Der Tyroler Wastel
| Operndaten | |
|---|---|
| Titel: | Der Tyroler Wastel |
Titelblatt des Librettos | |
| Form: | Komische Oper in 3 Akten |
| Originalsprache: | Deutsch |
| Musik: | Jakob Haibel |
| Libretto: | Emanuel Schikaneder |
| Literarische Vorlage: | Tiroler Wastl im Jahre 1848 |
| Uraufführung: | 14. Mai 1796 |
| Ort der Uraufführung: | Wiedner Theater bei Wien |
| Spieldauer: | ca. 1 ¼ Stunden (ohne Sprechtexte) |
| Ort und Zeit der Handlung: | Wien, 18. Jahrhundert |
| Personen | |
| |

Der Tyroler Wastel[1] ist eine Komische Oper in drei Akten. Das Libretto stammt von Emanuel Schikaneder, die Musik von Jakob Haibel. Alternative Titel sind Der Tiroler Wastel,[2] Tiroler Wastel[3] und Die Tiroler in Wien.[4]
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Erster Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die adlige Dame (jedoch nur durch Heirat, sie war vorher Kammerjungfer) Frau von Tiefsinn beschäftigt sich mit ihrem Kammermädchen mit Unwesentlichkeiten und empfängt den Liebhaber Herrn von Tulippan. Dabei fangen sie ein Paket des Bäckermeisters Joseph für die Stieftochter Louise ab und denken, die Geschenke seien für sie von Herr von Tulippan, der dies kaum leugnet. Ihm wird Betrug unterstellt und er wird aus dem Haus gejagt. Als anhand des Briefes, den die Damen einfach lesen, herauskommt, dass er für Louise ist, holen sie von Tulippan wieder zu sich. Die Köchin Mariane besingt die Männer mit „Ein schöner Mann ist delicat“. Louise empfängt die Nachtigall und besingt sie mit: „Du liebe Nachtigal, sollst stets an meinem Bette hängen“. Tulippan darf nach seiner Begnadigung singen „So laßt uns paradieren“.
Nun kommt überraschend der Bauer Wastl aus Tyrol, der Bruder des Herrn von Tiefsinn mit seiner zweiten Frau zu Besuch, Frau von Tiefsinn ist von seiner plumpen Art damenhaft angeekelt und versucht, ihn zu meiden.
Wastl (oder Wastel) singt den Opernhit „Tyroler sind offen, sind lustig und froh“.
Louise kann sich endlich mit ihrem Vater aussprechen und er billigt die Verbindung mit Joseph, darüber ist sie glücklich und singt „Wonne lächelt um Louisen, denn ihr Vater ist ihr Freund“.
Danach ziehen alle Akteure begeistert zum Prater, um dort zu speisen.
Zweiter Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In einer Wirtschaft im Prater beklagt ein Wirt sein Leid, dass keine Leute zu ihm kommen. Er weist seine Kellner an, im Prater herumzulaufen, um Gäste anzuwerben.
In den Sprechpassagen wird erwähnt, dass Frau von Tiefsinn durch Umkippen des Tisches mit Geschirr einen Skandal verursacht hat und alle sich auf dem Prater verstreut haben.
Herr von Tiefsinn kommt zum Lokal und erlaubt dem Harfenisten, ein Lied zu singen: „Ihr Männer nehmt euch mit den Weibern in acht“. Dann kommt auch Wastel und besingt die Weibertreu in Tyrol. Allmählich kommen alle Vorigen im Lokal an, Frau von Tiefsinn setzt sich mit Therese und Tulippan in das Sommerpalais. Wastel reizt sie zur Wut mit seinem Lied „Wer hat ein böses Weibchen im Haus“, jedoch wird die Szene durch ein Gewitter unterbrochen, weswegen alle nach Hause flüchten. Der Wirt wird mit seinem Essen alleine gelassen.
Dritter Akt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am nächsten Morgen liegt Wastel auf dem Kanapee im Vorzimmer der von Tiefsinns. Als er geweckt wird, raucht er gar dort zum Entsetzen von Frau von Tiefsinn und Therese. Die Damen bitten Herrn von Tiefsinn, Wastel hinauszuwerfen, dieser ist Wastel weit unterlegen, der selbst die hinzugerufenen Kutscher und den Hausknecht schnell außer Gefecht setzt. Tulippan stellt dies später den Damen als seine Leistung dar.
Joseph besingt den Bürgerstand, denn er möchte eine adlige, nämlich die Tochter Louise von Tiefsinn, heiraten.
Frau von Tiefsinn lässt ihre Wut heraus mit der Arie „Wer kann von allen Männern jemals wagen, Befehlen sich zu entziehen?“, die ein wenig – auch mit dem hohen F – der Rachearie aus der Zauberflöte erinnert.
Frau von Tiefsinn möchte Louise mit dem kaiserlichen Buchhalter vermählen, der von Mariane ins Haus geholt wird. Mittlerweile ist auch Wastels Frau Liesel wiedergekommen, die die ganze Nacht aushäusig war. Sie erklärt ihm, dass sie durch höhere Mächte geführt gerade rechtzeitig zu Herrn von Tefsinn kam, um ihn vor einem Suizid zu bewahren.
Liesl erkennt den Buchhalter wieder, der sie am Vorabend zu einer Kutschfahrt einlud, er macht ihr einen Heiratsantrag und sie singt dazu: „Ich will keinen Alten“.
Derweil hat Wastel einen Anwalt organisiert und umgeht das Verbot der Frau von Tiefsinn, Louises Zimmer zu betreten, in dem sie unter Arrest steht. Dadurch wird sie mit Joseph verheiratet, bevor Frau von Tiefsinn wiederkommt.
In der Konfrontation mit Wastel muss sie letztlich klein beigeben, Herr von Tiefsinn will sie schon hinauswerfen, begnadigt sie jedoch, als sie bekennt, dass sie bei ihm bleiben möchte. Wastel gibt Tulippan und Frau von Tiefsinn Geld, das sie ablehnt und endlich Louise als Aussteuer mitgibt.
Im Schlusschor wird die allgemeine Freude besungen: „Wenn ehleut in Einigkeit leben, so ist Glük und Segen dabei“.
Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Musik zu diesem Werk Schikaneders komponierte der Sänger Jakob Haibel, der Sophie Haibel, die Schwester von Mozarts Frau Constanze, heiratete.
Die Uraufführung fand am 14. Mai 1796 im Wiedner Theater statt, und das Werk wurde in einer ganzen Reihe von Theatern im deutschen Sprachraum gleichfalls gespielt, bis 1856 sensationelle 130 Mal, was die Oper zur zweiterfolgreichsten Oper Schikaneders nach der Zauberflöte macht.[5]
Die Oper wurde seitdem offenbar nirgends nachweisbar aufgeführt.
Es gibt eine Audio-Aufnahme von Sarah Traubel der Arie Nr. 18 „Alles will ich brechen, beugen“.[6]
Editionen und Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Der Tiroler Wastel: Noten und Audiodateien im International Music Score Library Project
- Partiturmanuskript Mus.4396-F-1, Dresden um 1796. Digitalisat der Sächsischen Landesbibliothek Dresden
- Partiturmanuskript BSB Mus.ms. 1191. Digitalisat des Münchener Digitalisierungszentrums
- Libretto mit Sprechtexten, Leipzig 1798. Digitalisat der Österreichischen Nationalbibliothek
- Libretto (Gesänge aus der Oper), Hamburg o. D. Digitalisat der Library of Congress
- Libretto, Königsstädtisches Theater Berlin o. D. Digitalisat der Library of Congress
- Libretto, Donauwörth 1805. Digitalisat des Münchener Digitalisierungszentrums
- Libretto (Arien und Gesänge), Frankfurt 1810. Digitalisat der Universitätsbibliothek Frankfurt
- Der Tiroler Wastl im Jahre 1848. Eine Bauernkomödie in 3 Aufzügen. Innsbruck 1860. Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol
- Klingende Partitur und Klavierauszug auf YouTube
- Moderne Erstausgabe des Aufführungsmaterials 2025 bei Ellenberger.institute
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Website über die Oper vom Erst-Herausgeber Verein DoctorsDome.center / Ellenberger.institute
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Theaterzettel des Weimarer Hoftheaters, 18. Januar 1823.
- ↑ Theaterzettel des Theaters in Düsseldorf, 25. Februar 1816.
- ↑ Theaterzettel des K. K. Theaters Salzburg, 4. März 1856, heutiges Salzburger Landestheater.
- ↑ Theaterzettel des Deutschen Theaters Düsseldorf, 18. Januar 1811.
- ↑ Angaben zu allen Aufführungen mit vielen Theaterzetteln auf der Webseite der Oper vom Herausgeber.
- ↑ Audioaufnahme der Arie der Frau von Tiefsinn „Alles will ich brechen, beugen“ auf spotify.
