Tschirn

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Tschirn in Oberfranken, zum gleichnamigen Funktionär der freidenkerischen und der freigeistigen Bewegung siehe Gustav Tschirn.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Tschirn
Tschirn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Tschirn hervorgehoben
Koordinaten: 50° 24′ N, 11° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Kronach
Verwaltungs­gemeinschaft: Teuschnitz
Höhe: 598 m ü. NHN
Fläche: 20,13 km²
Einwohner: 540 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 27 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96367
Vorwahl: 09268
Kfz-Kennzeichen: KC, SAN
Gemeindeschlüssel: 09 4 76 182
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulweg 8
96367 Tschirn
Webpräsenz: www.tschirn-online.de
Bürgermeister: Peter Klinger (CSU)
Lage der Gemeinde Tschirn im Landkreis Kronach
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Über dieses Bild
Katholische Kirche St. Jakobus, Haupteingang
Katholische Kirche St. Jakobus, verschieferte Westfassade

Tschirn ist eine Gemeinde im Landkreis Kronach (Regierungsbezirk Oberfranken) und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschirn liegt im Naturpark Frankenwald. Im Gemeindegebiet entspringen die Bäche: Tschirner Ködel (speist die Trinkwassertalsperre Mauthaus) die Grümpel und der Dober (Kremnitz) in unmittelbar nächster Nähe.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dobermühle
  • Tschirn
  • Gemeindeschneidmühle

Die Gemeindeschneidmühle (Waffenhammer) lag im Tal der Tschirner Ködel. Sie bestand aus einem Wohnhaus, einer Scheune und einem Holzsägewerk, in dem bis zum Ende noch Holz geschnitten wurde. Nach dem Bau der Mauthaustalsperre wurde sie um 1980 abgerissen, da sie in der engeren Schutzzone der Trinkwassertalsperre lag. Die Besitzer Förtsch und Jaksch wurden nach Tschirn umgesiedelt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Tschirn im Jahre 1276 als „Gut Tschirn“. Die Gründung des Ortes an der Hochstraße KronachLehesten, eine der kürzesten Verbindungen ins Thüringische, vollzog sich um die Jahrtausendwende in der Zeit des Geschlechtes der Steinberger und der Schweinfurter Grafen von Henneberg. 1187 waren die Güter im weltlichen Besitz der von Schaumberg, 1276 wurden „Schirn“ (Tschirn) und „Pressans“ und die Kirchen in diesen Eigengütern an das Kloster Langheim abgetreten. Am 18. Dezember 1388 ging das „Eygen“ Teuschnitz mit 31 Orten, darunter auch Tschirn mit dem Patronatsrecht nebst den dazugehörenden Siedlungen Hois, Priesterich und Oßla durch Kauf an das Hochstift Bamberg über. Tschirn gehörte von 1388 bis 1803 bis zur Säkularisation zum unbestrittenen Besitz des Fürstbistums Bamberg, dann ging es an das Königreich Bayern über.

Der um die Mitte des 14. Jahrhunderts wütenden Pest fielen alle Einwohner von Hois und Priestrich zum Opfer. Die Orte erloschen.

Um 1414 machten die Bürger Tschirns regen Gebrauch von der bereits 1234 erlassenen Bergwerksgerechtigkeit. Erz wurde abgebaut, verhüttet und in Waffenschmieden verarbeitet. Damals hatte der Ort 152 Familien und 600 Einwohner, 84 Häuser, ein Pfarramt, eine Schule und eine Pfarrkirche, Revier- und Forstwartei, eine Mahl- und zwei Schneidmühlen mit Waffenhammer.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dreißigjährige Krieg verschonte Tschirn nicht. 1632 wurde Pfarrer Johann Cuno im Pfarrhaus von einem schwedischen Soldaten ermordet. Der Pfarrer soll sich als Metzger verkleidet haben, wurde jedoch, als er die heiligen Geräte vor den räuberischen Landsknechten schützen wollte, erkannt und niedergemacht. Die Bauern rächten den „merttrer von Tschirn“, sie verfolgten seinen Mörder und erschlugen ihn im Grund zwischen Tschirn und Rappoltengrün. Der Sage nach geht heute noch die arme Seele des Schweden zu nächtlicher Stunde um. Für das Heimatfest 1957 hatte der Heimatdichter Andreas Bauer (Bauern-Andres) diese Vorgänge zu einem Theaterspiel unter dem Titel Von Not und Tod und schwerer Zeit verarbeitet. Es wurde von einer Tschirner Laienspielgruppe unter Regie des Autors auf dem freien Platz vor dem Pfarrhaus aufgeführt.

In der Folgezeit des Dreißigjährigen Krieges suchten Rinderpest, Ruhr, Typhus und Blattern die Menschen arg heim. Missjahre, Teuerung und Unwetter brachten immer wieder große Not.

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschirn, auch Schirn, Zirn, oder Zschirn geschrieben, ist ein slawischer Name, der vom tschechischen černý (schwarz) abgeleitet ist und etwa Schwarzwald, Fichten- oder Tannenwald bedeutet.

Bauwerke und Kunstwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am früheren Ortsteich, beim Haus Nummer 97 (heute Kronacher Straße 8), befand sich zwischen zwei mächtigen Lindenbäumen die Sandsteinfigur des Heiligen Nepomuk mit der Inschrift im Sockel: „Johan Hader schmittmeister von Tschirn und die sämhdliche Gutt thäter haben zur Ehre Gottes und des He Johann von Nepomuc diese bildnus setzen lassen. Ano 1774“. Die Statue wurde 1998 nach einer Renovierung an die Abzweigung Eckstraße/Kronacher Straße versetzt.

Von der gleichen Art steht etwa 100 Meter nördlich der Pfarrkirche ein Vesperbild, die Muttergottes, den vom Kreuz abgenommenen Christus haltend. Diese Sandsteinfigur war einst bemalt.

Von 1865 bis 1868 bauten die Tschirner die heutige gotische Pfarrkirche. Sie birgt neben wertvollen Kleinodien mehrere Holzfiguren (die älteste ist wohl die um 1500 entstandene stehende Muttergottes), vier Altarbilder, Kreuzweg und vier Evangelisten von Kunstmaler Lorenz Kaim aus Kronach, sowie eine Steinmeyersche Orgel.

Baudenkmäler und Bodendenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in TschirnBurgstall Tschirn

Die Pfarrer von Tschirn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1401: Richardt Johannes
  • 1415: Nicklas
  • 1440: Lenker Johannes
  • 1471: Weiß Johannes
  • 1521: Lauterbach Johannes
  • 1535: Schütz Johannes
  • 1539: Alstich Johannes
  • 1552: Limmer Simon
  • 1558: Fleischmann Johannes
  • 1587: Zweidler Wolfgang
  • 1596: Neblich Wolfgang
  • 1611: Hammon Otto
  • 1612: Cuno Johannes
  • 1632: Zielfelder Kornelius
  • 1638: Braun Johannes Wilhelm
  • 1640: Johann Konrad Cervinus von Hirsch
  • 1642: Fiedler Martin Johann
  • 1664: Kaupert Friedrich
  • 1666: Arelt Johann
  • 1672: Will Johann
  • 1685: Richter Martin
  • 1686: Leicht Nickolaus
  • 1687: Weber Georg
  • 1689: Hofstetter Johannes
  • 1710: Wecker Johann Georg
  • 1718: Beuschel Johann Tobias (in Tschirn begraben)
  • 1752: Wachter Johann Simon (in Tschirn begraben)
  • 1788: Oehrlein Georg Josef (in Tschirn begraben)
  • 1791: Baumann Friedrich
  • 1802: Lang Johann Georg Philipp
  • 1813: Schauer Valentin
  • 1818: Engel Johann
  • 1834: Kestel Johann
  • 1842: Scharold Georg
  • 1843: Alt Johann
  • 1859: Neblich Kaspar (in Tschirn geboren und begraben)
  • 1866: Besold Johann
  • 1875: Krahl Augustin (in Tschirn begraben)
  • 1878: Schmitt Franz
  • 1883: Schirmer Georg
  • 1889: Stöcklein Georg
  • 1894: Nüßlein Heinrich
  • 1896: Schindelmann Michael
  • 1908: Stenglein Jakob
  • 1913: Dütsch Augustin
  • 1922: Beyerwaltes Andreas
  • 1929: Zwosta Georg
  • 1934: Hagel Johannes
  • 1949: Höfinger Rudolf
  • 1966: Schöring Johannes
  • 1971: Aushilfen: Professor Johannes Seifert, Nurn und Pfarrer Josef Voll, Lahm
  • 1984: Antekolovic Tomislav
  • 1998: Martin Hans (Pfarrei Nordhalben und Tschirn)
  • 2005: Barthelme Peter – Pfarreienverbund Oberer Frankenwald: Teuschnitz, Tschirn, Wickendorf, Marienroth (ab Oktober 2006 Dekan – Dekanat Teuschnitz)
  • 2011: Joachim Lindner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Tschirn hat acht Mitglieder unter der Leitung des ehrenamtlichen Bürgermeisters.

2014
CSU 4
Alternative für Tschirn 4
Gesamt 8 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: „Geteilt von Blau und Gold; oben das Brustbild des silbern gekleideten und golden nimbierten heiligen Jakobus, der in der Rechten einen goldenen Pilgerstab und in der Linken ein goldenes Kreuz hält; auf der Brust eine rote Pilgermuschel; unten nebeneinander zwei bewurzelte schwarze Nadelbäume.“ (Ministerielle Zustimmung vom 11. April 1957 Nr. I B 1 - 3000 - 29 T/5)

Die untere Schildhälfte enthält durch die schwarzen Nadelbäume einen Hinweis auf den Ortsnamen, der vom slawischen černý (schwarz) abzuleiten und mit Schwarzwald gleichzusetzen ist. Schwarz und Gold spielen zugleich auf die Farben des Löwenwappens des ehemaligen Hochstifts Bamberg an, weil die Fürstbischöfe bis 1802/03 die Landesherrschaft ausübten. Schon vor 1276 und wieder seit 1388 nach dem Kauf der Güter des Zisterzienserklosters Langheim in dieser Gegend war der Ort unbestrittener hochstiftischer Besitz. Der heilige Jakobus war als Pfarrpatron bereits 1276 beglaubigt. Im Wappen wurden ihm seine bekannten Attribute Stab, Muschel und Kreuz hinzugefügt. Die Gemeindefahne zeigt drei Streifen in der Farbenfolge Rot, Weiß und Blau entsprechend den Hauptfarben im Gemeindewappen. [2]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Land- und Forstwirtschaft sowie Heimarbeit boten in früheren Jahrhunderten nur ein Existenzminimum. 1894 wurde die Schiefertafelindustrie gegründet, die 1902 nach Nordhalben abwanderte. Versuche, in den 1920er und 1930er Jahren Schiefervorkommen abzubauen, scheiterten.[3]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Arbeitgeber in Tschirn ist das Zweigwerk der Dr. Franz Schneider GmbH mit 160 Mitarbeitern.

Kultur und Erholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einstiegsmöglichkeit auf gut markierten Wanderstrecken - der nahe Rennsteig, Seenweg und Europäischer Fernwanderweg E6. Grünes Band Deutschland ist km-weit Ortsgrenze zu Thüringen. Die Porzellanstraße und Frankenwaldhochstraße führen durch den Ort.

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Pfadenhauer (Hrsg.): Tschirn im Frankenwald. Eine Gemeinde erinnert sich 1276–2001. ISBN 3-000-08814-8

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Klemens Stadler: Die Wappen der oberfränkischen Landkreise und Gemeinden
  3. Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Tschirn 2001 – Autor: Günter Böhnlein, Tschirn
  4. Pressemitteilung 17. Dr. Schneider Unternehmensgruppe, 2012, abgerufen am 31. Dezember 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tschirn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien