Tschechoslowakische Armee

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TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei Tschechoslowakische Armee
Československá armáda
Logo Czechoslovak Army (pre1961).svg
Führung
Oberbefehlshaber: Staatspräsident der Tschechoslowakei
zuletzt
Václav Havel
Sitz des Hauptquartiers: Prag
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 150.000 (1924/25)[1][2]

220.000 (1937)[3]
440.000 (1938)[3]
400.000 (1956)[4]
180.000 (1992)

Reservisten: 50.000 (1935)
Wehrpflicht:
Wehrtauglichkeitsalter:
Haushalt
Militärbudget: N/A
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 14 %

25 % (1939)

Geschichte
Gründung: 1918
Faktische Gründung: 1916 (Tschechoslowakische Legionen)
Auflösung: 1992
Ablösung: Streitkräfte der Tschechischen Republik, Streitkräfte der Slowakischen Republik

Die Tschechoslowakische Armee (tschechisch Československá armáda) war das Militär der Tschechoslowakischen Republik. Sie bestand aus Heer, Luftstreitkräften und einer auf Flussschiffe begrenzten Marine. In ihren drei Teilstreitkräften dienten ungefähr 200.000 Soldaten und zusätzlich noch 50.000 Reservisten (Stand 1937). Die Tschechoslowakische Armee war vor dem Münchner Abkommen eine der schlagkräftigsten Armeen Mitteleuropas. 1992 teilte sie sich in die Streitkräfte der Tschechischen Republik und Streitkräfte der Slowakischen Republik auf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den nach dem Ende des Ersten Weltkriegs heimkehrenden Einheiten der Tschechoslowakischen Legionen wurde 1918 die neue Tschechoslowakische Armee gegründet. Eine wesentliche Aufgabe spielte dabei Frankreich: die ab Februar 1919 in der Tschechoslowakei wirkende Französische Militärmission half tatkräftig bei der Bildung des Generalstabs der Armee (der Kommandant der Militärmission stellte in den ersten Jahren den Stabschef), die Militärmission hat sich auch für die Gründung der Kriegshochschule Vysoká škola válečná eingesetzt und diese nach dem Vorbild der französischen Kriegshoschule École supérieure de guerre aufgebaut.[5]

1918 bis zur Mobilmachung 1938[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panzer der Tschechoslowakischen Armee während der Mobilmachung 1938
Tschechoslowakische Soldaten in Schönlinde (Krásná Lípa) 1938

Die neue Tschechoslowakische Armee marschierte 1919 im Sudetenland ein und eroberte im Polnisch-Tschechoslowakischen Grenzkrieg das umstrittene Olsagebiet. In der Zwischenkriegszeit hatten die tschechoslowakischen Streitkräfte nach den massiven Aufrüstungen in den 1920er Jahren 1935 eine Personalstärke von 220.000 Soldaten und zusätzlich noch 50.000 Reservisten, in 17 Infanteriedivisionen und 4 schnellen Divisionen.

Die Einheiten wurden aufgrund des hohen Budgets gut ausgerüstet und hervorragend ausgebildet. Das Oberkommando war vor allem im Königreich Jugoslawien sehr angesehen und schloss später ein Bündnis mit diesem und mit dem Königreich Rumänien. Die Verteidigungspläne waren durch den tschechoslowakischen Wall vorerst gesichert. Der Verteidigungshaushalt war nicht begrenzt und wurde durch die eigene Herstellung von Waffen nicht belastet und erlaubte einen großen Spielraum für andere militärische Interessen. Noch vor dem Münchner Abkommen fand während der Sudetenkrise eine Mobilmachung der Tschechoslowakischen Armee statt.

Der Mobilmachungsplan von 1936 sah die Einberufung von 972.747 Soldaten vor. Darunter waren 718.230 slawischer, 192.844 deutscher und 61.671 ungarischer Abstammung. Die Slowaken stellten unter den Offizieren nur 3,6 bis 5 %.[6]

Tschecho-Slowakei 1938/1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Münchner Abkommen marschierte die Wehrmacht in das Sudetenland ein und erbeutete die Systeme des Walls. Die Tschechoslowakische Armee verließ daraufhin die Sudetengebiete und begann mit der Errichtung neuer Staatsgrenzen.

Okkupation und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 1939 verschwand die Tschechoslowakei von der Landkarte Europas. Die Tschechoslowakische Armee, die nur wenig Widerstand gegen die Okkupation des Landes geleistet hatte, wurde aufgelöst – wobei einige Einheiten sich in die Nachbarländer Polen und Rumänien absetzten. Bis zum Mai 1939 kämpften weitere Einheiten in der Karpatenukraine gegen die ungarischen Streitkräfte und versuchten, die Karpatenukraine wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. 1940 wurde kurz nach der Gründung der Tschechoslowakischen Exilregierung die Tschechoslowakische Exilarmee in London gegründet. Sie kämpfte während des Zweiten Weltkrieges in Europa, Afrika und in Teilen Asiens auf der Seite der Alliierten. Im August 1944 beteiligte sich die Armee am Slowakischen Nationalaufstand gegen die Marionettenregierung der Ersten Slowakischen Republik. Am 4. April nahm die Rote Armee zusammen mit tschechoslowakischen Legionen Bratislava und Prag am 9. Mai 1945 ein. In der Hauptstadt kam es zwischen dem 5. und 9. Mai zum Prager Aufstand. Die Besetzung Prags durch die Rote Armee und die Legionen am 9. Mai beendete auch den Kampf des tschechoslowakischen Widerstands gegen das Naziregime.

Nach 1945 und Waffenlieferungen an Israel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Mai 1945 wurde von der vorläufigen Organisation der tschechoslowakischen Streitkräfte, der Tschechoslowakischen Exilarmee, eine neue Armee aufgestellt. Hierbei handelte es sich um alle tschechoslowakischen Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gegen den Nationalsozialismus an allen Fronten gekämpft und die Alliierten unterstützt hatten. Als Tschechoslowakische Korps aus der UdSSR im Oktober 1944 die Karpatenukraine einnahmen, begann das Militär eine Mobilmachung der Bevölkerung des Landesteils und zog fast alle wehrfähigen Einwohner ein. Im Kaschauer Programm wurde die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion festgeschrieben. Im Mai 1945 war die wiederaufgestellte tschechoslowakische Armee in über 16 Infanteriedivisionen unterteilt, ergänzt durch mehrere Panzerkorps und Artilleriedivisionen. Die Stärke der Armee umfasste im März 1946 ca. 750.000 Soldaten. Jedoch fehlte es an Material und Geld. Nach dem Krieg wurde die Armee zusätzlich mit der Durchführung der Vertreibung der Deutschen beauftragt. 1947 wurde die Personalstärke der Armee stark reduziert und eine Reihe von Einheiten verschwand. Nach der Kommunistischen Machtübernahme wurden viele Offiziere der Armee entlassen und durch pro-kommunistische ersetzt. Zusätzlich wurden in politischen Schauprozessen Generäle, die im Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Westmächte gekämpft hatten, verurteilt.

Gedenktafel mit Danksagung für die tschechoslowakische Hilfe an Israel im Befreiungskrieg 1948

Zwischen Juni 1947 und 31. Oktober 1949 lieferte die Tschechoslowakei der Israelischen Armee Waffen und trainierte deren Kampfpiloten. Die Waffenlieferungen umfassten 200 MG-34-Maschinengewehre, 4500 P18-Gewehre (ein modifizierter K98-Nachbau) und 50.400.000 Schuss Munition. Für die Waffen und Leistungen zahlte Israel rund 700 Millionen US-Dollar.[7]

Tschechoslowakische Volksarmee (1954–1990)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Militärparade in Prag mit T-72-Panzer, 9. Mai 1985

Nach der Machtübernahme der KSČ wurde die Armee auf 200.000 Soldaten abgerüstet. 1954 wurde sie in Tschechoslowakische Volksarmee Československá lidová armáda (ČSLA) umbenannt und trat 1955 dem Warschauer Pakt bei. In den 1960er Jahren war sie, nach der Roten Armee, die schlagkräftigste Armee des Ostblocks. Im Prager Frühling 1968 wurde die Armee mobilisiert und hatte eine Personalstärke von 1,2 Millionen Soldaten. Den sowjetischen Einmarsch nahm sie aber widerstandslos hin. In den 1970ern wurden die Tschechoslowakischen Streitkräfte erneut abgerüstet. 1990 änderte die ČSLA ihren Namen wieder in Tschechoslowakische Armee.

Abrüstung und Teilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Samtenen Revolution 1989 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik rasant. Als Teil des Sparprogramms der tschechoslowakischen Regierung wurde die Tschechoslowakische Armee von 200.000 Soldaten auf 180.000 Soldaten abgerüstet. Am 25. Dezember 1992 wurde die Armee aufgeteilt in die Streitkräfte der Tschechischen Republik und die Streitkräfte der Slowakischen Republik.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tschechoslowakische Armee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Deist: Militär, Staat und Gesellschaft. Studien zur preussisch-deutschen Militärgeschichte. (=Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte, Band 34) Oldenbourg Verlag, München 1991, ISBN 3-486-55920-6, S. 390.
  2. Marian Zgórniak: Europa am Abgrund – 1938. Lit, Münster 2002, ISBN 3-8258-6062-0, S. 176.
  3. a b Marian Zgórniak: Europa am Abgrund – 1938. Lit, Münster 2002, ISBN 3-8258-6062-0, S. 133f.
  4. Jörg K. Hoensch: Geschichte der Tschechoslowakei. Kohlhammer, Stuttgart 1992, ISBN 3-17-011725-4, S. 145.
  5. Karel Straka: Francouzská vojenská mise v Československu 1919–1938, eine Veröffentlichung des Vojenský historický ústav (Historisches Militärinstitut VHÚ), online auf: vhu.cz...
  6. Oswald Kostrba-Skalicky: Bewaffnete Ohnmacht. Die tschechoslowakische Armee 1918–1938. In: Karl Bosl (Hrsg.): Die Erste Tschechoslowakische Republik als multinationaler Parteienstaat. Oldenbourg, München 1979, ISBN 3-486-49181-4, S. 439–528, hier: S. 520.
  7. Z peněz od Izraele platilo Československo evropské komunisty
    Wolfgang Weber: Die USA und Israel. Zur Geschichte und Gegenwart einer politischen Symbiose. Steiner, Stuttgart 1991, ISBN 3-515-05966-0, S. 56.