Triefenstein

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Triefenstein
Triefenstein
Deutschlandkarte, Position des Marktes Triefenstein hervorgehoben
Koordinaten: 49° 48′ N, 9° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Main-Spessart
Höhe: 180 m ü. NHN
Fläche: 25,47 km²
Einwohner: 4332 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97855
Vorwahl: 09395
Kfz-Kennzeichen: MSP
Gemeindeschlüssel: 09 6 77 154
Marktgliederung: 4 Ortsteile[2]
Adresse der
Marktverwaltung:
Rathausstraße 2
97855 Triefenstein
Webpräsenz: www.markt-triefenstein.de
Bürgermeister: Norbert Endres (CSU)
Lage des Marktes Triefenstein im Landkreis Main-Spessart
Hessen Baden-Württemberg Würzburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Miltenberg Landkreis Bad Kissingen Landkreis Kitzingen Landkreis Würzburg Forst Lohrerstraße Rechtenbach Esselbach Ruppertshüttener Forst Ruppertshüttener Forst Partensteiner Forst Partensteiner Forst Langenprozeltener Forst Herrnwald Haurain Hafenlohr Fürstlich Löwensteinscher Park Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Frammersbacher Forst Forst Aura Forst Aura Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Gemeindefreies Gebiet Burgjoß Schollbrunn Bischbrunn Thüngen Partenstein Mittelsinn Hasloch Neuhütten (Unterfranken) Rechtenbach Rechtenbach Hafenlohr Hafenlohr Lohr am Main Lohr am Main Zellingen Wiesthal Urspringen Rothenfels Roden (Unterfranken) Rieneck Retzstadt Obersinn Obersinn Obersinn Neustadt am Main Neuendorf (Unterfranken) Marktheidenfeld Triefenstein Kreuzwertheim Karsbach Karlstadt Karbach (Unterfranken) Himmelstadt Gräfendorf Gössenheim Gemünden am Main Frammersbach Frammersbach Fellen Eußenheim Erlenbach bei Marktheidenfeld Birkenfeld (Unterfranken) Aura im Sinngrund Aura im Sinngrund Arnstein (Unterfranken) Burgsinn Steinfeld (Unterfranken) Landkreis SchweinfurtKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Triefenstein ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triefenstein liegt am südlichen Ende des Landkreises Main-Spessart im Mainviereck. Der Main teilt den Markt. Der topographisch höchste Punkt der Gemeindegemarkung befindet sich auf 302 m ü. NN am Husarenberg, an der B 8 südlich von Tiefenthal, der niedrigste liegt im Main auf 138 m ü. NN.

Geologie/Boden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der rechtsmainischen Seite liegt auf Sandstein fruchtbarer Acker-Lößboden, auf der linksmainischen Seite beginnt mit dem Muschelkalk die zweite Schicht des unterfränkischen Schichtstufenlandes. Die Bodenbeschaffenheit spiegelt sich in der Nutzung der jeweiligen Flächen wider: Auf der rechtsmainischen Seite überwiegt ertragreicher Ackerbau, auf der linksmainischen Seite wird der Muschelkalk für den Weinbau genutzt. Das Zementwerk baut seit über 100 Jahren das Kalkgestein ab.[3]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triefenstein besteht aus vier[2] Ortsteilen, auf die sich fünf[4] Siedlungen verteilen:

Es gibt die Gemarkungen Homburg am Main, Lengfurt am Main, Rettersheim und Trennfeld am Main.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt
Marktheidenfeld
Gemeinde
Erlenbach bei Marktheidenfeld
Markt
Kreuzwertheim
Nachbargemeinden Markt
Remlingen
Stadt
Wertheim
Gemeinde
Holzkirchen

Klostersee Trennfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Klostersee entstand 1972 bis 1975 durch Kiesentnahme. Die Wasserfläche beträgt etwa 76.000 m², die Uferlänge ca. 1700 Meter, die Wassertiefe bis zu fünf Meter.[5] Die ehemalige Kiesgrube ist ein Refugium für Angler und für ihren reichen Bestand an äußerst großen Welsen bekannt. Aus Anglerkreisen hört man seit einigen Jahren, dass ein über 2,50 Meter großes Exemplar sich im See aufhalte. Im Mai 2009 wurde der Fang des Fisches verkündet, später musste man jedoch eingestehen, dass es sich offenbar nur um einen „kleinen Bruder“ gehandelt hatte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1102 gegründete Kloster Triefenstein (mit Rettersheim) und Trennfeld fielen im Reichsdeputationshauptschluss 1803 an die Grafen Löwenstein-Wertheim und kamen 1806 zum Fürstentum Aschaffenburg. Das Amt Homburg des Hochstifts Würzburg fiel 1803 gegen Rente an Bayern, 1805 an das Großherzogtum Würzburg. 1814/16 kamen dann alle heutigen Gemeindeteile zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstanden mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinden Rettersheim, Homburg am Main, Lengfurt und Trennfeld. Diese wurden 1978 bei der Gemeindegebietsreform zusammengeschlossen.[6] Ihre Geschichte ist über sechs Jahrhunderte hinweg eng mit dem Augustiner-Chorherrenstift Triefenstein verknüpft, das Pate für den neuen Namen der Gemeinde stand. Homburg, die Burg hoch über dem Main, 993 erstmals urkundlich erwähnt, stellte einen wichtigen Außenposten in der Machtpolitik der Würzburger Bischöfe dar. Lengfurt, die lange Furt, kam mit der Klostergründung Triefensteins 1102 ins Licht der Geschichte. Rettersheim, vermutlich die frühe fränkische Siedlung eines „Radheri“, wurde 1284 fassbar. Trennfeld, früher Trieffenvelt (das triefende Feld), zählte als Reichsgut zur Grundausstattung des 1007 gegründeten Bistums Bamberg. Das Wappen des Marktes Triefenstein zeigt im unteren Teil zwei gekreuzte Schlüssel. Sie sind dem Wappen des gleichnamigen Klosters entnommen, dessen Kirchenpatrone Peter und Paul sind. Petrus wurden nach katholischer Lehre die Schlüssel zum Himmelreich übertragen. Die Alt- und Fernhandelsstraße Via Publica überquerte dort, am Fuße des Klosters, den Main – eine Schlüsselstelle, sowohl bezogen auf die Schlüssel im klösterlichen Wappen als auch auf die Via Publica, die dort, vermutlich schon 839, entstand. Die erste Mainbrücke wurde 1904 bei Lengfurt errichtet.

Mindestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts waren jüdische Familien im Ortsteil Homburg ansässig, die eine jüdische Gemeinde bildeten und 1873 ihre Synagoge errichteten. Erst nach dem Novemberpogrom 1938, am 25. Dezember, brannten SA-Männer das Gotteshaus nieder. An dem später dort errichteten Geschäftshaus Maintalstraße 26 erinnert eine Gedenktafel an dieses Geschehen.[7]

Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern am 1. Mai 1978 wurden der Markt Homburg am Main sowie die Gemeinden Lengfurt, Trennfeld und Rettersheim aufgelöst und zum Markt Triefenstein vereinigt.[8]

Einwohnerzahlentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl Differenz in %
1961[6] 4333
1970[6] 3502 − 19,2 %
1987 3530 + 00,8 %
2000 4201 + 19,0 %
2005 4720 + 12,4 %
2011 4331 08,2 %

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Norbert Endres (CSU). Nach der Kommunalreform wurde der vormalige Lengfurter Bürgermeister Friedrich Cremer (SPD) (1920–2010) der erste Bürgermeister des Marktes Triefenstein.

Bürgermeister von bis
Friedrich Cremer (SPD) 1978 1980
Rudolf Scheurich (Freie Bürger) 1980 1990
Lothar Huller (SPD) 1990 1996
Jürgen Nolte (CSU) 1996 2008
Norbert Endres (CSU) 2008

Marktgemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahlen von 2002 und 2008 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat:

2002 2008 2014
CSU 7[9] 6[10] 7[11]
Freie Bürger 4[9] 5[10] 5[11]
SPD 5[9] 5[10] 4[11]
JWT 0[9] 0[10] 0[11]
gesamt 16[9] 16[10] 16[11]

Gemeindesteuern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 2.017.000 Euro, davon waren umgerechnet 323.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen

Das heutige Wappen wurde im Jahre 1981 genehmigt, und ist seit der Gründung 1978 das offizielle Wappen der Marktgemeinde Triefenstein. Die offizielle Beschreibung des Wappens lautet:

„Durch einen silbernen Wellenbalken geteilt von Blau und Rot, oben eine goldene Otterngabel, beseitet von je einer silbernen heraldischen Rose mit goldenen Butzen und Kelchblättern, unten schräg gekreuzt ein goldener und silberner Schlüssel.“

Das Wappen enthält Elemente der früheren Wappen der Gemeinden und des Augustiner-Chorherrenstifts Triefenstein. Die gekreuzten Schlüssel befinden sich auch im Wappen des bis 1803 bestehenden Klosters Triefenstein. Silber und Rot steht für das Hochstift Würzburg, dem lange Zeit das Amt Homburg gehörte. Die Farbe Blau ist in in vielen Gemeindewappen zu finden. Aus dem Wappen der Grafen von Wertheim, die bis 1556 unter anderem die Dorfherrschaft von Lengfurt innehatten, kamen die heraldischen Rosen zunächst ins Lengfurter Wappen und auch in das von Triefenstein. Die goldene Otterngabel stammt aus dem Wappen von Trennfeld und Homburg. Sie deutet auf die Fischerei im Main und im Klostersee hin. Der Main, der durch Triefenstein fließt, ist durch den Wellenbalken in der Mitte des Wappens vertreten.

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht seit 2013[12] eine Partnerschaft mit Vassy in Frankreich.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Homburger Kallmuth gemalt von Michael Apitz

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sechs, im produzierenden Gewerbe 673 und im Bereich Handel und Verkehr 95 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 93 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1503. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei Betriebe, im Bauhauptgewerbe sechs Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 56 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1100 ha, davon waren 956 ha Ackerfläche und 105 ha Dauergrünfläche.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Triefenstein ist über die Bundesautobahn 3 Frankfurt-Würzburg (Anschlussstellen Marktheidenfeld und Wertheim-Lengfurt) zu erreichen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • 200 Kindergartenplätze mit 178 Kindern
  • Eine Volksschule mit 14 Lehrern und 275 Schülern

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Triefenstein verbunden sind:

  • Burkard (683–755), war ein aus Südwestengland stammender Mönch, der Anfang 742 von Bonifatius zum ersten Bischof von Würzburg eingesetzt wurde. Er verstarb 755 in Homburg am Main.
  • Giuseppe Appiani (1706–1785), Freskenmaler in der Augustinerklosterkirche Triefenstein
  • Friedrich Cremer (1920–2010), Arzt, Bürgermeister und Gemeinderat in Triefenstein
  • Michael Fuchs (* 1982), Badmintonspieler aufgewachsen in Lengfurt
  • Armin Grein (* 1939), bayerischer Politiker (Freie Wähler), Volksschullehrer in Trennfeld in den 1960er Jahren
  • Löw Homburger (um 1722), Karlsruher Bankier aus Homburg
  • Charles William Kahles (1878–1931), US-amerikanischer Comiczeichner und -autor
  • Emil Killinger (1851–1902), badischer Verwaltungsjurist
  • Lino Salini (1889–1944), Karikaturist, verbrachte seine letzten Jahre in Homburg am Main.
  • Erika Spann-Rheinsch (1880–1967), österreichische Dichterin
  • Januarius Zick (1730–1797), Maler des Spätbarocks, malte Fresken in der Augustinerklosterkirche Triefenstein

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Triefenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Ortsteile. Auf: markt-triefenstein.de, abgerufen am 25. April 2015.
  3. Weg 1 Tafel 2-4 Römischer Ursprung – die Via Publica. Auf: tourismus-triefenstein.de, abgerufen am 25. April 2015.
  4. Triefenstein, M. Auf: bayerische-landesbibliothek-online.de, abgerufen am 25. April 2015.
  5. Badesee-Klostersee. Auf: tourismus-triefenstein.de, abgerufen am 25. April 2015.
  6. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 763.
  7. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 195
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 763.
  9. a b c d e Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: Wahl der Gemeinderäte in den kreisangehörigen Gemeinden in Bayern 2002 nach Gemeinden. (online [abgerufen am 8. Oktober 2013]).
  10. a b c d e Gemeinde Triefenstein: Gemeinderatswahl. (online [abgerufen am 23. September 2013]).
  11. a b c d e Gemeinde Triefenstein: Gemeinderatswahl. (online [abgerufen am 1. Mai 2014]).
  12. Gemeinde Triefenstein: Partnerschafts-Urkunden-Unterzeichnung. 2013 (online [abgerufen am 31. August 2013]).