Trianel

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Trianel GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1999
Sitz Aachen, Deutschland
Leitung Sven Becker
Mitarbeiterzahl 347[1]
Umsatz 2,136 Mrd. EUR[1]
Branche Energiehandel und -versorgung
Website www.trianel.com
Stand: 31. Dezember 2016

Trianel-Kraftwerk in Hamm aus der Luft, 2013

Trianel (seit Dezember 2008 Trianel GmbH, zuvor Trianel European Energy Trading GmbH) ist ein europäisches Energieversorgungsunternehmen mit Schwerpunkt auf Energiehandel, Energieerzeugung und der Beratung von Stadtwerken.

Trianel wurde 1999 als Gemeinschaftsunternehmen von Stadtwerken, kommunalen und regionalen Versorgungsunternehmen gegründet, um eine gemeinsame Beschaffung auf den liberalisierten deutschen und europäischen Energiemärkten zu organisieren und Synergien zu erschließen. Inzwischen (Stand Juli 2012) gehören mehr als 100 Versorger als Partner oder Gesellschafter zum Trianel-Netzwerk.[2] Diese versorgen insgesamt mehr als sechs Millionen Menschen.[3]

Zur Gründung der Trianel GmbH hielt die Energie- und Wasserversorgung Mittleres Ruhrgebiet GmbH (ewmr) mit 24,69 Prozent und somit die Städte Bochum, Herne und Witten den größten Gesellschafteranteil.[4][5]

Trianel hat seinen Hauptsitz an der Krefelder Straße (B57) in Aachen neben dem Tivoli. Der Großteil der beteiligten Unternehmen stammte ursprünglich aus Nordwestdeutschland und den Niederlanden. Heute (Stand 2018) ist Trianel in Deutschland, Niederlande, in Österreich und der Schweiz aktiv.[2]

Die Trianel Energie B.V. in Maastricht mit einem Umsatz von 70,5 Mio. Euro und ca. 40 Beschäftigten musste am 22. Dezember 2012 Insolvenz anmelden.[6]

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Energiehandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupttätigkeit des Unternehmens ist der Handel mit Strom und Erdgas. Für die beteiligten Versorgungsunternehmen bündelt Trianel die Beschaffung.

Energieerzeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trianel-Kraftwerk in Lünen (im Bau)

Neben dem Handel ist Trianel auch in der Energieerzeugung als Betreiber von Kraftwerken und anderen Energieanlagen aktiv. So ist das Stadtwerke-Netzwerk federführend beim Bau und Betrieb des 850-MW-GuD-Kraftwerk Hamm-Uentrop.[7]

Seit dem Frühjahr 2008 baute Trianel ein 750-MW-Kohlekraftwerk am Stummhafen in Lünen, das 2013 ans Netz ging. An dem Kraftwerk sind rund 30 Stadtwerke beteiligt. Es ist das erste gemeinschaftlich von Stadtwerken betriebene Kohle-Großkraftwerk in Deutschland.[8] Geplant ist zudem der Bau eines weiteren GuD-Kraftwerks mit einer Leistung von bis zu 1200 MW in Krefeld-Uerdingen.[9]

Mit dem Trianel Windpark Borkum verantwortete das Unternehmen den Bau eines Offshore-Windparks in der Nordsee[10], der am 17. Juli 2015 ans Netz ging. Zusätzlich investiert das Unternehmen seit April 2012 in den Bau eines Onshore-Windparks in Eisleben[11] und seit Juli 2015 in den Energie- und Ressourcenpark Rabenau in Hessen.

Daneben plant Trianel den Bau zweier Pumpspeicherkraftwerke in Nordrhein-Westfalen und Thüringen.[12] Das Wasserspeicherkraftwerk Nethe soll im Weserbergland liegen und über eine Leistung von 390 MW verfügen.[13] Zudem beabsichtigt Trianel gemeinsam mit der Thüringer Fernwasserversorgung die Talsperre Schmalwasser zu einem Pumpspeicherkraftwerk auszubauen.[14]

In Epe betreibt Trianel seit Oktober 2008 einen unterirdischen Gasspeicher. Das gespeicherte Gas ermöglicht den beteiligten Stadtwerken, günstig eingekauftes Gas zwischenzulagern und so Preisspitzen abzufangen.[15][16]

Neue Technologien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Energiebeschaffung und -erzeugung sucht Trianel in einem weiteren Geschäftsfeld nach neuen Lösungen in den Bereichen E-Mobility, Smart Metering, Dezentrale Stromerzeugung und Energieeffizienz. Die dort im Netzwerk mit Projektpartnern entwickelten Produkte werden anschließend bei Marktreife den beteiligten Stadtwerken zum Vertrieb angeboten.[17]

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterhin bietet Trianel für Gesellschafter und Kunden Dienstleistungen wie Beratung und Know-How-Transfer, Emissionshandel, Finanzdienstleistungen, Netz- und Lastmanagement sowie Energieabrechnungen an.[18] Im Jahr 2012 wird zum ersten Mal eine Gewinnbeteiligung an die Gesellschafter ausgezahlt.[3]

Eigentümer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden größten Eigentümer sind die Stadtwerke Bochum Holding GmbH (14,07 %) und die Stadtwerke Aachen AG (11,97 %). Insgesamt sind 58 Unternehmen an der Trianel GmbH beteiligt, wovon vier in der Schweiz, den Niederlanden und Österreich ihren Sitz haben. Die meisten Eigentümer stammten aus Nordrhein-Westfalen.[19]

Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 ist Sven Becker Sprecher der Geschäftsführung.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trianel ist verschiedentlich mit seinen Kraftwerks-Projekten in die Kritik geraten. Besonders im Zusammenhang mit dem Kohlekraftwerk Lünen sieht sich das Unternehmen seit 2007 im Fokus von Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie Bürgerinitiativen.[20][21]

Der BUND hat im Jahr 2011 erfolgreich gegen den immissionsrechtlichen Vorbescheid für das Trianel-Kohlekraftwerk in Lünen geklagt. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat den Vorbescheid am 1. Dezember 2011 aufgehoben, weil die Umweltverträglichkeit des Kraftwerks bislang nicht hinreichend nachgewiesen sei.[22] Trianel will die Lücken im Nachweis der Umweltverträglichkeit schließen und geht davon aus, dass dann ein neuer Vorbescheid erteilt werden kann.[23]

Dass Trianel in Krefeld-Uerdingen mittlerweile den Bau eines Gas- und Dampfkraftwerks plant, ist nicht zuletzt auf eine Protest-Kampagne auf der Online-Plattform Campact zurückzuführen.[24] Ursprünglich wollte das Unternehmen in Krefeld ein 750-MW-Kohlekraftwerk errichten, das Ende 2012 ans Netz gehen und mit importierter Steinkohle befeuert werden sollte.[25][26] Als Reaktion auf die geänderte Energiepolitik der Bundesregierung votierten die beteiligten Stadtwerke im Juli 2011 jedoch für einen Wechsel vom als klimaschädlich kritisierten Energieträger Kohle auf Gas für die weitere Planung.[9]

Mit seinen Vorhaben zum Bau von Pumpspeicherkraftwerken trifft das Unternehmen mitunter auf Widerstand. Die Pläne zum Trianel Wasserspeicher Thüringen etwa polarisieren vor allem, weil die Anlage in der Nähe des Rennsteigs, einem der traditionsreichsten und ältesten Wanderwege Deutschlands, errichtet werden soll.[27]

Auch in der Eifel, wo Trianel den Rursee als Unterbecken für ein Pumpspeicherkraftwerk nutzen wollte, stießen die Pläne auf zum Teil heftige Kritik.[28][29] Die Gegner des Projektes befürchteten Schäden für die Natur sowie den naturnahen Tourismus, der das wirtschaftliche Standbein der strukturschwachen Region bildet. Der Speicher sollte in unmittelbarer Nähe des Nationalpark Eifel errichtet werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Trianel GmbH Aachen Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2016, im elektronischen Bundesanzeiger
  2. a b Eigendarstellung der Trianel-Gruppe
  3. a b Trianel setzt Wachstumskurs in allen Bereichen fort. Artikel über die Präsentation des Geschäftsberichts 2011 von Trianel in der Aachener Zeitung vom 3. Juli 2012
  4. Die wirtschaftliche Betätigung der Stadt Bochum, Beteiligungsbericht 2011, Seite 133 (PDF; 12,5 MB) (abgerufen am 5. November 2012).
  5. Die Gesellschafter der Trianel. Handelsregistereintrag, Stand: 09.2012 (abgerufen am 5. November 2012).
  6. Der Westen – Niederländische Trianel Tochter meldet Insolvenz an vom 28. Dezember 2012
  7. Website des Trianel GuD-Kraftwerks Hamm
  8. Website des Trianel Kohlekraftwerks Lünen
  9. a b Trianel projektiert GuD-Kraftwerk im CHEMPARK Krefeld-Uerdingen. Trianel, 7. Juli 2011, abgerufen am 20. Juli 2011.
  10. Website des Projekts Trianel Windpark Borkum
  11. Pressemitteilung von Trianel zum Baubeginn eines Onshore-Windparks in Eisleben (Sachsen-Anhalt)
  12. Trianel Wasserspeicherkraftwerksprojekte in NRW und Thüringen erreichen Meilenstein. Pressemitteilung von Trianel vom 16. Dezember 2011, abgerufen am 17. Dezember 2011
  13. Website des Projekts Trianel Wasserspeicher Nethe
  14. Website des Projekts Trianel Wasserspeicher Thüringen
  15. Informationen zum Gasspeicherstandort Epe (Memento des Originals vom 22. November 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rdb-ev.de (PDF; 1,1 MB)
  16. Website des Trianel Gasspeichers Epe
  17. Website des Geschäftsbereichs Neue Technologien von Trianel
  18. Übersicht über angebotene Leistungen von Trianel für Gesellschafter
  19. http://www.trianel.com/trianel/gesellschafter Stand: November 2018
  20. Seite des BUND zum Trianel-Kohlekraftwerk in Lünen
  21. Internetseite der BI – Kontra Kohle Kraftwerk e.V.
  22. Klage erfolgreich: BUND kippt Genehmigung für Kohlekraftwerk Lünen.
  23. Trianel Kohlekraftwerk steht kurz vor der Vollendung. Pressemitteilung von Trianel zum aktuellen Stand beim Bau des Kohlekraftwerks Lünen vom 8. März 2012
  24. Keine Kohle für Kohle: Klimakiller in Krefeld stoppen! (Memento des Originals vom 20. April 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.campact.de Protest-Kampagne Stadtwerke raus aus der Kohle bei Campact
  25. Trianel plant Bau eines Kohlekraftwerkes im Chemiepark Krefeld-Uerdingen. Pressemitteilung Trianel, 11. Dezember 2006. Abgerufen am 29. September 2014.
  26. Steinkohleimporte aus Kolumbien: Billige Energie auf Kosten von Mensch und Umwelt. Factsheet der klima-allianz deutschland, Mai 2011. Abgerufen am 15. Oktober 2014.
  27. Umstrittenes Mega-Projekt am Rennsteig. Artikel zum Projekt Trianel-Wasserspeicher Thüringen in der Südthüringer Zeitung vom 13. März 2012
  28. Kraftwerkspläne: Kritik am Trianel-Projekt wächst. Artikel im Kölner Stadtanzeiger vom 3. Januar 2013
  29. Wer würde für Schäden haften? Artikel in der Kölnischen Rundschau vom 17. Mai 2013