ULAP

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Der Ausstellungspalast der ULAP links zwischen den Gleisen. In der Mitte der Lehrter Bahnhof, 1910.
Kartenausschnitt in Berlin-Moabit (1915) mit dem Landes-Ausstellungs-Park

ULAP bezeichnet den ehemaligen Universum Landes-Ausstellungs-Park im Berliner Ortsteil Moabit im Bezirk Mitte. Der Park lag in einem aus Invalidenstraße, der Straße Alt-Moabit und dem heutigen Hauptbahnhof gebildeten Dreieck. Er wurde schon in den ersten Jahren seines Bestehens von der Stadtbahn durchschnitten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausstellungspalast der ULAP, um 1885

Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts war das Gebiet unbesiedeltes, unfruchtbares Heidegelände vor den Toren der Stadt. Ab 1717 siedelten sich hugenottische Familien, die Gartenbau und Seidenraupenzucht betrieben, an. Hier liegt der Beginn der zivilen Nutzung des Moabiter Landes.

Karl Friedrich Schinkel und Peter Joseph Lenné wurden mit dem Entwurf von Bebauungsplänen für das freigewordene Gelände beauftragt. Durch städtebauliche Veränderungen und die Entwicklung des Verkehrsnetzes wurden diese Pläne nie umgesetzt. In der Nähe wurde der Lehrter Bahnhof mit Stadtbahn-Anschluss errichtet. Dies begünstigte die Errichtung eines Ausstellungsgeländes. 1879 wurde zur Gewerbeausstellung auf dem Dreieck zwischen Invalidenstraße, der Straße Alt-Moabit und dem Lehrter Bahnhof der ULAP eröffnet. 1882 wurde der Stadtbahn-Viadukt eröffnet, der das Gelände durchschneidet. Nach einem Brand am 12. Mai 1882[1] entstand 1883 ein Ausstellungspalast aus Glas und Stahl, der mit der „Deutschen Hygieneausstellung“ eröffnet wurde. Bis zum Bau des Messegeländes am Funkturm im Jahr 1925 fanden hier Ausstellungen statt.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1919 wurden auf dem Gelände ermordete Spartakisten aus dem Zellengefängnis Lehrter Straße, den Moabiter Kasernen und dem Kriminalgericht verscharrt. 1927 fand man bei Elektrifizierungsarbeiten der Stadtbahn 126 Leichen.

Ab 1936 wurde auf dem Gelände die Deutsche Luftfahrtsammlung Berlin mit dem größten Verkehrsflugboot der Welt, der Dornier Do X, gezeigt. Reste dieses Flugzeugs befanden sich noch in den 1960er Jahren auf dem ULAP-Gelände.

Im Februar 1933 richtete die SA unter dem Restaurant des Ausstellungsgebäudes eine Folterkammer ein. Hier wurde im März 1933 der Rechtsanwalt Günther Joachim so grausam gequält, dass er nach wenigen Tagen den Misshandlungen erlag.

In der Nacht zum 23. April 1945 wurden 16 politische Gefangene des Moabiter Gefängnisses Lehrter Straße, die meisten von ihnen Beteiligte der Verschwörung vom 20. Juli 1944, darunter Albrecht Haushofer, von einem SS-Trupp in den Park geführt und ermordet, bis auf einen, der schwerverletzt überlebte.

Eine Woche danach wurden die beiden flüchtigen Naziführer Martin Bormann und der SS-Arzt Ludwig Stumpfegger tot auf der Eisenbahnbrücke oberhalb des ULAP-Geländes aufgefunden. Sie wurden auf dem Gelände vergraben.

Kriegsbedingt sind vom ULAP nur wenige Reste erhalten geblieben. Das alte Torwächterhaus stand der Bahntrasse des neuen Hauptbahnhofs im Wege und wurde abgerissen. Das auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelegene Haus, in dem heute das Restaurant Paris–Moskau zu finden ist, wird oft mit dem Torwächterhaus verwechselt; es hatte aber nichts mit dem ULAP zu tun.

Im Jahr 1961 rückte das Gelände durch den Mauerbau an den Rand von West-Berlin. Es wurde als Lagerfläche, für Kleingärten und von der Bahn genutzt. Ein Teil des Geländes wurde nach 1990 für die neue Trasse des Hauptbahnhofs genutzt.

Aktuelle Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einigen Flächen des Geländes fand 2004 das zweite internationale Sandskulpturen­festival statt. Unter dem Thema „Elemente“ nahmen zehn internationale Künstler an dieser Veranstaltung teil und präsentierten der Öffentlichkeit bis zu zwölf Meter hohe Sandskulpturen.

Die Straße am ULAP erinnerte an diesen Park, der zwischen der heutigen Stadtbahntrasse und der Straße Alt-Moabit lag; sie wurde im Jahr 2005 allerdings nach Clara Jaschke umbenannt, einer der ersten Berliner Eisenbahnbeamtinnen. Die neu angelegten Straßen auf dem Gelände tragen die Namen von Bertha Benz, Katharina Paulus, Ilse Schaeffer, Ella Trebe und Agnes von Zahn-Harnack. Als Ausnahme von der Regel, neue Straßen im Bezirk nur nach Frauen zu benennen, wurde am 6. Mai 2008 hinter dem Gelände die Ufer-Promenade nach Magnus Hirschfeld benannt.

Der Rest des Geländes mit der stark verwilderten Freitreppe und einem alten Baumbestand wurde ab 2005 zu einer Parkanlage umgestaltet, die am 25. Juni 2008 der Öffentlichkeit übergeben wurde.[2]

Südwestlich des Geländes zur Spree hin, begrenzt durch die S-Bahn-Trasse und die Straße Alt-Moabit, steht der Neubau des im April 2015 bezogenen Bundesministeriums des Innern.

Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freitreppe des Ausstellungsparks ULAP vom Damm der Straße Alt-Moabit herunterführend, 2010

Der verbliebene Rest des ULAP-Geländes mit 1,4 Hektar Fläche wurde zwischen 2007 und 2008 nach Plänen des Büros Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden zu einem schlichten Stadtpark umgestaltet, der als Multifunktionsfläche und Ruhepunkt dienen soll.[3]

Die erhaltene große Freitreppe auf das ehemalige Ausstellungsgelände wurde in die Neugestaltung mit einbezogen: nur ein schmaler Teil der Treppe wurde wieder begehbar gemacht, der verwilderte größere Teil mit den durch die Stufen wachsenden Bäumen wurde erhalten. Der Hang ist mit bodendeckenden Gräsern und Stauden dicht bewachsen.

Der kleine dreieckige Platz am Fuss der Treppe ist durch ein lockeres Wäldchen charakterisiert, das durch weitere Baumpflanzungen ergänzt wurde. Hier stehen über 30 geschützte Bäume, vor allem Ahorn, Robinien und Ulmen, die zwischen 30 und 80 Jahre alt sind. Es gibt auch einzelne Linden, die noch auf die Gestaltung des Ausstellungsgeländes vor mehr als hundert Jahren zurückgehen.[4] Durch einen hohen Astansatz der Bäume soll nach dem Parkkonzept ein „grünes Dach“ entstehen, das an die Ausstellungshallen des ULAP erinnern soll.[5] In lockeren parallelen Reihen sind schlichte Holzbänke auf dem Platz verteilt, die nachts teilweise von innen heraus leuchten, und dem Ort einen städtischen Charakter verleihen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Universum Landes-Ausstellungs-Park (ULAP, Berlin-Moabit) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Einführung in die allgemeine deutsche Ausstellung für Hygiene und Rettungswesen (1883)
  2. Einweihung „ULAP – Universum-Landes-Ausstellungs-Park am Hauptbahnhof“. Pressemitteilung vom 20. Juni 2008, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Berlin.
  3. Universum-Landes-Ausstellungs-Park (ULAP). Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Berlin.
  4. Auslobung. Landschaftsplanerischer Einladungswettbewerb zum ULAP-Gelände, April 2005, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin, S. 44.
  5. ULAP-Platz, Berlin-Mitte. Rehwaldt Landschaftsarchitekten.

Koordinaten: 52° 31′ 23,2″ N, 13° 21′ 54,3″ O