Tupac Shakur

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Tupac Amaru Shakur (Geburtsname Lesane Parish Crooks;[1] * 16. Juni 1971 in Manhattan, New York City; † 13. September 1996 in Las Vegas, Nevada), auch bekannt unter seinen Pseudonymen 2Pac und Makaveli (nach Niccolò Machiavelli), war einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Rap-Musiker. Tupac verkaufte weltweit bisher 75 Mio. Tonträger.[2] Seine Archivaufnahmen wurden nach seinem Tod ebenfalls Verkaufserfolge.

Leben

Zeichnung Shakurs
Ein Hologramm Tupac Shakurs auf dem Coachella-Festival 2012

Tupac Shakur wurde am 16. Juni 1971 als Lesane Parish Crooks in East Harlem im New Yorker Stadtbezirk Manhattan geboren und wuchs mit seiner Halbschwester Sekyiwa Shakur bei seiner Mutter Afeni (* 1947; † 2016) in ärmlichen Verhältnissen auf. Seinen leiblichen Vater William „Billy“ Garland, ein ehemaliges Black-Panther-Mitglied, lernte er erst als erwachsener Mann kennen. Sein Stiefvater, Mutulu Shakur – Bruder der Bürgerrechtlerin Assata Shakur, Vater seiner Halbschwester und Tupacs Stiefbruder Mopreme Shakur – wurde nach einem Banküberfall zu 60 Jahren Haft verurteilt. 1972, ein Jahr nach seiner Geburt, wurde er in Tupac Amaru Shakur umbenannt. Seine Vornamen Tupac Amaru verdankt Shakur der Zugehörigkeit seiner leiblichen Eltern zur afroamerikanischen Black-Panther-Bewegung, sie sind eine Anspielung auf Túpac Amaru II., einen südamerikanischen Freiheitskämpfer gegen die spanischen Eroberer. Den Großteil seiner Jugend verbrachte Shakur mit seiner Mutter und seiner Halbschwester in ständig wechselnden Unterkünften in New York.

1986 zog Afeni Shakur mit ihren Kindern nach Baltimore im US-Bundesstaat Maryland in eine zum Großteil weiße, bürgerlich geprägte Nachbarschaft. Dort besuchte Shakur die Baltimore School for the Arts. Er belegte Kurse in Literatur und Ballett, las viel und spielte Theater. Gleichzeitig fing er an zu rappen. Obwohl er seiner sozialen Herkunft wegen ein Außenseiter war, bezeichnete er später bei vielen Gelegenheiten die Jahre in Baltimore als die glücklichsten seines Lebens; er sah sich gegenüber den anderen Jugendlichen in seiner Nachbarschaft als vom Schicksal privilegiert und erkannte die Bedeutung von Bildung. Im Jahre 1988 zog seine Mutter jedoch zwecks Arbeitssuche an die Westküste der Vereinigten Staaten und ließ sich dort im kalifornischen Marin City, nahe der Stadt San Francisco, nieder. Damit entwurzelte sie den nach einer Vaterfigur suchenden Shakur ein weiteres Mal. Tupac selbst sah den Umzug und seinen damit verbundenen Schulabbruch rückblickend als den entscheidenden Punkt, „an dem ich auf die schiefe Bahn geriet“ („where I got off track“).

In den Ghettos von Oakland schaute er zu den erfolgreichen Zuhältern und Drogenhändlern seines Viertels auf und versuchte sich schließlich selbst im Drogenhandel. Gleichzeitig aber kam er mit Leuten aus dem Musikgeschäft zusammen, die ihm zu einem losen Engagement als Roadie, Tänzer und schließlich auch Rapper bei der Rapgruppe Digital Underground verhalfen. Mit einem Auftritt in dem Digital-Underground-Titel Same Song machte er auf sich aufmerksam und erhielt seinen ersten Soloplattenvertrag bei der Firma Interscope Records. 1991 veröffentlichte Tupac Shakur sein erstes und zugleich politischstes Album 2Pacalypse Now. Zwei Jahre später folgte Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z.. Neben der Musik trat Shakur in einer Reihe von Filmen auf, etwa in Poetic Justice an der Seite von Janet Jackson.

Zu dieser Zeit geriet er in eine Reihe gewalttätiger Auseinandersetzungen, die ihm zahlreiche Gerichtsverfahren einbrachten. Auf der anderen Seite war Shakur sozial engagiert – er richtete z. B. ein Sorgentelefon für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche ein. 1994 wurde er angeschossen, als er sich mit Christopher Wallace, besser bekannt als „The Notorious B.I.G.“, und Sean Combs alias „Puff Daddy“ in den Time Square’s Quad Recording Studios in New York traf, um einen neuen Titel einzuspielen. Er wurde von fünf Schüssen getroffen, einer davon traf ihn am Kopf. Er überlebte den Angriff und beschuldigte Combs und Wallace des Attentats, was der Beginn der so genannten East-Coast-vs.-West-Coast-Fehde wurde. Im Jahr 1995 wurde Shakur wegen sexueller Belästigung verurteilt. Während er im Gefängnis saß, erreichte sein Album Me Against the World Platz 1 der Billboard Charts. Von den ursprünglich vorgesehenen viereinhalb Jahren Haft verbüßte er jedoch nur elfeinhalb Monate, da er vom Chef des Labels Death Row Records, Suge Knight, für 1,4 Mio. US-Dollar Kaution ausgelöst wurde. Im Gefängnis schrieb Shakur, der sich in Anspielung auf den berühmten florentinischen Staatstheoretiker des 15. Jahrhunderts, Niccolò Machiavelli, Makaveli nannte, das Drehbuch Live 2 Tell, das vom Ausstieg eines Drogenkönigs erzählt.

Todesumstände

Am 7. September 1996 sah sich Shakur gemeinsam mit Suge Knight und mehreren Freunden den Boxkampf seines Freundes Mike Tyson gegen Bruce Seldon im MGM Grand Hotel in Las Vegas an. Als Knight und Shakur das MGM verlassen wollten, kam es in der Lobby zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit Orlando Anderson, einem Gangmitglied der Southside Crips. Dieser hatte mit seinen Freunden ein Mitglied der Death-Row-Entourage in einer Foot Locker-Filiale ausgeraubt. Als Knight Shakur darauf hinwies, griff dieser Anderson an und streckte ihn mit einem Faustschlag zu Boden. Anschließend schlugen auch seine Leibwächter auf Anderson ein. Nachdem die Auseinandersetzung von den Sicherheitskräften des Hotels beendet worden war, konnten Shakur und Knight die Szenerie unbehelligt verlassen und stiegen in ihre Limousine.[3]

Kurz darauf fielen an einer roten Ampel Ecke East Flamingo Road/Koval Lane Schüsse auf den schwarzen BMW 750i, in dem sich der Rapper befand. Vier Projektile durchschlugen die Reifen, fünf die Beifahrertür und drei Projektile die Fensterscheiben. Shakur wurde von mehreren Kugeln in Brust, Becken und den rechten Arm getroffen, unter anderem durchschlug ein Projektil seinen rechten Lungenflügel. Der am Steuer des Wagens sitzende Knight erlitt einen Streifschuss am Kopf, konnte den Wagen trotz seiner Verletzung aber noch steuern und versuchte mit dem schwer verletzten Shakur und seinen Bodyguards durch den dichten Verkehr von Las Vegas zu entkommen, bis er von Polizisten gestoppt wurde. Die beiden Verletzten wurden ins nahe gelegene University Medical Center of Southern Nevada eingeliefert. Shakur musste ein Lungenflügel entfernt werden; anschließend wurde er in ein künstliches Koma versetzt, aus dem er nicht mehr erwachte. Am 13. September erlag Shakur im Krankenhaus im Alter von 25 Jahren seinen Schussverletzungen.[3][4]

Bis heute ist die Tat ungeklärt und Stoff für eine Reihe von Verschwörungstheorien. Orlando Anderson, der als Hauptverdächtiger galt, wurde am 29. Mai 1998 in Los Angeles erschossen. Als zweiter Tatverdächtiger oder zumindest Strippenzieher galt einige Zeit auch Christopher Wallace.

Die Auseinandersetzung zwischen 2Pac und Notorious B.I.G. war einer der bestdokumentierten Beefs der Hip-Hop-Geschichte; demnach wäre ein Motiv vorhanden gewesen. Wallace wurde am 9. März 1997 erschossen, vermutlich weil man ihn für den Mörder von Shakur hielt. Auch dieser Mord ist bis heute nicht geklärt.[3] Wie bei Elvis Presley, Jim Morrison und ähnlichen Prominenten, die eines mysteriösen Todes starben, existieren auch Theorien, dass Shakur seinen Tod nur vorgetäuscht habe. Diese Theorien werden oft mit Bildern von Lookalikes oder älteren Fotos untermauert.[5] Auch behauptete ein Polizist, er habe von Shakur 1,5 Millionen Dollar bezahlt bekommen, um dessen Tod vorzutäuschen. Angeheizt wurden diese Gerüchte auch durch die angebliche Behauptung von Suge Knight, „Nobody has seen Tupac dead“ (dt. „Niemand hat Tupac tot gesehen“), was Knight 2012 in einem Radiointerview gesagt haben soll.[6]

Im Dezember 2016 wurde Tupac Shakur mit der Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame geehrt. Die offizielle Veranstaltung hierzu fand am 7. April 2017 statt.[7]

Posthume Veröffentlichungen

Auch nach Shakurs Tod erscheinen weiterhin Werke und Artikel, die bisher unveröffentlichtes Material enthalten. Ein Beispiel ist Ghetto Gospel, das 2005 veröffentlicht wurde. Das Lied, dessen Refrain Samples des Songs Indian Sunset von Elton John enthält, schaffte es in Großbritannien und Australien an die Spitze der Singlecharts.

Stil

Paolo Chiasera: „Tupacproject“ vor dem Museum Marta in Herford

Die Texte von Shakurs Titeln, etwa auch gemeinsam mit den Musikern Snoop Dogg, Dr. Dre, Michael Jackson und der Gruppe Outlawz veröffentlicht, drehen sich um Ghetto-Erfahrungen (z. B. in My Block) und Rassismus. Dabei bedient er sich einer expliziten, teils gewaltverherrlichenden Sprache. Jugendliche Polizistenmörder gaben an, von seinem Lied Souljah’s Story zu ihrer Gewalttat inspiriert worden zu sein. Politisch konkreter wird 2Pac etwa in dem Lied Panther Power, das den American Dream verwirft und sich antikapitalistischer Rhetorik im Stil der Black-Panther-Linken bedient. Der teilweise gewaltverherrlichenden Sprache stehen Stücke mit gefühlvollen Texten gegenüber, etwa Keep Ya Head Up oder Dear Mama. Ersteres Lied richtet sich gegen Frauendiskriminierung allgemein, das zweite ist eine ausgiebige Danksagung und Shakurs Mutter gewidmet.

Statue Tupacproject

Seit 2005 steht im Eingangsbereich des Museums MARTa Herford auf einer Säule eine von Paolo Chiasera geschaffene Statue, die den US-Rapper Tupac Shakur zeigt. Die Skulptur, die in den Jahren 2003 bis 2005 entstanden ist, trägt den Namen „Tupacproject“.

Rezeption

Im April 2012 ließ Snoop Dogg beim kalifornischen Musik-Festival Coachella mit Hilfe eines aufwendigen computergestützten Verfahrens Shakur in einer lebensgroßen Projektion wiederauferstehen und präsentierte eine virtuelle Performance im Duett mit dem verstorbenen Künstler.

Die Verschwörungstheorie um Shakurs Tod ist Thema der ersten Folge der Hörspielserie Offenbarung 23.

Das 140 Minuten lange Biopic All Eyez on Me kam 2017 in die Kinos.

Der Rolling Stone listete 2Pac auf Rang 86 der 100 größten Musiker aller Zeiten.[8]

Diskografie

Hauptartikel: Tupac Shakur/Diskografie

Studioalben

Jahr Titel Chartplatzierungen[9] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1991 2Pacalypse Now 64 Gold
(23 Wo.)
Erstveröffentlichung: 12. November 1991
Verkäufe US: 900.000+[10]
1993 Strictly 4 My N.I.G.G.A.Z. Silber 24 Platin
(60 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Februar 1993
Verkäufe US: 1.600.000+[10]
1995 Me Against the World 23
(14 Wo.)
90 Gold
(1 Wo.)
1 Doppelplatin
(65 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. März 1995
Verkäufe US: 3.500.000+[10]
1996 All Eyez on Me 16
(24 Wo.)
15
(13 Wo.)
32 Platin
(15 Wo.)
1 Diamant
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. Februar 1996
Verkäufe US: 5.800.000+[10]
The Don Killuminati: The 7 Day Theory 76
(4 Wo.)
53 Silber
(2 Wo.)
1 4-fach-Platin
(63 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. November 1996
Verkäufe US: 4.000.000+[10]
Posthum veröffentlichte Studioalben
1997 R U Still Down? (Remember Me) 25
(9 Wo.)
23
(4 Wo.)
44 Gold
(5 Wo.)
2 4-fach-Platin
(26 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. November 1997
Verkäufe US: 2.100.000+[10]
2001 Until the End of Time 23
(21 Wo.)
63
(4 Wo.)
34
(11 Wo.)
31 Gold
(18 Wo.)
1 4-fach-Platin
(25 Wo.)
Erstveröffentlichung: 27. März 2001
Verkäufe US: 2.200.000+[10]
2002 Better Dayz 45
(9 Wo.)
60
(10 Wo.)
68 Gold
(8 Wo.)
5 3-fach-Platin
(25 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. November 2002
Verkäufe US: 1.700.000+[10]
2004 Loyal to the Game 50
(12 Wo.)
21
(8 Wo.)
20 Gold
(20 Wo.)
1 Platin
(23 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. Dezember 2004
Verkäufe US: 1.200.000+[10]
2006 Pac’s Life 62
(2 Wo.)
90
(1 Wo.)
9
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. November 2006
Verkäufe US: 500.000[11]

Filmografie

Literatur

  • Michael Eric Dyson: Holler if you hear me. Searching for Tupac Shakur. Basic Civitas Books, New York 2001
  • Mord in Vegas: Tupac Shakur. In: Real crime Sonderheft: Ungelöste Fälle. August 2016 (01). bpa media gmbh.

Weblinks

 Commons: Tupac Shakur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Freddie Lee Johnson: Tupac Shakur. Da Capo Press, 2010, ISBN 978-0-786-74593-7, S. 33 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Tupac Shakur’s Ghastly Halloween – Forbes
  3. a b c Mord in Vegas: Tupac Shakur. In: Real crime Sonderheft: Ungelöste Fälle. August 2016 (01). bpa media gmbh, S. 32–35.
  4. Die letzten Worte von Tupac Shakur. Die Welt, 23. Mai 2014, abgerufen am 1. September 2016.
  5. "2Pac" starb 1996: Rap-Legende Tupac Shakur doch nicht tot? Mysteriöser Bildbeweis aufgetaucht. Focus Online, 29. August 2016, abgerufen am 1. September 2016.
  6. Lebt Tupac Shakur noch? Joiz, abgerufen am 1. September 2016.
  7. Your official Rock Hall class of 2017 roster, Website der Hall of Fame, abgerufen am 22. Dezember 2016 (engl.).
  8. 100 Greatest Artists of All Time. Rolling Stone, 2. Dezember 2010, abgerufen am 8. August 2017 (englisch).
  9. Chartquellen: DE AT CH UK US US 2
  10. a b c d e f g h i Tupac-Diskografie auf xxlmag.com
  11. US-Albenverkäufe Auf statisticbrain.com, 1. Januar 2016, Englisch. Abgerufen am 31. Januar 2016.