Trickdiebstahl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Trickdiebstahl ist ein Diebstahl, bei dem die Wegnahme durch eine Täuschung verschleiert wird, d. h. die Wegnahme ist für den Betroffenen als solche nicht erkennbar. Der Dieb wird häufig als Trickbetrüger bezeichnet. Eine Art von Trickdiebstahl ist der Vorschussbetrug.

Methoden[Bearbeiten]

Der Trickdieb wendet verschiedene Methoden an, um das Opfer abzulenken, zu täuschen oder in die Irre zu führen, um den Gewahrsam zu brechen. Dies kann u. a. durch Vortäuschung

  • einer Notlage mit Appell an die Hilfsbereitschaft,
  • von Hilfsbereitschaft,
  • einer Befugnis zum Betreten der Wohnung oder
  • einer persönlichen Beziehung

erfolgen.[1] Da häufig Senioren von Trickdiebstählen betroffen sind, versucht die Polizei verschiedene Präventionsmaßnahmen durch Initiativen und Beratung.[2]

Formen von Trickdiebstahl[Bearbeiten]

Die beim Trickdiebstahl verwendeten Formen sind vielfältig und können nach Region variieren. In Deutschland sind vor allem die folgenden Methoden verbreitet:

  • Geldwechseltrick: Der Täter bittet um das Wechseln von Münzen. Während das Opfer im Kleingeldfach seiner Geldbörse kramt, stiehlt der Täter unbemerkt Scheine aus dem Portemonnaie.
  • Betteltrick: Der Täter hält dem Opfer beispielsweise in Lokalen ein Schild hin. Während das Opfer das Schild liest, stiehlt der Täter unter dem Schild liegende Wertsachen vom Tisch.
  • Beschmutzertrick: Der Täter beschmutzt scheinbar versehentlich die Kleidung des Opfers. Während er anschließend versucht, den Dreck abzuwischen, stiehlt er unbemerkt Gegenstände aus der Jacke des Opfers.
  • Supermarkttrick: Das Opfer wird im Supermarkt von Fremden gefragt, wo sich bestimmte Artikel befinden. Während es seinen Blick über die Regale schweifen lässt, greift der Täter Wertsachen aus Taschen, die über dem Einkaufswagen hängen.
  • Blumentrick: Ein Fremder oder mehrere Fremde begrüßen das Opfer scheinbar freundschaftlich, umarmen es, stecken ihm womöglich eine Blume ans Revers. Dadurch abgelenkt, merkt das Opfer nicht, wie ihm die Brieftasche entwendet wird.
  • Taschenträgertrick: Diesem Trick fallen meist ältere Menschen zum Opfer, die nicht mehr gut tragen können. Der Täter bietet Hilfe beim Tragen von Taschen an. Dabei stiehlt er Wertsachen, die darin liegen.
  • Stadtplantrick: Das Opfer wird von einem angeblich ortsunkundigen Täter, der mit einem Stadtplan wedelt, nach dem Weg gefragt. Während sich das Opfer über den Plan beugt, stiehlt der Täter dann Dinge aus der Tasche, die unter dem Stadtplan am Arm des Opfers hängt.
  • Tickettrick: Der Täter bietet dem Opfer an einem Ticketautomaten eine nicht mehr benötigte Bahn- oder Busfahrkarte an. Nimmt das Opfer das Ticket an, fordert der Täter plötzlich einen vermeintlich kleinen Kostenbeitrag zum Ticket. Sucht das Opfer daraufhin nach Kleingeld in seiner Geldbörse, entwendet der Täter unbemerkt größere Scheine.
  • Enkeltrick: Der Täter ruft aus dem Telefonbuch zufällige Nummern von Personen mit älter klingenden Vornamen an. Hebt das Opfer ab, stellt der Täter zu Beginn des Gesprächs sinngemäß die Frage "Rate mal, wer dran ist?". Sobald das Opfer einen Namen nennt, beispielsweise eines Enkels oder nahen Bekannten, fordert der Täter oft unter massivem psychischen Druck auf das Opfer finanzielle Hilfe für eine wichtige persönliche Angelegenheit (bspw. einen Wohnungskauf oder eine Notfallbehandlung im Krankenhaus). Das Opfer übergibt das zugesagte Bargeld oder die Wertsachen an einen Kurier, der das Geld für den Täter abholt.

Strafrecht in Deutschland[Bearbeiten]

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Im deutschen Strafrecht ist die Straftat des Diebstahls von Betrug und Erpressung abzugrenzen. Die Tatbestände schließen sich gegenseitig aus (Exklusivitätsverhältnis). Bei täuschungsbedingter Sacherlangung kann es zu Abgrenzungsproblemen zwischen Diebstahl und Betrug kommen. Es ist dann der Gewahrsamswechsel von der Gewahrsamslockerung zu unterscheiden. Unter Gewahrsamslockerung versteht man die kurzfristige Überlassung einer Sache aufgrund einer Absprache unter Beibehaltung der räumlichen Nähe.[3] Jemand kann daher bei einer Tat im materiellen Sinne nur wegen Diebstahls oder Betrugs oder Erpressung bestraft werden.

Abgrenzung zu anderen Delikten[Bearbeiten]

Kennzeichnend für einen Diebstahl ist die Wegnahme, d. h. der Bruch fremden Gewahrsams. Der Betrug stellt hingegen ein Selbstschädigungsdelikt dar, d. h. das Opfer gibt eine Sache freiwillig heraus, weil es getäuscht wurde (z. B. über den Wert einer Gegenleistung). Das Opfer verfügt bewusst über einen Gegenstand (Vermögensverfügung). Bei der Erpressung wird die Weggabe durch Gewalt oder Drohung mit einem empfindlichen Übel erzwungen.

Abgrenzungsfälle[Bearbeiten]

Ein Beispiel für Trickdiebstahl ist das Vortäuschen einer Beschlagnahme (die nur durch entsprechend berechtigte Amtsträger erfolgen kann). Das Opfer lässt den Gewahrsamsübergang geschehen, da es glaubt, dazu verpflichtet zu sein. Diese Fallgruppe wird jedoch kontrovers in der Rechtswissenschaft diskutiert.

Ein weiteres Beispiel ist die Benutzung von anderen Personen als sog. mittelbarer Täter, die nicht wissen, dass eine Sache, die sie überreichen/übergeben/herausholen sollen, nicht dem Täter gehört, z. B. wenn sich jemand von einem Ahnungslosen einen Ball reichen lässt, der angeblich über den Zaun geflogen ist, in Wirklichkeit aber dem Eigentümer des Grundstücks gehört.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hinweise zum Trickdiebstahl (Memento vom 14. Februar 2006 im Internet Archive) der Stadt Berlin.
  2. Münchner Initiative gegen Trickdiebstahl – M.I.T.
  3. Trickdiebstahl bei Gewahrsamslockerung
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!