Trickdiebstahl

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Trickdiebstahl ist ein Diebstahl, bei dem die Wegnahme durch eine Täuschung verschleiert wird, das heißt die Wegnahme ist für den Betroffenen als solche nicht erkennbar.

Methoden[Bearbeiten]

Der Trickdieb wendet verschiedene Methoden an, um das Opfer abzulenken, zu täuschen oder in die Irre zu führen, um den Gewahrsam zu brechen. Dies kann u. a. durch Vortäuschung

  • einer Notlage mit Appell an die Hilfsbereitschaft,
  • von Hilfsbereitschaft,
  • einer Befugnis zum Betreten der Wohnung oder
  • einer persönlichen Beziehung

erfolgen.[1] Da häufig Senioren von Trickdiebstählen betroffen sind, versucht die Polizei verschiedene Präventionsmaßnahmen durch Initiativen und Beratung.[2]

Formen von Trickdiebstahl[Bearbeiten]

Die beim Trickdiebstahl verwendeten Formen sind vielfältig und können nach Region variieren. In Deutschland sind vor allem die folgenden Methoden verbreitet:

Zutritt zur Wohnung/Diebstahl[Bearbeiten]

  • Deponiertrick: Ein Deponierer arbeitet ohne Mittäter. Er will Geld- und Schmuckverstecke ausfindig machen. Er beobachtet, wo ältere Menschen hingehen oder am Fenster einer Wohnung stehen. Eingangsfragen sind: „Wie geht es Dir?“ „Rate mal, wer ich bin?“ Wegen Urlaubs will der Täter angeblich Geldbeträge bei seinem Opfer deponieren. Dabei stiehlt er das dort deponierte Geld oder den Schmuck.[3]
  • Heizungsablesertrick: Der angebliche Heizungsableser gibt den Opfern Anweisungen an mehreren Thermostaten der Heizkörper zu drehen. Variante 1: Der Täter durchwühlt die Schränke, weil er angeblich etwas Spitzes braucht.[4] Variante 2: Er wandert durch die Räume und stiehlt.[5]
  • Pflegedienstleister-Trick: Eine angebliche Mitarbeiterin eines Pflegedienstleisters verschafft sich Zutritt zur Wohnung. Lenkt durch die Frage, ob das Opfer Geld wechseln könne, ab. Ein Komplize betritt die Wohnung unbemerkt und stiehlt Schmuck.[6]
  • Störungsbeseitigungstrick: Angebliche Telefontechniker, Bankmitarbeiter, Steuerfahnder, Gasableser, Prüfer für den Kabelanschluss wollen behauptete Störungen in der Wohnung/Pannen bei Girokarten oder Konten beheben/Nachzahlungen einkassieren. Geforderte Geldzahlungen oder Wertgegenstände aus der Wohnung sind verloren.[7]
  • Einbrechertrick: Täter fangen ältere Menschen vor der Wohnungstür ab und behaupten, es sei eingebrochen worden. Sie müssten dies prüfen. Wenn die Täter in die Wohnung eingelassen werde, durchsuchen sie diese und lassen Geld und Schmuck mitgehen.[8]
  • Polizistentrick: Die angeblichen Polizisten täuschen durch „Ausweis“ und „Polizeimütze“, dringen in die Wohnung ein, durchsuchen Räume und stehlen dabei.[9]
  • Taschenträgertrick: Diesem Trick fallen meist ältere Menschen zum Opfer, die nicht mehr gut tragen können. Der Täter bietet Hilfe beim Tragen von Taschen oder Gehwagen an. Variante 1: Dabei stiehlt er Wertsachen, die sich darin befinden. Variante 2: Täter geht mit in die Wohnung, Opfer wird in der Wohnung abgelenkt, Komplize stiehlt Wertgegenstände.

Ablenkung auf der Straße/Diebstahl[Bearbeiten]

  • Antanztrick, auch Ronaldo-Trick: Hüpfen oder Tanzen während der für den Diebstahl nötigen Annäherung, zumeist in Gruppen von zwei oder drei Tätern und bei alkoholisiertem Opfer in Vergnügungsvierteln, im Umfeld von Diskotheken oder auf Straßenfesten etc.[10][11] Auch während der sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 in Köln, wo es auch zu Eigentumsdelikten kam, soll dieser Trick massenhaft angewandt worden sein.
  • Beschmutzertrick: Der Täter beschmutzt scheinbar versehentlich die Kleidung des Opfers. Während er anschließend versucht, den Dreck abzuwischen, stiehlt er unbemerkt Gegenstände aus der Jacke des Opfers.
  • Blumentrick: Ein Fremder oder mehrere Fremde begrüßen das Opfer scheinbar freundschaftlich, umarmen es, stecken ihm womöglich eine Blume ans Revers. Durch die Ablenkung und freudige Überraschung merkt das Opfer nicht, dass ihm die Brieftasche entwendet wird.
  • Geldwechseltrick: Variante 1: Der Täter bittet um das Wechseln von Münzen. Während das Opfer im Kleingeldfach seiner Geldbörse kramt, stiehlt der Täter unbemerkt Scheine aus dem Portemonnaie.[7]
  • Katzentrick: Einer der Täter macht eine in ihrem Auto wartende Frau darauf aufmerksam, dass sich unter ihrem Auto eine Katze befindet. Sobald sie aussteigt, um dem nachzugehen, entwendet ein anderer Täter die auf dem Beifahrer- oder Rücksitz liegende Handtasche der Frau.[12][13]
  • Podolski-Trick: Bei dem in Köln verbreiteten Trick wird das Opfer zum Mitspielen (Papierkugel) aufgefordert.[14]
  • Stadtplantrick: Das Opfer wird von einem angeblich ortsunkundigen Täter, der mit einem Stadtplan wedelt, nach dem Weg gefragt. Während sich das Opfer über den Plan beugt, stiehlt der Täter dann Dinge aus der Tasche, die unter dem Stadtplan am Arm des Opfers hängt.
  • Tickettrick: Der Täter bietet dem Opfer eine nicht mehr benötigte Bahn- oder Busfahrkarte kostenlos an. Nimmt das Opfer das Ticket an, fordert der Täter plötzlich einen vermeintlich kleinen Kostenbeitrag zum Ticket. Sucht das Opfer daraufhin nach Kleingeld in seiner Geldbörse, entwendet der Täter unbemerkt größere Scheine.
  • Steuern-auf-Bankeinlagen-Trick: Der Täter spricht auf der Straße ältere Menschen an und behauptet, dass in Kürze Einlagen bei der Bank höher besteuert werden. Er bringt sein Opfer dazu, Geld bei der Bank abzuheben und bestiehlt unmittelbar danach das Opfer (sogar in dessen Wohnung).[15]

Sonstige[Bearbeiten]

  • Betteltrick: Der Täter hält dem Opfer beispielsweise in Lokalen ein Schild hin. Während das Opfer das Schild liest, stiehlt der Täter unter dem Schild liegende Wertsachen vom Tisch.
  • Supermarkttrick: Das Opfer wird im Supermarkt von Fremden gefragt, wo sich bestimmte Artikel befinden. Während es seinen Blick über die Regale schweifen lässt, greift der Täter Wertsachen aus Taschen, die über dem Einkaufswagen hängen.

Formen von Trickbetrug[Bearbeiten]

  • Autobahngoldtrick: Benzinmangel wird vorgetäuscht. Als Pfand für erbetenes Geld wird ein „Gold“ring gegeben. Der Ring ist wertlos.[7]
  • Enkeltrick: Der Täter ruft aus dem Telefonbuch zufällige Nummern von Personen mit älter klingenden Vornamen an. Hebt das Opfer ab, stellt der Täter zu Beginn des Gesprächs sinngemäß die Frage „Rate mal, wer dran ist!“. Sobald das Opfer einen Namen nennt, beispielsweise eines Enkels oder nahen Bekannten, fordert der Täter oft unter massivem psychischem Druck auf das Opfer finanzielle Hilfe für eine wichtige persönliche Angelegenheit (bspw. einen Wohnungskauf oder eine Notfallbehandlung im Krankenhaus). Das Opfer übergibt das zugesagte Bargeld oder die Wertsachen an einen Kurier, der das Geld für den Täter abholt.
  • Handwerkertrick: Angebliche Handwerker bieten an der Haustür Reparaturen an Dach oder Wohnung gegen Vorkasse an. Nach der Vorauszahlung verschwinden sie.[7]
  • Kettenanruftrick: Bevorzugt in einem Altenheim wird ein Bewohner angerufen, der Ehepartner hätte noch Schulden. Lautet die Auskunft, dieser sei verstorben, so ruft ein Komplize an. Er gibt sich als Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung aus und fordert Geld nach.[7]
  • Nachnahmetrick: Angebliche Paketboten wollen ein Paket gegen Nachnahme, das angeblich für den Nachbarn bestimmt ist, gegen Bezahlung abgeben. Der Inhalt ist wertlos, das gezahlte Geld verloren.[7]
  • Schockanruf-Trick: Der Anrufer konfrontiert den Angerufenen damit, dass ein Verwandter durch Unfall in einer Notlage sei. Nur eine Kaution von mehreren Tausenden Euro, die von vertrauenswürdigen Mitarbeitern sofort abgeholt wird, könne die verhindern. Die Notsituation ist erfunden.[16]
  • Testfahrertrick: Der Betrüger kommt mit Zufallsbekanntschaften ins Gespräch. Er bietet die kostenlose Nutzung eines Testautos an. Zuvor müsse im Voraus für Steuern und Fahrertraining bezahlt werden. Der Termin für die Übergabe des Autos verstreicht. Die Vorauszahlung ist verloren.[17]

Strafrecht in Deutschland[Bearbeiten]

Im deutschen Strafrecht ist die Straftat des Diebstahls von Betrug und Erpressung abzugrenzen. Die Tatbestände schließen sich gegenseitig aus (Exklusivitätsverhältnis). Bei täuschungsbedingter Sacherlangung kann es zu Abgrenzungsproblemen zwischen Diebstahl und Betrug kommen. Es ist dann der Gewahrsamswechsel von der Gewahrsamslockerung zu unterscheiden. Unter Gewahrsamslockerung versteht man die kurzfristige Überlassung einer Sache aufgrund einer Absprache unter Beibehaltung der räumlichen Nähe.[18] Jemand kann daher bei einer Tat im materiellen Sinne nur wegen Diebstahls oder Betrugs oder Erpressung bestraft werden.

Abgrenzung zu anderen Delikten[Bearbeiten]

Kennzeichnend für einen Diebstahl ist die Wegnahme, d. h. der Bruch fremden Gewahrsams. Der Betrug stellt hingegen ein Selbstschädigungsdelikt dar, d. h. das Opfer gibt eine Sache freiwillig heraus, weil es getäuscht wurde (z. B. über den Wert einer Gegenleistung). Das Opfer verfügt bewusst über einen Gegenstand (Vermögensverfügung). Bei der Erpressung wird die Weggabe durch Gewalt oder Drohung mit einem empfindlichen Übel erzwungen.

Abgrenzungsfälle[Bearbeiten]

Ein Beispiel für Trickdiebstahl ist das Vortäuschen einer Beschlagnahme (die nur durch entsprechend berechtigte Amtsträger erfolgen kann). Das Opfer lässt den Gewahrsamsübergang geschehen, da es glaubt, dazu verpflichtet zu sein. Diese Fallgruppe wird jedoch kontrovers in der Rechtswissenschaft diskutiert.

Ein weiteres Beispiel ist die Benutzung von anderen Personen als sog. mittelbarer Täter, die nicht wissen, dass eine Sache, die sie überreichen/übergeben/herausholen sollen, nicht dem Täter gehört, z. B. wenn sich jemand von einem Ahnungslosen einen Ball reichen lässt, der angeblich über den Zaun geflogen ist, in Wirklichkeit aber dem Eigentümer des Grundstücks gehört.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hinweise zum Trickdiebstahl (Memento vom 14. Februar 2006 im Internet Archive) der Stadt Berlin.
  2. Münchner Initiative gegen Trickdiebstahl – M.I.T.
  3. André Zand-Vakili: Die neuen miesen Enkeltricks. In: Hamburger Abendblatt vom 26. Oktober 2015, S. 9.
  4. André Zand-Vakili: Die neuen miesen Enkeltricks. In: Hamburger Abendblatt vom 26. Oktober 2015, S. 9.
  5. Seniorin bestohlen. In: Hamburger Wochenblatt vom 27. Januar 2016, S. 2. Autorenkürzel (th).
  6. Trickdiebe unterwegs. In: Hamburger Wochenblatt vom 29. Dezember 2015, S. 2. Autorenkürzel (th).
  7. a b c d e f Peter Kröger: So schützen sie sich vor Betrügern. In: TV Hören und Sehen, 30/2015, S. 27 bis 28.
  8. Trickbetrüger fangen Senioren vor ihrer Wohnungstür ab. In: Hamburger Abendblatt vom 30. Januar 2016, S. 17. Autorenkürzel (ant).
  9. Vier alte Menschen bestohlen - Polizei warnt vor Trickdieben. In: Hamburger Abendblatt vom 21. Januar 2016, S. 11. Autorenkürzel (ant).
  10. Düsseldorfer Polizei warnt vor jungen Dieben und ihrem "Antanztrick"
  11. Was sich hinter dem "Antanztrick" verbirgt
  12. „Katzentrick“: Schon 70 Opfer in Köln, Kölnische Rundschau, 1. April 2015
  13. Polizei NRW warnt: Fallen Sie nicht auf diese dreiste Betrugsmasche rein, FOCUS Online, 30. Juni 2015
  14. Landtag NRW, Drucksache 16/6857
  15. Sendung Aktenzeichen XY ungelöst. In: ZDF vom 10. Februar 2016, 20:15 bis 21:45 Uhr.
  16. 93-Jährige reingelegt. In: ADAC-Motorwelt 1/2016, S. 16.
  17. Als „Testfahrer“ angeheuert. In: Hamburger Wochenblatt vom 27. Januar 2016, S. 2. Autorenkürzel (th).
  18. Trickdiebstahl bei Gewahrsamslockerung
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