Trautskirchen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Trautskirchen
Trautskirchen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Trautskirchen hervorgehoben

Koordinaten: 49° 27′ N, 10° 36′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim
Verwaltungs­gemeinschaft: Neuhof an der Zenn
Höhe: 340 m ü. NHN
Fläche: 19,83 km2
Einwohner: 1304 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner je km2
Postleitzahl: 90619
Vorwahl: 09107
Kfz-Kennzeichen: NEA, SEF, UFF
Gemeindeschlüssel: 09 5 75 166
Gemeindegliederung: 10 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
90619 Trautskirchen
Website: www.trautskirchen.de
Bürgermeister: Werner Wirth (SPD)
Lage der Gemeinde Trautskirchen im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim
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Über dieses Bild

Trautskirchen ist eine Gemeinde im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken. Sie ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Neuhof an der Zenn.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Naturpark Frankenhöhe.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hat zehn amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Die Fröschendorfer und Bucher Mühle sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Markt Erlbach, Neuhof an der Zenn, Rügland, Obernzenn und Bad Windsheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird in einer Urkunde, die zwischen 1057 und 1075 entstanden sein muss, als „Truteschirchen“ erstmals erwähnt. Bestimmungswort ist der Personenname „Trut“ bzw. „Trūt“, der als Stifter einer Kirche angesehen werden kann,[3] die durch den Eichstätter Bischof Gundekar II. geweiht wurde und das Patrozinium des Erzengels Michael erhielt.[4] 1278 kam Trautskirchen in Besitz des Klosters Heilsbronn. 1297 wird die Michaelskirche zur Pfarrei erhoben. Seit dem 14. Jahrhundert ist ein gleichnamiges Adelsgeschlecht auf einem Rittergut bezeugt. Mit dessen Aussterben im Jahr 1402 gelangte dieses an die Herren von Seckendorff. Während der Amtszeit von Hans Schmidt als Pfarrer von Trautskirchen und Neuhof erfolgte die Reformation.[5] Während des 30-jährigen Krieges wurde der Ort fast völlig zerstört. In der Folgezeit wechselten die Schlossherren häufig. 1708 waren es wieder die Seckendorffer, die anstelle des alten Schlosses ein neues errichteten.[6]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Trautskirchen 67 Anwesen. Das Hochgericht übte das Rittergut Trautskirchen im begrenzten Umfang aus. Es hatte ggf. an das brandenburg-bayreuthische Stadtvogteiamt Markt Erlbach auszuliefern. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Rittergut Trautskirchen inne. Grundherren waren das Rittergut Trautskirchen (63 Anwesen: Schloss, 18 Güter, 45 Tropfhäuser) und die Pfarrei Trautskirchen (Kirche, Pfarrhaus, 2 Häuser).[7] Das Rittergut Trautskirchen gehörte zu dieser Zeit den Freiherren von Falkenhausen und war dem Ritterkanton Altmühl steuerbar. Es übte das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft auch über Dagenbach aus. Neben den 63 Anwesen in Trautskirchen war es noch Grundherr in Dagenbach (6 Anwesen), Einersdorf (1) und Stöckach (1).[8]

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1810 kam Trautskirchen an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 das Steuerdistrikt und die Ruralgemeinde Trautskirchen gebildet.[9] Am 4. Januar 1821 wurde Dagenbach von Buch nach Trautskirchen umgemeindet. Am 30. Januar 1851 wurden Einersdorf und Stöckach von Neuhof nach Trautskirchen umgemeindet.[10] Ab 1862 wurde Trautskirchen von dem Bezirksamt Neustadt an der Aisch (1938 in Landkreis Neustadt an der Aisch umbenannt) und ab 1856 von dem Rentamt Markt Erlbach (1920–1929: Finanzamt Markt Erlbach, ab 1929: Finanzamt Neustadt an der Aisch) verwaltet. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Markt Erlbach, von 1880 bis 1959 Amtsgericht Markt Erlbach, ab 1959 Amtsgericht Fürth. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Gebietsfläche von 6,590 km².[11]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. März 1927 entstand nach einer von Albert Forster aus Fürth gehaltenen Rede in Trautskirchen eine Ortsgruppe der NSDAP. Nach einer Propagandarede des Dettendorfers Fritz Raab Ende Februar 1931 bei einer Versammlung der NSDAP wurden 14 Neueintritte in die NSDAP und weitere in den „Stahlhelm“ verzeichnet.[12]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1970 wurde ein Teil der aufgelösten Gemeinde Altselingsbach eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam die Gemeinde Buch aus dem Landkreis Uffenheim hinzu.[13]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1165 auf 1320 um 155 Einwohner bzw. um 13,3 %.

Gemeinde Trautskirchen

Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2012 2016
Einwohner 420 542 650 614 653 666 656 685 678 646 609 622 610 606 567 582 591 557 847 972 793 734 1141 1317 1335 1309
Häuser[14] 67 91 110 125 119 126 120 131 318 394
Quelle [15] [16] [17] [18] [17] [19] [17] [17] [20] [17] [17] [21] [17] [17] [17] [22] [17] [17] [17] [23] [11] [24] [25] [26] [26] [26]

Gemeindeteil Trautskirchen

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 420 484 436 483 515 470 452 798 667 625 719
Häuser[14] 67 82 93 88 103 94 107 192
Quelle [15] [16] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [11] [24] [25]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl 2020 führte zu folgender Sitzverteilung im Gemeinderat

  • CSU/Interessengemeinschaft 6 Sitze
  • SPD 2 Sitze
  • Die Linke 0 Sitze
  • Freie Wähler 4 Sitze

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Trautskirchen führt seit 1980 ein Wappen.

Wappen von Trautskirchen
Blasonierung:Geteilt von Silber und Schwarz; oben ein schlingenförmig gebogener und außen mit je vier Blättern besetzter roter Lindenzweig, unten schräg gekreuzt zwei silberne Flammenschwerter.“[27]

Weiß-rote Gemeindeflagge[28]

Wappenbegründung: Der geschlungene Lindenzweig ist die Wappenfigur der Freiherren von Seckendorff, die seit dem 14. Jahrhundert in Trautskirchen ansässig war. Die Flammenschwerter sind die Attribute des Heiligen Michael, dem die Pfarrkirche geweiht ist. Die Farben Silber und Schwarz weisen auf die einstigen Landesherren, die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Staatsstraße 2413 führt an Fröschendorf vorbei nach Buch bzw. nach Neuhof an der Zenn. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Hohenroth, Merzbach und Einersdorf.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Böckler (* 26. Februar 1875 in Trautskirchen; † 16. Februar 1951 in Düsseldorf) wurde 1949 erster Vorsitzender des DGB.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Trautskirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Wolferstadt in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 20. September 2019.
  3. W.-A. v. Reitzenstein, S. 223.
  4. R. Strobel, S. 171.
  5. Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950. (Neuauflage 1978 anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828-1978.) S. 194.
  6. H. Sponholz (Hrsg.), S. 128f.
  7. H. H. Hofmann, S. 134.
  8. H. H. Hofmann, S. 72.
  9. H. H. Hofmann, S. 226. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 34 (Digitalisat).
  10. H. H. Hofmann, S. 206.
  11. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 808 (Digitalisat).
  12. Wolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922–1933. Verlag Philipp Schmidt, 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4); ISBN 978-3-87707-990-4, S. 73 und 100.
  13. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 536, 582.
  14. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  15. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 92 (Digitalisat).
  16. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 99 (Digitalisat).
  17. a b c d e f g h i j k l Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 179, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  18. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1062, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  19. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1228, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  20. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1162 (Digitalisat).
  21. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1236 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1274-1271 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1102 (Digitalisat).
  24. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 176–177 (Digitalisat).
  25. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 342 (Digitalisat).
  26. a b c Trautskirchen: Amtliche Statistik des LfStat
  27. Eintrag zum Wappen von Trautskirchen in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  28. Trautskirchen. In: kommunalflaggen.eu. Abgerufen am 9. Mai 2020.