Tweed (Gewebe)

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Stoffmuster in Karomuster
Ein Stück Harris Tweed im Fischgrätmuster

Tweed ist ein Textilgewebe, das nicht – wie oft behauptet – nach dem Fluss Tweed in Schottland benannt ist, sondern nach dem schottischen Wort tweel, das gleichbedeutend ist mit englisch twill und eine Webart bezeichnet, die im Deutschen Köperbindung oder ebenfalls „Twill“ heißt. Die wörtliche Übersetzung „Zwillich“ weist auf das Weben mit zwei Fäden hin.

Ursprünglich wurden mit Tweed handgewobene, meist köperbindige Gewebe mit eingestreuten Noppen aus grobem Wollgarn bezeichnet. Tweeds wurden entwickelt als Schutz vor der Witterung im rauen Klima der britischen Inseln. Für die Freizeitbeschäftigungen des Landadels wie Jagen, Reiten, Schießen und Fischen war Tweed für lange Zeit die ideale Kleidung. Tweeds waren aber in der victorianischen Zeit auch die übliche Bekleidung für sportliche Betätigungen wie Radfahren, Golfen, Tennis, Motorsport und Bergsteigen.

Das Gewebe findet zum Beispiel mit traditionell karierten Mustern, Tartans, als Material für Kilts Verwendung. Daneben wird es heute als Stoff für Kostüme, Mäntel, Anzüge und Hüte verwendet. Heutige Tweeds haben sehr unterschiedliche Eigenschaften je nach verwendeten Wollsorten und Stoffgewicht. Tweeds gibt es in unzähligen Farben und Mustern und Bezeichnungen. Manche Tweeds enthalten außer Wolle auch andere Tierhare wie Kamelhaar, Mohair, Kaschmir und Alpaka.

  • Tartans: Karierte Stoffe, die durch Farben und Muster eine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan ausdrücken
  • Estate Tweeds: Gehen auf die Besitzer bestimmter Landgüter zurück, die oft Farben und Muster wählten, die besonders auf die Landschaft passen, um bei der Jagd nicht gesehen zu werden. Estate Tweeds wurden bei Grundbesitzern durch Prinz Albert populär, weil er den Balmoral Tweed erfand, der in der Farbe an die Landschaft und an die Farbe von Schloss Balmoral angelehnt ist. Ursprünglich war das Tragen solcher Tweeds auf die Familie und das Personal der Grundbesitzer begrenzt, heute kann diese jeder tragen.
  • Cheviot Tweed: Benannt nach einer Schafrasse, deren Wolle verwendet wird. Die Garne sind dicker rauer und schwerer, die Tuche sind meistens dicht gewoben und steifer als bei anderen Tweeds.
  • Shetland Tweed: Benannt nach der Insel, ein Tweed aus besonders weicher Wolle, wie sie in Shetland produziert wird.
  • Donegal Tweed: Benannt nach der nördlichsten irischen County Donegal zeichnet sich aus durch kleine farbige Knötchen im Gewebe
  • Harris Tweed ist eine Markenbezeichnung für einen handgewobenen Tweedstoff von den Äußeren Hebriden gemäß dem Harris Tweed Act von 1993. Ein offener, luftiger Tweed, der sich rau anfühlt und erst durch das Tragen wieder weicher wird.
  • Saxony Tweed: Ein Tweed aus feiner und weicher Merinowolle
  • Thornproof Tweed: Ein Gewebe aus besonders stark verzwirntem Garn, das besonders widerstandsfähig gegen Durchstechen und Reißen ist. Das Gewebe ist selbstheilend, ein Durchstich verschwindet von selbst, wenn das Gewebe etwas massiert wird.
  • Sporting Tweed: Ein Tweed der besonders gute Tarneigenschaften aufweist, wie sie bei der Jagd gebraucht werden. Viele Estate Tweeds sind solche Sporting Tweeds, die an die Farben der Landschaft angepasst sind. Die vielen Farben der unterschiedlichsten Landschaften und der Drang zu Innovation brachten unzählige Varianten und Muster von Tweeds hervor.
  • Gamekeeper Tweed: Ein besonders schwerer Tweed von 700 g oder mehr Gewicht. Gedacht für verstärkten Schutz der Wildhüter an besonders kalten, nassen und windigen Tagen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tweed – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien