Tutilo Burger

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Erzabt Tutilo Burger (rechts) mit Altabt Kassian Lauterer
Wappen von Erzabt Tutilo Burger
Erzabtei St. Martin in Beuron

Tutilo Burger OSB (* 8. September 1965 in Löffingen, als Heinz Burger) ist ein deutscher Benediktiner und elfter Erzabt der Erzabtei Beuron.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burger wuchs als Sohn der Eheleute Willi und Elisabeth Burger in Löffingen[2] im Hochschwarzwald auf.[3] Er hat zwei Brüder und eine Schwester. Tutilos Bruder Stephan ist Erzbischof von Freiburg.[4] Die Vorfahren von Burger stammen aus einem alten Prechtäler Geschlecht. Andreas Burger und seine Frau Maria geborene Störr zogen 1896 nach Seppenhofen. Die Vorfahren der Löffinger Familien Benitz (mütterliche Vorfahren von Stephan und Tutilo Burger) sind im 18. Jahrhundert in Hinterzarten nachweisbar.[2] Vorfahren sind auch die Familie Glunk, eines der ältesten Geschlechter der Region.[5]

Burger besuchte das Internat Hersberg in Immenstaad am Bodensee.[6] Bei seinem Abitur 1986 hatte er als Leistungskurse Mathematik und Religion.[7]

Vier Wochen nach seinem Abitur trat Burger in die Benediktiner-Erzabtei St. Martin in Beuron im Oberen Donautal ein.[7] 1988 legte er vor Erzabt Hieronymus Nitz seine Profess ab.[8] Das Studium der Katholischen Theologie absolvierte er in Salzburg und Rom (Abschluss: Diplom-Theologe).[7] Nach seiner Pastoralausbildung in St. Peter im Schwarzwald[7] empfing er am 7. Mai 1994 in Beuron die Priesterweihe.[6][9] Er versah mehrere Jahre das klösterliche Amt des Novizenmeisters.[10] Nach seiner Priesterweihe wurde er zu einem betriebswirtschaftlichen Studium an die Berufsakademie Ravensburg,[11] heute Duale Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg, geschickt.[7] Die Praxis lernte er drei Jahre bei der OMIRA Oberland-Milchverwertung Ravensburg GmbH, der größten Molkerei Baden-Württembergs, kennen.[7] Dort erarbeitete er sich die Grundlagen, um die Verantwortung für alle finanziellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten in Beuron zu übernehmen.[11]

Nach Abschluss als Diplom-Betriebswirt wurde er im November 1997 zum Cellerar des Klosters ernannt.[7] Als Cellerar war er Manager des Kloster-Wirtschaftsbetriebes mit 40 Angestellten in Buchhandlung, Verlag, Wäscherei und den klostereigenen Betrieben wie Metzgerei und Wasserkraftwerk.[11][12] Ein weiterer Teil der Arbeit lag in der Beteiligung an verschiedenen Gremien: Förderverein, Bauausschuss, Gemeinnützige Stiftung Vetus Latina, Cellerarstagung der Deutschen Ordensoberenkonferenz (AGCEP) und Wirtschaftsrat der Beuroner Benediktinerkongregation.

Im März 2001[7] wurde Burger durch den neu gewählten Erzabt Theodor Hogg zum Prior ernannt.[6] Am 16. August 2011 endete die Amtszeit von Hogg. Für das vakante Amt übernahm Burger die kommissarische Leitung der Erzabtei.[9]

In geheimer Wahl wurde er am 7. September 2011[6][9] zum Erzabt von Beuron gewählt. In der vom ersten Assistenzabt der Kongregation, Abt Franziskus Heereman von Zuydtwyck von Neuburg bei Heidelberg geleiteten Wahl erreichte der bisherige Prior Tutilo Burger die nach der Wahlordnung notwendige Zweidrittelmehrheit im zweiten Wahlgang.[6][9] Der Erzabt gehört im Benediktinerorden zu den Höheren Oberen (superiores maiores).

Erzabt Tutilo, der wie sein Vorgänger beabsichtigt, Kloster Beuron als geistliches Zentrum der Region auszubauen, entschied sich in Anlehnung an eine Benediktinerregel für den Wahlspruch “Christus nos perducat” (deutsch: „Christus führe uns“).[2] Am 12. November 2011 erteilte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch in Anwesenheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Landrat Dirk Gaerte, der Vorsitzenden des Freundeskreises der Erzabtei Tanja Gönner, zahlreicher Äbte und Äbtissinnen sowie dem Chef des Hauses Hohenzollern, Karl Friedrich von Hohenzollern dem neuen Erzabt in einem feierlichen Pontifikalamt die Abtsweihe.[13][14]

Tutilo Burger ist Geschäftsführer der Gemeinnützigen Stiftung Vetus Latina mit Sitz in Beuron.[15] Er ist zudem Mitglied der Beuroner Schola. Neben vielfältigen Aufgaben im geistlichen Bereich und in der Verwaltung des Klosters gilt seine persönliche Leidenschaft dem Orgelspiel.[7]

2015 wurde er von Kardinal-Großmeister Edwin Frederick Kardinal O’Brien zum Großoffizier des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 10. Oktober 2015 im Mainzer Dom durch Bischof Heinrich Mussinghoff in die deutsche Statthalterei investiert. Er gehört der Komturei Ravensburg des Päpstlichen Laienordens an. Er ist Mitglied des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande. 2019 wurde er Prior der Komturei Ravensburg.

Abtswappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Rang als Abt eines Klosters wird durch die Kordeln (Quasten) ausgehend vom Prälatenhut dargestellt. Die Farbe des Wappens und der Stern sind dem Beuroner Wappen entnommen. Von den beiden Pilgerstäben ist einer durch den Löffinger Löffel ersetzt. Ergänzt wird das Wappen um den Abtsstab sowie eine Burg, die einen Bezug zu seinem Namen herstellt.[2]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benediktinische Spiritualität heute. In: Oberschwaben – Mitteilungen der Gesellschaft Oberschwaben (2004).
  • 150 Jahre Benediktiner in Beuron – Ein Kloster Im Wandel: Festschrift zum Jubiläum [1863–2013]. Beuron 2013, ISBN 978-3-87071-305-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann-Peter Steinmüller (hps): Fakten zur Wahl. In: Südkurier vom 8. September 2011
  2. a b c d Ottmar Heiler: Löffingen: Wappen für die beiden Theologen. Badische Zeitung, 27. August 2014, abgerufen am 16. November 2016.
  3. Christa Maier (cm), (wun): Tutilo Burger neuer Erzabt im Kloster Beuron. In: Badische Zeitung, 9. September 2011
  4. Ernennung von Stephan Burger zum Erzbischof von Freiburg. In: Tägliches Bulletin, Presseamt des Heiligen Stuhls, 30. Mai 2014
  5. Heidrun Simoneit: „Von Bürgermeistern, Hexen und Terroristen“ In: Badische Zeitung, 20. August 2021, abgerufen am 22. August 2021
  6. a b c d e Hermann-Peter Steinmüller (hps): Löffinger ist neuer Erzabt von Beuron. In: Südkurier, 8. September 2011
  7. a b c d e f g h i P. Tutilo Burger OSB, Beuron: Ora et labora. Elemente zu einer inneren Balance. (PDF (717 kB)) In: Der 14-Stunden-Tag. Zwischen Burnout und Arbeitsfreude, 18. Beuroner Tage für Fragen der Wirtschaftsethik, 27. bis 29. November 2009, Kloster Beuron im Oberen Donautal. Br. Jakobus Kaffanke OSB, Beuron, S. 41–47, archiviert vom Original am 5. Juli 2010; abgerufen am 16. November 2016.
  8. Silvia Bächle: Erzabt Tutilo feiert 2019 in Löffingen Priesterjubliäum. In: Südkurier. 9. Dezember 2018, abgerufen am 5. März 2020.
  9. a b c d Hermann-Peter Steinmüller (hps): Tutilo Burger ist neuer Erzabt. In: Südkurier vom 8. September 2011
  10. Welches Jubiläum Erzabt Tutilo aus Beuron in Löffingen feiert. In: Südkurier. 23. Mai 2019, abgerufen am 5. März 2020.
  11. a b c Ludger Möllers: Vertrauen: Beuroner Mönche wählen jungen Pater: Erzabt Tutilo Burger steht für modernes Denken – Verantwortung für 50 Benediktiner. In: Schwäbische Zeitung vom 8. September 2011
  12. Treffpunkt bei Pater Tutilo Burger, Kloster Beuron, 30 Min., Südwest 3 vom 3. Januar 2000
  13. Vera Romeu (vr): Erzabt Tutilo bekommt Zeichen der neuen Würde. Christen erleben bei der Amtseinsetzung ein unvergessliches Fest in der Erzabtei Beuron. In: Schwäbische Zeitung, 14. November 2011
  14. Auf dem Weg: Kloster Beuron unter neuer Leitung, Ausgabe Nr. 38 Advent 2011, Verein der Freunde der Erzabtei St. Martin zu Beuron e. V.
  15. Stiftung Vetus Latina
VorgängerAmtNachfolger
Theodor HoggErzabt von Beuron
seit 2011