Turiscai (Verwaltungsamt)

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Verwaltungsamt Turiscai
Turiscai (Verwaltungsamt) (Osttimor)
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Verwaltungszentrum Turiscai
Fläche 197,94 km²[1]
Einwohnerzahl 7.718 (2015)[1]
Sucos Einwohner (2015)[1]
Aitemua 817
Beremana 808
Caimauc 1.122
Fatucalo 393
Foholau 255
Lessuata 337
Liurai 599
Manumera 1.584
Matorec 457
Mindelo 593
Orana 753
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Manufahi
Lage der Gemeinde Manufahi

Turiscai ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt (portugiesisch Posto Administrativo) in der Gemeinde Manufahi. Der Sitz der Verwaltung befindet sich im Ort Turiscai.[2] „Turiskai“ bedeutet auf Mambai „Stamm des Turibaums“.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turiscai liegt im Norden der Gemeinde Manufahi

Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet. Vor der Gebietsreform 2015 hatte Turiscai eine Fläche von 188,44 km².[4] Nun sind es 197,94 km².[1]

Turiscai liegt im Norden von Manufahi. Südlich liegen an die Verwaltungsämter Same und Fatuberlio. Im Westen grenzt Turiscai an den zur Gemeinde Ainaro gehörenden Verwaltungsamt Maubisse, im Norden an den zur Gemeinde Aileu gehörenden Verwaltungsamt Lequidoe und im Osten an den zur Gemeinde Manatuto gehörenden Verwaltungsamt Laclubar. Die in Turiscai entspringenden Flüsse fließen in den Nördlichen Lacló, Südlichen Lacló, Clerec und Caraulun.[5]

Das Verwaltungsamt Turiscai teilt sich in elf Sucos: Aitemua (Aitenua), Beremana, Fatucalo (Fatukalo), Caimauc (Kaimauk), Foholau, Lessuata (Lesuata), Liurai, Manumera, Matorec (Matorek), Mindelo und Orana.[6]

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verwaltungsamt Turiscai leben 6.993 Menschen (2015), davon sind 4.057 Männer und 3.661 Frauen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 39,0 Einwohner/km².[1] Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Mambai. Östlich vom Ort Turiscai gibt es eine kleine Gruppe, die Isní spricht, das zur Nationalsprache Idalaka gehört. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung beträgt 17,6 Jahre (2010,[4] 2004: 16,0 Jahre[8]).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turiscai war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[9][10]

Bei der Rebellion von Manufahi (1911/1912) unterstützte Turiscai Boaventura, den aufständischen Liurai von Manufahi. Der Aufstand wurde aber von den portugiesischen Kolonialherren niedergeschlagen.[11]

Australische Soldaten brennen Hütten in Maubissi nieder (Ende 1942)

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Portugiesisch-Timor von den Japanern besetzt und wurde Schauplatz der Schlacht um Timor, in der australische Kommandos und ein Teil der Bevölkerung in Guerillataktik gegen die Besatzer kämpften. Am 12. Dezember 1942 brannten australische Soldaten mehrere Hütten in Maubissi von pro-japanischen Timoresen nieder, damit diese nicht als Basis für die Japaner dienen konnten.

Während des Bürgerkrieges zwischen FRETILIN und UDT 1975 griffen FRETILIN-Kämpfer im September die Aldeia Leubuti (Leobuti) im Suco Foholau an. Die Bewohner, zumeist Anhänger der APODETI, flohen in die Wälder. Drei von ihnen wurden getötet. Andere wurden nach Turiscai gebracht und mussten dort auf den Feldern arbeiten.[12]

1975 marschierten die Indonesier in Osttimor ein. Der Widerstand der FRETILIN und ihres militärischen Arms, der FALINTIL, formierte sich in den Bergen, auch in Turiscai. Im März 1976 drangen indonesische Truppen nach Turiscai ein. Es kam zu Kämpfen im Suco Liurai, als dieser besetzt wurde. Fünf FALINTIL-Kämpfer kamen ums Leben, von der geflohenen Bevölkerung kamen 300 wegen Krankheiten und Hunger ums Leben. Weitere 250 starben im Jahr darauf durch Hunger und Krankheit, als sie aus Lequidoe vertrieben wurden.[12]

Der von der FRETILIN eingesetzte Staatspräsident Francisco Xavier do Amaral versuchte 1977 auf lokaler Ebene über Truppenreduzierung und Waffenstillstand zu verhandeln. Er wollte so seine Heimat Turiscai vor Gräueltaten der indonesischen Armee schützen. Das FRETILIN-Zentralkomitee warf ihm daher Hochverrat vor und setzte ihn am 14. September 1977 ab.[13]

1978 griffen die Indonesier Foholau, Orana und Matorec an. Häuser und Getreidespeicher wurden niedergebrannt. Die Einwohner flohen nach Süden in Richtung Alas und Fatuberlio. 90 starben durch Hunger und Krankheiten. 150 von ihnen wurden eingefangen und wieder zurückgebracht.[12]

Nicolau dos Reis Lobato, der Nachfolger von Amaral wurde in Mindelo am 31. Dezember 1978 von der indonesischen Armee gestellt und kam dabei ums Leben.

1979 flohen Timoresen vor Angriffen auf Alas und Fatuberlio in das bereits indonesisch besetzte Turiscai. Hier starben 120 Menschen an Hunger und Krankheiten. Ende 1979 gab es beim Ort Turiscai ein indonesisches Lager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den Besatzern umgesiedelt werden sollten. Hier wurden auch die ehemaligen Bewohner der Widerstandsbasis (base de apoio) des Sektors Centro Sul interniert. Sie stammten aus Turiscai, Fatuberlio, Maubisse und Dili. Von 1980 bis 1981 lebten die Einwohner von Liurai in Turiscai. In dieser Zeit wurden eine Frau und zwei 14 Jahre alte Mädchen von indonesischen Soldaten vergewaltigt. Gegenüber der letzten Volkszählung in der portugiesischen Kolonialzeit 1970 sank die Bevölkerungszahl in Turiscai von 5.981 auf 2.890 um 51,7 %.[12]

Nach einem Angriff von FALINTIL-Kämpfern auf das Subdistrikthauptquartier von Alas der indonesischen Armee am 9. November 1998 reagierten die Indonesier mit einer Vergeltungsaktion gegen Zivilisten in der Umgebung und brannten die Häuser von jenen ab, die sie für Unabhängigkeitsunterstützer hielten, so auch in Lessuata und Manumera.[12]

Während der indonesischen Besatzungszeit (1975–1999) wurde Turiscai, das bisher zum damaligen Distrikt Ainaro gehörte, dem Distrikt Manufahi angeschlossen, wofür der Subdistrikt Hato-Udo von Manufahi zu Ainaro wechselte.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Administrator des Verwaltungsamts wird von der Zentralregierung in Dili ernannt. 2015 war dies Afonso Sarmento.[14]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

65 % der Haushalte in Turiscai bauen Maniok an, 67 % Mais, 58 % Kaffee, 55 % Gemüse, 18 % Kokosnüsse und 6 % Reis.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Turiscai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.
  2. Jornal da República: Diploma Ministerial n.o 24/2014 de 24 de Julho – Orgânica dos Postos Administrativos (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  3. Geoffrey Hull: The placenames of East Timor, in: Placenames Australia (ANPS): Newsletter of the Australian National Placenames Survey, Juni 2006, S. 6 & 7, abgerufen am 28. September 2014.
  4. a b Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,5 MB)
  5. Timor-Leste GIS-Portal (Memento vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
  6. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Memento vom 3. Februar 2010 im Internet Archive) (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  7. a b Seeds of Life
  8. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (Memento vom 13. November 2012 im Internet Archive) (PDF; 14 MB)
  9. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  10. East Timor – PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR (Memento vom 21. Februar 2004 im Internet Archive)
  11. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  12. a b c d e „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  13. Monika Schlicher: Osttimor stellt sich seiner Vergangenheit, missio 2005, ISSN 1618-6222 (PDF; 304 kB)
  14. Ministério da Administração Estatal: Administração Municipal
  15. Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)

Koordinaten: 8° 49′ S, 125° 42′ O