Trapez (Astronomie)

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Die Trapezsterne im Zentrum des Orion-Nebels. Links im sichtbaren, rechts im infraroten Licht.

Das Trapez (auch θ1-Orionis) ist ein optischer Mehrfachstern im Zentrum des Orionnebels. Es besteht aus vier Sternen, die alle jeweils physische Mehrfachsterne sind. Tatsächlich ist das Trapez die hellste Komponente eines sehr dicht gepackten offenen Sternenhaufens (Trapezium Cluster) mit einem Durchmesser von etwa 1,5 Lichtjahren im Zentrum des Orionnebels.

Astronomische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trapezsterne haben sich vor etwa 1 bis 2.5 Millionen Jahren[1] direkt aus dem Material des Orionnebels gebildet und regen ihn heute durch Ionisation zum Leuchten an. Sie treiben die Gas- und Staubwolke durch ihren Sternwind auseinander und lassen eine sphäroide Aushöhlung entstehen, deren Inneres von der Ionisationsstrahlung erhellt wird und so den von der Erde aus deutlich sichtbaren Teil des Orionnebels bildet. Die Sterne im Trapez haben Massen zwischen 14 und 45 Sonnenmassen. Der Trapeziumhaufen ist eine jüngere Untergruppe des größeren Orionnebel-Haufens [2] (Orion Nebula Cluster, ONC), der aus etwa 2000 Sternen, verteilt über nur etwa 20 Lichtjahre, besteht.

Stern Spektralklasse Visuelle Helligkeit Bemerkung
θ1 Orionis A (HD 37020) B0V 6,7 Bedeckungsveränderlicher Doppelstern
θ1 Orionis B (HD 37021) B1V 8,0 Vierfachstern[3]
θ1 Orionis C (HD 37022) O7Vp 5,1 Mehrfachstern[4], hellste Quelle im Trapez
θ1 Orionis D (HD 37023) B1,5Vp 6,7 Doppelstern

Entdeckungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1610 richtete der französische Astronom Nicolas Claude Fabri de Peiresc sein Fernrohr auf diese Region.[5] [6] Er gilt heute als Entdecker der diffusen Erscheinung des Orionnebels.[7]

Dagegen gilt Galileo Galilei als Entdecker von drei der vier Trapezsterne im Inneren des Orionnebels (M42). Seine Beobachtungen schrieb er in seinem Notizbuch nieder. Von den vier Trapezsternen sah er die drei helleren Komponenten A, C und D. Er vermerkte, dass die Komponenten A und D etwa gleich hell sind und zu der Komponente C den gleichen Abstand haben. Ferner liegen die Komponenten A und D so dicht an C, dass sie diese praktisch berühren. Damit war Theta 1 Orionis der erste Stern, der mit einem Teleskop in mehrere Komponenten aufgelöst wurde. Eine Skizze aus Galileis Arbeit findet sich in Christopher Graneys Publikation On the Accuracy of Galileo's Observations. [8]

Im Jahre 1656 beobachtete der niederländische Astronom Christiaan Huygens den Orionnebel. Aufgrund seiner Zeichnung galt Christiaan Huygens bis ins 19. Jahrhundert als der Entdecker des Orionnebels und des Trapezes. Allerdings sah er - wie bereits Galileo Galilei zuvor - von den eigentlichen Trapezsternen zunächst nur drei. 1673 entdeckte Jean Picard einen vierten Stern im Inneren. Auch Christiaan Huygens bemerkte diesen Stern im Jahre 1684 und nannte später diese Vierergruppe „Trapezium“.

Identifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Trapez ist leicht an seiner namensgebenden charakterischen Form - gebildet von vier relativ hellen Sternen - erkennbar. Diese werden in der Regel als A, B, C und D in der Reihenfolge zunehmender Rektaszension identifiziert. Der hellste der vier Sterne ist C oder Theta1 Orionis C, mit einer scheinbaren Helligkeit von 5,13. Sowohl A und B wurden als Bedeckungsveränderliche identifiziert.

Infrarot-Aufnahmen des Trapezhaufens sind in der Lage die umgebenden Staubwolken zu durchdringen. Dadurch werden weitere Sterne sichtbar. Viele der Sterne im Trapezhaufen besitzen sogenannte Protoplanetare Scheiben deren Bestandteile durch Photoevaporation verteilt werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trapez (Astronomie) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. S. Simón-Díaz (2006), A. Herrero, C. Esteban, F. Najarro: Detailed spectroscopic analysis of the Trapezium cluster stars inside the Orion nebula. In: Astronomy and Astrophysics. 448, Nr. 1, ISSN 0004-6361, S. 351–366. Bibcode: 2006A&A...448..351S. doi:10.1051/0004-6361:20053066.
  2. Da Rio et al. (2014): The Structure, Dynamics, and Star Formation Rate of the Orion Nebula Cluster. In: The Astrophysical Journal, Volume 795, Issue 1, article id. 55, 16 pp., Bibcode: 2014ApJ...795...55D, doi:10.1088/0004-637X/795/1/55
  3. T. Preibisch (2009) Multiplicity of the Orion Trapezium stars
  4. H. Lehmann et al. (2010), Θ1 Orionis C - A triple system?, A&A 514, id.A34, 8 pp, Bibcode: 2010A&A...514A..34L
  5. Harald Siebert (2010): Die Entdeckung des Orionnebels. Historische Aufzeichnungen aus dem Jahr 1610 neu gesichtet. In: Sterne und Weltraum. Nr. 11, S. 32–42.
  6. Harald Siebert (2009): Peirescs Nebel im Sternbild Orion—eine neue Textgrundlage für die Geschichte von M42. In: Annals of Science, 66:2, 231-246, doi:10.1080/00033790801968857
  7. Guillaume Bigourdan (1916): La de´couverte de la ne´buleuse d’Orion par Peiresc. In: Comptes rendus de l’Académie des Sciences. Band 162, S. 489–490
  8. C. Graney (2007): On the Accuracy of Galileo's Observations. In: Baltic Astronomy, Vol. 16, p. 443-449, Bibcode: 2007BaltA..16..443G
  9. GRAVITY entdeckt, dass einer der Sterne im Orion-Trapez ein Doppelstern ist. Abgerufen am 19. September 2016.