Trodat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Trodat GmbH
Logo
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1912
Sitz Wels, Österreich
Leitung Michael Peduzzi, Geschäftsführer
Mitarbeiter 1160 weltweit (2014)[1]
Umsatz 169,2 Mio. EUR Geschäftsjahr 2014[1][2]
Branche Stempel, Laser, Metallindustrie
Website www.trodat.net

Die Trodat GmbH ist ein österreichisches Unternehmen, das nach eigenen Angaben und auf der Basis des Umsatzes der größte Stempelhersteller der Welt ist. Der Unternehmenssitz der internationalen Trodat Unternehmensgruppe befindet sich in Wels in Oberösterreich. Das Privatunternehmen Trodat beschäftigt weltweit mehr als 1100 Mitarbeiter, 40 Prozent davon in Österreich.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundstein für die heutige internationale Unternehmensgruppe wurde 1912 in Wien mit der Gründung der Einzelunternehmen Franz Just & Söhne gelegt.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten – Zweiter Weltkrieg, Besatzungszonen, Währungsreform, Kompensationsgeschäfte – erfolgte 1951 die Übersiedelung nach Wels in die amerikanische Besatzungszone mit guter nationaler und internationaler Verkehrsanbindung. Es erfolgten die ersten Exporte in die Schweiz, Dänemark, Niederlande und Deutschland.

1987 wurde die Trodat Holding GmbH als Mutterunternehmen für Auslandstöchter gegründet. 1999 wurde in die heutige Stiftungs- und Unternehmensstruktur mit Aufsichtsrat, Geschäftsführung Holding und operativen Gesellschaften umgewandelt. Die internationale Trodat Unternehmensgruppe mit dreißig Tochterunternehmen im In- und Ausland beschäftigt heute mehr als 1100 Mitarbeiter in Österreich, Deutschland, Schweiz, Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Polen, Kanada, USA, Südafrika, China, Japan, Indien. Trodat beliefert Kunden in mehr als 150 Ländern der Welt – die Exportquote liegt bei über 98 Prozent.[2]

2015 wurden zwei US-Unternehmen übernommen: die Innovative Laminations Company (ILC), ein Spezialist für laminierte Kunststoffe, sowie der Stempelhersteller Millennium Marking Company (MMC).[1]

Konzernstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trodat GmbH ist eine Holding, die folgenden Unternehmen gehören zur Gruppe:

  • Trodat GmbH, Österreich
  • Trotec Produktions- und Vertriebs GmbH, Marchtrenk, Österreich
  • Trodat Produktions GmbH Wels, Österreich

Weitere Tochterunternehmen der Trodat internationalen Unternehmensgruppe befinden sich in Frankreich, Deutschland, Schweiz, Großbritannien, USA, Kanada, China, Niederlande, Japan, Südafrika und Indien.

Der Name Trodat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Unternehmensname (Firma) Trodat entstand aus einer Produktbezeichnung. In den Jahren 1947/48 wurden die ersten Kunststoff-Datumstempel mit dem Namen Trodat produziert. Trodat setzt sich aus den Silben Tro und dat zusammen.

Tro steht für Trolitul, einem Kunststoff, der früher zur Stempelerzeugung verwendet wurde. Trolitul ist mindestens bis 1961 Markenname der Dynamit Nobel AG, Troisdorf für Polystyrol, das in den 1920er-Jahren erfunden wurde und das als Thermoplast durch Spritzgießen verarbeitet werden kann, das ebenfalls ab dieser Zeit in Deutschland entwickelt wurde. Beginnend mit der von Dynamit Nobel 1919 gefundenen thermoplastischen Nitrozellulose (Trolit F) geben chemische Firmen (eine davon namens Troplast) in Troisdorf (Bezirk Köln) bis heute zahlreichen ihrer Kunststoffe und Produkte Bezeichnungen die mit Tro... beginnen.[3][4]

dat steht kurz für Datumstempel.

In den späten 1960er Jahren wurde nach Umfirmierung Trodat als Firma offiziell.

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produkte und Leistungen der Trodat Unternehmensgruppe konzentrieren sich auf das Stempelgeschäft und das Lasergeschäft:

  • Trodat Stempelkomponenten
  • Trotec Lasersysteme

Trodat ist nach eigenen Angaben auf Basis Umsatz größter Stempelhersteller der Welt und spezialisiert auf selbstfärbende Stempelgeräte, das sind Stempel mit eingebautem Stempelkissen. Der Trodat Printy Stempel – Markteinführung der 1. Generation im Jahre 1976 – wurde laut Angaben des Herstellers bereits mehr als 200 Millionen verkauft.

E-Commerce[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Unterstützung des Verkaufs von Trodat Stempel über Internet wurde unter dem Namen uTypia eine Softwarelösung für die Bestellung von personalisierten Stempeln entwickelt. Das Online Bestellsystem existiert seit dem Jahr 2000. Laut Angaben von Trodat verkaufen Trodat Händler zurzeit in mehr als 500 uTypia Online shops ihre Produkte über das Internet.

Lasergravurgeräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tochterunternehmen Trotec (gegründet 1997) beschäftigt sich mit Lasersystemen und bietet hochwertige Lösungen und Anwendungen in den Bereichen Gravieren, Markieren und Schneiden.

Lebensspuren Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basierend auf der Privatsammlung an Siegeln und Stempeln von Konzerngründer Walter Just (1921–2012)[5] wurde Oktober 2000 das lebensspuren.museum (Eigenschreibweise) eröffnet, das von Trodat privat finanziert wird und dessen Zukunft über die Walter Just Privatstiftung abgesichert wurde. Geschäftsführerin ist seine Tochter Ingeborg Müller-Just, Museumsleiter war Manfred Hainzel. Das Museum zeigte seit 2001 jährlich auch eine Sonderausstellung und diente der Vermittlung von Kunst insbesondere an Kinder und als Veranstaltungsraum. Das Museum war im April 2003 oberösterreichisches Museum des Monats und erhielt 2011 und 2014 das Österreichische Museumsgütesiegel.[6] [7] [8] 2005, also 50 Jahre nach der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags lautete der Titel einer Sonderausstellung ES IST BESIEGELT! Siegel und Stempel als Zeichen der Macht. In der Sammlung befinden sich etwa ein Siegelabdruck von Maria Theresia, sowie Siegelstempel von Kaiserin Elisabeth, Richard Wagner und Gustav Klimt.[9] [10] [11]

Das Museum befand sich in der 1916–18 für den Welser Lederfabrikanten Ploberger erbauten Villa Pollheimerstraße 4 am Welser Mühlbach gegenüber dem Ledererturm, die 1997 gekauft und dann renoviert wurde. Das Haus ist ein Bauwerk von Hermann Muthesius (1861–1927), Gründer des Deutschen Werkbunds.[12]

Der Museumsbetrieb Lebensspuren als Dauerausstellung mit Siegeln und Stempeln wurde mit Ende 2015 geschlossen, es verblieb jedoch ein trodat-Firmenmuseum im Kellergeschoss. Die Sammlung wird Museen zur Ausstellung angeboten. Die – ehemals – (HNO-Arzt-)Samitz-Villa wird als Villa Muthesius mit 2 Sälen vom 2016 gegründeten Verein lebensspuren - Der Verein für Kunst & Kultur als Raum für Veranstaltungen angeboten und auch bespielt.[13][14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d derStandard.at - Trodat kauft zwei US-Unternehmen. APA-Meldung vom 2. Juni 2015, abgerufen 2. Juni 2015.
  2. a b Das österreichische Unternehmen Trodat Abgerufen 28. Juni 2013.
  3. Trolitul (Broschüre der Dynamit Nobel AG, Titelbild, 1961) Kunststoffmuseum Troisdorf. – Broschüre, 9 S., Inhalt als PDF Kunststoffmuseum Troisdorf, 12. September 2012.
  4. Volker Hofmann: Anmerkungen zur Troisdorfer Kunststoff-Geschichte, 1905–2013 PDF, ca. 47 S. – Ansichten, Produkte, Firmennamen.
  5. WELS trauert um Walter Just, Sein Lebenswerk wurde noch rechtzeitig gewürdigt, Detleff Heyss, welsin.tv, 16. November 2012. Abgerufen 15. März 2015.
  6. Museen des Monats. Verbund Oberösterreichischer Museen, Museumsinfoblatt Nr. 02/03, (nach:) 22. Oktober 2011. S. 14. – PDF, 68 S.
  7. Standards im Museum setzen! Österreichisches Museumsgütesiegel. Ebda. (Museumsinfoblatt, OÖ, 02/03, 2011) S. 16–21, S. 18.
  8. Neue Gütesiegelmuseen in Oberösterreich. Verbund Oberösterreichischer Museen, Museumsinfoblatt, 03/04, Dezember 2014, S. 11: "Museumsgütesiegel Oktober 2014 wieder verliehen." – PDF 44 S. – Schwarzes Bett, S. 23: lebensspuren.museum bietet eine Leihausstellung an: KörperEingriffe – Vom Ritual zum letzten Schrei. – Über Ritzung der Haut.
  9. Mission Statement, Gründer, lebensspuren.at > museum. Abgerufen 15. März 2015.
  10. ES IST BESIEGELT! Siegel und Stempel als Zeichen der Macht, Sonderausstellung 18. März bis 4. September 2005. Abgerufen 15. März 2015.
  11. Manfred Hainzl: "Spuen bewahren – Kultur erleben – Zeichen setzen", Walter Just und die Gründung des lebensspuren.museums in Wels, in: Neues Museum, österreichische Museumszeitschrift, Museumsbund Österreich, 09/4–10/1, April 2010, S. 36–45. Abgerufen 15. März 2015.
  12. Architekt Hermann Muthesius lebensspuren.at > gebäude, abgerufen 15. März 2015.
  13. Lebensspuren-Museum sperrt zu: Villa am Mühlbach wird Event-Tempel ÖON, nachrichten.at, 10. September 2015, abgerufen 17. August 2016.
  14. Museumsschließungen. In: neues museum, 16-1/2, März 2016, S. 4, abgerufen 7. Oktober 2016. – PDF (Broschüre 132 S., voluminös.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 10′ 9″ N, 14° 3′ 3″ O