U-Boot-Abwehrschule

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Die U-Boot-Abwehrschule (UAS, U-AS) war eine vom 1. Oktober 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bestehende Ausbildungseinrichtung der deutschen Reichsmarine bzw. Kriegsmarine.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl das Deutsche Reich gemäß den Bedingungen des Vertrags von Versailles keine U-Boote besitzen durfte, begannen schon 1922 die Vorbereitungen zur Entwicklung einer neuen deutschen U-Boot-Waffe, als der sogenannte „Ruhrfonds“ der deutschen Waffenindustrie mit Zustimmung der Marineführung das Ingenieurbüro Ingenieurskantoor voor Scheepsbouw (IvS) in Den Haag in den Niederlanden einrichtete, um dort Pläne für neue U-Boot-Technologien zu entwickeln und international zu verkaufen. Das IvS entwickelte nach Spanien, Finnland und in die Türkei verkaufte Entwürfe, darunter auch einen Vorläufer der U-Boot-Klasse II, das in Turku gebaute und am 30. April 1934 in Dienst gestellte finnische U-Boot Vesikko. Schon bald nach der Machtergreifung Hitlers und der NSDAP begann auch die Planung für ein geheimes Bauprogramm mit zunächst sechs 250-Tonnen-Booten der U-Boot-Klasse II A und zwei Booten der U-Boot-Klasse I A auf deutschen Werften.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Stammpersonal an Offizieren und Unteroffizieren für diese ersten deutschen Boote theoretisch auszubilden, wurde am 1. Oktober 1933 in Kiel-Wik unter dem Tarnnamen „U Boot-Abwehrschule“ eine entsprechende Einrichtung geschaffen. Sie understand der Inspektion des Torpedowesens (Torpedoinspektion). Erster Kommandeur war Korvettenkapitän, ab 1. Oktober 1934 Fregattenkapitän, ab 1. Oktober 1936 Kapitän zur See Kurt Slevogt; er leitete die Schule bis zum 17. September 1937. Die in Wik heimlich ausgebildeten Männer reisten im Frühjahr 1934 nach Turku, wo sie gemeinsam mit finnischen Soldaten auf der Vesikko geschult wurden und deren Probefahrten durchführten.

U-Bootschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule wurde am 21. Mai 1935, als Geheimhaltung keine Rolle mehr spielte, in U-Bootschule umbenannt. Von Juli bis September 1935 kamen dann die Boote U 1 bis U 6 zur Schule, mit denen die technische und tauchtechnische Schulung der Besatzungen durchgeführt wurde. Die Boote bildeten den „Schulverband der Unterseebootschule“.[1] Die Schule wurde am 11. Mai 1937 nach Neustadt in Holstein verlegt und der Schulverband wurde am 1. November 1937 in eine Unterseebootschulflottille und einen Unterseebootabwehrverband geteilt. Kommandeur der U-Bootschule wurde as Nachfolger Slevogts zunächst Kapitän zur See Werner Fürbringer (29. September 1937 – 5. Dezember 1937), dann Fregattenkapitän Wilhelm Meisel (5. Dezember 1937 – 13. April 1938) und schließlich Kapitän zur See Werner Scheer (14. April 1938 – 18. September 1939).

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Neustadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1939 wurde auch die Schule selbst geteilt,[2] in die U-Bootschule (Kommandeur Fregattenkapitän Hans Ibbeken) und die U-Boot-Abwehrschule. Die U-Bootschule wurde im Februar 1940 dem Führer der U-Boote unterstellt und im Mai 1940 nach Pillau verlegt (offizieller Standort blieb jedoch Neustadt); ihre U-Bootschulflottille wurde am 13. Juni 1940 in 21. Unterseebootsflottille umbenannt und der neugebildeten 1. U-Lehrdivision unterstellt.

Die U-Boot-Abwehrschule blieb bei der Torpedoinspektion, unterstand hinfort truppendienstlich jedoch dem jeweiligen Küstenbefehlshaber. Kommandeur wurde FKpt/Kapitän zur See Eberhard Schmidt (25. September 1939 – 31. Oktober 1942).

Gotenhafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schule wurde im November 1939 nach Gotenhafen im besetzten Polen verlegt. Vom 1. November 1942 bis zum 28. Januar 1943 war Fregattenkapitän Julius Waller mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Schulkommandeurs beauftragt, bis dann Fregattenkapitän d. R., ab 1. Dezember 1944 Kapitän zur See d. R. Günther von Selchow das Kommando übernahm und bis zum Kriegsende innehatte.

Hatvik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Juli 1943 wurde die Schule von Gotenhafen nach Norwegen verlegt, mit der Kommandantur in Bergen und dem inzwischen mehrheitlich aus erbeuteten Feindbooten bestehenden Schulverband für die operative Schulung im etwa 30 km südlich gelegenen Hatvik. Dort blieb sie bis zur Kapitulation im Mai 1945.

Die Bucht von Hatvik (60° 12′ 33″ N, 5° 32′ 25″ O), am Westufer des Fusafjords, wurde Stützpunkt der insgesamt sieben U-Jäger der Schule[3] und der erbeuteten U-Boote U D2, U D3, U D5 (ehemals Niederlande), U F2 (ehemals Frankreich) und U C2 (ehemals Norwegen), die bei der Schulung im Aufspüren und Bekämpfen feindlicher U-Boote benutzt wurden. Später kamen auch die Boote U 298 und U 1052 (beide U-Boot-Klasse VII) als Schulboote hinzu, auf denen U-Boot-Besatzungen in Eigenschutzmaßnahmen geschult wurden.[4]

Der Stützpunkt Hatvik bestand lediglich aus einem mehreren hundert Meter langen Schwimmsteg und ein paar Holzhäusern.[4] Der Zugang zur Bucht war durch Minen, zwei Geschütze auf der Landzunge Hatviksneset und wohl auch einige Flak gesichert, war teilweise unter Tarnnetzen versteckt und wurde nachts durch eine Netzsperre verschlossen.

Der Stützpunkt wurde nach der Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Norwegen im Mai 1945 von der Royal Navy besetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chef des Schulverbands war zeitweise der Schulkommandeur selbst, ansonsten von 1. November 1937 bis 15. August 1938 Kptlt. Heinz Beduhn, von 1. April 1939 bis 30. September 1942 Kptlt. Erich Köplin, von 1. Oktober 1942 bis 27. Mai 1944 Kptlt. Josef Thelen und von 29. Mai 1944 bis März 1945 KKpt. Fritz Großmann.
  2. Tagesbefehle des Marinestationskommandos Ostsee: Geh. OTB 9/1939 vom 25. September 1939.
  3. Stolpe, Spree, Dahme, Brahe, Nogat, Pregel und Warthe (U-Bootsjagd-Flottillen 1939-40, bei https://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg)
  4. a b Lawrence Paterson: Steel and Ice: The U-Boat Battle in the Arctic and Black Sea 1941–45. History Press, Stroud 2016, ISBN 978-0-7509-6896-6, S. 197 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 20. Oktober 2020]).