U-Boot-Christ

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als U-Boot-Christ[1][2] wird umgangssprachlich[3] ein Mensch bezeichnet, der zwar einer christlichen Kirche angehört, sich aber das ganze Jahr über nicht mit dem Christentum, der Bibel oder der Kirche beschäftigt, normalerweise auch nicht zum Gottesdienst geht und sich auch nicht am Gemeindeleben beteiligt, jedoch entweder regelmäßig an den so genannten großen Feiertagen, wie zum Beispiel Weihnachten oder Ostern, die Gottesdienste besucht oder an den großen kirchlichen Familienfesten (Taufe, Konfirmation, Erstkommunion, Hochzeit und Beerdigung) die jeweilige kirchliche Begleitung nachfragt.

Der Ausdruck U-Boot-Christ scheint dabei auf Formulierungen des in den 1950er und 1960er Jahren sehr bekannten römisch-katholischen Predigers Johannes Leppich zurückzugehen.

Der katholische Theologe und Südkoreaexperte Carsten Wippermann verwendet die Kategorie U-Boot-Christen zur Einordnung eines Phänomens bei Protestanten in Südkorea. Es handele sich dabei um eine Reaktion auf Verpflichtungen im Rahmen der sogenannten Minjung-Theologie in dem asiatischen Land. Die Minjung-Theologie ist eine lokale Variante der Befreiungstheologie mit erheblichem gesellschaftspolitischem Anspruch und Aufwand. Wippermann benennt mit U-Boot-Christ in Korea eine Gruppe von Menschen, die sich zwar offiziell bei einer Megachurch als Mitglieder eintragen, aber bei Treffen und Veranstaltungen so oft möglich mit Hinweis auf Terminprobleme fernbleiben und so auch gegenüber den Verpflichtungen der kleineren Minjunggemeinden untertauchen können.[4]

Ähnliche Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls bekannt ist der Karfreitags-Christ, auch Namenschrist, Taufscheinchrist[5] oder Teilzeit-Christ, welcher im deutschen Sprachraum ca. seit den 1970er Jahren vorkommt. Ein veralteter Ausdruck mit der gleichen Zielrichtung ist der Begriff Einjährig-Freiwilliger. Der Begriff bezeichnete im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) eigentlich Soldaten, die sich für ein Jahr freiwillig zum Armeedienst gemeldet hatten, wurde dann aber in der Folgezeit für Kirchenmitglieder benutzt, die nur einmal im Jahr zum Gottesdienst kamen; der Begriff war bis etwa in die 1960er Jahre üblich.

Eine in Österreich gebräuchliche Bezeichnung ist Taufschein-Katholik; damit ist gemeint, dass die betreffende Person zwar formell christlichen Glaubens (eigentlich römisch-katholisch) ist, dem aber keine besondere Bedeutung in ihrem Leben zukommt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. gottesdienstliches Anspiel der evangelischen Gemeinde Gesees (Memento vom 22. September 2007 im Internet Archive).
  2. Klaus Kenneth: Zwei Millionen Kilometer auf der Suche: mein langer Weg zum Glauben. Saint-Paul, 2001, ISBN 978-3-7228-0518-4 (Google Books).
  3. Dictionary of German Slang and Colloquial Expressions Henry Strutz Barron's snippet, 1. Juni 2009 - 338 Seiten
  4. Carsten Wippermann: Zwischen den Kulturen: Das Christentum in Südkorea LIT Verlag Münster, 2000 - 299 Seiten
  5. Beleg zum „Taufscheinchrist“ bei der ZEIT