Turnschuhnetzwerk

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Turnschuhnetzwerk (engl.: sneakernet, sneaker-net oder sneaker net) ist ein eher ironischer Begriff für den Austausch von Daten zwischen zwei oder mehreren Computern, der nicht über ein herkömmliches Netz, sondern per Datenträger (beispielsweise Diskette oder USB-Stick) oftmals zu Fuß zwischen zwei Computern stattfindet. Früher wählte man diesen Übertragungsweg in der Regel aufgrund fehlender oder inkompatibler Netzwerkschnittstellen. In speziellen Fällen kommt das Turnschuhnetzwerk bei der Konfiguration höchst sicherer Systeme zur Anwendung, wenn der Anschluss an ein Netzwerk aufgrund des geforderten Sicherheitsniveaus nicht in Frage kommt. Auch in Unternehmen war diese Art des Datenträgeraustauschs durchaus beliebt, so wurden Daten auf Disketten oder Magnetbändern zwischen einzelnen Unternehmen ausgetauscht.[1]

Gerade auch für sehr große Datenmengen oder generell bei mangelnder Transferrate bietet sich das Turnschuhnetzwerk an. So haben Forscher auf diese Weise 120 Terabyte Daten des Weltraumteleskops Hubble aus ihren Forschungseinrichtungen in ein Google-Rechenzentrum transportiert.[2] Auch die Rohdaten für Seti@Home wurden in Arecibo auf Magnetband gespeichert und dann auf dem Postweg nach Berkeley geschickt, wo sie aufbereitet und per Internet an die Klienten verteilt wurden. [3]

Für Leistungsfähigkeit von Verbindungsnetzwerken sind die beiden Parameter Latenz und Datentransferrate ausschlaggebend.[4] Trotz vermeintlich hoher Latenzen ist die Datentransferrate sehr groß (oft mehrere GB pro Übertragungsvorgang). Eine oft unterschätzte Gefahr beim Turnschuhnetzwerk stellt die Übertragung von Viren dar.[5]

Der US-amerikanische Informatiker Andrew S. Tanenbaum verweist mit dem Satz

”Never underestimate the bandwidth of a station wagon full of tapes hurtling down the highway.”

„Unterschätze niemals die Datenübertragungsrate eines Kombis voll mit Datenbändern, der die Autobahn herunter rast.“

Andrew S. Tanenbaum: Computer Networks[6]

auf die Leistungsfähigkeit des Konzepts.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sascha Kersken: Kompendium der Informationstechnik. Galileo Computing, 2004, ISBN 978-3-89842-355-7.
  2. Spiegel Online Artikel: Google schenkt Forschern Speicherplatz, 22. Januar 2008
  3. Planetary Society: SETI@home - Millions together, searching for a signal from the stars
  4. [1], Markus Baumgartner
  5. „Viren per »Turnschuhnetzwerk«?“, kes, ISSN 1611-440X, 25. April 2006
  6. Andrew S. Tanenbaum: Computer Networks. Prentice-Hall, New Jersey 1996, ISBN 0-13-349945-6, S. 83.