Typ Emden

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p1

Typ „Emden“
Schiffsdaten
Schiffsart Stückgutschiff
Bauwerft Nordseewerke, Emden
Bauzeitraum 1951 bis 1957
Gebaute Einheiten über 20
Fahrtgebiete Weltweite Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
143,66 m (Lüa)
134,00 m (Lpp)
Breite 17,60 m
Seitenhöhe 8,66 m
Tiefgang max. 7,60 m
Vermessung 6174 BRT, 3266 NRT
 
Besatzung 38
Maschine
Maschine 1 x MAN K6Z 70/120 Dieselmotor
Maschinen-
leistung
3.500 PS (2.574 kW)
Geschwindigkeit max. 13 kn (24 km/h)
Propeller 1 x Festpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit ~10.000 tdw
Sonstiges
Klassifizierungen

Germanischer Lloyd

Daten
Alle Daten

Henriette Schulte

Der Typ „Emden“, auch Emden-Klasse, war ein universell einsetzbarer Stückgutschiffstyp der Emder Nordseewerke. Gebaut wurde er in den Jahren 1951 bis 1957 in über 20 Einheiten.

Geschichte[Bearbeiten]

In den 1950er Jahren erzeugte die schnell wachsende deutsche Wirtschaft einen zunehmenden Rohstoffbedarf. Dazu zählte unter anderem die Erzversorgung der Stahlhütten im Ruhrgebiet. Der Erzimport wurde anfangs noch überwiegend mit vielseitig einsetzbaren Stückgutfrachtschiffen transportiert, die sowohl für zu exportierende Stückguttransporte, als auch für den Import von Massengütern wie beispielsweise Erz geeignet waren. Noch vor dem Krieg hatten die Nordseewerke in Emden Erfahrungen im Bau von Erzfrachtern gesammelt, die es der Werft erlaubten, einen geeigneten Schiffsentwurf zu konstruieren und eine große Serie derartiger Schiffe in Auftrag zu nehmen. Am 9. August 1951 lieferte die Emder Werft das Typschiff Henriette Schulte an die Reederei Schulte & Bruns ab. 1955 wurde das Schiff von der Reederei Bernhard Schulte übernommen. Die Schiffe wurden teils als Trampschiffe in der Holz- und Koksfahrt, teils auf den Linien Europa-Große Seen oder auch im Mittelmeer-Indien-Dienst eingesetzt.

Bis zum Dezember 1957 folgten rund 20 Neubauten ihres Typ „Emden“ mit 10.000 Tonnen Tragfähigkeit, deren Daten bei späteren Bauversionen zum Teil leicht abwichen.

Die Mehrzahl der Bestellungen erhielt die Werft von deutschen Reedereien, aber auch aus dem Ausland kamen Anfragen für den Schiffstyp. So lieferte die Werft 1955 den Neubau Karen Reed an eine Reederei in Norwegen. Der Schiffstyp wurde zunächst um eine auf 10.800 tdw vergrößerte Variante erweitert. Später bildete der Entwurf die Grundlage zur Konstruktion eines deutlich größeren Typs mit 15.000 Tonnen Tragfähigkeit. Insgesamt hatte der Typ „Emden“ wesentlichen Anteil am bis dahin unerreichten Produktionsausstoß der Nordseewerke.

Technik[Bearbeiten]

Die rund 144 Meter langen und 17,60 Meter auf Spanten breiten Schiffe besaßen fünf Laderäume mit einem Schüttgutvolumen von 16.765 m3. Die für die Erzfahrt nötige Festigkeit des Rumpfes wurde durch eine schwere Bauweise mit vollen Bodenwrangen auf jedem Spant erreicht. Darüber hinaus wurden zwischen den Luken Hochtanks zur Verbesserung der Seeeigenschaften vorgesehen. Für anfallende Ballastreisen verfügten die Schiffe über eine Tankkapazität von 2179 Tonnen. Hauptmotoren mit rund 3500 PS erlaubten eine Geschwindigkeit von etwa 13 Knoten. Der Grundentwurf der Schiffe mit mittschiffs liegenden Aufbauten und dem konventionellen Ladegeschirr unterschied sich nicht grundlegend von zeitgenössischen Linienfrachtern.

Untergang der Melanie Schulte[Bearbeiten]

Das bekannteste Schiff der Serie war die Melanie Schulte der Emder Reederei Schulte & Bruns. Sie sank 1952 nur wenige Wochen nach ihrer Indienststellung aus ungeklärter Ursache im Nordatlantik, wobei alle 35 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Das Seeamt in Hamburg nahm in seiner Verhandlung als wahrscheinliche Ursache eine Überlastung des Schiffskörpers durch unausgewogene Beladung und Schlechtwetter als Ursache an.

Die Schiffe[Bearbeiten]

Die Frachtmotorschiffe des Typ „Emden”
Name Stapellauf/
Ablieferung
Baunummer Auftraggeber Umbenennungen und Verbleib
Henriette Schulte 1951 243 Schulte & Bruns, Emden -
Reimar Edzard Fritzen 1951 244 Johs. Fritzen & Sohn, Emden 1963 Archon Michael, 1. Mai 1975 bei Nakskov auf Grund gelaufen, 25. Juni 1975 Ankunft zum Abbruch bei Eisen & Metall in Hamburg
Carl Fisser Juli 1951
12. Dezember 1951
245 Fisser & van Doornum, Emden 1968 Margoula A.S., 6. September 1971 Ankunft zum Abbruch in Karachi
Odin 1952 246 Seereederei Frigga, Hamburg 1965 Marilena P, 1969 Sunday, Monday
Baldur 1952 247 Seereederei Frigga, Hamburg -
Herta Engeline Fritzen 1952 249 Johs. Fritzen & Sohn, Emden 1964 Eastern Meteor, 1977 New Man Fu, 1978 Char Cheng, Abbruch im Frühjahr 1981 in Kaohsiung
Francisca Hendrik Fisser 1952 250 Fisser & van Doornum, Emden -
Melanie Schulte 1952 251 Schulte & Bruns, Emden Im Dezember 1952 auf der Reise von Narvik nach Mobile im Nordatlantik gesunken.
Württemberg -/
24. Februar 1953
252 „Brenntag” Mineralöl-, Chemikalien- und Schiffahrts-Gesellschaft, Mülheim -
Birte Hugo Stinnes -/
Juni 1953
253 Hugo Stinnes Transozean Schiffahrt, Mülheim -
Transatlanta 1953 254 Fisser & van Doornum, Emden 1959 Rigi, 1968 Atticon, 9. Juli 1979 Ankunft zur Verschrottung in Kaohsiung[1]
Adrian 1953 257 Ernst Komrowski, Hamburg -
Widar 1953 259 Seereederei Frigga, Hamburg -
Ilse Schulte -/
30. Januar 1954
260 Alfred C. Toepfer, Hamburg Carl Julius, 1977 Genova, 1978 Macchiavelli, 1978 Machiavelli
Karen Reed 1955 273 DS AS Ibis, Bergen -
Hendrik Okko Fisser 1955 275 Fisser & van Doornum, Emden -
Schütting 1955 276 Fisser & van Doornum, Emden -
Geert Howaldt 1955 277 Bernhard Howaldt, Hamburg 1972 Gemar, Abbruch 1984
Millerntor 1955 278 Porta Reederei, Hamburg -
Aegir 1955 288 Seereederei Frigga, Hamburg -
Brage 1956 295 Seereederei Frigga, Hamburg -

Literatur[Bearbeiten]

  • Frachtmotorschiff „Henriette Schulte” - Ein Neubau der Nordseewerke Emden in „Hansa” Nr. 37/38 vom 15. September 1951, S. 1403–1406.
  •  Detlefsen, Gert Uwe; Abert, Hans Jürgen: Die Geschichte und Schicksale deutscher Serienfrachter. Band 1 - Die Entwicklung, deutsche Serien nach 1945 Die Schicksale der Hansa-A-Frachter. Verlag Gert Uwe Detlefsen, Bad Zwischenahn 1998, ISBN 3-928473-41-7.
  •  Detlefsen, Gert Uwe; Abert, Hans Jürgen: Die Geschichte und Schicksale deutscher Serienfrachter. Band 2 - Die Schicksale und Lebensläufe der Hansa-B und C-Frachter, der Deutschen Mehrzweckfrachter, Typ '36 / 36 L', Trampko, Typ 'Rendsburg', BV 16/1800, RW 39/49 und Eco-Box. Verlag Gert Uwe Detlefsen, Bad Zwischenahn 1998, ISBN 3-928473-42-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Transatlanta bei swiss-ships.ch