Turnerschaft Salia-Jenensis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Turnerschaft Salia-Jenensis

Wappen Zirkel
{{{WappenAltText}}} {{{ZirkelAltText}}}
Basisdaten
Hochschulort: Göttingen
Hochschule/n: Georg-August-Universität Göttingen
Gründung: 1. Dezember 1855
Gründungsort: Jena
Korporationsverband: VC ab 1896, Coburger Convent bis 1968
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Fuchsenfarben:
Mütze: rote kleine Tellermütze
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: freischlagend
Wahlspruch: In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas
Website: www.salia-jenensis.de

Die Turnerschaft Salia-Jenensis ist eine farbentragende Studentenverbindung in der Tradition der Turnerschaften. Sie vereint Studenten und ehemalige Studenten der Georg-August-Universität Göttingen. Ihre Mitglieder werden „Salier“ genannt. Salia-Jenensis hat die Farben „Rot-Gold-Blau“, dazu wird eine rote Mütze getragen. Der Wahlspruch lautet: In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omibus caritas (In der Not einig, in Zweifeln frei, in allem Nächstenliebe).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und Ausrichtung als Turnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der heutigen Turnerschaft Salia-Jenensis begann im Jahr 1855. In der Universitätsstadt Jena wurde am 1. Dezember 1855 im Bierlokal und Gasthof „Zum goldenem Greif“ ein studentischer Bund mit dem Namen Tapiria gegründet, anfangs als lockerer Zusammenschluss zur Freizeitgestaltung. Schon 1856 gab es einen ersten Zirkel, der nach einigen Veränderungen ab 1858 die heutige Gestalt hat. Am 1. Mai 1857 regelte die Tapiria ihre Treffen mit einer ersten Kneipordnung, die auch Statuten zur äußeren Organisation enthielt. Das heutige gemeinsame Band mit den Farben Rot-Gold-Blau wurde ebenfalls im Sommersemester 1958 eingeführt.[1] Am 2. Dezember 1865 erfolgte die Namensänderung von Tapiria in Salia. Der Name Tapiria, der ursprünglich ein Scherzname war, passte nach Meinung der Aktiven nicht mehr zu der inzwischen straff geleiteten Korporation. Die Salia betrieb in den folgenden Jahren die Vereinigung aller schwarzen satisfaktionsgebenden Verbindungen aller Universitäten zu einem gemeinsamen Kartellverband, der in den Folgejahren eine wechselvolle Zeit mit etlichen Änderungen der Namen und Mitglieder des Kartells durchlief. 1896 trat Salia unter dem Namen ATV Salia dem Vertreter-Convent (VC), einem Kartellverband schlagender, sportlich orientierter Verbindungen bei. 1903 wurde ein Hausbauverein gegründet und ein Grundstück am Fürstengraben in Jena erworben. Am 2. August 1908 konnte das das eigene, repräsentative Verbindungshaus bezogen werden. Der Erste Weltkrieg brachte erhebliche Einschränkungen des Universitäts- und Bundeslebens. So dienten 201 von den damals 295 Saliern als Soldaten. 40 Salier fielen an den Fronten. [2] Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Studentenleben in Jena nur langsam wieder in Gang. Unter der aktiven Mitwirkung der Salia wurde aber schon 1918 der AStA der Universität gegründet. In den 1920er Jahren spielte die Salia eine führende Rolle in Jena und auf nationaler universitärer Ebene, unter anderen durch den Bau eines Stadions im thüringischen Bad Blankenburg, einem von der Turnerschaft Salia geförderten Zentrum für Sport- und Festveranstaltungen des VC. Am 30. Mai 1926 erhielt die Turnerschaft Salia für ihre Verdienste für den Sport die Thüringische Staatsmedaille.

Salia zur Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon ab 1931 mit der Übernahme der Deutschen Studentenschaft (DSt) durch den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) und dann erst recht mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurde das studentische Verbindungswesen auch in Jena zunehmend eingeschränkt. Dem Bundesleben wurden die Studenten z.B. durch den freiwilligen Arbeitsdienst und später durch den Dienst in der Wehrmacht entzogen. Bereits 1933, noch bevor eine tatsächliche Umfirmierung der Turnerschaft Salia in eine Kameradschaft stattfand, gestaltete die Salia ihr Verbindungshaus um, und richtete die Räumlichkeiten auf den Kameradschaftsgedanken des NSDStB aus. Dies bedeutete die „kasernenmäßige“ Belegung von jeweils vier Mann pro schlichtem Zimmer mit praktischem Mobiliar, und die Einrichtung von zentralen Waschräumen. Bald aber versuchten die Salier, Anordnungen im Rahmen der Möglichkeiten zu umgehen. Ein Beispiel ist der Widerstand der Turnerschaft Salia gegenüber einem 1934 erlassenen Verbot des Couleurtragens. Unter dem Druck des NSDStB lösten sich ab 1935 die traditionellen Verbindungen mehr und mehr auf. Am 11. Mai 1936 wurde sämtlichen studierenden Angehörigen der Partei der NSDAP untersagte, Mitglied in einer studentischen Korporation zu sein. Dies führte dazu, dass der Nachwuchs aus den inzwischen fast sämtlich in der Hitlerjugend (HJ) organisierten Erstsemestern für die Aktivitas ausblieb. Darüber hinaus kam es auch in Jena immer wieder zu Anfeindungen und Zusammenstößen organisierter Mitglieder der Hitlerjugend gegenüber korporierten Studenten. Indem sich die Altherrenschaften in Kameradschaften des NSDStB umfirmierten, konnten dann viele Verbindungen in gewissem Maße studentisches Verbindungsleben aufrechterhalten und teilweise auch Ihre Verbindungshäuser noch eine Zeit lang halten. Zu Beginn des SoSe 1939 wurde aus der Turnerschaft Salia die Kameradschaft Magnus von Eberhardt (General im Ersten Weltkrieg), der Alter Herr h. c. der Turnerschaft Salia war. Mit der Umbenennung fusionierte die Turnerschaft Salia mit der befreundeten Turnerschaft Borussia Jena. Im Jahre 1943 wurde das Verbindungshaus doch noch enteignet und im Februar 1945 nach einem Treffer durch eine Fliegerbombe teilweise unbewohnbar. Während des Zweiten Weltkriegs hielten die Bundesbrüder über diese Kameradschaft den Kontakt. [3]

Wiedergründung in Göttingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1949 ergriff der Altherrensohn Malte Möller Jr. in Göttingen die Initiative, mit einigen Kommilitonen und Unterstützung durch Alte Herren den „Salischen Kreis“ zu gründen. 1950 beschloss der AH-Convent den Salischen Kreis als Aktivitas der Salia anzuerkennen. 1950 diente zunächst eine Gartenlaube als Treffpunkt. Zur gleichen Zeit wird eine Zusammenarbeit mit der Altherrenschaft der Turnerschaft Askania Berlin begonnen, in deren Folge die Altherrenschaft der Salia ab 1953 aus Saliern, Jenaer Preussen und Berliner Askaniern besteht. Die Verbindung nennt sich seitdem Salia-Jenensis als Hinweis auf den Gründungsort an der Universität Jena. 1951 wurde der CC, Coburger Convent, ein Zusammenschluss des ehemaligen VC (Turnerschaften) und DL (Landsmannschaften) gegründet. Die Turnerschaft Salia-Jenensis trat diesem Verband bei. 1957 erwarb die Altherrenschaft ein Haus am Nikolausbergerweg in Göttingen, das bis heute als Verbindungshaus dient. Es verfügt über attraktive Gesellschaftsräume, Balkons, einen Garten und über einige Studentenzimmer. Wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten trat die Turnerschaft Salia-Jenensis 1968 aus dem Coburger Convent aus. Vor allem für die Mensur – Salia-Jenenis und eine Reihe befreundeter Verbindungen strebten das fakultative Fechten an, der CC bestand auf der Beibehaltung der Bestimmungsmensur – fand sich kein Kompromiss. 1990, gleich nach der deutschen Wiedervereinigung, wurde der Kontakt mit der Gründungsstadt und Universität Jena zunehmend aktiviert. Das alte Salia-Haus in Jena diente inzwischen als Institut der Universität Jena. Alle Bemühungen, das alte Haus wieder zu erlangen, scheiterten schlussendlich 2002 an der unklaren Rechtslage zum Zeitpunkt der Enteignung. Die Stadt Jena wird seit der Wiedervereinigung regelmäßig für Festveranstaltungen besucht. Von einer Rückkehr der Aktivitas nach Jena wurde nach intensiven Diskussionen abgesehen, vor allem, weil der überwiegende Teil der Alten Herren inzwischen in Göttingen die Aktivenzeit verbracht hatte und daher die Georg-August-Universität Göttingen als ihre Alma Mater ansieht.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eymer Friedrich Illies (1869–1962), deutscher Politiker
  • Paul Adloff (1870–1944), Zahnmediziner und Anthropologe
  • Ferdinand Sauerbruch (1875–1951; Turnerschaft Borussia), Chirurg
  • Hans-Wilhelm Buchholz (1910–2002), Chirurg, Entwickler der Hüftprothese (Endoprothese), Gründer der ENDO-Klinik, Hamburg
  • Hans Klukkert (1912–2003), Oberbürgermeister Lingen an der Ems 1977–1988
  • Fritz Heckner (1921–2003), Hämatologe, Verfasser des Lehrbuchs "Praktikum der mikroskopischen Hämatologie, ISBN 978-3-437-45039-6, 11 Auflagen, in mehrere Sprachen übersetzt
  • Malte Möller (1926–2016), Stadtdirektor von Bad Pyrmont
  • Hans-Bernd Giesler (1929–2007) Jurist, Direktor des Deutsch-Japanischen Wirtschaftsbüros, langjähriger Geschäftsführer des Ostasienvereins, Präsident der Chinesisch-Deutschen Gesellschaft, Ehrenpräsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, Honorarkonsul von Vietnam

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Apfelstedt, R.: Geschichte der Turnerschaft Salia zu Jena. Jena 1912.
  • Schrader, E.: Geschichte der Turnerschaft Salia zu Jena, II. Teil: 1911–1930. Jena 1930.
  • Jessel, F.: Geschichte der Turnerschaft Salia-Jenensis. Dritter Teil: 1930–1985. Heilbronn 1987.
  • Künzel, O. 1919: Rot-Gold-Blau. Reprint 2011: ISBN 978-3-940891-04-4

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Apfelstedt, R.: Geschichte der Turnerschaft Salia zu Jena. Jena 1912.
  2. Schrader, E.: Geschichte der Turnerschaft Salia zu Jena, II. Teil: 1911-1930. Jena 1930.
  3. Jessel, F.: Geschichte der Turnerschaft Salia-Jenensis. Dritter Teil: 1930-1985. Heilbronn 1987.