Truppenübungsplatz Putlos

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Wappen TrÜbPlKdtr Putlos

Karte: Schleswig-Holstein
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Truppenübungsplatz Putlos
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Schleswig-Holstein

Der Truppenübungsplatz Putlos (abgekürzt: TrÜbPl Putlos) ist ein Übungsplatz der Bundeswehr und liegt im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein. Mit dem der Truppenübungsplatzkommandantur unterstellten Übungsplatz Todendorf ist er der einzige Truppenübungsplatz in Schleswig-Holstein und der einzige deutsche Übungsplatz mit Küstenanbindung. Zwar ist er mit einer Landfläche von nur ca. 12,5 km² ein eher kleiner Übungsplatz, jedoch umfasst der zum Platz gehörende Sicherheitsbereich auf See eine Fläche von ca. 486 km². Auf dem Truppenübungsplatz befinden sich die Dolmen von Putlos.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TrÜbPl Putlos liegt im Kreis Ostholstein unmittelbar westlich der Stadt Oldenburg in Holstein und direkt an der Ostseeküste. Er befindet sich ca. 50 km östlich der Landeshauptstadt Kiel und etwa ebenso weit nördlich der Hansestadt Lübeck, mit der er durch die BAB 1 sowie die in Ausbauplanung befindliche Bahnstrecke der Vogelfluglinie verbunden ist. Der Umgebungsbereich ist touristisch erschlossen, westlich schließt sich das Seebad Weißenhäuser Strand, östlich der Campingplatz Blank Eck an.

Warngebiete und Warnfeuer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1986 weist ein Warnfeuer den Schiffsverkehr auf die militärische Sperrzone auf See bei Schießübungen hin. Das Feuer hat eine Tragweite von mindestens sechs Seemeilen und ist bis an die Südwestspitze von Fehmarn (Krummsteert) wahrnehmbar.

Der weiße Betonturm mit rotem Laternenhaus, Galerie und rundem Flachdach steht in der Hohwachter Bucht innerhalb des Truppenübungsplatzes, südwestlich von Heiligenhafen. Das Warnfeuer dient neben dem militärischen Schießgebiete Putlos auch dem Gebiet Todendorf als Warnfeuer.

Der Turm macht mit roten und gelben Lichtsignalen in den militärischen Sperrgebieten darauf aufmerksam, dass die Deutsche Marine Schießübungen auf Luft- und Seeziele durchführt. Beim Lichtzeichen „Fl Y“ (flash yellow) herrscht Schießbetrieb im Warngebiet Todendorf, bei „Fl R“ (flash red) im Warngebiet Putlos, bei wechselndem Fl Y, Fl R in beiden Warngebieten.

Die Warngebiete werden an Land zusätzlich durch Stangen mit einem gelben liegenden Kreuz als Toppzeichen und der Aufschrift „Warngebiet“ oder „Warn-G.“ markiert. Auf dem Wasser erfolgt die Markierung durch gelbe Fasstonnen, Leuchttonnen oder Spierentonnen. Bei Schießübungen werden die Sperrgebiete zusätzlich durch Sicherungsfahrzeuge geschützt.

Das Warnfeuer ist Bestandteil einer Kette von insgesamt sechs Türmen in diesem Gebiet (von Ost nach West): Heidkate, Hubertsberg, Neuland, Wessek und Heiligenhafen.

Landschaftsraum und kulturhistorische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putlos ist Teil des eiszeitlich geformten östlichen Hügellandes Schleswig-Holsteins, einer formenreichen Landschaft, zu der auch die südlich anschließende Holsteinische Schweiz gehört. Der etwa 65 m hohe Wienberg,[1] eine der höchsten Erhebungen im Gebiet des Truppenübungsplatzes, beherbergt eine bedeutende bronzezeitliche Fundstätte. Es handelt sich dabei um ein Bodendenkmal bestehend aus 30 bis 150 Meter langen Hünengräber aus der Zeit um 2.500 v. Chr. Die Gräber gelten als die größte geschlossene Anlage dieser Art in Norddeutschland.

Bedeutung und Schutz des Naturraums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bis in die 1930er Jahre vorhandenen Waldflächen des ehemaligen Gutes Putlos wurden nutzungsbedingt dezimiert und in extensive Graslandschaften mit naturschutzfachlich hoher Bedeutung überführt.[2]

Nachdem der hohe Naturwert vieler Truppenübungsplätze erkannt wurde, schuf der Bundesverteidigungsminister auf Grundlage der in den 1990er Jahren erfolgten Biotopkartierung ein umfassendes Regelwerk zur Sicherung der Natur. Bei Eingriffsvorhaben wird in Anlehnung an das zivile Naturschutzrecht unter anderem eine Standortanalyse der Schutzgüter Boden, Wasser, Arten- und Biotopschutz gefordert. Des Weiteren ist für jeden Übungsplatz ein Benutzungs- und Bodenbedeckungsplan (BB-Plan) zu erstellen, dem eine Raumanalyse zur Naturausstattung und Geologie vorangeht. Dies hat für den Truppenübungsplatz Putlos bedeutet, dass er aufgrund seiner besonders wertvollen Biotopausstattung gemäß den RL 92/43/EWG und 79/409/EWG als Natura-2000-Gebiet an die EU zu melden war (BMVG 2003).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Truppenübungsplatz Putlos entstand im Zuge der allgemeinen Aufrüstung im Jahre 1935 zunächst vorwiegend als Schieß- und Übungsplatz der noch jungen Panzertruppe der Wehrmacht. Noch während des Krieges fand jedoch bereits auch Ausbildung im Flugabwehrschießen statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in Putlos vorübergehend rund 5.000 Menschen, die aus den Ostgebieten geflüchtet waren. Bis 1957 stand der Platz unter britischer Verwaltung, danach wurde er von der Bundeswehr übernommen. Seit dieser Zeit waren in der von „Steinlager“ in „Wagrien-Kaserne“ umbenannten Liegenschaft, welche inzwischen zum TrÜbPl Putlos gehört, unterschiedliche Verbände und Einheiten stationiert, bis 1993 war dies zunächst das Jägerbataillon 512. Nach dessen Auflösung war zunächst auch die Zukunft der Kaserne unklar, heute beheimatet sie jedoch auch wieder fest stationierte Truppen.

Aktuelle Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenngleich der Übungsplatz durch seine geringe Ausdehnung an Land nur eingeschränkte Möglichkeiten für Übungen im großen Rahmen bietet, können auf ihm nahezu alle Waffensysteme des Heeres schießen. Er bietet Möglichkeiten für

  • Schul- und Gefechtsschießen
  • Bordwaffen gepanzerter Fahrzeuge bis 120 mm
  • Rohr- und Raketenartillerie auf Seeziele, auch direktes Richten
  • Mörser auf Land- und Seeziele
  • Panzerabwehrlenkflugkörper (MILAN; TOW, HOT auch von Hubschraubern)
  • Handwaffen
  • Maschinenwaffen
  • Panzerabwehrhandwaffen (auch HEAT-RA)
  • Wurfstände für Handgranaten
  • Sprengplätze
  • Panzerhaubitze PzH 2000 (155 mm)
  • Raketenartilleriesystem MARS
  • Schießen mit der Fliegerfaust Stinger

Bis zur Entscheidung der Abschaffung des Waffensystems Gepard im Jahre 2010 war die Heeresflugabwehrtruppe Hauptnutzer des Platzes.

In Putlos befindet sich das Spezialpionierausbildungs- und Übungszentrum Putlos. Neben Möglichkeiten der Ausbildung im Feldlagerbau und -betrieb gibt es auf dem Platz auch eine Pipelinepionierausbildungsanlage. Ohne diese bundesweit einzigartige Trainingseinheiten zieht kein Feldlagerpionier bzw. Pipelinepionier in den Afghanistan-Einsatz.[4]

Im Sommerhalbjahr finden auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Zeltlager der Jugendorganisationen verschiedener Rettungsdienste statt. Die Standortverwaltung bewertet diese Vernetzung, wie auch die öffentlichen Besuchstage, als bedeutsamen Beitrag zur Erhaltung des Platzes.[5][6]

Auf dem Gelände wurde im September 2015 eine Landesunterkunft für bis zu 800 Asylbewerber eingerichtet und ab Dezember auf bis zu 1.500 Plätze erweitert.[7][8][9] Aufgrund der stark gesunkenen Flüchtlingszahlen wurde die Landesunterkunft zum 15. Juni 2016 geschlossen und an die Bundeswehr zurückgegeben.[10]

Neuausrichtung im Rahmen der Bundeswehrreform 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch der Truppenübungsplatz Putlos war im Rahmen der Bundeswehrreform 2011 betroffen. Das Schießausbildungszentrum, das Flugabwehrregiment 6 und die Sanitätsstaffel wurden aufgelöst. 480 Dienstposten fielen dadurch weg, es verblieben 250 Dienstposten.[11]

Die wirtschaftliche Wertschöpfung, die zuvor auf die ganze Region ausstrahlte, wurde mit dieser Entscheidung unmittelbar beeinträchtigt.[12]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Mai 2011 schoss ein Soldat mit einer infrarotgelenkten Flugabwehrrakete des Typs FIM-92 Stinger in Putlos auf ein bemanntes Schleppflugzeug. Nach diversen Vorübungen sollte auf der Schießbahn 6 des Truppenübungsplatzes auf unbemannte Drohnen geschossen werden. Schon vor dem eigentlichen Einsatzzeitpunkt gab der Feuerleiter, ein Feldwebel, den Abschussbefehl. Daraufhin schoss der Soldat den Lenkflugkörper irrtümlich auf ein ziviles Flugzeug, das auf einer benachbarten Schießbahn Schleppziele zog. Bei der Gerichtsverhandlung 2013 blieb unklar, weshalb die Rakete mit einer angegebenen Trefferquote von 80 Prozent das Flugzeug verfehlte und in einem Waldstück des Schießplatzes einschlug. Gegen den Feldwebel wurden daraufhin ein Straf- und ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Ersteres wurde 2013 auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen eine Geldbuße eingestellt.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. laut topografischer Karte im offiziellen Geodatenportal "DigitalerAltasNord" (abgerufen am 2. Juli 2012)
  2. Bericht über ornithologische Exkursionen in Putlos (PDF; 381 kB)
  3. Streitkräftebericht (PDF; 6,3 MB)
  4. Bericht über die Feldlager-Ausbildung in der Regionalpresse
  5. ff-stadtmitte.
  6. Bericht über Sommerlager der Johanniter-Unfallhilfe.
  7. Lübecker Nachrichten: Putlos: Notaufnahme für 800 Flüchtlinge
  8. Ostholsteiner Anzeiger: Putlos für Flüchtlinge bereit
  9. Kapazitäten werden aufgestockt. In: http://www.fehmarn24.de/. 5. November 2015, abgerufen am 18. Mai 2016.
  10. Landesunterkunft für Flüchtlinge in Putlos schließt. In: Welt Online. 3. Mai 2016 (welt.de [abgerufen am 18. Mai 2016]).
  11. Bericht zur Streichliste des Verteidigungsministeriums vom 26. Oktober 2011 (Memento vom 28. Oktober 2011 im Internet Archive)
  12. Anfrage an Bundes- und Landtagsabgeordnete aus der Region Oldenburg/Ostholstein
  13. Holger Marohn: Gefährlicher Irrtum: Soldat feuert Rakete auf Flugzeug ab. Lübecker Nachrichten, 20. September 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]