Twint

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TWINT AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2014
Sitz Zürich, Schweiz
Leitung Markus Kilb (CEO)
Søren Mose (VR-P)
Branche Mobile-Payment
Website www.twint.ch

Twint (Eigenschreibweise TWINT; Wortverschmelzung aus «twin» für Zwilling, «twist» für Dynamik und «win» für Erfolg) ist ein Zahlungssystem für bargeldloses Zahlen und Einkassieren des Schweizer Unternehmens TWINT AG. Die gleichnamige Applikation wurde im Herbst 2015 schweizweit lanciert und läuft auf iPhones sowie Android-Smartphones. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Zürich.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Twint AG wurde im Juli 2014 als 100-prozentige Tochtergesellschaft der PostFinance gegründet. Als CEO wirkte das langjährige Geschäftsleitungsmitglied Thierry Kneissler. Präsident des Verwaltungsrates war Hansruedi Köng, CEO der PostFinance.

Im Mai 2016 gab das Unternehmen bekannt, gemeinsam mit der Applikation Paymit für eine «wettbewerbsfähige, plattformunabhängige und kundenfreundliche Lösung» zu sorgen. Dieser Entscheid wurde im September 2016 von der Wettbewerbskommission gutgeheissen.[1][2] Das neue gemeinsame Angebot ging unter dem Namen Twint AG ab November 2016 in eine Testphase.[3] Im April 2017 erfolgte die Migration der Nutzer von Twint und Paymit.[4] Die Swisscom tritt als technischer Partner auf und unterstützt die Issuer-Banken.[5]

Mit dem Zusammenschluss von Paymit und Twint hat sich die Unternehmensstruktur, nicht aber der Name verändert. Neu wurde Twint von Jürg Weber präsidiert, Division CEO SIX Payment Services. Der Verwaltungsrat setzte sich aus je einem Vertreter der sieben Twint-Aktionäre zusammen. Verwaltungsratspräsident wurde Jürg Weber im Herbst 2016, CEO blieb weiterhin Thierry Kneissler. Der Firmensitz wurde von Bern nach Zürich verlegt.[6]

Ende 2017 wurde Søren Mose zum neuen Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Er war ab 2002 CEO der dänischen Jyske Bank in der Schweiz und von 2007 bis 2014 CEO der Saxo Bank. Seit 2014 ist er Mitglied des Verwaltungsrates der SIX Group. Jürg Weber wird das Unternehmen verlassen.[7]

Der deutsche Unicredit-Banker Markus Kilb übernimmt per Anfang November 2018 die Rolle als CEO von Thierry Kneissler.[8] Seit Oktober 2018 zählt Twint eine Million User.

Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Banken BCV (Banque Cantonale Vaudoise), Credit Suisse, Raiffeisen, UBS sowie die Zürcher Kantonalbank sind ebenso als Aktionäre beteiligt wie SIX und PostFinance.[9] Die Aktien gehören zu je einem Drittel der PostFinance, SIX sowie den restlichen beteiligten Banken.[10] Durch eine strategische Partnerschaft bei SIX, hat sich 2018 auch Worldline aus Frankreich mit 20 % an Twint beteiligt. Die Anteile der bisherigen Aktionäre wurden dabei erhalten.[11]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privatkunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kostenlose Mobile-Payment-Applikation ermöglicht bargeldloses Bezahlen an Parkuhren,[12] Kassen, Automaten, in Online- und App-Shops und zwischen Nutzern.

Es stehen mehrere Twint-Apps zur Verfügung. Neben der Prepaid-App bieten verschiedene Schweizer Banken ihre eigenen Twint-Apps an.[13] 

Die Twint-Apps der Banken werden direkt mit dem Bankkonto oder der Kreditkarte verbunden. Die Prepaid-App kann aufgeladen werden via Konto, Einzahlungsschein oder Guthabencode.[14]

Twint ermöglicht auch das Senden und Empfangen von Geldbeträgen (Peer-to-Peer) zwischen Nutzern.[15] Ausserdem lassen sich Mitgliederausweise und Kundenkarten digitalisieren sowie digitale Stempelkarten und Rabatt-Coupons von Händlern in der Applikation nutzen. Mit den Coupons und Stempelkarten profitieren Nutzer von Vorteilen, wenn sie mit Twint bezahlen.

Geschäftskunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Händler-Netz von Twint besteht aus Shops, Restaurants, Bars sowie Snack- und Billettautomaten in der ganzen Schweiz. Zudem ist Twint in diverse Online- und App-Shops integriert.[16]

Mit Twint kann stationär via Kasse (am POS-Terminal oder Beacon) oder PC (Desktop, Laptop) einkassiert werden. Auch ortsunabhängiges Einkassieren ist möglich über ein mobiles Kartenterminal. Je nach Kassieroption hält der Kunde beim Zahlen sein Smartphone an den Twint Beacon oder scannt von einem Display des Händlers einen QR-Code. Auch an Automaten kann mit Twint bezahlt werden.

Für Hofläden, Marktstände, Foodtrucks und viele weitere kleine Händler bietet Twint den QR-Code-Sticker an. Somit kann der Händler mit Twint sowohl an unbedienten wie auch an bedienten Verkaufsstelle einkassieren. Je nach Verkaufsangebot kann eine andere Option des QR-Code-Stickers gewählt werden. Den freiwählbaren Betrag für Händler welche verschieden Beträge einkassieren und der fixe Betrag für Händler welche regelmässig dieselben Beträge einkassieren.[17]

Die Integration von Twint in Online- oder App-Shops erfolgt per Payment-Service-Provider, Plugin oder durch Eigenentwicklung.[18]

Geschäftskunden können mit Twint Mobile-Marketing-Kampagnen anbieten, indem sie für ihre (potenziellen) Kunden digitale Stempelkarten und Rabatt-Coupons definieren. Diese werden in der Applikation angezeigt und sind direkt im Zahlungsprozess integriert.

Die Transaktionspreise für Geschäftskunden sind abhängig vom Acquirer.[19] Bei der Twint Acquiring AG sind es derzeit 1,3 %.[20]

Banken die eine eigene Twint-App mit direkter Kontoanbindung anbieten:

Raiffeisen Schweiz, UBS, ZKB, Credit Suisse, BCV, NAB, BCGE, OKB, APPKB, ZGKB, WKB

Twinten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorgang, Geld von einem Smartphone auf ein anderes zu überweisen, wird mittlerweile in der Schweiz umgangssprachlich als twinten bezeichnet.[21]

Sicherheit und Technische Hinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Twint läuft auf allen iPhones ab iOS 9 sowie auf allen Smartphones mit Android ab Version 4.4. NFC ist nicht notwendig, da der Kontakt zwischen Kasse und Kunde via «Twint Beacon» mit Bluetooth Low Energy oder via QR-Code erfolgt.

Die Transaktion läuft dabei nicht zwischen Kasse und Smartphone ab, sondern im geschützten Back-End von Twint. Sensitive Daten werden keine gespeichert.

Das Twint-Konto kann bei Verlust des Telefons jederzeit gesperrt werden. Zusätzliche Sicherheit bieten die Twint PIN, die Touch ID (iOS) oder der Fingerabdruck-Scanner (Android). Aus regulatorischen Gründen darf Twint nur in der Schweiz eingesetzt werden.[22]

Kompatibilität mit Alipay[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Twint soll mit dem chinesischen Alipay kompatibel werden. Das bestätigt Jürg Schneider, Sprecher der Twint-Aktionärin SIX Group. Eine Lösung oder ein Standard sei frühestens für 2018 zu erwarten.[23]

Ermittlungen der Wettbewerbskommission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2018 hat die Wettbewerbskommission (Weko), wegen Verdacht auf boykottierung von Apple Pay und Samsung Pay, Ermittlungen gegen die Twint-Banken sowie Aduno und Swisscard aufgenommen.[24]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Unser Feind ist nicht primär Apple Pay, sondern das Bargeld.“

Thierry Kneissler[25]

„Mit Worldline haben wir einen paneuropäischen Partner, der sich seit Jahren für eine bargeldlose Gesellschaft stark macht. Dank dieser Kooperation haben wir für die Weiterentwicklung von Twint ganz neue Perspektiven.“

Søren Mose[26]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. TWINT Schweizerische Mobile-Payment-Lösung TWINT erhält grünes Licht von WEKO und kann damit planmässig entwickelt werden. In: TWINT. (twint.ch [abgerufen am 1. Mai 2017]).
  2. Zahlungssystem ist nicht gleich Zahlungssystem – blog.paymentsystems.ch. Abgerufen am 22. Dezember 2017 (deutsch).
  3. Schweizerische Post - PostFinance: PostFinance - Schweizerische Mobile-Payment-Lösung TWINT erhält grünes Licht von WEKO und kann damit planmässig entwickelt werden. Abgerufen am 1. Mai 2017.
  4. TWINT FAQ. In: TWINT. (paymit-twint.ch [abgerufen am 1. Mai 2017]).
  5. Swisscom: TWINT Whitelabel Services, abgerufen am 17. November 2017.
  6. https://www.shab.ch/shabforms/servlet/Search?EID=7&DOCID=3083563
  7. «TWINT ist auf dem richtigen Weg und hat grosses Potenzial» In: twint.ch, 19. Dezember 2017, abgerufen am 27. Dezember 2017
  8. Finanz und Wirtschaft: Twint-CEO Thierry Kneissler tritt ab In: fuw.ch, 11. Juli 2018, abgerufen am 22. Oktober 2018.
  9. Schweizerische Post - PostFinance: PostFinance - Schweizerische Mobile-Payment-Lösung TWINT erhält grünes Licht von WEKO und kann damit planmässig entwickelt werden. Abgerufen am 1. Mai 2017.
  10. ISO 20022 Schweiz | Twint auf der Rollbahn | Harmonisierung, Standardisierung und Migration Zahlungsverkehr Schweiz UNIFI (ISO 20022), 12. September 2016, abgerufen am 7. November 2017.
  11. NZZ: Worldline beteiligt sich mit 20 Prozent an Twint In: nzz.ch, 16. Mai 2018, abgerufen am 16. Mai 2018.
  12. Fabian Pöschl: In St. Gallen, Frauenfeld und Rapperswil-Jona die Parkgebühr mit Twint bezahlen. In: netzwoche.ch. 13. November 2018, abgerufen am 7. Januar 2019.
  13. Mit diesen Banken TWINT nutzen. TWINT AG, abgerufen am 11. Januar 2018.
  14. TWINT FAQ. TWINT AG, abgerufen am 11. Januar 2018.
  15. Funktionen: Geld senden, Coupons, Kundenkarten | TWINT. In: TWINT. (twint.ch [abgerufen am 1. Mai 2017]).
  16. Barbara Melzl: Auf SBB Mobile und SBB.ch neu mit TWINT bezahlen. SBB, 26. Oktober 2018, abgerufen am 28. Oktober 2018.
  17. TWINT AG: QR-Code-Sticker. Abgerufen am 5. Dezember 2018.
  18. Akzeptanz von TWINT. In: six-payment-services.com. Abgerufen am 8. Januar 2019.
  19. Smartphone-Zahlungslösung für Unternehmen | TWINT. In: TWINT. (twint.ch [abgerufen am 1. Mai 2017]).
  20. Payment-Vertrag. In: twint.ch. Abgerufen am 14. Dezember 2018 (pdf).
  21. Warum die Bezahl-App Twint bei Schweizer Teenagern gerade so richtig durchstartet In: Watson (Nachrichtenportal) vom 12. Januar 2019
  22. TWINT FAQ. In: TWINT. (twint.ch [abgerufen am 1. Mai 2017]).
  23. Payment-App Twint soll für Chinesen attraktiv werden. Handelszeitung, 23. August 2017, abgerufen am 7. November 2017.
  24. Michael Heim: Twint-Kartell: Die Banken müssen endlich zur Vernunft kommen. In: blw.handelszeitung.ch. 15. November 2018, abgerufen am 16. November 2018.
  25. https://www.finews.ch/news/banken/24498-twint-apple-pay-thierry-kneissler-finance-circle
  26. https://www.twint.ch/press/worldline-beteiligt-sich-an-twint/