Trohe

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Trohe
Gemeinde Buseck
Koordinaten: 50° 36′ 34″ N, 8° 45′ 3″ O
Höhe: 173 m ü. NHN
Fläche: 26 ha[1]
Einwohner: 759 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.919 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Eingemeindet nach: Großen-Buseck
Postleitzahl: 35418
Vorwahl: 06408

Trohe ist mit 25,9 Hektar Gemarkungsfläche und rund 770 Einwohnern der kleinste Ortsteil der Gemeinde Buseck im Landkreis Gießen in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird von der Wieseck durchflossen und grenzt im Norden an Alten-Buseck, im Osten an Großen-Buseck, im Süden an den Gießener Stadtteil Rödgen und im Westen an Wieseck (ebenfalls zu Gießen). Die ausgesprochen kleine Gemarkung ist fast vollständig bebaut. Im Norden und Osten wurde die Bebauung auf die Gemarkung von Alten-Buseck ausgeweitet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bestehen des Ortes lässt sich indirekt durch Nennung der Familie de Traha bis in das Jahr 1210 urkundlich zurückverfolgen. 1340 verfügte Trohe über ein eigenes Gericht ohne Beidörfer, über dessen Ursprung nichts Näheres bekannt ist.

Überregional bekannt wurde Trohe durch die seit 1999 sechs Mal durchgeführten Troher Weihnachtslichter, die ursprünglich von der CURSOR Software AG als Marketinginstrument für den Börsengang ersonnen wurde. Das Dorf bezeichnete sich als „Welthauptstadt der Weihnachtslichter“ und spendete die Erlöse für einen guten Zweck. Im Jahr 2007 fand die Aktion zum letzten Mal statt.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Trohe am 1. Oktober 1971 auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Großen-Buseck eingegliedert, die ihrerseits am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen mit den Gemeinden Beuern und Alten-Buseck zur Gemeinde Buseck zusammengeschlossen wurde.[2][3] Für Trohe wurde wie für jeden Ortsteil ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Der Ortsbezirk umfasst die Gemarkung Trohe sowie die an die Gemarkungsgrenze anschließende Wohnbebauung der Gemarkung Alten-Buseck.[4]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Trohe unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[5]

  • Traha, de (1210) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 5]
  • Drahe, de (1232) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 20]
  • Draha, de (1247) [Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3, Nr. 52]
  • Draye, von (1333) [Urkundenbuch der Herren von Hanau 2, Nr. 396]
  • Draehe, von (1378) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3, Nr. 1158]
  • Drawe, von (1387) [Baur, Hessische Urkunden 1 (Starkenburg und Oberhessen), Nr. 1177]
  • Trahe (1432) [Baur, Hessische Urkunden 4, Nr. 124]
  • Droe, von (1465) [Riedesel zu Eisenbach 2, Nr. 973]
  • Throe, von (1485) [Riedesel zu Eisenbach 2, Nr. 1418]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Trohe unterstand im Überblick:[5][6]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Trohe das „Stadtamt Gießen“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Landgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Trohe zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört.[10] Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen des Amtsgerichts Gießen, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[5]

1577: 020 Hausgesesse
1667: 011 Männer, ein Beisasse
1742: 025 Untertanen, 14 Junge Mannschaften
1804: 147 Einwohner
1834: 131 Einwohner
1830: 145 evangelische Einwohner 1961:
1961: 307 evangelische, 61 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 20 Land- u. Forstwirtschaft, 103 Produzierendes Gewerbe, 34 Handel, Verkehr u. Nachrichtenübermittlung, 40 Dienstleistungen u. Sonstiges
Trohe: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
131
1840
  
141
1846
  
165
1852
  
176
1858
  
189
1864
  
132
1871
  
159
1875
  
161
1885
  
167
1895
  
166
1905
  
198
1910
  
214
1925
  
251
1939
  
267
1946
  
324
1950
  
345
1956
  
363
1961
  
417
1967
  
525
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Philosoph Hermann Glockner lebte nach der Bombardierung von Gießen, am 6. Dezember 1944, in Trohe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b „Buseck in Zahlen“ im Internetauftritt der Gemeinde Buseck, abgerufen im Juli 2016.
  2. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 286
  4. Beschreibung der Ortsbezirke in § 6 der Hauptsatzung der Gemeinde Buseck PDF-Datei 188 KB
  5. a b c Trohe, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 19. Mai 2017)
  6. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  7. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 171 f., 292 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  9. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 413 (online bei Google Books).
  10. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197–211)