Transponierendes Musikinstrument

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Transponierende Musikinstrumente ist die übliche Bezeichnung für Musikinstrumente, bei denen die Notation nicht in der Tonhöhe erfolgt, die erklingen soll, sondern gegenüber dieser um ein jeweils bestimmtes Intervall verschoben ist.[1] Aus einer Angabe wie z. B. „Trompete in B“ auf dem Notenblatt ergibt sich, um welches Intervall der „klingende“ Ton vom notierten Ton abzuweichen hat. Für die Blechblasinstrumente wird in der Praxis der Grundton der jeweiligen Grundstimmung als c und alle anderen Töne entsprechend verschoben notiert. Bei Rohrblattinstrumenten gilt das Gleiche hinsichtlich ihrer jeweiligen Grundtonleiter.

Ein Zweck der Transposition ist es, dem Instrumentalisten das Spiel in wechselnden Stimmungen zu erleichtern. Durch die Transposition wird erreicht, dass dasselbe Notenbild stets demselben Griff oder demselben Naturton auf dem Instrument entspricht, z. B. bei Naturhörnern, die die Transposition durch Aufstecken entsprechend gestimmter Bögen erreichen.

Ein anderer Zweck – besonders bei der Oktavierung – ist es, das Notensystem ohne allzu viele Hilfslinien zu nutzen. Die oktavierte Notation wird daher für besonders hoch oder tief klingende Instrumente verwendet. Sie wird durch die Zahl 8 (international ggf. mit dem Zusatz va. für 'ottava') über oder unter dem Notenschlüssel für eine Oktave bzw. die Zahl 16 für die Spielweise zweier Oktaven höher oder tiefer kenntlich gemacht.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oktavierende Instrumente:

Im engeren Sinn sind transponierende Instrumente solche, die um ein anderes Intervall als die Oktave transponieren:

Der Umstand, dass die meisten Blechblasinstrumente die Grundstimmung B haben, wirkt sich auf ganze Musikrichtungen aus. Beispielsweise sind im New Orleans Jazz und Dixieland-Jazz Stücke bevorzugt in Tonarten wie B-Dur oder den im Quintenzirkel benachbarten Tonarten F-Dur oder Es-Dur gesetzt. Dadurch können die Instrumentalisten leicht Melodie und Begleitung in bequemen Griffweisen spielen, ohne dass die Virtuosität durch rein mechanische Anforderungen an Ventilkombinationen, Griffe und Züge behindert wird.

In der Wiener Klassik wurden die Pauken meistens transponierend notiert. Da das übliche Paukenpaar auf den Grundton und die Oberquinte gestimmt wurden, benutzte man in der Notation nur die Töne C und G. Die Anweisung zur entsprechenden Stimmung findet sich auch hier zu Beginn des Parts.

Hier anschaulich dargestellt:
Spielt eine B-Trompete den in transponierter "B-Notation" als C notierten Ton, so muss auf einem Klavier das B angeschlagen werden, damit derselbe Ton erklingt. Spielt das Es-Saxophon „sein“ C in "Es-Notation", so ist derselbe Ton auf dem Klavier das Es.

Notierung gleich klingender Töne bei transponierenden Instrumenten
Klavier C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H
Trompete
in B
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As
A Ais
B
H C Cis
Des
Saxophon
in Es
A Ais
B
H C Cis
Des
D Dis
Es
E F Fis
Ges
G Gis
As

Ältere Orchesterwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich benutzen Orchester sehr altes Notenmaterial, in dem noch Naturtrompeten, -hörner usw. vorgesehen waren. Diese Naturinstrumente konnte der Spieler während der Aufführung je nach Angabe auf dem Notenblatt wechseln oder durch Austausch von Rohrbögen umstimmen; die Noten sind dann ebenfalls wechselnd, für das jeweils angegebene Instrument passend, transponiert. Heute werden solche Bläserstimmen aber durchgehend auf ein und demselben modernen Instrument gespielt. Anstatt die Noten entsprechend umzuschreiben, sind manche Bläser geübt darin, direkt vom Blatt auch aus solchen jetzt „falsch“ transponierten Noten korrekt zu spielen (siehe Trompete).

Kuhlo-Notation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Posaunenchöre spielen üblicherweise aus der sogenannten Kuhlo- oder C-Notation, benannt nach Johannes Kuhlo. Bei dieser sind alle (üblicherweise vier) Stimmen in mit Akkolade zusammengefassten Notensystemen in einer Partitur angegeben. Die Bläser spielen unabhängig von der Grundstimmung ihres Instruments den notierten Ton klingend (Ausnahme: Tuba-Register, dieses hat eine Oktave nach unten zu oktavieren). Der Vorteil dieser Notationsart besteht darin, dass Posaunenchöre Sätze direkt aus Gesangbüchern und Noten für Gesangschöre spielen können.

Historisch entscheidend für die Entstehung war die für Kuhlo wichtige Abgrenzung zu weltlichen Kapellen: In Posaunenchören ausgebildete Trompeter und Hornisten hätten die transponierte Schreibweise lernen müssen, um zu weltlichen Blaskapellen zu wechseln, was Kuhlo zu verhindern suchte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In Wirklichkeit transponiert nicht das Instrument etwas, sondern die für dieses Instrument üblichen Noten sind (meist) transponiert geschrieben. Wird ein Instrument aber beispielsweise ohne Noten „nach Gehör“ erlernt und gespielt, verliert die Bezeichnung „transponierendes Instrument“ ihren Sinn.