Udo Rauchfleisch

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Udo Rauchfleisch (* 25. September 1942 in Osnabrück) ist ein Schweizer Klinischer Psychologe, Psychotherapeut der Fachrichtung Psychoanalyse.

Rauchfleisch studierte von 1962 bis 1967 an den Universitäten Universität Kiel und Lubumbashi Psychologie und schloss mit dem Diplom ab. Von 1967 bis 1970 war er als Klinischer Psychologe am Landeskrankenhaus Schleswig tätig. 1970 promovierte er in Kiel. Von 1970 bis 1999 war Rauchfleisch als Klinischer Psychologe an der Psychiatrischen Universitätspoliklinik Basel tätig. Von 1971 bis 1981 ließ er sich am Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft in Freiburg im Breisgau als Psychoanalytiker ausbilden. 1978 wurde er an der Universität Basel habilitiert und zum außerordentlichen Professor für Klinische Psychologie berufen. 1970 bis 1999 arbeitete er als Leitender Psychologe an der Psychiatrischen Universitätspoliklinik Universitätsspital Basel und seit 1999 zunächst neben der Professur in privater Praxis für Psychotherapie und Beratung.[1] 2007 wurde er emeritiert und ist seitdem weiter in seiner Praxis tätig.

Seine psychotherapeutische Arbeit mit Delinquenten bzw. dissozialen Patienten beschreibt Rauchfleisch so: „Eine wesentliche Neuorientierung gegenüber der Psychotherapie anderer Patientengruppen muß schließlich auch im Hinblick auf den Einbezug der sozialen Dimension erfolgen. (...) Daraus ergibt sich, daß ein therapeutisches Setting, wie ich es in der Behandlung von Straffälligen indiziert halte, eine kritische Reflexion des eigenen Berufsverständnisses erfordert. (...) Tatsächlich verstehe ich mein Behandlungskonzept als eine Art ‘psychoanalytische Sozialarbeit’ oder ‘sozialarbeiterische Psychoanalyse’“ Häufig müsse man in der Psychotherapie mit Straffälligen Grenzen setzen, müsse sich von diesen Klienten in einer ganz persönlichen Weise herausfordern lassen und dürfe sich nicht scheuen, auf die Einhaltung gewisser Rahmenbedingungen zu bestehen. [2]

Neben Theorie und Praxis der Psychoanalyse gibt Rauchfleisch als Forschungsthemen Dissoziale/antisoziale Persönlichkeiten, Gewalt, Testdiagnostische Methoden, Musikpsychologische Themen, Grenzgebiete Psychologie – Theologie, Homosexualität und Transsexualität – Transidentität an.

Er war Mitglied der interkantonalen Fachkommission zur Beurteilung der Gemeingefährlichkeit von Straftätern der Kantone Solothurn, Basel-Landschaft und Basel-Stadt Projektleiter des Psychiatriekonzepts Basel-Stadt, Präsident der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Interkulturelle Psychiatrie“, Mitglied des Departements Psychiatrie Basel-Stadt und Mitglied der Kommission „Integration“ Basel-Stadt. Lehrtätigkeit übte er auch am Psychoanalytischen Institut Basel, am Ausbildungszentrum für Psychoanalytische Psychotherapie aus.[3]

2011 war er einer von drei Preisträgern des Wissenschaftspreises der Margrit-Egnér-Stiftung, der unter dem Motto Interpretation und Bedeutung stand.[4]

Rauchfleisch hat selber ein Coming-out erlebt. «Es war ein Entwicklungsprozess über viele Jahre, bis ich meine Homosexualität offen leben konnte», Er ist Vater von drei Kindern und mehreren Enkelkindern und habe zu seiner ehemaligen Ehefrau einen sehr engen Kontakt.[5]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rauchfleisch führt auf seiner Webseite 75 Bücher bzw. Buchbeiträge, 186 Zeitschriftenbeiträge sowie 144 Publikationen in Herausgeberwerken, Enzyklopädien oder Handbüchern auf, die seiner Feder entstammen.[6] Unter anderem sind das:

  • Kinderpsychologische Tests. Ein Kompendium für Kinderärzte. Enke, Stuttgart 1991; Thieme, Stuttgart 2001, ISBN 3-13-126533-7.
  • Begleitung und Therapie straffälliger Menschen. Grünewald, Mainz 1991; 4. Auflage: Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-525-40129-3.eingeschränkte Vorschau
  • Menschen in psychosozialer Not. Beratung, Betreuung, Therapie (Sammlung Vandenhoeck). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996; 2. Auflage 2004, ISBN 978-3-525-01431-8.
  • Außenseiter der Gesellschaft. Psychodynamik und Möglichkeiten zur Psychotherapie Straffälliger. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, ISBN 3-525-45843-6.
  • Robert Schumann. Eine psychoanalytische Annäherung (Sammlung Vandenhoeck). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, ISBN 3-525-01627-1.
  • TranssexualitätTransidentität. Begutachtung, Begleitung, Therapie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006; 5. Auflage 2016, ISBN 978-3-647-46270-7.
  • Mein Kind liebt anders. Ein Ratgeber für Eltern homosexueller Kinder. Patmos, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-8436-0212-9.
  • Anne wird Tom – Klaus wird Lara. Transidentität/Transsexualität verstehen. Patmos, Ostfildern 2013, ISBN 978-3-8436-0427-7.

Neben wissenschaftlicher Literatur hat er 2017 auch zwei Kriminalromane veröfentlicht: KILL Der Tod der Medea[7] sowie Mord unter netten Leuten, der dies fortsetzt als weiteren Fall des schwulen Basler Kommissars Jürgen Schneider[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richtungs-Konflikt im Gemüts-Spital auf archiv.onlinereports.ch
  2. RAUCHFLEISCH, U. (1993). Die ambulante Behandlung von Straffälligen - eine Herausforderung für den Psychotherapeuten. In LEYGRAF, N., u. a. (Hrsg.), Die Sprache des Verbrechens. Wege zu einer klinischen Kriminologie. Festschrift für Wilfried Rasch. Kohlhammer, 284-289.zit. nach Studien und Materialien zum Straf- und Maßregelvollzug herausgegeben von Friedrich Lösel, Gerhard Rehn und Michael Walter Band 8 S. 39–41
  3. Portrait auf udorauchfleisch.ch
  4. Themen und Preisträger 2011 auf magritegner.ch
  5. Tandem-Gast - Udo Rauchfleisch: «Es gibt mehr Transmenschen als man annimmt» SRF.ch vom 10. Oktober 2017
  6. Alle Publikationen auf udorauchfleisch.ch
  7. Rauchfleisch, Udo: Der Tod der Medea auf queerbooks.ch/
  8. Udo Rauchfleisch: Mord unter lauter netten Leuten Kommissars Jürgen Schneider 2 Himmelstürmer Verlag ISBN=978-3-86361-656-4