Trolleybus Luzern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo
Trolleybus Luzern
Bild
Hess Swisstrolley der VBL im Zentrum von Luzern
Basisinformationen
Staat Schweiz
Stadt Luzern
Eröffnung 7. Dezember 1941
Betreiber Verkehrsbetriebe Luzern (VBL)
Infrastruktur
Stromsystem 600 Volt Gleichstrom
Haltestellen 86
(13 in Kriens, 6 in Emmen, 1 in Horw)
Betriebshöfe Weinbergli
Betrieb
Linien sechs
Linienlänge 37.634 Kilometer
Fahrzeuge 45 Motorwagen und 5 Anhänger (Ende 2014)
Netzplan
Netzplan

Der Trolleybus Luzern ist das Trolleybus-System der schweizerischen Stadt Luzern, je eine Strecke führt über die Stadtgrenze hinweg in die Nachbargemeinden Emmen, Horw, Kriens und das 2010 eingemeindete Littau. Er wurde am 7. Dezember 1941 eröffnet und ersetzte bis 1961 sukzessive die frühere Strassenbahn Luzern von 1899.[1] Heute betreiben die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) sechs Trolleybus-Linien mit einer kumulierten Linienlänge von 37.634 Kilometern,[2] auf welchen jährlich 25 Millionen Fahrgäste befördert werden.[3] Ergänzt werden sie durch diverse Autobus-Linien des gleichen Verkehrsunternehmens.

Linien[Bearbeiten]

Die Verkehrsbetriebe Luzern betreiben sechs Trolleybuslinien, dies sind im Einzelnen:

Linie Strecke Haltestellen Taktfolge HVZ / NVZ Kurse Art Fahrzeugeinsatz
1 Obernau Dorf – Maihof 27 / 27 5 / 7,5 Minuten 13 Durchmesserlinie Doppelgelenkwagen / Anhängerzüge
2 SprengiLuzern Bahnhof 17 / 18 7,5 Minuten 0 Radiallinie Ersatzverkehr mit Gelenkautobussen
4 Hubelmatt – Luzern Bahnhof 09 / 09 10 Minuten 3 Radiallinie Gelenkwagen
6 Matthof – Büttenenhalde 23 / 24 10 / 15 Minuten 7 Durchmesserlinie Gelenkwagen
7 Biregghof – Unterlöchli 23 / 24 7,5 Minuten 7 Durchmesserlinie Gelenkwagen
8 Hirtenhof – Würzenbach 19 / 20 10 / 15 Minuten 6 Durchmesserlinie Gelenkwagen / Anhängerzüge

Die Linie 1 überquert auf ihrem Westast die Grenze zur Nachbargemeinde Kriens, die Linie 2 führt in das nördlich von Luzern gelegene Emmen. Ausserdem befindet sich die südliche Endhaltestelle der Linie 7 jenseits der Stadtgrenze auf Gebiet der Gemeinde Horw.

Die Linien 6 und 8 bedienen zwischen Brüelstrasse und Schönbühl die gleiche Strecke, so dass sich auf diesem Abschnitt durch Überlagerung ein 5-Minuten-Takt in der HVZ und ein 7,5-Minuten-Takt in der NVZ ergibt. Oft spricht man daher auch von der Doppellinie 6/8.

Auf der Linie 1 führte der Verkehrsverbund Luzern im Juni 2014 das System RBus ein. Bis 2025 sollen dadurch die Hauptlinien des Trolleybus Luzern schrittweise zu einem hochwertigen Trolleybussystem umgebaut werden.

Das Depot Weinbergli befindet sich an der Strecke der Linien 6, 7 und 8.

Autobusersatzverkehr auf Linie 2[Bearbeiten]

Da der Seetalplatz bis voraussichtlich 2016 komplett umgebaut wird, setzen die Verkehrsbetriebe Luzern auf der Linie 2 seit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2013 vorübergehend Autobusse ein. Damit kann flexibler auf Änderungen in der Verkehrsführung reagiert und teure Fahrleitungsprovisorien umgangen werden.[4] Hierfür wurden im Juni 2013 kurzfristig 13 neue Diesel-Gelenkautobusse bei Mercedes-Benz bestellt.[4][5] Wenn die Bauarbeiten am Seetalplatz abgeschlossen sind, soll die Linie 2 wieder auf Trolleybusse umgestellt werden.

Mit den freigesetzten Gelenktrolleys der Linie 2 erfolgte ebenfalls zum 15. Dezember 2013 – bei gleichzeitiger Taktstreckung – die Umstellung der Linie 4 auf Gelenkwagen. Damit endete nach 72 Jahren der Einsatz von Solowagen, ferner bieten seither alle Trolleybuskurse mindestens einen barrierefreien Einstieg.

Planungen[Bearbeiten]

Ab Dezember 2016 soll eine Tangentiallinie 3 auf der Strecke Kriens Busschleife–Pilatusplatz–Emmenbrücke Seetalplatz eingeführt werden. Auf den gemeinsamen Abschnitten mit den Linien 1 und 2 entstünde durch Überlagerung somit jeweils ein 3,75-Minuten-Takt. Zudem soll zu diesem Zeitpunkt das System RBus auch auf die Linie 2 erweitert werden, indem dort ebenfalls Doppelgelenkwagen eingesetzt werden. Die Linie 8 soll im Dezember 2018Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren folgen.[6]

Weiter sind auch Netzerweiterungen geplant. Die Linie 1 soll in zwei Etappen nach Ebikon verlängert werden: Per Dezember 2019Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren zum Bahnhof Ebikon und in einem zweiten Schritt 2021Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren zur aktuell in Bau befindlichen Mall of Switzerland. In einem weiteren Schritt soll die heute mit Autobussen betriebene Linie 12 im Jahr 2022Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren elektrifiziert werden.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Die einzelnen Streckenabschnitte gingen wie folgt in Betrieb:[1]

Datum Strecke Linie Änderung
7. Dezember 1941 Luzern Bahnhof–Allmend (2.59 Kilometer) Luzern Bahnhof–Breitenlachen heute Linie 4
Breitenlachen–Allmend seit 11. Dezember 2005 stillgelegt
Neuerschliessung
25. Januar 1942 Luzern Bahnhof–Dietschiberg heute Linien 6 und 8 Autobusersatz, bis 1930 Tram
20. Mai 1951 Luzernerhof–Zwyssigplatz heute Linie 7 Autobusersatz
15. November 1959 Dietschiberg–Brüelstrasse (1.05 Kilometer)
Kantonalbank–Central (4.38 Kilometer)
heute Linien 6 und 8
heute Linie 2
Autobusersatz
Tramersatz
12. November 1961 Pilatusplatz–Kriens Busschleife
Luzernerhof–Maihof
heute Linie 1 Tramersatz
11. November 1962 Breitenlachen–Hubelmatt heute Linie 4 Neuerschliessung
10. April 1966 Bundesplatz–Biregghof heute Linie 7 Autobusersatz
15. Mai 1966 Wartegg–Matthof heute Linie 6 Autobusersatz
30. Oktober 1966 Brüelstrasse–Würzenbach heute Linie 8 Neuerschliessung
2. Juli 1986 Schönbühl–Hirtenhof heute Linie 8 Autobusersatz
5. November 1990 Kriens Busschleife–Obernau Dorf
Central–Sprengi
heute Linie 1
heute Linie 2
Autobusersatz
Neuerschliessung
23. August 2004 Zwyssigplatz–Unterlöchli heute Linie 7 Neuerschliessung
15. Dezember 2013 Brüelstrasse–Büttenenhalde (1.8 Kilometer) heute Linie 6 Autobusersatz

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Ehemalige[Bearbeiten]

Nummern Stück Hersteller Elektrik Typ Art Baujahre Ausrangierung Besonderheiten
16–17 02 FBW / SWS BBC Solo, Zweikraftwagen 1941 1966 in eigener Werkstatt aus Autobussen des Baujahrs 1939 umgebaut
18–21 04 FBW / Hess BBC Solo 1942 1972 Batterie von 24 auf 72 Volt umschaltbar
22–31 10 FBW / FFA MFO 1 MHe Solo 1949–1950 1972–1975 25 heute Museumswagen
32–33 02 FBW / Schindler MFO Solo 1955 1975
201–217 17 FBW / Schindler MFO-BBC Solo 1959–1960 1988–1991
218–236 19 Saurer / Schindler MFO-BBC Solo 1959–1963 1978–1989
237–242 06 FBW / Schindler MFO-BBC 1 MHe Solo 1963 1988–1991 242 heute Museumswagen
151–164 14 Büssing / Emmelmann SSW Gelenk 1965 1987–1988[7]
Volvo B58 Trolleybuses Burgas.jpg 165–178 14 Volvo / Hess Siemens B58 Gelenk 1975 2002–2004[8]
Vbl 184 Schönbühl.jpg 181–200 20 NAW / Hess 181–196: Siemens
197–200: ABB
BGT 5-25 Gelenk 1987–1991 2009–2012[9]
VBL 253 Weinbergli.jpg 251–259,
265–273,
275–278,
280
23 NAW / Hess / Ramseier+Jenzer Siemens BT 5-25 Solo 1988–1989 2006–[10] 254, 258, 259 und 269 Ersatzteilspender
Vbl 303 (273) Schönbühl.jpg 301–311 11 Lanz + Marti / Hess keine APM 5.6-13 Anhänger 1998, 2002 2014–

Alle bisher ausrangierten Motorwagen waren Hochflurfahrzeuge, an Niederflurwagen schieden bisher nur Anhänger aus dem Bestand. Die beiden Wagen 226 und 227 waren nach ihrer 1980 erfolgten Ausrangierung unter den neuen Nummern 206 und 207 noch bis 1991 beim Trolleybus Schaffhausen im Einsatz. Wagen 252 und 253 wurden ab Indienststellung neben dem regulären Liniendienst als Fahrschulwagen genutzt. Mitte der Nullerjahre schieden sie komplett aus dem Liniendienst aus. Nr. 252 wird bis heute als Fahrschulwagen verwendet während Nr. 253 aufgrund eines Defekts Mitte Juni 2011 verschrottet wurde. Wagen 280 dient heute als Enteisungswagen. Zehn weitere Solowagen dieses Typs gingen wiederum 2014 an den Oberleitungsbus Valparaíso in Chile.

Heutige[Bearbeiten]

Der reguläre Trolleybus-Wagenpark der VBL besteht aus sieben Solo-, 26 Gelenk- und zwölf Doppelgelenkwagen, ersteren stehen zusätzlich fünf Anhänger zur Verfügung (Stand Ende 2014). Der Trolleybus Luzern ist neben dem Trolleybus Lausanne einer von weltweit nur noch zwei Netzen, bei denen diese Betriebsform anzutreffen ist.

Nummern Stück Hersteller Elektrik Typ Art niederflurig Baujahre
VBL ST3 209 Bodenhofterrasse.jpg 201–210 10 Hess Kiepe BGT-N2C Gelenk ja 2004/2006
VBL ST3 220 Oberlöchli.jpg 211–226 16 Hess Kiepe BGT-N2C Gelenk ja 2009
VBL 233 Stampfeli.jpg 231–233 03 Hess Kiepe BGGT-N2C Doppelgelenk ja 2006
VBL 234 Luzernerhof Einweihung.jpg 234–242 09 Hess Kiepe BGGT-N2D Doppelgelenk ja 2014
260–264,
274, 279
07 NAW / Hess / R+J Siemens BT 5-25 Solo nein 1988–1989
312–316 05 Lanz + Marti / Hess keine APM 5.6-13 Anhänger ja 2005

Anhängerbetrieb[Bearbeiten]

Weil die Verkehrsbetriebe Luzern in den Hauptverkehrszeiten vor allem auf der Linie 1 nach Kriens immer wieder auf Kapazitätsgrenzen stiessen, untersuchte man Mitte der 1990er Jahre den Einsatz von Doppelgelenkwagen, Doppelstockwagen oder Anhängern. Hierzu wurden unter anderem Tests mit einem Van Hool AGG 300 durchgeführt. Jedoch wäre eine diesbezügliche Beschaffung sehr kostspielig gewesen, zudem wären Radfahrer beim Überholen gefährdet worden und die Doppelgelenker hätten nur 25 Personen mehr aufnehmen können als reguläre Gelenktrolleys.

Analog zu Lausanne entschied man sich daher auch in Luzern zur Beschaffung niederfluriger Anhänger. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als ausser Lausanne alle anderen Schweizer Trolleybusbetriebe ihre Anhänger bereits abgeschafft hatten. Auf diese Weise konnten in Luzern vor allem die damals noch recht jungen Solotrolleys des Typs BT 5-25 weiter genutzt werden. Nachdem der Stadtrat einen Kredit von 25’000 Schweizer Franken für den Umbau des als Zugfahrzeug vorgesehenen Wagens 270 genehmigte, konnte im März 1996 mit den Anhänger-Versuchsfahrten begonnen werden. Der reguläre Anhängerbetrieb begann schliesslich am 17. August 1998, für den Anhängerbetrieb ausgerüstet wurden insgesamt 19 BT 5-25 mit den Nummern 260–268 und 270–279. Heute stehen nach der Ausmusterung der ersten und zweiten Anhänger-Serie noch sieben Zugfahrzeuge mit den Nummern 260–264, 274 und 279 zur Verfügung.[11]

Volvo-Turmwagen[Bearbeiten]

Nummer Typ Baujahr
Vbl Turmwagen 7.jpg 007 FL6 Turbo 1992
Vbl NAW 187 Volvo 10.JPG 010 FS7 Intercooler 1996

Der ältere Turmwagen mit der internen Nummer 7 kommt hauptsächlich auf dem Depotareal zum Einsatz, während der neuere im gesamten Netz eingesetzt wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul F. Schneeberger: Verkehrsbetriebe der Stadt Luzern. Verlag Minirex, ISBN 3-907014-12-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trolleybusse in Luzern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Geschichte des Trolleybus Luzern auf trolleymotion.eu
  2. Die Fakten auf vbl.ch
  3. Pia Maria Brugger Kalfidis: Luzern setzt auf Trolleybusse. (PDF; 1,3 MB)
  4. a b 13 neue Gelenkbusse für Ihren Komfort (PDF) In: vbl-Zeitung, 57, November 2013, S. 12
  5. 33 neue Busse für Zug – 13 für Luzern. Neue Luzerner Zeitung Online, 25. Juni 2013
  6. a b öV‐Konzept AggloMobil tre Verkehrsverbund Luzern, 12. Mai 2015
  7. Paul F. Schneeberger: Verkehrsbetriebe der Stadt Luzern, 100 Jahre Tram, Autobus und Trolleybus. Minirex, Luzern 1999, ISBN 3-907014-12-X, S. 204
  8. Tram N° 79/09.–11.2004, ISSN 1422-5344, S. 54
  9. Tram N° 100/11.2009–01.2010, ISSN 1422-5344, S. 32 und Tram N° 112/11.2012–01.2013, ISSN 1422-5344, S. 41
  10. Tram N° 100/11.2009–01.2010, ISSN 1422-5344, S. 32
  11. Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, … auf trolleymotion.eu