Truskawez

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Truskawez
Трускавець
Wappen von Truskawez
Truskawez (Ukraine)
Truskawez
Truskawez
Basisdaten
Oblast: Oblast Lwiw
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: keine Angabe
Fläche: 70,00 km²
Einwohner: 29.386 (2014)
Bevölkerungsdichte: 420 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 82299
Vorwahl: +380 3247
Geographische Lage: 49° 17′ N, 23° 30′ OKoordinaten: 49° 16′ 50″ N, 23° 30′ 18″ O
KOATUU: 4611500000
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Andrii Kulchynskyi
Adresse: вул. Бориславська 2
82200 м. Трускавець
Statistische Informationen
Truskawez (Oblast Lwiw)
Truskawez
Truskawez
i1

Truskawez (ukrainisch Трускавець; russisch Трускавец, polnisch Truskawiec) ist eine westukrainische Stadt mit etwa 30.000 Einwohnern im einstigen Königreich Galizien des Kaisertums Österreich.[1]

Blick auf den Ort im Winter

Die Stadt ist durch ihre Heilquellen und Rehabilitationszentren ein in der gesamten ehemaligen Sowjetunion bekannter Kurort. Die ersten Kureinrichtungen wurden hier 1836 geschaffen. Hilfe dazu kam vom späteren k.k. Innenminister Agenor Graf Gołuchowski (dem Älteren).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Truskawez liegt an der Bahnstrecke Stryj–Łupków im Süden der Oblast Lwiw etwa 100 km südlich der Oblasthauptstadt Lemberg im Hügelland vor den Karpaten. Die nächstgrößere Stadt ist Drohobytsch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Ortes datieren vom Zeitraum 1469–1471. Truskawez war damals im Besitz der Könige von Polen und der Woiwodschaft Ruthenien zugeordnet. 1469–1470 war das Dorf an die Adligen Iwan und Stanisław Korytków verpfändet. Im Jahr 1471 übertrug Iwan Korytków wiederum die Pfandrechte am Dorf für 550 Hrywnja auf die Brüder Ignac von Tustanowice und Andrzej von Lubnia.[2]

Die Heileigenschaften des Mineralwassers von Truskawez stellte bereits im Jahr 1578 Wojciech Oczko (1537–1599), Leibarzt und Sekretär der polnischen Könige Stephan Báthory und Sigismund III. Wasa, fest. Er merkte an, dass es nach seinen Charakteristiken den Wässern solcher bekannten europäischen Heilstätten, wie Rosenheim, Baden-Baden und Budapest, gleichwertig sei.[3] Jedoch bekam Truskawez den Status des Kurortes erst 1827, als hier die erste Wasserheilanstalt eröffnet wurde. Danach begann man in der Stadt aktiv die Infrastruktur zu entwickeln und Hotels, Pensionen und Villen zu errichten. Als eine der ältesten Villen in der Stadt gilt die aus Holz gebaut Villa „Gopljana“, in der sich heute das Kunstmuseum des bekannten Malers Mikhail Bilas befindet.[4] Im Jahr 1836 initiierte der Adlige Józef Micewski, Verwalter des staatlichen Vermögens in Truskawez, mit Unterstützung von Agenor Gołuchowski dem Älteren den Bau eines Wellness-Komplexes.[5]

„Bereits 1816 versuchte man in Wien und Prag die Straßenbeleuchtung mit gallizischem Bergöl, das in Truskawez und Sloboda gewonnen wird; ersteres gibt bei der Destillation 40, lezteres 10 Pzt Naphta.“

Allgemeine Polytechnische Zeitung: Sammlung der neuesten und nützlichen Erfindungen, Entdekungen und Beobachtungen (1837)

1853 wurde das Dorf von Erzherzog Karl Ludwig von Österreich besucht. Zum Ende des 19. Jahrhunderts verwandelte sich Truskawez zu einem der angesagten Heilkurorte Europas. Man kam hierher aus Wien, Krakau, Prag, Warschau und Berlin, um sich aufzufrischen. 1911 wurde eine eigene Eisenbahnstation eröffnet, und von 1913 an sah die Stadt rund 5000 Besucher pro Jahr.[6]

Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie, der anschließenden polnisch-ukrainischen bewaffneten Konflikte und einer eventuellen polnisch-sowjetischen Partition des ukrainischen Gebiets fiel Truskawez unter die Gerichtsbarkeit des polnischen Staates. In der kurzen Zeit unter polnischer Verwaltung (1920–1939) entwickelte sich Truskawez zu einem populären Kurort. In den 1920er und 1930er Jahren wurden hier fast 300 Hotels, Villen und Gästehäuser gebaut. Die Stadt erhielt drei Goldmedaillen als bester Kurort des Landes. Eine Reihe von prominenten polnischen Persönlichkeiten besuchte in dieser Zeit Truskawez, darunter Stanisław Wojciechowski, Józef Piłsudski, Leon Sapieha, Wincenty Witos, Ignacy Daszyński, Eugeniusz Bodo, Adolf Dymsza, Julian Tuwim, Stanisław Witkiewicz, Bruno Schulz, Zofia Nałkowska, Stanisława Walasiewicz, Halina Konopacka und Janusz Kusociński.

Am 29. August 1931 ermordeten Wasyl Biłas und Dmytro Danyłyszyn, zwei ukrainische Aktivisten der Organisation Ukrainischer Nationalisten, den polnischen Abgeordneten Tadeusz Hołówko, als dieser seinen Urlaub in Truskawez verbrachte. Als Reaktion darauf ordnete die polnische Regierung eine weitere Welle von „Befriedung“ an, eine Repressionskampagne gegen ethnische Ukrainer. Dies vertiefte allerdings nur die Ressentiments gegen die polnischen staatlichen Behörden und die ethnische Spaltung in der lokalen Bevölkerung.[7] Biłas und Danyłyszyn wurden verhaftet, von einem polnischen Gericht zum Tode verurteilt und am 23. Dezember 1932 in Lemberg hingerichtet.[8]

„Im Frühjahr 1945 wurden im Durchganslager der Stadt Truskawez (Gebiet Drohobytsch) 420 Personen — Familienmitglieder der ukrainischen Untergrundkämpfer — untergebracht. Unter ihnen waren 70 % weiblichen und 30 % männlichen Geschlechts; 60 % Kinder und Minderjährige und 30 % Greise.“

Russischer Kolonialismus in der Ukraine: Berichte und Dokumente (1962)

Nach der Eingliederung in die Sowjetunion erhielt der Ort 1948 die Stadtrechte.[9] Im Dezember 1991 fiel Truskawez der nunmehr unabhängigen Ukraine zu.

Im Jahr 2000 wurde in Truskawez für den Zeitraum von 20 Jahren eine Sonderwirtschaftszone gegründet. Bekannt als „Kurortopolis Truskawez“ (Курортополис Трускавец), bietet dieser verschiedene Steuerprivilegien für Unternehmen und Investoren. 13 Investitionsprojekte wurden in diesem Rahmen genehmigt, zum Großteil mit dem Schwerpunkt auf Gesundheit und medizinischer Behandlung.

Truskawez ist heute vor allem für seine heilenden Mineralquellen bekannt, es verfügt über eines der größten Vorkommen überhaupt in der Ukraine. Die Besucher des Heilbades bedienen sich der verschiedenen „lokalen Wässer“. Das wohl berühmteste ist das nach Schwefel riechende, leicht salzige „Naftusia“-Wasser aus der gleichnamigen Hydro-Karbonat-Sulfat-Kalzium-Manganquelle.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Eduard Unger: Nachricht von den Mineral-, Trink- und Badequellen im Kurorte Truskawiec in Galizien und deren zweckmäßiger Benützung. Carl Gerold, Wien 1843, S. 56–60.
  • Andrzej Andrusiewicz (Bearb.): Polska i jej wschodni sąsiedzi. Teil 7, Wydawnictwo Uniwersytetu Rzeszowskiego, Rzeszów 2006.
  • А. Мациевскнй und O. Мацюк: Трускавец за 500 лет. (1469–1969) (500 Jahre Truskawez). Каменяр, Lviv 1972.
  • Włodzimierz Kluczak: Pan Czapla. Historia człowieka, miasta i kościoła. In: Kurier Galicyjski. Nr. 5 (153), 16.–29. März 2012.
  • Andrzej Martynkin: W dolinie Pomiarki. In: Angora. Nr. 13, 27. März 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Truskawez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cities & towns of Ukraine auf pop-stat.mashke.org, abgerufen am 27. Juni 2015.
  2. Andrzej Andrusiewicz (Bearb.): Polska i jej wschodni sąsiedzi. Teil 7, Wydawnictwo Uniwersytetu Rzeszowskiego, Rzeszów 2006, S. 26.
  3. Comité des publications: Vie économique de la Pologne, Librairie Payot & Cie., Lausanne-Paris 1919, S. 40.
  4. discover-ukraine.info, abgerufen am 17. August 2017.
  5. Andrzej Andrusiewicz: Polska i jej wschodni sąsiedzi. Teil 7, Wydawnictwo Uniwersytetu Rzeszowskiego, Rzeszów 2006, S. 28.
  6. discover-ukraine.info, abgerufen am 17. August 2017.
  7. Vgl. Christine Hikel und Sylvia Schraut (Hrsg.): Terrorismus und Geschlecht: Politische Gewalt in Europa seit dem 19. Jahrhundert, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2012, S. 197.
  8. Kai von Jena: Polnische Ostpolitik nach dem Ersten Weltkrieg. Das Problem der Beziehungen zu Sowjetrußland nach dem Rigaer Frieden von 1921. Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Nr. 40, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1980, S. 194.
  9. Grzegorz Rąkowski: Ukraińskie Karpaty i Podkarpacie: Część zachodnia, Band 1, Rewasz, Pruszków 2013, S. 218.
  10. Zentralblatt für Chirurgie, 87. Jahrgang, 1962, S. 717.