namen der Vertragshäfen, z. B.:

Weitere orthografische Besonderheiten umfassen:

  • hs- wird sh- or -s, beispielsweise Kishien (aus Chi-hsien)
  • (schwa) und -ei werden beide zu -eh, beispielsweise Chengteh (aus Ch’eng-te) und Pehkiao (ausPei-ch’iao). kann gelegentlich auch -e or -ei sein.
  • Finales u wird manchmal -uh, beispielsweise Wensuh (aus Wen-su)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • China postal album: showing the postal establishments and postal routes in each province. 2nd ed., Peking: Directorate General of Posts, 1919.
  • China postal album: showing the postal establishments and postal routes in each province. 3rd ed., Nanking: Directorate General of Posts, 1936.
  • Playfair, G. M. H. The Cities and Towns of China: A Geographical Dictionary. 2nd. ed., Shanghai: Kelly & Walsh Ltd., 1910.
  • Harris, Lane. "A 'Lasting Boon to All': A Note on the Postal Romanization of Place Names, 1896-1949." Twentieth Century China 34, no. 1 (2008): 96-109 [1].
  • "Yóuzhèng shì pīnyīn" (邮政式拼音) Zhōngguó dà bǎikē quánshū: Yuyán wénzì (中国大百科全书:语言文字). Beijing: Zhōngguó dà bǎikē quánshū chūbǎnshè (中国大百科全书出版社), 1998.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "ISO 7098:1982 – Documentation – Romanization of Chinese". Abgerufen am 1. März 2009.