Tschornobyl

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Tschornobyl
Чорнобиль
Wappen fehlt
Tschornobyl (Ukraine)
Tschornobyl
Tschornobyl
Basisdaten
Oblast: Oblast Kiew
Rajon: Rajon Iwankiw
Höhe: 140 m
Fläche: Angabe fehlt
Einwohner: 704 (2016)
Postleitzahlen: 07200
Vorwahl: +380 4491
Geographische Lage: 51° 16′ N, 30° 14′ OKoordinaten: 51° 16′ 25″ N, 30° 13′ 35″ O
KOATUU: 3222010500
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Mykola Wassylenko
Adresse: вул. І. Проскури 7
07200 смт. Іванків
Statistische Informationen
Tschornobyl (Oblast Kiew)
Tschornobyl
Tschornobyl
i1
Tschornobyl in der Oblast Kiew
Gebiet um Tschornobyl. Aufgenommen von der russischen Raumstation Mir im Jahr 1997

Tschornobyl (ukrainisch Чорнобиль [tʃɔrˈnɔbɨlʲ]), bekannter als Tschernobyl (Transkription von russisch Чернобыль [tʃɛrˈnɔbɨl]), ist eine Stadt im Norden der Ukraine, 15 Kilometer entfernt von der Grenze zu Weißrussland. Tschornobyl liegt am Fluss Prypjat, einem Nebenfluss des Dnepr, in der Landschaft Polesien. Die Stadt gehört zur Oblast Kiew.

Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Nachbarstadt Prypjat ein Nuklearunfall, der als Katastrophe von Tschernobyl bekannt wurde. Prypjat ist deshalb heute eine Geisterstadt und bildet das Zentrum des Zone genannten Sperrgebiets. Tschornobyl liegt außerhalb des inneren 10-km-Sperrgebiets. In der Stadt wurden viele Gebäude renoviert, die als Unterkünfte für die Arbeiter und Ingenieure des ehemaligen Kraftwerkparks Prypjat, Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleute dienen. In der Stadt befindet sich auch ein Hotel. Im Umland und im Stadtgebiet von Tschornobyl leben heute rund 700 (von einst 14.000) Personen, die entweder nach der Katastrophe die Region nicht verlassen haben oder später in ihre Dörfer zurückkehrten. Die Umweltorganisation Blacksmith Institute zählte in ihrer 2006, 2007 und 2013 veröffentlichten Liste Tschornobyl jeweils zu den zehn Orten mit der größten Umweltverschmutzung weltweit.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste schriftliche Zeugnisse über Tschornobyl existieren aus der Zeit vor dem Jahr 1193. 1362 wurde der Ort vom Großfürstentum Litauen erobert. Nach der Lubliner Union von 1569 zwischen Litauen und Polen fiel Tschornobyl unter die polnische Krone, nach der dritten polnischen Teilung 1795 wurde es zusammen mit der rechtsufrigen Ukraine Russland einverleibt.

Im 18. und 19. Jahrhundert war Tschernobyl der Sitz der chassidischen Twersky-Dynastie, die von Rabbi Nachum von Tschernobyl (1730–1787) begründet wurde.

Von 1918 bis 1991 gehörte Tschornobyl zur Sowjetunion; 1941 wurde ihr der Status einer Stadt zuerkannt. Seit 1991 gehört Tschornobyl zur unabhängigen Ukraine.

Wirtschaft und Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Tschornobyl befanden sich das gewerblich-technische Zentrum der Dnipro-Dampfschifffahrt, eine Eisenhütte, Lebensmittelindustrie und Kunstgewerbe sowie ein Baustoffkombinat.

In der Nähe der Stadt, am Prypjatufer, entstand seit 1971 das erste Kernkraftwerk der Ukraine. Der erste Block wurde 1977 mit einer Leistung von 1.000 Megawatt in Betrieb genommen; im Jahr 1983 arbeiteten vier Blöcke. Das gesamte Blockkraftwerk erzeugte zu dieser Zeit 4000 Megawatt und war für den Ausbau bis zu 6000 Megawatt geplant. Die nukleare Havarie von 1986 war die schwerste in der Geschichte der Nutzung der Kernenergie überhaupt. Der Kyschtym-Unfall in der Kerntechnischen Anlage Majak ist zwar hinsichtlich der Aktivität des freigesetzten radioaktiven Materials vergleichbar, hatte aber weniger schwere Folgen.

Bildung, Soziales und Kultureinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tschornobyl beherbergte vier allgemeinbildende Mittelschulen, eine medizinische sowie eine landwirtschaftstechnische Fachschule und eine Musikschule. Ein Krankenhaus und eine Poliklinik sowie ein Kino, ein Schwimmbad und eine Bibliothek waren ebenfalls vorhanden.

Zum Namen der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Tschornobyl oder Tschornobylnyk (Чорнобиль, Чорнобильник) ist eine ukrainische Bezeichnung der Pflanzenart Beifuß (Artemisia vulgaris). Beifuß wird gelegentlich mit dem Wermutkraut (Artemisia absinthium) verwechselt, das zur selben Pflanzengattung Artemisia gehört.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Tschernobyl – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Tschornobyl – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Tschernobyl – Reiseführer
 Wikinews: Tschernobyl – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Top Ten Threats 2013.pdf des Blacksmith Institutes