Trent Park

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Trent Park House
Trent Park Camp bei London: Deutsche Offiziere in alliierter Gefangenschaft, November 1944

Trent Park ist ein herrschaftliches Anwesen nördlich von London, das im Zweiten Weltkrieg als Kriegsgefangenenlager für deutsche und italienische Generäle und Stabsoffiziere benutzt wurde.

Geschichte des Geländes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge von Trent Park reichen in die Zeit Heinrichs IV. zurück. Er hatte in Enfield ein riesiges parkähnliches Gelände als Jagdrevier ausgebaut. Ein später auf dem Gelände errichtetes Landhaus geriet 1908 in den Besitz der Familie Sassoon.

Speziallager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod von Sir Philipp Sassoon wurde Trent Park von der britischen Regierung genutzt, die hier ein Speziallager für hochrangige Kriegsgefangene einrichtete. Die Räume des Lagers wurden vom britischen Geheimdienst abgehört. Protokolle der abgehörten Gespräche zwischen den verschiedenen gefangenen Offizieren waren eine wichtige Quelle für den britischen Geheimdienst.

Man brachte bewusst Offiziere hier unter, von denen man vermutete, dass sie über kurz oder lang in der entspannten Atmosphäre dieses Lagers beginnen würden, in Gesprächen untereinander ihre Kriegserfahrungen auszutauschen. Oft wurden hier ganz bewusst hochrangige Offiziere zusammengebracht, von denen der britische Geheimdienst wusste, dass sie unterschiedliche Ansichten zu grundlegenden Fragen vertraten. Die sich im Laufe der Zeit entwickelnden Diskussionen boten besonders reichhaltiges Material für die geheimdienstliche Auswertung.

So waren im Lager 1942 zunächst nur General der Panzertruppe Ludwig Crüwell (seit 26. August 1942) und General der Panzertruppe Wilhelm Ritter von Thoma (seit 20. November 1942) untergebracht, die beide in Nordafrika in Gefangenschaft geraten waren. Während Thoma dem Nazi-Regime kritisch gegenüberstand, hielt Crüwell die Haltung Thomas für defätistisch. Hieraus ergaben sich Dispute, die für die geheimdienstliche Auswertung reichlich Material boten.

Seit Mai 1943 kamen dann immer mehr hochrangige Offiziere – zunächst hauptsächlich Offiziere, die in Afrika gefangen genommen worden waren – in dieses Lager. So wurde der am 12. Mai 1943 in Tunis in Gefangenschaft geratene Generaloberst Hans-Jürgen von Arnim, zuvor Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Afrika, am 16. Mai 1943 nach Trent Park gebracht.

Deutsche Offiziere in Trent Park, November 1944

Von August 1942 bis zum Oktober 1945 sind insgesamt 84 deutsche Generäle in Trent Park gefangen gehalten worden. Als einziger Offizier der SS war Kurt Meyer, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS, im Lager.

Unter anderem wurden neben den oben schon genannten folgende hochrangige Offiziere in Trent Park festgehalten:

Die Secret Listeners[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Combined Services Detailed Interrogation Centre (CSDIC) bildete die Abhörkräfte aus, darunter auch deutsche Emigranten, denn zum Abhören der Gespräche waren umfassende Deutschkenntnisse erforderlich. Diese brachten vor allem deutsche Juden mit, die vor den Nazis nach England geflohen waren. Diese Secret Listeners, vermutlich insgesamt etwa 100 Personen, arbeiteten in Trent Park im sogenannten „M-Raum“[1], in dem sich auch die meist aus den USA stammenden Abhör- und Aufzeichnungsgeräte befanden.[2] Der letzte lebende Secret Listener (2017) ist der 1919 in Berlin geborene Fritz Lustig. Er kam 1939 mit einem der letzten Kindertransporte nach England und wurde bald darauf als Enemy Alien interniert. Nach dem englischen Kriegseintritt meldete er sich als Freiwilliger zur British Army und wechselte nach einer kurzen Pionier-Ausbildung zum CSDIC, das ihn in Trent Park einsetzte. Fritz Lustig gehört zu den aktiven Unterstützern der Save „Trent Park Campaign“, die in Trent Park ein Museum in Erinnerung an die „Secret Listeners“ einrichten möchte.[3]

Vergleichbare Lager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zur Internierung deutscher Atomwissenschaftler wurde in Farm Hall bei Cambridge im Rahmen der Operation Epsilon ein vergleichbares Lager eingerichtet, in dem die Wissenschaftler ebenfalls abgehört wurden.
  • In der Londoner Beltane School waren bis zu 250 deutsche Wissenschaftler und Technologieexperten interniert[4], die 1945 und 1946 aus Deutschland nach England gebracht worden waren. Das Lager hatte bis zu 44 Mitarbeiter und wurde 1947 nach Hampstead (London) verlegt,

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das „M“ stand für microphone = Mikrofon. Vergleiche auch: Helen Fry: The M Room: Secret Listeners who Bugged the Nazis in WW2
  2. The Nazi prisoners bugged by Germans, BBC News, 18. Januar 2013
  3. Save Trent Park Campaign Die Seite enthält mehrere Links zur aktuellen Situation, denn Trent Park soll möglicherweise in Luxuswohnungen umgewidmet werden. Über diesen Konflikt berichtete im April 2016 die BBC unter dem Titel ‚Last chance‘ for museum of secret listeners, wobei Trent Park als „As important as Bletchley Park“ gerühmt wurde. Die aktuellen Pläne der Investoren sind auf der Seite Trent Park Home einsehbar. Sie enthalten auch Pläne für ein kombiniertes Museum und Cafe auf ca. 980 m², doch welche Schwerpunkte dieses Museum haben soll, wird nicht näher ausgeführt.
  4. German prisoners helped UK firms with their expertise

Koordinaten: 51° 39′ 36″ N, 0° 8′ 4″ W