Trinkhalm

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Trinkhalme

Ein Trinkhalm (auch Getränkehalm oder Trinkrohr), aufgrund seiner ursprünglichen Fertigung aus Stroh auch Strohhalm genannt, ist ein Hilfsmittel, mit dem sich Flüssigkeiten ansaugen lassen, um diese zu trinken. Der ideale Durchmesser beträgt 0,6 cm und hat eine Länge von meist 20 bis 25 cm. Trinkhalme als Einwegprodukte bestehen heutzutage hauptsächlich aus dünnwandigen Kunststoffen wie Polyethylen oder Polypropylen.

In Europa wird ab 2021 das Gesetz in Kraft treten, welches die Einwegplastik-Trinkhalme verbietet. Daher kann man Halme auch aus dickwandigen Kunststoffen, Edelstahl, bruchfestem Glas, Maisstärke (Nudeln), Silikon, Papier oder Bambus erhalten. Strohhalme wurden schon von den Sumerern gebraucht, der moderne Trinkhalm wurde 1888 von Marvin C. Stone patentiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Küche aus den 1950er Jahren im Museum der Strohverarbeitung: Trinkhalmfertigung in Heimarbeit
Kind trinkt mit Trinkhalm (1962)

Die ersten bekannten Trinkhalme wurden von den Sumerern zum Trinken von Bier hergestellt. Vermutlich sollten so die festen Nebenprodukte der Fermentation, die zu Boden sinken, vermieden werden. Der älteste noch existierende Trinkhalm wurde in einem sumerischen Grab aus der Zeit von 3000 v. Chr. gefunden, er besteht aus einem Goldrohr mit einem eingelassenen Lapislazuli. In Argentinien und den Nachbarländern wurden ähnliche metallische Gegenstände namens Bombilla verwendet, die beim Trinken von Mate-Tee gleichzeitig sowohl als Strohhalm wie auch als Sieb dienten.[1]

In den 1800er Jahren kamen Trinkhalme aus Lolch (Weidelgras) in Mode, da diese günstig und weich waren. Unglücklicherweise wurden sie in Flüssigkeiten mit der Zeit weich. Aus diesem Grund patentierte Marvin C. Stein 1888 den modernen Trinkhalm aus Papier.[2] Er hatte diese Idee an einem heißen Tag während er einen Mint Julep trank, da der Cocktail beim Trinken einen grasigen Beigeschmack hatte. Für den Trinkhalm wickelte er einen Streifen Papier um einen Bleistift und klebte das Ende an. Später verbesserte er die Herstellung mit einer einfachen Maschine, die die Außenseite des Strohhalms mit Wachs beschichtete, damit sich der Klebstoff nicht mehr im Bourbon löste.[1]

Standardformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getränk mit Knicktrinkhalm
Verschieden weite Trinkhalme
(Durchmesser in Millimeter)

Die Wegwerfartikel sind praktisch in jeder vorstellbaren Farbe und Länge sowie mit unterschiedlichsten Durchmessern zu erhalten. Auch diverse Verzierungen, beispielsweise mit Leuchtstoffen, sind für den Partybedarf zu finden. Bei der Formgebung sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt (Knoten, Spiralen, Wellen etc.). Die Massenprodukte haben jedoch meist eine gerade, starre Form oder sind im oberen Bereich zum Abknicken geeignet. Am unteren Ende werden die Halme entweder mit geradem Abschluss hergestellt oder schräg abgeschnitten, um Getränkekartons an einer vorgegebenen Stelle zu durchstoßen.

Alternative Trinkhalme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zu den alternativen Trinkhalmen[3] gehören als gängigste Alternative Trinkhalme aus Papier. Sie sind in der Clubszene und in Trinklokalen schon etabliert. Sie gelten als geschmacklos, günstig und bei den Verbrauchern schon als bekannt. Als wesentlicher Nachteil gilt die kurze Verwendungsdauer, die sich auf ein bis zwei Stunden beläuft.
  • Trinkhalme aus Silikon oder Hartplastik sind dem gebräuchlichen Plastikstrohhalm am ähnlichsten. Sie sind geschmacksneutral, wiederverwendbar und spülmaschinenfest. Durch ihre Mehrfachnutzung sind sie umweltfreundlicher als die Einweg-Halme, allerdings sind die alternativen Strohhalme ökologisch besser vertretbar.
  • Trinkhalme aus Glas können auch beliebig oft verwendet werden und lassen sich auch in der Spülmaschine reinigen. Ein wesentliches Merkmal der Glashalmen ist, dass sie zerbrechlicher sind als andere Trinkhalme.
  • Trinkhalme aus Bambus sind ein echtes Naturprodukt und in verschiedenen Längen erhältlich. Der Durchmesser variiert nur minimal. Die Wiederverwendbarkeit ist bei Bambushalmen unterschiedlich. Sie lassen sich mehrmals verwenden, aber der Verschleiß ist dennoch da. Der große Vorteil ist bei diesen Halmen der leichte und umweltfreundliche Abbau.
  • Trinkhalme aus Edelstahl zeichnen sich dadurch aus, dass sie beliebig oft verwendet werden können, sehr stabil und rostfrei sind und beliebig oft verwendet werden können. Die Halme sind in unterschiedlichen Durchmessern zu erwerben. Meist wird auch eine Bürste mitgeliefert, die als Reinigungsmittel dient. Als Nachteil kann der metallartige Eigengeschmack gelten.
  • Trinkhalme aus Hartweizengrieß (die sogenannten Pastahalme) sind umfunktionierte Nudeln. Der generelle Durchmesser beträgt 0,6 cm und die generelle Länge beläuft sich zwischen 22,5 cm und 25 cm. Die Trinkhalme aus Hartweizengrieß zeichnen sich auch durch ihre leichte und schnelle Abbaubarkeit aus. Sie sind nicht wiederverwendbar und halten ihre Härte bis zu zwei Stunden. Ein weiteres markantes Merkmal ist der Eigengeschmack, welcher sich in geschmacksneutralen Getränken besonders hervorhebt.

Sonderprodukte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die gesetzliche Regelung ab 2021 etablieren sich neue Materialien der Trinkhalmindustrie. Das obere Ende kann als eine Sonderform vier Löcher statt einer großen Öffnung aufweisen (Sensory Straw), womit sich das Getränk gleichmäßiger im Mund verteilt. Eine andere Möglichkeit ist das Nachbilden eines Löffels am unteren Ende des Trinkhalms. Dadurch kann man sowohl umrühren als auch trinken, ohne mehrere „Hilfsmittel“ im Glas zu haben. Es werden auch Trinkhalme hergestellt, die sich teleskopisch auf die nahezu doppelte Länge ausziehen lassen. Manche Trinkhalme sind nicht gerade, sondern im oberen Teil mehrmals gewunden. Weiter können die Halme auf der Innenseite auch mit Vitaminen und Aromen ausgerüstet werden; beim Trinken werden diese dann gelöst und mit dem Getränk aufgenommen.

Siebtrinkhalm (Bombilla)

In Südamerika wird Mate-Tee durch ein metallenes Löffel-Sieb-Trinkröhrchen (Bombilla) getrunken, dessen Sieb am unteren Ende verhindert, dass die Teeblätter des Matetees mit eingesogen werden.

Umweltschutz und rechtliche Situation[4][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland werden laut Schätzungen jährlich ungefähr 40 Milliarden Plastikstrohhalme entsorgt. In Großbritannien sollen es etwa 8,5 Milliarden Stück sein. Das deutsche Umweltministerium behauptete, Plastikstrohhalme gehören zu den Produkten, die sich unter dem Müll in den Meeren am häufigsten wiederfinden ließen. Im Dezember 2018 wurde daher im EU-Parlament eine Richtlinie beschlossen, nach der Plastik-Einwegprodukte, zu denen auch Strohhalme aus Plastik zählen, ab 2021 in der Europäischen Union nicht mehr erlaubt sind.[5]

In Taiwan wurde ein Verbot von Plastikstrohhalmen für große Restaurantketten ab 2019 und eine generelle Reduzierung von Plastikstrohhalmen bis zum Jahr 2030 beschlossen.[6]

Das Europaparlament hat strikte Regelungen im zukünftigen Umgang mit Plastikmüll verabschiedet, die viele Hersteller nun unter Druck setzen. Es gibt mittlerweile schon 140 Tonnen Plastikmüll in den Meeren, und diese Zahl steigt konstant an. Folgende gesetzlichen Regelungen gehen nun dagegen vor:

Ab 2021 sind Einweg-Plastikstrohhalme in der ganzen EU verboten. Auch Einweggeschirr aus Plastik, wie Teller, Becher und Besteck, soll bis zu diesem Zeitpunkt komplett verboten werden. Wattestäbchen und Getränke-Rührstäbchen dürfe dann auch nicht mehr aus Plastik bestehen. Der Kunststoff Polystyrol, aus welchem zum Beispiel Joghurtbecher bestehen, und das nicht sauber recycelbare Oxoplastik, fallen unter die Verbote.

Durch die Richtlinie sollen bis 2030 Umweltschäden in Höhe von 22 Milliarden Euro vermieden werden. 25 Millionen Tonnen Kunststoffmüll produzieren die Europäer jedes Jahr. Allein in Deutschland werden 6 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr weggeschmissen. Zusammen mit Irland und Estland steht Deutschland damit an der Spitze der größten Plastikmüll-Produzenten der EU.

Auswirkungen bei Alkoholkonsum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existiert die unbelegte These, dass man schneller betrunken werde, wenn man ein alkoholisches Getränk durch einen Trinkhalm trinkt. Hierfür gibt es vermutlich zwei Gründe: Zum einen wird das Getränk durch den Trinkhalm in kleineren Schlucken durch den Mund befördert, so dass ein größerer Teil des Alkohols schon im Mund durch die Mundschleimhaut ins Blut gelangen kann. Zum anderen wird Alkohol im Magen durch das Enzym Alkoholdehydrogenase zu einem gewissen Teil abgebaut. Für den Alkohol, der über die Mundschleimhaut direkt ins Blut gelangt, kann dieser Abbauprozess aber nicht wirken.[7] Eine dritte Hypothese behauptet, dass mit Halm vermehrt Alkoholdämpfe eingeatmet und über die Lunge beschleunigt aufgenommen würden.

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die maximale Länge, die ein Trinkhalm haben kann, sodass man noch trinken kann, hängt ab von der Größe des Unterdrucks, die der Trinker im Mund gegenüber der Umgebung erzeugen kann. Sie wird nach oben durch die geodätische Saughöhe beschränkt, die bei Normaldruck für Wasser etwa zehn Meter beträgt.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b "The Amazing History and the Strange Invention of the Bendy Straw", Derek Thompson, The Atlantic, November 22, 2011.
  2. Patent US375962: Artificial straw. Erfinder: Marvin Stone.
  3. Alternative Strohhalme Test - Echte Testberichte [Fotos, Videos, 360°]. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  4. Alternative Strohhalme Test - Echte Testberichte [Fotos, Videos, 360°]. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  5. Initiative gegen Mikroplastik - wo uns Großbritannien, Italien und Schweden voraus sind. 5. Februar 2019, abgerufen am 5. Februar 2019.
  6. Bayerischer Rundfunk: Strohhalm: So viel Müll verursachen Strohhalme. 24. April 2018 (br.de [abgerufen am 5. Februar 2019]).
  7. Christoph Drösser (Stimmt’s?): Rausch durchs Rohr@1@2Vorlage:Toter Link/www.zeit.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. In: Die Zeit. Nr. 52/1997