Tschechische und Slowakische Föderative Republik

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Česká a Slovenská Federativní Republika (tschechisch)
Česká a Slovenská Federatívna Republika (slowakisch)
Tschechische und Slowakische Föderative Republik
Flagge der Tschechoslowakei
Wappen der Tschechoslowakei
Flagge Wappen
Wahlspruch: Die Wahrheit siegt!
(Latein Veritas Vincit)
Amtssprache Tschechisch und Slowakisch
Hauptstadt Prag
Staatsform Föderative Republik
Regierungssystem Parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Präsident:
Václav Havel
Regierungschef Ministerpräsident:
Marián Čalfa (1990–1992)
Jan Stráský (1992)
Fläche 127,900 km²
Einwohnerzahl 15,7 Millionen (1991)
Währung Tschechoslowakische Krone
Gründung 23. April 1990 (eigentlich bereits am 29. März 1990 als Tschechoslowakische Föderative Republik)
Auflösung 31. Dezember 1992 (Auflösung der Tschechoslowakei)
Nationalhymne Kde domov můj und Nad Tatrou sa blýska
Fläche und Bevölkerung beziehen sich auf das Jahr 1991.
Lage und Staatsgebiet der Tschechoslowakei 1992.
Lage und Staatsgebiet der Tschechoslowakei 1992.

Die Tschechische und Slowakische Föderative Republik (tschechisch Česká a Slovenská Federativní Republika, slowakisch Česká a Slovenská Federatívna Republika, Kurzform ČSFR) war ein föderativer Staat, der durch die Samtene Revolution entstand. Die Föderation bestand aus Tschechien und der Slowakei und war der letzte historische Zeitabschnitt der Tschechoslowakei, der von der Namensänderung am 23. April 1990 bis zur Teilung der Tschechoslowakei am 31. Dezember 1992 bestand. Davor hatte sie für kurze Zeit, nämlich vom 29. März bis zum 22. April 1990, Tschechoslowakische Föderative Republik (tschechisch Československá federativní republika, slowakisch Česko-slovenská federatívna republika) geheißen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Samtene Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Samtene Revolution

1989 ergriff die Erneuerungsbewegung im Ostblock auch die Tschechoslowakei. Nach Großdemonstrationen auf dem Prager Wenzelsplatz, die auch durch brutalen Polizeieinsatz nicht mehr zu verhindern waren, traten am 24. November 1989 das Präsidium und das Sekretariat der KP zurück. Kurz zuvor hatten sich 12 Oppositionsgruppen zum „Bürgerforum“ zusammengeschlossen. Nun vollzog sich der Zusammenbruch des Regimes in raschem Tempo: Die Führungsrolle der KP wurde aus der Verfassung gestrichen, ein mehrheitlich nicht kommunistisches Kabinett unter dem Reformkommunisten Marián Čalfa übernahm die Regierungsgeschäfte, Präsident Husák trat zurück. Am 28.12. wurde Alexander Dubček, der Repräsentant des Prager Frühlings von 1968, zum Präsidenten der Bundesversammlung gewählt, und einen Tag später vereidigte er den soeben gewählten Bürgerrechtler Václav Havel als ersten nichtkommunistischen Staatspräsidenten seit 1948. In den nächsten Monaten wurden erste Schritte zur Herstellung freiheitlich-demokratischer Zustände und zur Einführung der Marktwirtschaft unternommen. Das Wort „sozialistisch“ wurde aus dem Staatsnamen gestrichen. Nach langen Auseinandersetzungen, in denen nationale Gegensätze zwischen Tschechen und Slowaken sichtbar wurden, entschied sich die Bundesversammlung für den Staatsnamen Tschechische und Slowakische Föderative Republik (ČSFR). In den ersten freien Parlamentswahlen am 8. und 9. Juni 1990 errangen das tschechische „Bürgerforum“ und die slowakische Schwesterpartei „Öffentlichkeit gegen Gewalt“ die absolute Mehrheit in der Bundesversammlung. Havel wurde für 2 Jahre im Amt bestätigt, Čalfa (der zu „Öffentlichkeit gegen Gewalt“ übergetreten war) wiederum mit der Regierungsbildung beauftragt. Die Privatisierung der Wirtschaft wurde in Angriff genommen.[1]

Der Streit um den Namen der Tschechischen und Slowakischen Föderation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name wurde durch das sogenannte Verfassungsgesetz angenommen, dieses ermöglichte den Namen der Tschechoslowakischen Föderativen Republik in Tschechische und Slowakische Föderative Republik zu ändern, am 23. April 1990 wurde der Name offiziell angenommen. Da man sich jedoch bei der Kurzform nicht auf eine einheitliche Schreibweise einigen konnte (siehe "Gedankenstrich-Krieg"), wurde im tschechischen Landesteil die Bezeichnung Tschechoslowakei (tschechisch: Československo) und im slowakischen Landesteil die Bezeichnung Tschecho-Slowakei (slowakisch: Česko-Slovensko) verwendet.

  • Tschechisch: Česká a Slovenská Federativní Republika (Československo)
  • Slowakisch: Česká a Slovenská Federatívna Republika (Česko-Slovensko)

Abrüstung und Teilung der Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Wirtschaft schlecht lief, wurde die Tschechoslowakische Armee abgerüstet, dadurch wurde der aus ursprünglich 200.000 Soldaten bestehende Apparat auf 180.000 Soldaten abgerüstet. Am 25. Dezember 1992 wurde sie aufgeteilt in die Streitkräfte der Tschechischen Republik und die Streitkräfte der Slowakischen Republik.

Teilung und Ende der Tschechoslowakei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die moderne Tschechische Republik in Europa
Die moderne Slowakei in Europa

Im Jahr 1992 trieben große Teile der öffentlichen politischen Elite der Tschechischen Republik und der Slowakei (in dieser Rolle besonders groß vertreten: Václav Klaus und Vladimír Mečiar) die Auflösung der Staatenunion voran, die bis zum Ende vom Präsident Václav Havel und dem Führer der Slowakischen Christdemokraten, Ján Čarnogurský, verteidigt wurde. Die vielen Probleme in der Wirtschaft und anderen Bereichen forderten eine schnelle Lösung des Problems. So verabschiedete die Bundesversammlung am 25. November 1992 ein Gesetz zur Teilung des Staates, die am 1. Januar 1993 wirksam werden sollte.

Reaktionen der Bevölkerung auf die Teilung der Tschechoslowakei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch kurz vor der Teilung waren etwa 60 % der Landesbevölkerung gegen die Teilung der Tschechoslowakei.

  • Tschechien: 65 % gegen Teilung
  • Slowakei: 55 % gegen Teilung

2002 führte das Unternehmen ODS eine erneute Befragung der beiden Länder durch, die Ergebnisse waren dabei erneut verändert:

  • Tschechien: 60 % gegen Teilung
  • Slowakei: 32 % gegen Teilung

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unionsrepubliken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name
Einwohner (Stand 2014)
Tschechische Republik Prag Flag of Bohemia.svg Small coat of arms of the Czech Republic.svg 78 866 km² 10 521 600
Slowakische Republik Bratislava Flag of First Slovak Republic 1939-1945.svg Coat of arms of Slovakia.svg 49 034 km ² 5 421 349

Nach dem Ende des Sozialismus in der Tschechoslowakei wurde das Wort „sozialistisch“ im Namen der beiden Republiken getilgt; sie behielten ihren Status und wurden in die Tschechische und Slowakische Föderative Republik eingegliedert.

In der parlamentarischen Organisation gab es de facto fünf verschiedene Kreise, die jeweils ein Vetorecht besaßen. Dieses System verzögerte politische Entscheidungen während der radikalen Veränderungen in der Wirtschaft. Schließlich wurden beide Staaten 1993 unabhängig.

Ethnische Konflikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tschechoslowakei wurden ethnische Konflikte zwischen Slowaken und Tschechen verhindert. Ähnlich wie in anderen multikulturellen Gesellschaften des Ostblocks – beispielsweise Jugoslawien und Sowjetunion – wurden solcherlei Differenzen als „Aufwiegelung“ oder als „nationalistische Bestrebungen“ verfolgt. Nach dem Ende des Sozialismus traten ethnische Differenzen aber wieder vermehrt öffentlich zutage.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Tschechoslowakei – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Tschechoslowakei

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?top=Ref&dokname=BERTEL_LEX-tid-1799255&suchbegriff=CSSR&titel=Tschechoslowakei

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tschechische und Slowakische Föderative Republik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien