U-Bahnhof Mohrenstraße

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Westlicher U-Bahn-Eingang in der Mohrenstraße hinter dem Standbild des „Alten Dessauers

Der U-Bahnhof Mohrenstraße liegt an der U-Bahn-Linie U2 im Berliner Ortsteil Berlin-Mitte im gleichnamigen Bezirk. Es handelt sich um einen zweigleisigen Bahnhof mit Mittelbahnsteig.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1950: Der damalige U-Bahnhof Thälmannplatz wird nach dem Umbau eingeweiht

Der Bahnhof befindet sich am westlichen Ende der namensgebenden Mohrenstraße, die in Ost-West-Richtung verläuft. Sein westlicher Eingang öffnet sich zur nord-südlich kreuzenden Wilhelmstraße und liegt der Einmündung der Voßstraße in selbige gegenüber.

Nur wenige hundert Meter vom Potsdamer Platz und der Verlaufslinie der Berliner Mauer entfernt, liegt der Bahnhof seit der deutschen Wiedervereinigung wieder zentral, nachdem er jahrzehntelang eine periphere Position innehatte. Er ist – in Richtung Potsdamer Platz gesehen – der vorletzte Bahnhof im ehemaligen Ostteil der Stadt. Heute liegen in der näheren Umgebung unter anderem folgende Gebäude und Plätze:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pergola-Eingang des U-Bahnhofs Kaiserhof auf der Mitte des Wilhelmplatzes um 1910, dahinter das Gebäude der Kur- und Neumärkischen Haupt-Ritterschafts-Direktion, heute: Mohrenstraße 66
Bahnsteig mit Marmorverkleidung

Zum Zeitpunkt seiner Eröffnung am 1. Oktober 1908 lag der damalige U-Bahnhof „Kaiserhof“ unter zwei markanten Berliner Stadtplätzen, nämlich westlich unter dem an die Wilhelmstraße angrenzenden Wilhelmplatz und östlich unter dem Zietenplatz (wie die verbreiterte ehemalige Mündung der Mohrenstraße auf den Wilhelmplatz seit Mitte des 19. Jahrhunderts hieß). Seinen Namen erhielt der Bahnhof dabei von dem an der Ecke von Wilhelmplatz und Zietenplatz gelegenen „Kaiserhof“, damals eines der luxuriösesten Hotels in Berlin. Ursprünglich sollte dem Bahnhof der Name Wilhelmplatz verliehen werden, jedoch gab es bereits eine Station mit diesem Namen in Charlottenburg, die seit 1935 Richard-Wagner-Platz heißt und seit 1978 an der Linie U7 liegt.

Aufgrund der damaligen Ansiedlung von großen Hotels und einigen Ministerien in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs legte man großen Wert auf dessen architektonische Gestaltung. Architekt war Alfred Grenander, der den Bahnhof mit weißen Wänden und schwarzen Fliesen als Kennfarbe anlegte.

Aus Anlass der Olympischen Spiele 1936 wurde der Wilhelmplatz von den Nationalsozialisten umgestaltet. Um Raum für Aufmärsche zu schaffen, beseitigte man dabei die Linden und Rasenflächen auf dem Platz, und der markante Pergola-Eingang des U-Bahnhofs auf dessen Mitte wurde durch eine schmucklose, verkleinerte Version ersetzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof weitestgehend zerstört. Politische und städtebauliche Veränderungen bedingten seit dem Zweiten Weltkrieg mehrere Umbenennungen des Bahnhofs. Die erste erfolgte am 18. August 1950, wobei Wände, Pfeiler, Einbauten und Bänke mit „Saalburger Marmor“ in der Varietät Königsrot[1] verkleidet wurden. Verschiedene Quellen behaupteten, dass das Material aus der zerstörten Neuen Reichskanzlei stamme, dies ist allerdings mittlerweile widerlegt.[2] Die Fehlinformation hatte seinerzeit Der Spiegel ohne Quellengabe verbreitet.[3] Das Material wurde im Saalburger Bruch in Thüringen gewonnen. Ein Jahr nach der Umbenennung des Wilhelmplatzes in „Thälmannplatz“ nach dem ehemaligen Vorsitzenden der KPD Ernst Thälmann wurde auch der Bahnhof entsprechend umbenannt. Da die moderne Bebauung an der Otto-Grotewohl-Straße (wie die Wilhelmstraße seit September 1964 hieß) die frühere Platzanlage jedoch allmählich hatte verschwinden lassen und um Verwechselungen mit dem 1986 eingeweihten Wohngebiet Ernst-Thälmann-Park in Prenzlauer Berg zu vermeiden, gab man die Bezeichnung „Thälmannplatz“ für das nun de facto zum westlichen Ende der Mohrenstraße verengte Areal auf. Seit dem 15. April 1986 trug der Bahnhof der Straße entsprechend den neuen Namen Otto-Grotewohl-Straße.

Der U-Bahnhof war während des Bestehens der Berliner Mauer Endstation der damaligen U-Bahn-Linie A. Die Station Potsdamer Platz (direkt unter den Grenzanlagen) war somit mehr als drei und Bülowstraße (in West-Berlin) mehr als zwei Jahrzehnte nicht in Betrieb.

Seit dem ersten Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung (3. Oktober 1991) heißt der U-Bahnhof ‚Mohrenstraße‘. Der Verkehrssenator nahm diesen Tag zum Anlass, zahlreiche U-Bahn-Stationen, die zuvor nach sozialistischen Politikern bzw. Funktionären benannt waren, umzubenennen – ohne die (erst 1993 erfolgte) Rückbenennung der Otto-Grotewohl-Straße in Wilhelmstraße abzuwarten.[4] Seit dem 13. November 1993 verkehrt die U-Bahn wieder durchgehend über die Station Mohrenstraße hinaus in Richtung Potsdamer Platz und Gleisdreieck.

Anbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am U-Bahnhof besteht eine Umsteigemöglichkeit von der Linie U2 zur Omnibus-Linie 200 der Berliner Verkehrsbetriebe.

Linie Verlauf
Berlin U2.svg Pankow – Vinetastraße – Schönhauser Allee – Eberswalder Straße – Senefelderplatz – Rosa-Luxemburg-Platz – Alexanderplatz – Klosterstraße – Märkisches Museum – Spittelmarkt – Hausvogteiplatz – Stadtmitte – Mohrenstraße – Potsdamer Platz – Mendelssohn-Bartholdy-Park – Gleisdreieck – Bülowstraße – Nollendorfplatz – Wittenbergplatz – Zoologischer Garten – Ernst-Reuter-Platz – Deutsche Oper – Bismarckstraße – Sophie-Charlotte-Platz – Kaiserdamm – Theodor-Heuss-Platz – Neu-Westend – Olympia-Stadion – Ruhleben

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: U-Bahnhof Mohrenstraße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: "Saalburger Marmor"
  2. Axel Mauruszat: Neues zum Marmor-Mythos Mohrenstraße. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter, 43. Jahrgang, Nr. 1 (Februar 2016), S. 23–24.
  3. Maritta Tkalec: „Am 10. August 1950 wusste das Magazin dann ganz genau über den U-Bahnhof Thälmannplatz Bescheid. […] Auf Quellenangaben verzichtete der Spiegel. Wir allerdings haben damit eine mustergültige Quelle für die Legende vom Führer-Marmor.“ Der Mythos vom Hitler-Marmor am U-Bahnhof Mohrenstraße. In: Berliner Zeitung, 4. April 2016
  4. Der blasse Eberhard muß weg. In: Der Spiegel, 28. Oktober 1991

Koordinaten: 52° 30′ 42″ N, 13° 23′ 5″ O