Tscheka

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Geheimpolizei der UdSSR. Für weitere Bedeutungen siehe Tscheka (Begriffsklärung).
Tschekist ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum russischen Filmdrama von 1992 siehe Der Tschekist.

WeTscheKa (russisch ВЧК) ist die Abkürzung für die Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage (russisch Всероссийская чрезвычайная комиссия по борьбе с контрреволюцией, спекуляцией и саботажем [Wserossijskaja tschreswytschainaja komissija po borbe s kontrrewoljuziej, spekuljaziej i sabotaschem]), die nach der Oktoberrevolution am 20. Dezember 1917 gegründete Staatssicherheit Sowjetrusslands, auf deren Tradition sich die politische Polizei der Ende 1922 gegründeten Sowjetunion berief. Hiervon abgeleitet wurde der propagandistische Ausdruck Tschekisten für die Mitarbeiter von Geheimdiensten in den Staaten des Ostblocks.

Geschichte[Bearbeiten]

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Am 6. Dezember 1917 beauftragte die sowjetrussische Regierung unter dem Vorsitz Lenins das Mitglied des Militärrevolutionären Komitees von Petrograd (MRKP) Felix Edmundowitsch Dserschinski mit der Bildung einer Spezialkommission zur Bekämpfung des Streiks der zaristischen Beamten, welcher schon wenige Tage nach der Oktoberrevolution begonnen hatte. Dserschinsky, der im MRKP Erfahrungen gesammelt hatte, wurde nach der Ermordung von Moissei Solomonowitsch Urizki zum Leiter der Tscheka bestimmt.

Die Tscheka, welche die Bolschewiki selbst als „den bewaffneten Arm der Diktatur des Proletariats“ bezeichneten, wurde hauptsächlich zur Bekämpfung der Opposition und der Konterrevolution sowie ausländischer Geheimdienstaktivitäten, eingesetzt.

Die Berichte der im Juni 1919 von General Anton Iwanowitsch Denikin, dem Oberbefehlshaber der Weißen Armee im Süden Russlands, eingesetzten „Untersuchungskommission für bolschewistische Verbrechen“ enthalten Darstellungen zu zahlreichen in der Ukraine, im Kuban-Gebiet, am Don und auf der Krim teilweise schon im Januar 1918 von Roten Garden und Tscheka-Einheiten verübten Grausamkeiten und Verbrechen.

Ab August 1918 erfolgte auf Anweisung Lenins die Einrichtung der ersten Gefangenenlager – sie wurden offiziell Konzentrationslager genannt [1] – in der Provinz Pensa zur Unterbringung von Häftlingen (politischen Gegnern). Die Zahl der in Lagern Festgehaltenen betrug im Mai 1921 ca. 16.000 Personen und stieg bis September 1921 auf über 70.000.

Im Februar 1922 wurde die (parteiliche) Tscheka aufgelöst und das Archiv der Organisation auf Anweisung Lenins vernichtet; ihre Aufgaben wurden der neu gegründeten militärischen und damit staatlichen GPU übertragen.

Entwicklung der Mitarbeiterzahlen[Bearbeiten]

  • März 1918: 600
  • Juni 1918: 12.000
  • Ende 1918: 40.000
  • Anfang 1921: 280.000

Opferzahlen[Bearbeiten]

Die Schätzungen über die Zahlen der von der Tscheka Exekutierten variieren je nach Quelle dramatisch. Die niedrigsten (offiziellen) Zahlen wurden von Dserschinky’s Stellvertreter Martyn Latsis (nur RSFSR) angegeben: 1918 bis 1920: 12.733. Es wird allgemein angenommen dass diese Zahlen grobe Unterschätzungen der tatsächlichen Opferzahlen sind [2]. Andere Schätzungen reichen von 50.000 bis 250.000 Opfern.[3][4]

Filme[Bearbeiten]

  • Operatsiya Trest (TV-UdSSR 1967, 4 Teile, Regie Sergei Kolosov, 1968 von der DEFA-Synchron unter dem Titel Operation "Trust" synchronisiert). Die Fernsehserie entstand anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung der Tscheka.
  • Helden der Tscheka (Сотрудник ЧК/Sotrudnik ChK, wörtlich Mitarbeiterin der Tscheka, UdSSR 1964, Regie Boris Volchek, DEFA-Synchron 1964, nach der Literaturvorlage von Alexander Lukin/Dmitri Poljanowski: Die Tscheka greift ein, Berlin, Deutscher Militärverlag 1961).
  • Fremd unter seinesgleichen, (Swoi sredi tschuschich, tschuschoi sredi swoich, UdSSR 1974, Regie Nikita Sergejewitsch Michalkow).
  • Der Tschekist (Чекист, Le tchékiste, F/RU 1992, Regie Aleksandr Rogozhkin).
  • Feindlicher Wirbelwind (Vikhri vrazhdebnye/Wichri wraschdebnye, UdSSR 1953, Regie: Michail Kalatosow. Mit Micheil Gelowani (Stalin), Michail Kondratjew (Lenin), Wladimir Jemeljanow (Dserschinski), Leonid Ljubaschewski (Swerdlow) und Wladimir Solowjow (Kalinin)).

Literatur[Bearbeiten]

  • Павел Георгиевич Софинов: Очерки истории Всероссийской Чрезвычайной Комиссии (1917–1922 гг.). Госполитиздат, Москва 1960 (In deutscher Sprache: P. G. Sofinow: Abriß der Geschichte der Allrussischen Außerordentlichen Kommission (1917–1922). Juristische Hochschule, Potsdam 1967).
  • S. P. Melgunow: Der rote Terror in Rußland 1918–1923. Diakow, Berlin 1924 (In russischer Sprache: Сергей Петрович Мельгунов: „Красный террор“ в России, 1918–1923. s. n., Берлин 1924).
  • Walter Zeutschel: Im Dienst der kommunistischen Terror-Organisation. Dietz, Berlin 1931 (Tscheka-Arbeit in Deutschland).
  • Borys Lewytzkyi: Die rote Inquisition, Geschichte der sowjetischen Sicherheitssysteme. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1967.
  • Courtois, Werth, Panne, Paczkowski, Bartosec, Margolin, Gauck, Neubert: Das Schwarzbuch des Kommunismus.
  • Helmut Roewer, Stefan Schäfer, Matthias Uhl: Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert. Herbig, München 2003, ISBN 3-7766-2317-9.
  • Helmut Roewer: Skrupellos. Die Machenschaften der Geheimdienste in Russland und Deutschland. 1914–1941. Faber & Faber, Leipzig 2004, ISBN 3-936618-46-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joël Kotek, Pierre Rigoulot: Das Jahrhundert der Lager. Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Vernichtung. Propyläen-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-549-07143-4, S. 129.
  2. Donald Rayfield. Stalin and His Hangmen: The Tyrant and Those Who Killed for Him. Random House, 2004. ISBN 0-375-50632-2, p.1926: GBYi.
  3. page 28, Andrew and Mitrokhin, The Sword and the Shield, paperback edition, Basic books, 1999.
  4. page 180, Overy, The Dictators: Hitler's Germany, Stalin's Russia, W. W. Norton & Company; 1st American Ed edition, 2004.