Turkana (Ethnie)

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Zwei Turkana-Hirten.

Die Turkana, auch Elgume genannt, sind eine nilotische Volksgruppe, die im Nordwesten von Kenia lebt. Abgegrenzt wird ihr Siedlungsgebiet vom Turkana-See im Osten, den Völkern der Pokot, Rendille und Samburu im Süden, Uganda im Westen und Südsudan und Äthiopien im Norden. Sie machen mit insgesamt rund 1.000.000 Angehörigen etwa 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung Kenias aus.[1] Die Sprache der Turkana gehört zur nilotischen Sprachgruppe innerhalb der nilosaharanischen Sprachfamilie. Die Turkana nennen ihre Sprache ŋaTurkana oder aŋajep a ŋaTurkana.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Turkana leben traditionell hauptsächlich als Nomaden und halten Kamele, Rinder (Zebu), Schafe und Ziegen, die ihnen Milch, Blut und Fleisch als Nahrung liefern. In ihrer mündlichen Überlieferung bezeichnen sie sich selber als „das Volk des grauen Bullen“, nach dem Zebu, dessen Domestizierung eine große Rolle in ihrer Geschichte spielte. Vieh dient auch als eine Form von Währung zum Verhandeln eines Brautpreises und als Aussteuer. Daneben pflanzen die Turkana – wahrscheinlich bereits seit vorkolonialer Zeit – in Jahren mit reichlich Regen am Fluss Kerio Sorghum an, um ihre Ernährungsbasis zu erweitern. Am Fluss Turkwel leben die Ngiketak-Turkana seit Generationen als sesshafte Ackerbauern, die verschiedene Feldfrüchte anbauen und daneben Vieh halten. In jüngerer Zeit werden weitere Turkana sesshaft, vor allem weil sie ihr Vieh verloren haben. Häufig sind diese mindestens teilweise von Nahrungsmittelhilfe abhängig.[2] In den letzten Jahren haben Entwicklungshilfsprogramme versucht, die Fischerei als Lebensunterhalt einzuführen. Der Erfolg war sehr mäßig, da Fischen in Teilen der Turkana-Gesellschaft ein Tabu ist.

Kleidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Traditionellerweise tragen Männer und Frauen Wickelkleider aus rechteckigen gewebten Tüchern und Tierhäuten. Die Tücher werden heutzutage gekauft. Männer tragen ihre Wickelkleider oft ähnlich wie Togas, ein Ende mit dem anderen verbunden und über die rechte Schulter. Dazu haben sie ein Handgelenk-Messer, gefertigt aus Ziegenleder und Stahl. Ein wesentlicher Haushaltsgegenstand ist ein Hocker, der ekicholong genannt wird. Die Männer benutzen ihn als einfache Sitzgelegenheit, um mittags nicht im heißen Sand sitzen zu müssen. Diese Hocker werden auch als Kopfstütze verwendet, um den Kopf aus dem Sand herauszuhalten und um zeremoniale Kopfbedeckungen nicht zu zerdrücken.

Zusätzlich tragen Männer oft mehrere Stöcke. Einer davon wird als Gehstock verwendet und um beim Lastentragen die Balance zu halten. Ein weiterer, meist dünnerer und längerer Stock wird zum Antreiben des Viehs verwendet. Manche Männer rasieren sich eine Glatze. Frauen tragen zwei Tücher, eines um ihre Hüften, das andere oben. Traditionellerweise wurden Lederstreifen, bestickt mit Perlen aus Straußeneischale als Damenunterwäsche getragen (heute nicht mehr üblich). Geschmückt sind Frauen mit Halsbändern und einem Irokesenschnitt. Die verbleibenden Haare werden geflochten und am Ende mit Perlen versehen.

Historisch und traditionell unterscheidet sich die Kleidung bei Altersgruppen, besonderen Gelegenheiten und dem Stand einzelner oder ganzer Gruppen innerhalb der Turkana-Gesellschaft. Heutzutage tragen viele in der Stadt lebende Turkana westliche Kleidung.

Essen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Milch, Fleisch und Blut erhalten die Turkana von ihren Tieren. Daraus kochen die Frauen Eintopf (unter Zugabe von wildwachsendem Obst). Geschlachtete Ziegen werden über dem Feuer geröstet. Die Turkana tauschen mit den Pokot Mais und Bohnen, mit den Marakwet Tabak, mit den Massai Mais und Gemüse. Die Turkana kaufen Tee und trinken ihn mit Milch. Zum Frühstück gibt es Maisbrei mit Milch, als Mittag- und Abendessen einfachen Maisbrei mit Eintopf. Zebus werden nur an Festtagen gegessen, Ziegen werden auch sonst gegessen. Fisch ist für einige Turkana-Clans tabu (ngimachari). Die Männer sammeln wilden Honig zum Süßen.

Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Turkana wohnen in einer Art Rundhütte (in Äthiopien tukul). Hierzu werden junge Bäume in einem Kreis in den Boden gesteckt und oben so verbunden, dass eine Kuppel entsteht. Dieser Rahmen wird mit Palmwedeln, weiterem Büschen und Tierhäuten verkleidet. Während der Regensaison werden die Hütten dann mit Kuhdung beschmiert. Sie sind Wohnstatt für einen Mann, seine Frauen und seine Kinder. Das Vieh wird in Pferchen gehalten.

Wasser ist kostbar und wird nicht zum Waschen verwendet. Stattdessen säubern sich die Turkana indem sie sich mit Fett oder Butter einreiben. Frauen geben noch Ocker und Duftstoffe dazu. Als Zahnpflege wird auf Zweigen des Zahnbürstenbaums gekaut.[3]

Mädchen gelten mit Erhalt ihrer Periode als erwachsen. Jungen müssen ein Initiationsritual durchlaufen. Sie müssen ein Tier mit einem einzigen Speerwurf töten, anschließend wird der im Tier verbliebene Dung auf ihnen verschmiert.[4]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein bekannter Anwalt der Turkana war der 2005 auf offener Straße erschossene Apostolische Vikar Luigi Locati.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Turkana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kenianische Volkszählung 2009. Archiviert vom Original am 2. Oktober 2011; abgerufen am 24. Juni 2012 (PDF; 1,7 MB). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.knbs.or.ke
  2. Paul W. Leslie, Michael A. Little: Turkana herders of the dry savanna: ecology and biobehavioral response of nomads to an uncertain environment, Research monographs on human population biology, Oxford University Press, 1999, ISBN 9780198549215
  3. Inside the world of Kenya's nomadic Turkana people. Abgerufen am 30. Januar 2018.
  4. Inside the world of Kenya's nomadic Turkana people. Abgerufen am 30. Januar 2018.