Tupolew PS-35

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f2
Tupolew PS-35
Typ: Passagierflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller:

Werk Nr. 22 und Nr. 156

Erstflug: 20. August 1936
Produktionszeit:

1937–1939

Stückzahl: 9 + 2 Prototypen

Die Tupolew PS-35 (russisch Туполев ПС-35) ist ein sowjetisches Verkehrsflugzeug der 1930er-Jahre. Die Bezeichnung steht für „Passaschirski samoljot“ (russisch Пассажирский самолет), Passagierflugzeug. Die Werksbezeichnung lautet ANT-35 (АНТ-35), nach Andrei Nikolajewitsch Tupolew, dem Leiter des Konstruktionsbüros.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwickelt wurde das Flugzeug ab 1935, um ein Ablösemuster für die PS-9 zu schaffen. Konstrukteur war der bei Tupolew angestellte Alexander Alexandrowitsch Archangelski. Er orientierte sich bei der Projektierung an seinem Bomberentwurf SB-2, von dem er die Form des Trag- und Leitwerks übernahm. Den Rumpf konstruierte er allerdings völlig neu. Im Gegensatz zur PS-9, die eine Wellblechzelle besaß, erhielt die PS-35 eine modernere Rumpfverkleidung mit Glattblech. Als Antrieb fanden zwei französische Gnome-Rhône-14K-Sternmotoren Verwendung, später wurden sie durch einheimische M-85 ersetzt. Die Serienmodelle erhielten je zwei M-62IR. Am 20. August 1936 erfolgte der Erstflug des Prototyps mit Michail Gromow. Bereits vier Tage später erfolgte die öffentliche Präsentation auf der Luftparade in Tuschino.[1]

Gebaut wurde die PS-35 nur in einer kleinen Serie von neun Flugzeugen, da sie zwar für ihre Zeit eine bemerkenswert fortschrittliche Konstruktion darstellte, jedoch für die ursprünglich geforderte Zahl von 20 Passagieren nicht ausgelegt war. Die Sowjetunion erwarb deshalb die Lizenzrechte der amerikanischen DC-3 und baute sie als Li-2.

Der Einsatz der PS-35 erfolgte als Schnellverkehrflugzeug bei der Aeroflot auf inländischen Verkehrsrouten. Nach dem Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und der Sowjetunion dienten die PS-35 als Verbindungsflugzeuge oder Beförderungsmittel für ranghohe Persönlichkeiten.

Am 25. September 1936 erreichten Michail Michailowitsch Gromow und der Navigator Sergej Danilin mit einer PS-35 auf der Strecke Moskau – Leningrad – Moskau eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 348 km/h. Die zeitweise geflogene Höchstgeschwindigkeit betrug 400 km/h.

Technische Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die PS-35 ist ein freitragender Tiefdecker in Ganzmetall-Halbschalenbauweise mit ovalem Rumpfquerschnitt. Die Passagierkabine ist schall- und wärmeisoliert sowie beheizbar. Die Tragfläche besteht aus drei Teilen und ist mit zwei Holmen mit dem Rumpf verbunden. Als Besonderheit verlaufen die Landeklappen durchgehend unter dem Rumpf. Das Leitwerk besteht ebenfalls aus Metall in freitragender Normalbauweise. Das Hauptfahrwerk wird in die hinteren Motorgondeln einfahren, wobei die Räder halb herausragen. Das Heckrad ist starr.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreiseitenriss
Kenngröße Daten
Länge 15,40 m
Spannweite 20,80 m
Höhe 5,90 m
Flügelfläche 57,80 m²
Leermasse 5.012 kg
Startmasse normal 6.620 kg
maximal 7.000 kg
Antrieb zwei luftgekühlte Sternmotoren M-62IR
Leistung je 746 kW (1.000 PS)
Höchstgeschwindigkeit 372 km/h in 4.000 m Höhe
Reisegeschwindigkeit 350 km/h
Landegeschwindigkeit 95 km/h
Gipfelhöhe 8.500 m
Reichweite maximal 1.640 km
Besatzung/Passagiere 2-3/10

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz A. F. Schmidt: Sowjetische Flugzeuge. Transpress, Berlin 1971, S. 70.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl-Heinz Eyermann, Wolfgang Sellenthin: Die Luftparaden der UdSSR. Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, 1967. S. 32.