Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline

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Die Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline (Abk. TAP), englisch Trans-Afghanistan Pipeline, ist eine seit den 1990er Jahren geplante Erdgasleitung, die ursprünglich unter der Federführung der Asiatischen Entwicklungsbank entstehen sollte, allerdings – inzwischen als Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Indien-Pipeline (Abk. TAPI). In Turkmenistan fand der offizielle Baubeginn der TAPI im Dezember 2015 statt.

Verlauf und Transportleistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgangspunkt der Pipeline in Turkmenistan sollten ursprünglich die Förderfelder um Döwletabad[1] sein, deren Gasvorräte man 2002 auf rund 1,7 Billionen Kubikmeter schätzte, die jedoch inzwischen als zu gering angesehen werden, um die Pipeline auf Dauer zu speisen, so dass mittlerweile die das Gasfeld Galkynysch[2] als Ausgangspunkt bestimmt wurden.

Die ursprüngliche TAP sollte das Erdgas anschließend durch Afghanistan zu Häfen am Indischen Ozean in Pakistan leiten und dabei den Plänen zufolge entlang der Fernstraße von Herat nach Kandahar in Afghanistan und weiter über Quetta und Multan in Pakistan verlaufen. 830 Kilometer der TAP sollten damit in Afghanistan, weitere etwa 400 km in Pakistan verlaufen und die Kosten für ihren Bau sich nach ersten Schätzungen auf zunächst 3,5 Milliarden US-Dollar belaufen.

2008 gesellte sich schließlich auch Indien zu den zukünftigen Nutzern der Pipeline, die nun als TAPI zzgl. des indischen Abschnitts im Endausbau knapp 1700 Kilometer lang sein wird und jährlich rund 30 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren soll.

Entstehungsgeschichte[3][4][5][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seinen eigenen Bodenschätzen machen Afghanistan vor allem die großen Erdöl- und Erdgasvorräte in den Nachbarländern Kasachstan, Aserbaidschan, Turkmenistan und Usbekistan zu einem Schlüsselland. Die Idee, eine Gaspipeline durch Afghanistan zu legen, geht zurück auf den Unternehmenschef des argentinischen Ölunternehmens Bridas, Carlos Bulgheroni. Bridas investierte schon 1991 in die Erdgasförderung in Turkmenistan und suchte nach einer Möglichkeit, das geförderte Gas exportieren zu können. Aber auch Unocal, damals zwölftgrößte Ölunternehmen der USA, Mitglied eines Konsortiums aus acht westlichen Ölkonzernen zur gemeinsamen Ausbeutung der Ölfelder um Baku, Aserbaidschan, hatte großes Interesse an einer Pipeline durch Afghanistan. Nachdem Turkmenistan und Pakistan bereits einen Vertrag über eine solche Pipeline mit der argentinischen Bridas Oil abgeschlossen hatten, visierte Unocal 1995 in einer Vorvereinbarung mit den Taliban ebenfalls eine Pipeline an, ein Jahr bevor diese Kabul eroberten. Trotzdem gelang es Bridas 1996, die Zustimmung aller Kriegsparteien in Afghanistan, einschließlich der Taliban, zu erhalten. Der Vorschlag einer öffentlich zugänglichen Pipeline, in die andere Unternehmen und Länder im Laufe der Zeit eigenes Gas einspeisen könnten, sagte den Kriegsherren zu, da sie Transitgebühren erheben könnten und Afghanistan im Norden über eigene Gasfelder verfügte.

Unocal, die bereits eine beträchtliche Erfahrung in Asien hatte und seit 1976 in Pakistan tätig war, versicherte sich der Mitarbeit einflussreicher Lobbyisten wie Ex-Außenminister Henry Kissinger, des früheren US-Botschafters in Pakistan, Robert Oakley, und des ehemaligen Mitarbeiters der UN-Sondermission in Afghanistan, Charlie Santos, ebenfalls US-Amerikaner, und konnte Personen in Schlüsselpositionen in der Regierung Clinton - wie die damalige Vizeaußenministerin für Südasien, Robin Raphel sowie Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) - für die Idee einer leicht modifizierten Afghanistan-Pipeline gewinnen. 1997 fanden im Beisein des Unocal-Beraters und späteren amerikanischen Sonderbotschafters für Afghanistan Zalmay Khalilzad weitere Gespräche zwischen Unocal und den jetzt regierenden Taliban statt, die die Umsetzung der Pläne von 1995 zum Bau einer Pipeline durch das westliche Afghanistan zum Ziel hatten. Auf massiven US-Druck brachen Pakistan und Turkmenistan den mit der argentinischen Bridas Oil abgeschlossenen Vertrag und gaben Unocal den Zuschlag. 1996 verklagte Bridas die Unocal auf einen Schadenersatz von 15 Milliarden Dollar wegen des Diebstahls der Pipelineidee durch Afghanistan. Außerdem erhob die Bridas Klage gegen Turkmenistan wegen Vertragsbruch bezüglich der Blockade der Yashlar- und Keimir-Felder. Jedoch verstanden es die Anwälte von Unocal, den Prozess sechs Jahre lang hinzuziehen.

Bridas hatte gegenüber dem Konkurrenten Unocal den Vorteil, dass sie keine Mittel aus internationalen Geldinstituten benötigte, was eine international anerkannte Regierung in Kabul vorausgesetzt hätte. Die Bridas konnte ohne jede Voraussetzung sofort mit dem Bau der Pipeline beginnen. Für die Unocal war eine anerkannte Regierung in Kabul eine Voraussetzung, um unter anderem auch von der Weltbank Darlehen für das Projekt zu bekommen.

Im Dezember 1998 zog sich Unocal aufgrund des Drucks, der sich seitens der Politik, Öffentlichkeit und auch der Anteilseigner gegen die Taliban formierte, aus dem Pipeline-Konsortium zurück.

Vertragsunterzeichnung ohne Baubeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vertrag über die Pipeline, über die bereits mit dem gestürzten Taliban-Regime verhandelt worden war, wurde am 27. Dezember 2002 von den Staatschefs Turkmenistans, Afghanistans and Pakistans unterzeichnet. Der Vertragsabschluss wurde durch die US-Invasion in Afghanistan im Jahr zuvor ermöglicht. Die afghanische Regierung soll demnach acht Prozent der Einnahmen erhalten; die Betreiber versprechen sich 12.000 neue Arbeitsplätze in dem wirtschaftlich darniederliegenden, vom Krieg verwüsteten Land. Gleichwohl ist die Umsetzung des Bauvorhabens derzeit weitestgehend auf Eis gelegt: Die Arbeiten am durch Turkmenistan verlaufenden Abschnitt sollten zwar 2006 aufgenommen werden, die Durchführung des gesamten Projekts steht allerdings zur Disposition, weil der südliche Abschnitt der Pipeline durch Gebiete verlaufen würde, die nach wie vor de facto unter Kontrolle der Taliban und der Terrororganisation Al-Qaida sind.

1998 waren Pläne für ein weitaus umfangreicheres Projekt einer zentralasiatischen Ölpipeline mit annähernd gleichem Verlauf ausgesetzt worden, nachdem der US-Konzern Unocal (seinerzeitige Lobbyisten: Henry Kissinger und Richard Armitage) seine Beteiligung an dem 1997 gebildeten CentGas-Konsortium in Höhe von 8 Mrd. Dollar zurückgezogen hatte. Diese ebenfalls durch Afghanistan führende und in Südasien endende Pipeline sollte über eine Kapazität von ca. 160 Millionen Liter (1 Million Barrel) pro Tag verfügen. Turkmenistan konzentrierte sich in den Folgejahren auf Geschäfte mit russischen Energieunternehmen wie Lukoil.

Nachdem hingegen Indiens Beteiligung an der TAP jahrelang unsicher schien, wird die Trans-Afghanistan-Pakistan-Pipeline nunmehr gleichwohl als entscheidend für die Deckung des rapide wachsenden Energiebedarfs auf dem Subkontinent angesehen.[6] Ob allerdings eine noch 2002 erwogene, 640 Kilometer lange Erweiterung nach Indien realisiert wird, ist derzeit (Anfang 2006) unklar. Als LNG (Liquefied Natural Gas) jedenfalls - von dessen Einfuhr insbesondere Japan abhängig ist, solange eine Pipeline vom westlichen Kasachstan nach Xinjiang (Volksrepublik China) und ggf. weiter an die Pazifikküste unmachbar erscheint, vor allem aus ökonomischen (sie wäre zu teuer), aber auch aus politischen Gründen (Xinjiang gilt als potentiell rebellische Provinz) - soll turkmenisches und ggf. später auch afghanisches Erdgas von pakistanischen Häfen aus nach ganz Ost- und Südostasien verschifft werden. Die Importe von Flüssiggas durch Japan, Südkorea und Taiwan machen schon derzeit (Stand: 2005) fast 80 Prozent des globalen LNG-Handels aus.

Neuere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2014 kündigte der Präsident Turkmenistans Gurbanguly Berdimuhamedow den Baubeginn für das Jahr 2015 an,[7] aufgrund der politischen Spannungen und fragilen Sicherheitslage in der Region aber kommt das Projekt auch weiter nur langsam voran.[8][9][10] Neuesten Erklärungen Berdimuhamedows zufolge soll die Pipeline im Dezember 2019 betriebsbereit sein und dann jährlich 32 Milliarden Kubikmeter Gas liefern können.[11] Nach Informationen des turkmenischen Öl- und Gasministeriums im März 2016 werden am Pipeline-Abschnitt in Turkmenistan Pipelinerohre verschweißt. Er ist 214 Kilometer lang und verläuft vom Gasfeld Galkynysch bis an die afghanische Grenze. Insgesamt soll sich die TAPI auf 1.814 Kilometer Länge bis nach Fazilka an der pakistanisch-indischen Grenze erstrecken.[12]

Weitere Pipeline-Projekte in der Region[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iran-Pakistan-Indien-Pipeline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Öl- und Gaslieferant ist allerdings auch der Iran für die über eine Milliarde Inder schon seit langem von großer Bedeutung, und so wurde, da Pakistan und Indien sich nach Einschätzung von Beobachtern nicht nur auf ein, zudem US-kontrolliertes Standbein verlassen wollten, zwischen den beteiligten Staaten außerdem der Bau einer auf 2775 Kilometer projektierten Iran-Pakistan-Indien-Pipeline (IPI) vereinbart. Und obwohl es im September 2005 zunächst so schien, als ob es zwischen Iran und Indien zu einem Zerwürfnis käme, da Indien auf der IAEO-Ratssitzung für eine Resolution zur Verurteilung des Iran wegen dessen Atomprogramm gestimmt hatte, wurden die Verhandlungen über die Gas-Pipeline Ende Dezember 2005 in Neu-Delhi auf Vizeminister-Ebene wiederaufgenommen.[13] [14]

Ähnlich wie die TAPI kam aber auch das IPI-Projekt in den Folgejahren aufgrund politischer Spannungen zwischen den Beteiligten sowie des Drucks der USA, für eine direkte Zusammenarbeit mit dem Schurkenstaat Iran zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen schien,[15][16] nur langsam voran: War man noch Mitte 2011 davon ausgegangen, dass die Pipeline schon Ende 2014 in Betrieb gehen könnte, [17] scheint dieser Termin momentan (Anfang 2016) völlig ungeklärt.

Myanmar-Bangladesh-Indien-Pipeline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine dritte Pipeline schließlich sollte von Myanmar über Bangladesch nach Indien führen und mit ihrem Bau noch 2005 begonnen werden. Beobachtern zufolge war es dabei Ziel der Regierung in Neu-Delhi, allen voran des Ölministers Mani Shankar Aiyar, ein transasiatisches Gas-Netz zu schaffen, das sich - unter dezidierter Einbindung des einstmaligen Rivalen China - vom Persischen Golf bis Südostasien erstrecken würde. Schon zur Jahreswende 2005/2006 allerdings schien es in dieser Frage durch separate Vereinbarungen Myanmars mit chinesischen Unternehmen zu ernsthaften Rückschlägen gekommen zu sein,[18] gefolgt von Differenzen zwischen Indien und Bangladesch, die schließlich 2010 zum einstweiligen Stop des gesamten Projekts führten.[19] Pressemeldungen von Mitte 2015 zufolge gibt es allerdings inzwischen wieder eine Annäherung zwischen den beteiligten Seiten, das Projekt doch noch weiterzuführen.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ahmed Rashid: Taliban: Islam, Oil and the New Great Game in Central Asia I.B. Tauris& Co Ltd; New Ed edition 2002 - ISBN 1860648304

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. en:Dauletabad gas field
  2. en:Galkynysh Gas Field
  3. Jan Heller: Der Afghanistan-Krieg, die Taleban und das Öl, illoyal – Journal für Antimilitarismus, Nr. 12, Sommer 2000, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  4. Hubert Erb; Verborgene Ziele, Telepolis (Online Magazin), 13. Oktober 2001, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  5. Thomas Immanuel Steinberg, Krieg um Öl von Karatschi bis Triest, junge Welt, 10. November 2001, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  6. Wolfgang-Peter Zingel; INDIEN - Wirtschaft, Südasien-Institut Heidelberg, vermutlich Ende Dez. 1997, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  7. Turkmenistan may start TAPI construction in 2015; Vestnik Kavkaza, 11. April 2014, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  8. Marc Grossman: The Trans-Afghan Pipeline Initiative: No Pipe Dream; YaleGlobal, 28. August 2014, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  9. Trans-Afghan gas pipeline may become a reality: Pradhan; The Hindu, 9. März 2015, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  10. Consortium Leader Picked for Trans-Afghan Pipeline; Eurasianet.org, 6. August 2015, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  11. Turkmenistan starts work on gas link to Afghanistan, Pakistan, India; Reuters, 13. Dezember 2015, zuletzt abgerufen 28.Februar 2016.
  12. Turkmenistan baut an der Seidenstraße aus, Top Energy News, 16. März 2016
  13. New Delhi committed to pipeline: minister, Dawn, 9. Februar 2006, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  14. Iran kann seine "Energiekarte" als Trumpf benutzen, Radio China International, 30. Dezember 2005, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  15. US opposes gas pipeline project, Dawn, 6. Januar 2006, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  16. Zwischen Politik und Pipeline; Deutsche Welle, 8. April 2005, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  17. Ahmad Ahmadani: First flow of gas possible in December 2014, The Nation, 22. Mai 2011, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  18. Parwini Zora and Niall Green: China and India manoeuvre to secure energy supplies, World Socialist Web Site, 31. Januar 2006, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  19. Varigonda Kesava Chandra: The Myanmar-Bangladesh-India (MBI) pipeline project : A regrettable case of lack of convergence in national energy policies; theindependent, 6. Oktober 2015, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.
  20. Official talks on Myanmar-India-Bangla pipeline to start soon; IndianExpress, 3. Juli 2015, zuletzt abgerufen 28. Februar 2016.