Tullio Vinay

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Königin Juliana und Tullio Vinay (1967)

Tullio Vinay (* 1909 in La Spezia; † 2. September 1996 in Rom) war ein italienischer waldensischer Pfarrer, Theologe und Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn eines Lehrers wuchs er in Triest und in Torre Pellice in Norditalien auf. Sein Studium der Theologie absolvierte er an der waldensischen Fakultät in Rom und in Edinburgh. Von 1934 bis 1946 war er Pfarrer der Waldensergemeinde in Florenz. In dieser Zeit versteckte er Antifaschisten in seiner Wohnung, später auch Exfaschisten.

1946 verließ Vinay seine Gemeinde in Florenz und gründete nahe Prali das ökumenische Begegnungszentrum „Agape“. Hier wollte er junge Leute zu gemeinsamem Leben und gemeinsamer Arbeit vereinen. Sein Ziel fasste er so zusammen: „Agape wird ein Ort sein, an dem Menschen sich begegnen und kurze Zeit verweilen werden, auf der Suche nach der brüderlichen Liebe. Dann kehren sie wieder nach Hause zurück. Im Wesentlichen sind es Jugendliche. Sie bilden eine momentane Gemeinschaft, die religiös lebt, fernab von den Gewohnheiten des täglichen Lebens.“ Architekt war sein Freund Leonardo Ricci. Auf die Frage, wann ihm die Idee dazu gekommen war, antwortete er: „Als wir entdeckt hatten, mit überraschter Verwunderung und mit Furcht, dass Gott uns liebt.“

1961 nahm er eine Pfarrstelle in Riesi auf Sizilien an. Dazu sagte er später: „Bei unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass Riesi die Stadt war, die uns vielleicht am meisten brauchte. So sind wir dann in Riesi geblieben und haben gesehen, dass das wirtschaftliche Elend der Bevölkerung eng mit dem sozialen und moralischen verbunden ist. Das Elend, die große Misere, das hier herrscht, zieht jeden Besucher unmittelbar in Mitleidenschaft.“

So wurde in Riesi 1961 das Diakoniezentrum „Servizio Cristiano“ gegründet, das heute aus einem Kindergarten, einer Grundschule, einem Gästehaus, einer Familienberatungsstelle und einer landwirtschaftlichen Abteilung besteht. Ursprünglich gab es auch eine Berufsschule sowie eine Heimarbeits- und eine Maschinenbaugenossenschaft.

Von 1976 bis 1983 war er im italienischen Senat Vertreter der kommunistischen Partei. 1987 erhielt er den Dr.-Leopold-Lucas-Preis.

1982 wurde ihm von der Gedenkstätte Yad Vashem der Titel eines "Gerechten unter den Völkern" verliehen.[1][2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Riesi, Kreuz-Verlag Stuttgart, 1964.
  • Agape, ein Wagnis der Hoffnung für unsere Zeit, Kiefel Verlag, Wuppertal 1966.
  • Riesi – Ein christliches Abenteuer, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1985. ISBN 3-579-04632-2
  • Riesi – Geschichte eines christlichen Abenteuers, Kreuz-Verlag, Stuttgart 1985. ISBN 3-7831-0247-2
  • Die politische Diakonie der Kirche, Mohr-Siebeck-Verlag, 1987. ISBN 3-16-145288-7
  • Liebe leben – Zukunft gestalten. Aus den Schriften und Reden des Gründers von Riesi, Hg. Karl-Christoph Epting, 1989, ISBN 3-7673-3595-6
  • Liebe, die Berge versetzt. Die Waldenserkommunität Agape, Quell-Verlag Stuttgart, 1997. ISBN 3-7918-3452-5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.bibliografia-valdese.com/jspwald/de/detail.php?id=9256&lang=it
  2. Tullio Vinay auf der Website von Yad Vashem (englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]