Turkistanische Legion

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Standarte der Turkistanischen Legion
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Die Turkistanische Legion war im Zweiten Weltkrieg eine der auf deutscher Seite eingesetzten Ostlegionen. [1] Sie bestand aus Angehörigen von Turkvölkern, die in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 gerieten bald Millionen von Soldaten der Roten Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft. Zunächst wurden die darunter befindlichen Angehörigen von „Turkvölkern“ noch als rassisch minderwertig bezeichnet; bereits im Herbst 1941 wurde eine andere offizielle Haltung verkündet. Als im Dezember 1941 klar wurde, dass der Krieg noch lange dauern würde, besann man sich auf potentielle Vorteile, die antirussische Gefühle in unterdrückten Minderheiten bringen könnten.

So wurden Vorschläge akzeptiert, aus antisowjetisch eingestellten Kriegsgefangenen militärische Verbände aufzustellen. Anders als die baltischen Staaten oder etwa die Ukraine war das in Mittelasien liegende Turkestan nicht von deutschen Truppen besetzt. Da die deutsche Führung jedoch bereits „in die Zukunft“ dachte, stellte man sich die Errichtung eines jenseits des Urals gelegenen Staates Idel-Ural vor, der auf den russischen Reststaat von Osten her „Druck“ ausüben sollte.

Geplant war die Errichtung des Reichskommissariats Turkestan auf den Territorien der zentralasiatischen Republiken der UdSSR.[2] Doch den Soldaten der turkestanischen Legion versprach das NS-Regime zu Propagandazwecken die Gründung des "Großturkestans", welches neben Zentralasien auch die Wolga-Region, Aserbaidschan, den Nordkaukasus und Xinjiang umfassen sollte.[3] Am 15. November 1941 erließ Eduard Wagner, Generalquartiermeister im Oberkommando des Heeres einen Befehl "Über die Aufstellung einer militärischen Einheit aus Kriegsgefangenen aus Turkestan und kaukasischen Nationalitäten". Gemäß dieser Anordnung wurde innerhalb der 444 Sicherungs-Division der Wehrmacht ein turkestanisches Regiment unter dem Kommando des Oberleutnants Taube geschaffen.[4]

Im Mai 1942 stellte man die erste „Turkistanische Legion“ auf; sie bestand zunächst nur aus einem einzigen Bataillon. Bis Ende des Jahres 1943 entstanden insgesamt 16 Bataillone mit einer Gesamtstärke von etwa 16.000 Soldaten. Unter dem Kommando eines Wehrmachtgenerals stehend, integrierte man die Angehörigen schließlich in die 162. Infanterie-Division. Mitte Juni 1943 wurde Ernst-August Köstring zum Inspekteur der Turkistanischen Legion ernannt und am 1. Januar 1944 dann zum General der Ostlegionen im Oberkommando des Heeres befördert. Um eine mögliche Gefangennahme durch die „Rote Armee“ auszuschließen, verlegte man die Turkistanische Legion nach Frankreich bzw. nach Norditalien. 1945 wurde der größte Teil der Legion von der britischen Armee gefangen genommen.

Gemäß der auf der Konferenz von Jalta geschlossenen Vereinbarung wurden die Mitglieder der Legion in die Sowjetunion zurückgeführt, wo sie das gleiche Schicksal erlitten wie die anderen so genannten „Ostvölker“, die die Seiten gewechselt hatten: Stalin ließ sie in heimatferne Gegenden der Sowjetunion deportieren.

Turkestani in der Wehrmacht:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Flagmaster Nr. 105, Summer 2002, Publikation von „The Flag Institute“, Mayfair, London, W1J5NS, United Kingdom.
  • Werner H. Krause: Verschmähte Waffenbrüder. Die Tragödie der Ostvölker 1941 – 1945. Aus dem Nachlass des Militärattachés und Generals Ernst Köstring. Druffel & Vowinckel, Inning am Ammersee 2011 ISBN 3806112126[5]

Notizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nach dortigen Angaben war "Ostlegion" ein übergeordneter Begriff, sowohl für diese Turkistanische L., als auch für eine weitere, reale "Kaukasisch-Mohammedanische Legion"; sowie für weitere Legionen, die jedoch über das Stadium der Planung nicht hinaus kamen.
  2. Л. А. Безыменский: Разгаданные загадки Третьего рейха. Книга не только о прошлом, 1941—1945. том 2. М. 1984, S. 22–23.
  3. Романько О.В: Мусульманские легионы во Второй мировой войне. М: АСТ; Транзиткнига, 2004.
  4. С. И. Дробязко: Под знаменами врага. Антисоветские формирования в составе германских вооружённых сил 1941—1945 гг. М.: Эксмо, 2004, S. 150–159.
  5. das spezifische Profil des Verlags ist zu beachten.