Trockenurinal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wasserlose Urinale in einem Schnellrestaurant

Ein Trockenurinal (auch Wasserloses Urinal) ist ein Urinal, das ohne Wasserspülung, aber dennoch mit einem Ablauf betrieben wird.

Herkömmliche Urinale benötigen pro Spülung mindestens drei Liter Wasser, wasserlose Urinale hingegen funktionieren ganz ohne Wasser und Spülvorrichtung.[1]

Das erste Trockenurinal im heutigen Sinne wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Beetz nach Erfindung des von ihm so bezeichneten Ölsiphons entwickelt. Die ebenso von ihm entwickelte Sperrflüssigkeit nannte er Urinol.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trockenurinale werden mit einem Siphon betrieben, in den eine biologisch abbaubare „Sperrflüssigkeit“ eingefüllt wird. Diese Flüssigkeit ist leichter als Urin und hydrophob. Der schwerere Urin kann somit durch die Sperrflüssigkeit hindurch abfließen, ohne sich mit dieser zu vermischen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Urinal, bei dem der Geruchsverschluss durch das im Siphon verbleibende Spülwasser erfolgt, wird im Trockenurinal das Entweichen schlechter Gerüche durch die oben schwimmende Sperrflüssigkeit verhindert und somit kein Wasser verbraucht. Eine weitere Form der Trockenurinale arbeitet mit einer flüssigkeitsdurchlässigen Membran.

Beide Formen müssen gewartet werden (Sperrschicht nachfüllen beziehungsweise Membran ersetzen). Außerdem ist bei der Ausführung mit einer Membran sicherzustellen, dass keine Fremdkörper in das Urinal geworfen werden können (zum Beispiel Zigarettenkippen). Dieses System wird auch in Kombination mit einer Spüldüse angeboten, die mit einem Liter Wasser pro Spülung auskommen soll.

Ein drittes System arbeitet mit einem Schwimmer, der sich in einem flüssigkeitsgefüllten Behälter befindet. Er wird durch auftreffende Flüssigkeit niedergedrückt, sodass diese abfließen kann, anschließend drückt er wieder gegen den Ablauf, sodass keine Kanalgase austreten können. Wartungsaufwand kann hier durch Undichtigkeiten der Schwimmer-Ablaufverbindung auftreten (ggfs. Austausch oder Reinigung der Teile).

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den etwa sechs Millionen Urinalen in Deutschland waren 2006 etwa 5000 (davon 450 schon seit der Expo 2000 in Hannover) und 2009 etwa 100.000 wasserlos.[1]

Wegen der geringeren Kosten sind Trockenurinale insbesondere bei Fastfoodketten beliebt.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Oeko-Innovationen: Wasserlose Urinale. Kein Wasserverbrauch und mehr Hygiene. Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, September 2009; abgerufen am 30. April 2015 (PDF/170 KiB).
  2. Referenzliste eines Herstellers über den Einsatz von Trockenurinalen (Memento vom 20. März 2011 im Internet Archive)