Typhus

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Klassifikation nach ICD-10
A01.0 Typhus abdominalis
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Der Verursacher von Gastroenteritis – Salmonella Typhimurium

Typhus (auch Typhus abdominalis, auch Bauchtyphus oder typhoides Fieber oder enterisches Fieber) ist eine Infektionskrankheit, die durch einen charakteristischen Krankheitsverlauf mit stufenförmigem Fieberanstieg, Bauchschmerzen, Darmverstopfung (Obstipation) und für die hohe Körpertemperatur eher langsamem Herzschlag (relative Bradykardie) gekennzeichnet ist. Die Krankheit wird durch das Bakterium Salmonella Typhi (Salmonella enterica ssp. enterica Serovar Typhi) hervorgerufen. Unbehandelt kann die Krankheit gefährlich verlaufen und zum Tode führen. In Deutschland, Österreich und in der Schweiz[1] sind sowohl ein Verdacht als auch Erkrankung an und Tod durch Typhus meldepflichtig.

Als Paratyphus bezeichnet man ein abgeschwächtes Krankheitsbild des Typhus, dessen Erreger nicht Salmonella Typhi, sondern Salmonella Paratyphi ist.

Bezeichnung und Wortherkunft[Bearbeiten]

Der Name Typhus leitet sich vom altgriechischen τῦφος typhos ab, was ‚Dunst‘, ‚Nebel‘, ‚Rauch‘, ‚Dampf‘, aber auch im übertragenen Sinne ‚Schwindel‘ oder ‚benebelter Geisteszustand‘ bedeutet.[2] Dies bezieht sich auf die neurologischen Symptome der Krankheit.

Im internationalen Sprachgebrauch, wie z. B. im Englischen, ist die Krankheit unter dem Namen typhoid fever bekannt, während das Wort typhus die im Deutschen Fleckfieber genannte, durch Rickettsien verursachte Krankheit bezeichnet.[3][4] Das Fleckfieber wurde früher auch als Typhus levissimus oder Typhus ambulatorius bezeichnet. Das DIMDI folgt der internationalen Nomenklatur und bezeichnet die hier beschriebene Krankheit als „typhoides Fieber“.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Flecktyphus ist seit dem Altertum verbreitet. 1546 wurde er von Fracastoro unter dem Namen morbus lenticularis abgegrenzt, der auch die Übertragungsgefahr von Mensch zu Mensch erkannte. Diese Annahme bestätigte sich 1556 durch Epidemien in Neapel und in Ungarn. Erst 1760 schlug Boissier de Sauvages den Namen Typhus vor. Früher war die Krankheit unter dem Namen Nervenfieber bekannt.[5]

Erreger[Bearbeiten]

Erreger ist das Typhusbakterium (Salmonella enterica subsp. enterica Serovar Typhi), ein gram-negatives, begeißeltes Bakterium, das fäkal-oral übertragen wird, also beispielsweise durch verunreinigte Nahrungsmittel oder verschmutztes Wasser. Heutzutage ist Typhus vor allem ein Problem der Entwicklungsländer. Fälle in Industrienationen sind die Ausnahme; ein Großteil der hier auftretenden Typhuserkrankungen hängt mit Fernreisen der Betroffenen in Länder mit geringem hygienischem Standard zusammen. Bei Reisen in tropische Gebiete (z. B. Indien) sollte eine Immunisierung erwogen werden, auch wenn diese nur einen partiellen Schutz bietet. Weltweit erkranken jährlich etwa 32 Millionen Menschen.

Klinisches Bild[Bearbeiten]

Roseolen auf der Brust eines an Typhus erkrankten Patienten

Die Inkubationszeit beträgt, in Abhängigkeit von der Menge der aufgenommenen Erreger, in der Regel 1–3 Wochen, Extremwerte können jedoch auch zwischen 3 und 60 Tagen liegen.[6][7] Es kommt zunächst zu unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Mattigkeit, Kopfschmerzen, Verstopfung sowie zu einem treppenförmigen Fieberanstieg (1. Woche = Stadium incrementi). Nach ca. 8 Tagen wird ein Stadium von anhaltendem hohem Fieber (Fieberkontinuum mit 40 bis 41 °C) erreicht, das über Wochen andauern kann (2.–3. Woche = Stadium fastigii). Dabei findet sich eine relative Bradykardie. Hierunter wird ein relativ zum Fieber langsamer Herzschlag verstanden; Fieber ist sonst häufig mit einem schnelleren Herzschlag (Tachykardie) einhergehend. Außerdem lässt sich (wiederum im Gegensatz zu vielen anderen bakteriellen Infektionskrankheiten) ein Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukopenie) feststellen. Hinzu kommen bisweilen Bewusstseinsstörungen (daher der Name), Milzschwellung und rötlich-fleckförmiger Hautausschlag am Oberkörper und – häufig an der Bauchhaut – (Roseolen). Typisch ist auch die so genannte Typhuszunge, die in der Mitte deutlich grau-weißlich belegt ist, an den Rändern und der Zungenspitze jedoch freie rote Ränder zeigt. Durch die Zerstörung der Peyer-Plaques im Dünndarm entsteht der charakteristische erbsbreiartige Durchfall, der erst nach etwa 14 Tagen auftritt oder auch völlig fehlen kann. Darmperforationen, Haarausfall, Knocheneiterungen und Hirnhautentzündung sind möglich. Während der langen Genesungsphase sinkt das Fieber stufenweise ab (= Stadium decrementi).

In der Folge scheiden ca. 10 % der unbehandelten Erkrankten für bis zu 3 Monate Typhusbakterien mit dem Stuhl oder Urin aus; 5 % der unbehandelten Erkrankten werden zu sogenannten Dauerausscheidern (Ausscheidung >1 Jahr) der Salmonellen, da die Erreger in der Gallenblase und den Gallenwegen persistieren können. Begünstigt wird dies durch Anomalien der Gallenwege, z. B. Gallensteine. Die Dauerausscheider können, ohne selbst noch Krankheitszeichen zu zeigen, andere Personen anstecken.[8]

Personen, die Typhus dominalis und Paratyphus erkrankt oder dessen verdächtig sind, dürfen nicht tätig sein oder beschäftigt werden beim Herstellen, Behandeln oder Inverkehrbringen von Lebensmittel, wenn sie dabei mit diesen in Berührung kommen, oder in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung.[9]

Diagnose[Bearbeiten]

Die Stellung der Diagnose stützt sich auf die typische Klinik, die Anamnese (Reise in tropische Regionen, vor allem Indien, Nepal und Indonesien) und labormedizinische und bakteriologische Befunde. In der Untersuchung des Blutes lässt sich eine Verminderung der Anzahl weißer Blutkörperchen nachweisen (Leukopenie). Charakteristisch ist auch das Fehlen eosinophiler Leukozyten (Eosinopenie), einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Der bakteriologische Erregernachweis mithilfe von Blutkulturen gelingt in den ersten zwei Wochen der Krankheit und sichert die Diagnose. Nur initial im frühesten Erkrankungsstadium und nach zwei Wochen lässt sich der Erreger auch aus dem Stuhl züchten. Die vom Immunsystem des Organismus gebildeten Antikörper, die sich gegen spezielle Bakterienantigene richten (Antikörper gegen O/h Antigen) lassen sich etwa ab Ende der ersten Krankheitswoche serologisch mithilfe des Gruber-Widal-Antikörper-Nachweises nachweisen. Erst ab der dritten Krankheitswoche werden hohe Titer an Antikörpern erreicht (1:400–800). Bei initial begonnener Therapie mit Antibiotika kann der Nachweis von Antikörpern misslingen.[10]

Behandlung[Bearbeiten]

Die Therapie der Typhusinfektion erfolgt mit Antibiotika. Vor Beginn der Therapie werden Blut- und Stuhlproben entnommen, um den Erreger nachzuweisen und – nach gelungener Anzucht des Erregers – eine Resistenzbestimmung gegenüber gebräuchlichen Antibiotika durchzuführen. Antibiotika der Wahl bei Erwachsenen sind neuere Chinolone wie Ciprofloxacin oder Ofloxacin für sieben bis zehn Tage. Alternativ können Cephalosporine der 3. Generation wie Ceftriaxon für ein bis zwei Wochen eingesetzt werden. Falls die genannten Substanzen aufgrund von Gegenanzeigen nicht eingesetzt werden können oder die Erreger resistent sind, kann die Therapie mit Cefixim, Azithromycin, Ampicillin, Cotrimoxazol oder Chloramphenicol durchgeführt werden. Insbesondere gegen die drei zuletzt genannten Wirkstoffe bestehen jedoch häufig Resistenzen.[11][12]

Prophylaxe[Bearbeiten]

Hygiene ist der beste Schutz. Die auf Tropenreisen üblichen Maßnahmen, wie beispielsweise der Verzicht auf unzureichend gegarte Speisen und Leitungswasser, sollten auf jeden Fall beachtet werden. Eine Impfprophylaxe gegen Typhus kann sowohl mit Tot- als auch mit Lebendimpfstoffen durchgeführt werden. Der Lebendimpfstoff (Vivotif; in Deutschland Typhoral) enthält nicht-krankheitserregende (apathogene) Salmonella-typhi-Bakterien, die das Immunsystem zur Bildung von schützenden Antikörpern anregen. Der Lebendimpfstoff wird oral in magensaftresistenten Kapseln verabreicht, ist gut verträglich und schützt etwa 60 bis 70 Prozent der Impflinge in Endemiegebieten für ein bis drei Jahre. Bei Reisenden wird eine Auffrischimpfung nach einem Jahr empfohlen. Der Totimpfstoff enthält ein Polysaccharid der Kapsel von Salmonella typhi, welches ebenfalls beim Impfling zur Bildung von Antikörpern führt. Der Impfstoff wird intramuskulär oder subkutan appliziert, ist gut verträglich und bietet etwa 64 bis 72 Prozent der Geimpften einen Schutz über etwa drei Jahre.[13][14][15]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Typhus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schweizerische Eidgenossenschaft, Eidgenössisches Departement des Innern (EDI), Bundesamt für Gesundheit (BAG): Meldepflichtige Übertragbare Krankheiten für Ärztinnen und Ärzte (PDF; 24 kB)
  2. Wörterbuch und Lexikon Altgriechisch - Latein. Abgerufen am 12. September 2011.
  3. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, englische Version
  4. Typhus: MedlinePlus Medical Encyclopedia. Abgerufen am 12. September 2011.
  5. vgl. http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Typhus?hl=typhus
  6.  Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2009, S. 808.
  7. IMPP Staatsexamen Medizin, Frühjahr 2007: Fallstudie 3.1, Frage 3.48
  8. Hahn, Kaufmann, Schulz, Suerbaum: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 6. Auflage. Springer Verlag, Heidelberg, 2009.
  9. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG), § 42
  10. M. Classen, V. Diehl, K. Kochsiek (Hrsg.):Innere Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer Verlag, München, 2004. S. 966.
  11. W. Caspary, M. Kist, J. Stein (Hrsg.): Infektiologie des Gastrointestinaltraktes. 1. Auflage. Springer, Heidelberg 2006. S. 212.
  12. E. Hohmann, S. Calderwood, E. Baron: Treatment and prevention of typhoid fever. In: UpToDate, Rose, BD (Ed), UpToDate, Waltham, MA, 2008.
  13. W. Caspary, M. Kist, J. Stein (Hrsg.): Infektiologie des Gastrointestinaltraktes. 1. Auflage. Springer, Heidelberg 2006. S. 437.
  14. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte, Stand: 9. Januar 2008, zuletzt eingesehen am 14. März 2010
  15. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte, Stand: Januar 2008
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