Tulpenbaum

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Tulpenbaum
Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), Blüte

Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), Blüte

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Magnoliids
Ordnung: Magnolienartige (Magnoliales)
Familie: Magnoliengewächse (Magnoliaceae)
Gattung: Tulpenbäume (Liriodendron)
Art: Tulpenbaum
Wissenschaftlicher Name
Liriodendron tulipifera
L.

Der Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) ist eine der beiden Arten der Gattung Tulpenbäume (Liriodendron) in der Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae). Er ist in Nordamerika verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration von 1818
Der 38 m hohe Tulpenbaum im Alten Botanischen Garten Marburg in Herbstfärbung;
links zum Größenvergleich eine ebenfalls gut 200 Jahre alte Traubeneiche

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tulpenbaum ist ein sommergrüner, laubwerfender Baum. Er hat meist einen stattlichen Wuchs und erreicht Wuchshöhen von über 40 m im Wald- oder Plantagenverbund. Maximalwerte liegen bei knapp 60 m Höhe und einem Stammdurchmesser von bis über 300 cm. Bei jungen Exemplaren ist die Baumkrone schmal und kegelförmig, bei älteren wird sie gewölbt und hochragend, jedoch nie sehr breit und sie ist eher kräftig säulenförmig. In laublosem Zustand ist sie sehr licht und die Äste sind weit gestellt. Belaubt bildet der Baum eine dichte, geschlossene Krone.

Die im Alter dicke, braune bis grau-braune Borke ist furchig. Die jungen Zweige sind unbehaart, leicht bereift, die Blattnarben sind deutlich erkennbar. Die Knospen sind etwa 1 Zentimeter lang, oval, leicht gebogen und leicht zusammengedrückt.

Mit einer Höhe von 41 Metern einer der größten (und mit einem geschätzten Alter von über 400 Jahren wahrscheinlich auch der älteste) Tulpenbäume Amerikas steht in New York City im Stadtteil Queens. Er trägt den Spitznamen „Queens Giant“. Ein weiteres bekanntes, in Europa befindliches Exemplar steht im botanischen Garten der Stadt Marburg und erreicht ebenfalls knapp 40 Meter Höhe.[1]

Die wechselständigen, einfachen Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der schlanke, lange Blattstiel ist 6 bis 12 Zentimeter lang. Die Blattform ist eigenartig und unverwechselbar; sie ist symmetrisch zur Mittelader. Junge Laubblätter sind an dieser Achse noch zusammengefaltet. Die ganzrandige Blattspreite ist bei einer Länge von 10 bis 15 Zentimetern sowie einer Breite von 12 bis 20 Zentimetern im Umriss viereckig und ist in vier bis sechs spitze oder rundspitzigen Lappen oder grobe Zähne geteilt. Die Längsseiten der Lappen verlaufen fast symmetrisch. An der Spitze sind die Blätter geteilt, gelappt bis ausgerandet, an der Basis gestutzt bis stumpf oder leicht spießförmig. Die Blattoberseite ist glänzend und kräftig grün. Die Unterseite ist heller und wachsig. Die Blätter sind unbehaart, kahl und färben sich im Herbst goldgelb bis orange. Es sind Nebenblätter vorhanden.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von April bis Mai. Die Blüten stehen einzeln an Zweigenden. Es sind abfallende Deckblätter vorhanden. Die zwittrigen Blüten sind beim Aufblühen zunächst becherförmig, später öffnen sie sich weiter und werden glockig. Die Blütenhülle ist einfach und kronblattartig. Die dachigen und spitzen, bis zu 9 Blütenhüllblätter (Tepalen) sind an der Basis bläulich-grün, darüber gelb-orange, dann wieder grünlich. Die kurzen Staubblätter mit flachen, länglichen Antheren, sind 3 bis 5 Zentimeter lang. Die vielen, oberständigen Fruchtblätter stehen dachig an einem Kegel im Zentrum der Blüte.

Der bis zu 8,5 Zentimeter lange Fruchtstand ähnelt einem Koniferenzapfen. Die dachig angeordneten, bis 3–5,5 Zentimeter langen und schmalen Einzelfrüchte, Flügelnüsse (Samara) sind holzig – also nicht häutig – einseitig geflügelt und enthalten ein bis zwei kleine Samen.

Chromosomensatz und Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 38.[2]

Alle Pflanzenteile, besonders Holz und Rinde, sind für den Menschen giftig. Im Holz ist das Alkaloid Glaucin enthalten, in der Rinde digitaloide Verbindungen, in den Laubblättern saponinartige und cyanogene Stoffe.

Evolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Botaniker halten die seit mindestens 100 Millionen Jahren nachweisbaren magnolienähnlichen Gewächse (engl. Bezeichnung durch die Angiosperm Phylogeny Group: magnoliids) für die ursprünglichsten aller lebenden Blütenpflanzenarten. Dazu gehört der Tulpenbaum.[3]

Natürliches Verbreitungsgebiet

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tulpenbaum ist im östlichen und südöstlichen Nordamerika beheimatet. Das natürliche Areal hat seine Nordgrenze in Rhode Island, Massachusetts und Vermont nach Westen im äußersten Süden von Ontario, weiter zum Süden von Michigan, die Südküste des Lake Huron, Nordküste des Eriesees, Niagara-Halbinsel. Von hier geht die Arealgrenze nach Süden über Süd-Illinois, Südost-Missouri, Ost-Arkansas und Nord-Louisiana. Die Südgrenze geht durch den Norden Floridas.

Der Großteil der Bestände befindet sich in den Appalachen und auf den Piedmontflächen von Pennsylvania bis Georgia. Im Norden des Areals liegt die Höhengrenze bei etwa 300 Metern, im Süden bei 1380 Metern.

Der Tulpenbaum benötigt tiefgründige und humose Böden, auch mit hohem Anteil Lehm oder Tonanteil. Standorte mit trockenen Schutt- oder Sandböden werden gemieden. Kurzzeitige Staunässe verträgt er ebenso gut wie extreme Fröste und sommerliche Hitze mit zeitweiliger Trockenheit. Aufgrund der weitreichenden Pfahlwurzel, die sich sehr tief in den Boden bohrt, ist er relativ unempfindlich gegen Windbruch und eignet sich als Windschutz für andere Gehölze in Mischbeständen.[4]

Der Tulpenbaum gliedert sich nahtlos in bereits bestehende Forstpflanzungen ein. Er kommt an natürlichen Standorten immer in Mischwäldern vor. In der Jugendphase benötigt er lichte Standorte für eine nachhaltige Entwicklung.[5]

In Deutschland wird er mittlerweile versuchsweise angepflanzt, um das Baumartenspektrum aufgrund der Klimaerwärmung zu verbreitern. Größere Bestände sind zwischen Rastatt und Karlsruhe zu finden.[6]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Whitewood-Holz

Im Nordosten Amerikas ist der Tulpenbaum eine der wichtigsten Laubbaumarten. Das Stammholz (Amerikanisches Whitewood, Tulipanero) wird vor allem zu Türen, Fenstern, Furnieren, Sperrholz, Verschalungen, Regalen und Gussformen verarbeitet. Darüber hinaus werden daraus Spielwaren, Körbe, Musikinstrumente und Särge gefertigt. Aus schwächerem Holz werden Bleistifte und Zündhölzer hergestellt. Das Holz ist stabil, rissfest, nagelfest und leicht bearbeitbar. Das Kernholz ist dauerhaft, das Splintholz nicht. In den Süd-Appalachen hat der Tulpenbaum eine wirtschaftliche Bedeutung als Rohstoff für die Zellstoff- und Papierherstellung. Der Zellstoff ist fester als Pappel-Zellstoff. Eine gewisse Rolle spielt der Tulpenbaum als Bienenweide. Junge Bäume liefern pro Saison bis zu 3,6 kg Nektar, was rund 1,8 kg Honig entspricht.

Aufgrund der großen, attraktiven Blüten und der Herbstfärbung wird der Tulpenbaum auch außerhalb seines natürlichen Areals als Park- und Zierbaum angepflanzt, in Europa seit 1663, wo er als absolut frosthart gilt. Ein ca. 300 Jahre altes Exemplar befindet sich im Schlosspark Trebnitz.[7] Der Tulpenbaum ist der offizielle Staatsbaum der US-Bundesstaaten Kentucky, Indiana und Tennessee.

Die Wurzeln werden zur Herstellung von Fichtenbier verwendet. Die Rinde und Wurzeln werden auch medizinisch genutzt.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno P. Kremer: Bäume. Heimische und eingeführte Arten Europas. Steinbachs Naturführer, Mosaik Verlag, München 1984, S. 160. ISBN 3-570-01188-7.
  • Peter Schütt, Ulla M. Lang: Liriodendron tulipifera. In: Schütt, Weisgerber, Schuck, Lang, Stimm, Roloff: Enzyklopädie der Laubbäume. Nikol, Hamburg 2006, S. 311–320. ISBN 978-3-937872-39-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Tulpenbaum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Tulpenbaum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tulpenbaum ∗ Die 10 besten Pflegetipps und richtig schneiden. In: gartenjournal.net. Abgerufen am 5. Januar 2021.
  2. Liriodendron tulipifera bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  3. Der Tulpenbaum: Ein molekulares Fossil auf pflanzenforschung.de, abgerufen am 15. November 2016.
  4. Tulpenbaum (Liriodendron Tulipifera). Abgerufen am 5. Januar 2021.
  5. die Forstpflanze: Tulpenbaum. Abgerufen am 5. Januar 2021.
  6. Kurzportrait Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) auf waldwissen.net, abgerufen am 10. April 2019.
  7. Reiseland Brandenburg: Ihr Portal für Urlaub und Ausflüge, Informationstafel im Park. 3. März 2016, abgerufen am 25. Juni 2020.