Uchtspringe

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Koordinaten: 52° 32′ 22″ N, 11° 35′ 49″ O

Uchtspringe
Stadt Stendal
Wappen von Uchtspringe
Höhe: 63 m
Fläche: 10,74 km²
Einwohner: 1416 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte: 132 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39576
Vorwahl: 039325
Uchtspringe (Sachsen-Anhalt)
Uchtspringe
Uchtspringe
Lage in Sachsen-Anhalt

Uchtspringe ist ein Ortsteil der Kreisstadt Stendal in Sachsen-Anhalt, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stendaler Ortsteil liegt am Übergang von der Altmark im Norden und der Colbitz-Letzlinger Heide im Süden an der Quelle des Flüsschens Uchte. Rund einen Kilometer nördlich von Uchtspringe verlaufen in Ost-West-Richtung die Bahnstrecke Berlin–Lehrte, die Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin und die Bundesstraße 188. Uchtspringe liegt zwischen Gardelegen im Westen und der ursprünglichen Stadt Stendal im Osten, die rund 25 Kilometer entfernt ist. Der Ort ist geprägt vom Salus-Fachklinikum Uchtspringe und dem Landeskrankenhaus für Forensische Psychiatrie.

Kirche in Uchtspringe

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor Gründung des Fachklinikums hieß die damals unbedeutende Gemeinde Modderkuhl. Der Name wurde anlässlich der Gründung des Klinikums geändert. Sowohl der alte als auch der neue Name weisen auf das im Ort liegende Quellgebiet der Uchte hin (Uchtspringe = Ort, in dem die Uchte entspringt). Bis 1888 war Modderkuhl ein Mühlengut, seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Müller- und Mühlenbauerfamilie Knackmussen. Mit zunehmender Industrialisierung geriet das Mühlenwesen in eine Krise und Modderkuhl wurde verkauft. 1894 wurde das heutige Fachklinikum als „Landes-Heil- und Pflege-Anstalt“ gegründet.

Mit dem Bau der Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin in den 1990er Jahren wurde die Bahntrasse nördlich um Uchtspringe herumgeführt, um eine wechselseitige Störung mit dem Fachklinikum Uchtspringe auszuschließen.

Bis zum 31. Dezember 2009 war Uchtspringe eine selbstständige Gemeinde mit den zugehörigen Ortsteilen Börgitz und Wilhelmshof.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Uchtspringe am 3. Juni 2009 die Eingliederung in die Stadt Stendal. Der Eingemeindungsvertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[1]

Nach der Eingemeindung der bis dahin selbstständigen Gemeinde Uchtspringe wurden Uchtspringe, Börgitz und Wilhelmshof zu Ortsteilen der Stadt Stendal. Gleichzeitig wurde die Ortschaftsverfassung nach den §§ 86 ff. der Gemeindeordnung Sachsen-Anhalts eingeführt. Uchtspringe wurde mit den Ortsteilen Uchtspringe, Börgitz und Wilhelmshof zu einer Ortschaft der aufnehmenden Stadt Stendal. Diese verfügt über einen Ortschaftsrat mit neun Mitgliedern einschließlich Ortsbürgermeister.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es verkehren Linienbusse der Regionalverkehr Westsachsen (RVW) unter dem Markennamen stendalbus. Der Bahnhof Uchtspringe liegt an der Bahnstrecke Berlin–Lehrte. Der alte Uchtspringer Bahnhof lag im Nordwesten des Ortes. Er wurde etwa 1997 aufgrund des Neubaus der Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin geschlossen und dafür ein Haltepunkt Uchtspringe nördlich des Ortes errichtet, der meist im Stundentakt von Regionalbahnen der DB Regio (Elbe Saale Bahn) bedient wird.

Die Bundesstraße 188 (Wolfsburg–Gardelegen–Stendal) verläuft einen Kilometer nördlich von Uchtspringe.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grabstätten auf dem Ortsfriedhof für 66 KZ-Häftlinge, die im April 1945 aus einem Transportzug aus einem Außenlager des KZ Neuengamme herausgeworfen und in einem Massengrab verscharrt wurden, bevor sie auf alliierten Befehl auf dem Friedhof begraben wurden

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Uchtspringe war Siegmund Löser.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. April 2008 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten von Silber und Blau, vorn ein halber golden bewehrter schwarzer Adler am Spalt, hinten ein silberner Äskulapstab mit goldener Schlange.“[2]

Die Symbolik nimmt Bezug auf die Gründung des Ortes, der unmittelbar mit dem Fachkrankenhaus verbunden ist. Vor Gründung der Nervenheilanstalt durch den preußischen Staat hieß die damals kaum bekannte Gemeinde Modderkuhl. Die 1894 eingeweihte „Provinzial-, Heil- und Pflegeanstalt“ Uchtspringe und der 1909 gegründete Ortsteil Wilhelmshof vereinigte sich erst im 20. Jahrhundert mit dem 1270 erstmals urkundlich erwähnten Ort Börgitz - einer slawischen Ortsgründung - anlässlich der Gründung der Anstalt zum heutigen Uchtspringe. Die Namen Modderkuhl (niederdeutsch für „Schlammmulde“) und Uchtspringe weisen auf das im Ort liegende Quellgebiet der Uchte hin. Die Gründung der Klinik auf Veranlassung der preußischen Staatsregierung wie die Klinik selbst drücken sich im Wappen durch den schwarzen Adler (Preußenadler) sowie durch den Äskulapstab (Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes aus der griechischen Mythologie) aus.[3] Die Farben Uchtspringes sind Blau - Silber (Weiß).

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist Blau - Weiß (1:1) gestreift (Querformat: Streifen waagerecht verlaufend, Längsformat: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Ortswappen belegt.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Heinz Pahling (1927–1999), Streikführer beim Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR und Uchtspringer
  • Elvira Manthey (* 1931), „Euthanasie“-Überlebende [4], Autorin des Buches Die Hempelsche

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Bauke, Bernd Plettke: Börgitz, Uchtspringe, Wilhelmshof, Schnöggersburg. Geiger-Verlag, 1999, ISBN 3-89570-524-1.

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amtsblatt des Landkreises Nr. 20/2009, S. 277–279 (PDF; 1,4 MB)
  2. Amtsblatt des Landkreis Nr. 8/2008, S. 60 (PDF; 191 kB)
  3. Jörg Mantzsch: Das Wappen der Gemeinde Uchtspringe, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, hinterlegt beim Landkreis Stendal 2008
  4. http://www.tagesspiegel.de/zeitung/die-mordmaschine/7010080.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]